Cambodia · 18 Days · 17 Moments · February 2018

Weltenbummel Kambodscha


18 March 2018

An unserem letzten Tag in Koh Kong machten wir einen Ausflug zu den Ta Tai Wasserfällen. Die Strecke dorthin vollstrecken wir mit unserem klapprigen Roller von den Tagen zuvor. In der Regenzeit kann man die Wasserfälle nur aus der Distanz besichtigen, da sich dann ein reissender Strom über die Felsen ergiesst. Zu dem Zeitpunkt als wir dort waren, floss wenig Wasser, so dass wir an den Steinterassen und in den poolartigen Becken baden konnten. Auch hier sahen wir keine touristischen Badegäste, sondern nur Einheimische. Ein Grund dafür könnte die "Zugangstrasse" sein, die mehr einem Trampelpfad als einer Straße ähnelt und die wir nur mit viel Mühe und Schweiß bezwingen können. Nach einer ausgedehnten Erfrischung im kühlen Nass, fuhren wir den Weg zurück mit dem Gesicht gen Himmel. Es zog ein Unwetter auf und wir hofften noch rechtzeitig zurück zu kehren. Gerade so hat es noch gelangt und wir konnten noch garnicht ganz glauben, dass wir morgen schon in Thailand sein würden. 😀

17 March 2018

Am nächsten Tag besuchten wir den Strand von Koh Kong. Auf dem Weg dahin fahren wir durch weiteres Mangrovengebiet. Das Wasser hier hat ungefähr Badewannentemperatur. Doch leider ist das Wasser voller Plastikmüll, also beschließen wir uns nur zu sonnen. Es befinden sich gerade einmal zwei andere ausländische Besucher am gesamten Strandabschnitt, sonst sind weit und breit nur einheimische Khmer zu sehen. Die Einheimischen baden hier in voller Montur, mit Jeanshose und Jacke. Auf Liegen halbnackt in der Sonne zu brutzeln, würde ihnen im Traum nicht einfallen. Vielleicht fallen wir deshalb etwas auf und werden beim Sonnenbaden penetrant angeschaut. Als einer sein Handy zückt und Bilder von uns herumliegenden machen möchte, reicht es uns und wir ergreifen die Flucht. Mhhh der Anblick von Ausländern ist für die Menschen hier tatsächlich noch kein gewohnter Anblick.

15 March 2018

Koh Kong an sich hat zwar relativ wenig Sehenswürdigkeiten zu bieten, die Umgebung dafür umso mehr. Unseren ersten Ausflug widmeten wir dem Peam Krasop Nationalpark, mit seinen großen Mangrovenwäldern, welche die komplette süd-östliche Halbinsel bedecken und Lebensraum für hunderte seltene Tiere und Pflanzen, wie beispielsweise dem Irawadi Fluss Delfin, bietet. Diese Mangroven Wälder sind die umfangreichsten ganz Südostasiens. Nach einer 7 km langen Fahrt mit dem klapprigsten Roller den wir je gesehen haben, erreichen wir den Eingang zu dem 2 km langen Holzplanken Weg, welcher durch die Mangroven über eine wackelige Hängebrücke hin zu einem Aussichtspunkt führt. Der Eintritt kostet 5000 Riel, was ungefähr einem Euro entspricht. Die Atmosphäre in den Mangroven hat was Bedrückendes. So ist es, abgesehen von vereinzelten Vogelschreien und dem Gluckern des Sumpfes, beunruhigend still und die Luft ist geschwängert mit dem Geruch jahrhundertealter verwesender, vor sich hinmodernder Pflanzen.
Weitere Impressionen der Mangroven.

14 March 2018

Wir sind sehr zufrieden mit der Wahl nach Koh Kong gereist zu sein. Koh Kong ist eine staubige süße Kleinstadt, acht Kilometer von der thailändischen Grenze entfernt. Hier leben gerade einmal 30.000 Einwohner, ähnlich wie Daheim in Backnang und auch auf den Straßen ist nicht viel los. Wir finden es hier total idyllisch und schön, auch wenn es hier keine herkömmlichen Sehenswürdigkeiten gibt, ist uns das Eintauchen in das Leben der Khmer Sehenswürdig genug. Wir freuten uns, dass der Tourismus in der Stadt noch keinen Fuß gefasst hat, so sind wir hier nahezu alleine mit den Einwohnern. Koh Kong heißt hier die Stadt, gleichzeitig aber auch die Provinz in der Koh Kong Stadt liegt und auch eine Insel die im angrenzenden Golf von Thailand liegt, verwirrend. Wir hatten beschlossen in Kambodscha nicht zu viele Stopps zu machen, da das ständige weiterreisen sehr viel Kraft kostet und wir es mögen einen Ort richtig kennen zu lernen. Deshlab wird Koh Kong der letzte Halt in Kambodscha sein.

11 March 2018

Wir hatten eine wunderbare Zeit in Siem Reap und blieben deutlich länger als gedacht. Nun stand die nächste Gegend an und wir machten uns auf zur Weiterreise. Über die Nacht fuhren wir Elf Stunden, bis unser Bus morgens um Fünf anhielt. Keiner sagte uns wo wir sind und zuerst auch nicht, dass wir aussteigen müssen. Männer standen vor unserem Bus und erzählten uns, dass wir jetzt zum Office müssten um dort das " richtige" Ticket für die Weiterfahrt zu kaufen. Da ist natürlich wieder eine Abziehermasche und wir winken dankend ab. Nach kurzer Orientierungphase fanden wir heraus, dass wir uns in Sihanoukville befinden und unser Bus zu unserem Zielort Koh Kong, erst später fährt. Da uns keiner sagen kann wie viel später, warteten wir vor Ort und konnten so die Menschen die hier im ausgetrockneten Brunnen wohnen, beim aufstehen und ihrer Morgenroutine beobachten. Nach drei Stunden Warten konnten wir endlich weiter fahren und sind sehr glücklich als wir an endlich unserem Zielort ankommen.

9 March 2018

Ok, nicht mal zwei Tage hat es gedauert und wir standen doch schon wieder vor dem nächsten Tempel.😂 Die Tempelanlage Beng Mealea („Lotusteich“) liegt im Nordosten von Siem Reap und rund 60 km vom Archäologischen Park Angkor entfernt. Der Tempel war bis 2001 stark vermint, mittlerweile ist er aber sicher und mehr und mehr strömen Touristen hierher, um die morbide Schönheit der Tempelruinen im Urwald zu bewundern. Die Tempelanlage von Beng Mealea wurde mit Sicherheit fast zeitgleich zu Angkor Wat, also zu Beginn des 12. Jahrhunderts errichtet. Nach 2 Stunden durchrüttelnder Fahrt im Tuk Tuk, kommen wir endlich an. Der Tempel ist ein einziger Wald. Bäume wachsen aus Tempeltürmen heraus, Kletterpflanzen umschlingen Wände und Säulen, und Flechten bedecken die Steine. Es erscheint fast noch labyrinthischer und myteriöser als Ta Prohm, da nichts restauriert wurde.

7 March 2018

Kaum ein anderer Tempel in Angkor hätte eine bessere Kulisse für den Film "Lara Croft: Tomb Raider" abgeben können als der Ta Prohm. Halb verfallen und vom Urwald überwuchert, haftet dem Ta Prohm Mystisches an. Die riesigen Wurzeln der Kapokbäume umklammern Mauern und Tempelgebäude seit Jahrhunderten und haben sie größtenteils zerstört. Errichtet wurde der Tempel Ta Prohm Ende des 12. Jahrhunderts von dem großen Khmer-König Jayavarman VII. Er ließ die sakrale Anlage zu Ehren seiner Mutter erbauen. Der eigentliche Tempel umfasst eine Fläche von ca. einem Hektar und ist mit schönen Reliefs und Figuren aus Stein verziert. In den Höfen des Ta Prohm entdeckt man viele sehenswerte Details, die sowohl an die buddhistische als auch an die hinduistische Mythologie erinnern. Fix und foxi fährt uns unser Tuk Tuk Fahrer nach Haus und wir stellen dort fest, das wir die eigentliche drei Tages Tour an nur einem absolviert haben. Tempel haben wir für die nächsten Tage genug gesehen. 😀
Wir halten am Tempel Ta Keo. Der Name Ta Keo bedeutet zu deutsch „Altes Kristall“, dementsprechend wurde er „Kristall-Tempel“genannt. Unter allen Khmertempeln ist Ta Keo der einzige Rohbau und zeigt in großer Unmittelbarkeit die Sorgfalt, mit der die Steinquader fast fugenlos aufeinander geschichtet wurden. Max kletterte die massiven Stufen hoch und Jüli freute sich unten zu bleiben und Fotos zu schießen. 😄 Danach hielt unser Tuk Tuk Fahrer an zwei gegenüberliegenden Tempeln, dem Thommanon und dem Chau say tevoda. Die Besichtigung fiel relativ kurz aus, da beide Tempel sehr klein und übersichtlich gehalten sind. Wir waren darüber nicht übermäsig traurig, da wir langsam doch die Anstrengung des Tages spürten und wir bemerkten, dass wir vor lauter Tempelfieber völlig unser Mittagessen vergessen hatten. Da aber nur noch ein Tempel auf unserer Liste steht, ziehen wir weiter und verzichten aufs teure Mittagessen auf dem Tempelareal.
Nach dem Baphuon Tempel entscheiden wir uns, durch ein kleines Waldstück zu laufen, um weiter zu den nächsten Tempeln zu gelangen. Wir genossen das Menschenleere Areal und gingen unter Alten Torbögen und an knorrigen uralten Bäumen entlang. Zum Glück entschieden wir uns für diese Route!😀 Der erste Tempel den wir hier erblickten, war der treppenartig geformte Phimeanakas. Wir fragen uns immer wieder, wie es vor Hunderten von Jahren wohl gewesen war, als noch reger Betrieb herrschte und die Bauten noch vollständig waren. Auf einer Lichtung erblickten wir den nächsten Tempel den Preah Palilay. Auch hier hat sich die Natur, von dem Steingebäude nicht beirren lassen und es wachsen riesige Bäume vor und auf dem Tempel. Wir folgen unserer Nase nach und kamen an einer Straße heraus, neben der ein großer Platz mit Parkplätzen für die vielen Tuk Tuk Fahrer war. Hier wartet auch schon unser Easy-Rider und schon gehts weiter mit ihm, zu unseren nächsten Stopps.
Und weiter geht's. Als nächstes besuchen wir den Tempel Baphuon, welcher auch Shiva-Tempel genannt wird, da er zu Ehren des Hindu-Gottes erbaut wurde. Noch in den Jahren 1296–1297, kurz nach dessen Erbauung, war der chinesische Diplomat Zhou Daguan von diesem Bauwerk so beeindruckt, dass er schrieb: „Etwa ein Li (eine chinesische Meile oder einen halben Kilometer) nördlich des goldenen Turms (des Bayon) befindet sich ein bronzener Turm (der Baphuon). Er ist sogar höher als der goldene Turm und ein herrlicher Anblick.“ Auch wir finden den An und Ausblick prima und beschließen hier erstmal eine kleine Pause einzulegen. Die Hitze macht uns doch mehr zu schaffen als erwartet, zumal es abgesehen von den Tempeln direkt, wenig bis keinen Schatten gibt. Doch wir sind noch lange nicht am Ende des Tages angelangt.
Mittlerweile ist die Hitze des Tages schon fast unerträglich und schon jetzt, gegen 10 Uhr morgens, brütend heiß. Nach Angkor Wat ist nun Angkor Thom an Der Reihe. Angkor Thom (bedeutet soviel wie Große Stadt) war die letzte Hauptstadt des Angkor-Imperiums. Das erste Bauwerk ist der Bayon Tempel. Der Schweiß läuft in Strömen, wir lechzen nach Wasser. Doof das wir unseres im Tuk Tuk liegengelassen haben- da müssen wir wohl durch.😅 Wir sind aufjedenfall total beeindruckt von der immensen Pracht dieser Tempelstadt, dem größten Sakralen Bau der Welt, in der die Khmer-Herrscher vor 1000 Jahren gottgleich verehrt wurden. Mystisch und geheimnisvoll wirken die fremdartigen Fresken und Reliefs, welche Szenen aus der hinduistischen Mythologie, berühmte längst vergessene Schlachten, sowie Szenen aus dem Herscheralltag zeigen. Es ist schwierig zu beschreiben wie man sich im Schatten dieser Anlagen fühlt. Jedenfalls ist das mit keinem bisher besuchten Bauwerk in Europa vergleichbar...
Von außen führt eine Brücke den Besucher über den 200 m breiten Wassergraben zur äußeren Mauer. Hier lebte der Hofstaat, der in der Blüte Angkors bis zu 20.000 Menschen betrug. Einige der steinernen Bauten wie die Bibliothek sind noch erhalten. Der eigentliche Tempel den man nach Durchquerung des Stadttors erreicht, wurde im 12. Jahrhundert als Mausoleum für König Suryavarman II erbaut. Angkor Wat symbolisiert den heiligen Berg Kulen, auf dem laut hinduistischem Glauben die Götter hausten. Zur Zeit seiner Erbauung war der Hinduismus noch Staatsreligion der Khmer, erst später wurde der Buddhismus zur Staatsreligion im heutigen Kambodscha. In den Jahren 850 bis 1200 war die Region Herrschaftszentrum des historischen Khmerreiches und gilt nach neuesten archäologischen Forschungen als größte Stadt der vorindustriellen Zeit mit bis zu einer Million Bewohnern auf einer Fläche von etwa 1000 km² (Vergleich New York etwa 900 km²).
Nach Tagen des Müßiggangs, rafften wir uns endlich auf für den großen Tempelwahnsinn. Wir holten uns einen Tuk Tuk Fahrer mit ins Boot, da das Angkor Areal über 200 km² groß ist, sodas man ohne Fahrer, der einen von einem Tempel zum nächsten fährt, aufgeschmissen wäre. Am morgen holte unser Easy-Rider uns dann schließlich vor unserem Hotel ab und wir fuhren erstmal zur großen Ticketstelle, welche sich auf der riesigen Zufahrtstrasse zu Angkor Wat befand. 60 Dollar Eintritt, für drei Tage sind zwar kein Pappenstiel, aber das Geld sorgt sowohl für den Erhalt dieser Kultstätte der Superlative, als auch für massenhaft Arbeitsplätze in der Region. Auf unserem Dreitagespass prangt neben einer ID-Nummer sogar ein Konterfei von unsereinem. Wir haben uns eine gute Uhrzeit für den bekanntesten Tempel Angkor Wat ausgesucht. Zu spät für die Sonnenaufgangs-Photographen, jedoch zu früh für die riesigen chinesischen Reisegruppen. Somit war es besser als erwartet, was die Besucherströme angeht. 😄

6 March 2018

Auch am nächsten Tag gingen wir es eher gediegen an und genossen unser wunderschönes Hostel und das gute Wetter. Die Krönung des Tages, war der Besuch bei dem symphatischen niederbayrischen Vollblut-Rock'n'Roller Ritchie Newton im Bavaria Restaurant, welches er gerade frisch eröffnet hatte und etwas außerhalb der Stadt lag. Nach einem 40-minütigen Fußmarsch, sahen wir den Biergarten und die bayrische Deko schon von weiters weg. Wir freuten uns sehr, nach vier Monaten endlich mal wieder Spätzle und ordentlichen Salat essen zu können. Zum Schluss gab's noch ein Paulaner Hefeweizen und dazu die Lebensgeschichte von Wirt Ritchie. Er erzählte uns, dass erst zwei Wochen vorher der Sender Vox bei ihm war und sie über ihn eine Folge für Goodby Germany - die Auswanderer gedreht hatten. Zurück im Hostel schauten wir uns das erstmal an. Sauber! 😊 Auf dem letzten Bild seht ihr die "Pupstreet", welche übrigens sehr eindrucksvoll beweist, dass Siem Reap doch auch Kambodscha's Touri Hochburg ist.

4 March 2018

Wieder reisten wir mit dem Bus weiter und kamen nachmittags am 03.03.18 in Siem Reap (bedeutet übrigens soviel wie "Niederlage der Siamesen) an. Jüli's Freundin Nici aus Heidelberg ist in der Stadt und wir wollten uns treffen. Abends war es dann so weit und wir verabredeten uns auf ein "Cambodia" in Apoas Rock Blues Metal Bar, wo der nette Freiburger Metalhead Gerry uns den ein oder anderen Schnaps kredenzte. Nach etlichen Runden Jägermeister und vielen lustigen Gesprächen treten wir etwas angetrunken, den Rückweg mit dem Tuk Tuk an. Am nächsten Tag ging es uns dementsprechend nicht ganz so gut und wir entschlossen uns einen Tag der Besinnung am Pool einzulegen. Da es Nici und Marco ähnlich ging, zogen sie in unser Hostel um und wir verbrachten zusammen den ganzen Tag im seichten Wasser, mit Planschen und Wasserpirouetten.

1 March 2018

Von der vietnamesischen Stadt Ho Chi Minh fahren wir innerhalb von sechs Stunden in die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh. Der Grenzübergang verläuft zügig und einfach. Wir müssen nur durchlaufen, alles andere hat vor Ort unser Busfahrer gemanagt, es gibt weder Kontrollen noch sonst irgendwelche Fragen. Sehr easy! In Phnom Penh wollten wir nur für zwei Tage bleiben, um die Killing Fields und das Folter-Museum S21 (Nein, das hat nichts mit dem Stuttgarter Bahnhof zu tun 😀) zu besichtigen. Leider konnten wir unseren Plan nicht umsetzen, da Max eine leichte Lebensmittelvergiftung bekam und wir für unsere Weiterreise schon ein Busticket gekauft hatten. Aber halb so schlimm, wir sind nicht übermäßig traurig, dass wir diesen Ort verlassen. Phnom Penh ist doch schon ein ziemlich abgefuckter Ort, der sehr vermüllt ist. Hier wird einem schnell bewusst, dass Kambodscha eins der ärmsten Länder der Welt ist. Gepaart mit seiner Geschichte bekommt man hier schonmal Gänsehaut...

28 February 2018