Japan · 5 Days · 22 Moments · September 2018

Tokio Japan 2018


18 September 2018

Leider müssen wir heute aufbrechen. Mit dem Shuttlebus fahren wir in rund 1.5 h zurück an den Flughafen. Wir schliessen den Tokiobesuch mit einem letzten japanischen Essen, gegrilltem Aal und klassischen Fisch- und Gemüse-Tempura. Den Reiswein lasse ich angesichts des Fluges bleiben. Dann nehmen wir die S7 nach Wladiwostok (russische Fluggesellschaft 😉).

17 September 2018

Es geht natürlich nicht, dass wir abreisen ohne in einer richtigen Sushi Bar gewesen zu sein. Eine bekannte Sushi Fast Food Bar gibt es zB in der nähe der Shibuya Crossing, die Uobei Genki Sushi. Natürlich muss man um die Abendessenszeit warten, dafür gibt es beim Eingang Sitzplätze. Danach bekommt man eine Art Batch und eine Sitzplatznummer. Dort mal Platz genommen kann man nach Lust und Laune bestellen, max. aber drei Schalen pro Mal. Schon kurz nach der Bestellung rauscht das Essen auf einem Tablett auf einer der drei Bahnen zum richtigen Platz. Getränke, wie mein heisser Sake, werden per persönlicher Bedienung geliefert, Tee kann man direkt vor Ort selbst zubereiten. Am Schluss wird alles am Ausgang bezahlt. Sushi essen quasi als Freizeiterlebnis: Wer hat am Schluss den höheren Tellerchenstapel?
Und dann liessen wir es uns doch nicht nehmen, die Shibuya Crossing auch noch in der Rush hour zu erleben. Schon ein faszinierednes Schauspiel, wenn de leere Kreuzung plötzlich von allen Seiten mit Menschen geflutet wird, die sich chaotisch vermischen bis auch der letzte wieder von der Strasse verschwunden ist, die Kreizung für wenige Momente wieder leer ist, und die Autos danach wieder über die Kreuzung steuern.
Für den Weg ins lebhafte Zentrum von Shibuya bzw. zum Bahnhof nehmen wir für einmal den Bus. Man beachte: nicht nur Zugführer und Taxifahrer, auch Busfahrer/innen, Einweiser, Polizisten, uvam (und wie wir verwundert festgestellt haben auch Lastwagenfahrer) tragen weisse Handschuhe während der Arbeit. Aber das sollte in Tokio schon fast nicht mehr verwundern. Einen sauberere Stadt haben wir noch nie erlebt. Selbst die Treppen der Metro wurden am Abend gestaubsaugt🙄. Praktisch ist, dass die Pasmo-Karte (oder die Suica-Karte), die wir für die Metro (für 500¥ Gebühr) gekauft haben, auch für die Busse verwendet werden kann. Selbst bei kleinen Geschäften oder am Automaten kann damit bezahlt werden. Die Karte kann zudem unter Rückzahlung des verbleibenden Guthabens inkl. Gebühr (!) am Ende des Aufenthalts (zB bei der JR-Station am Flughafen) zurückgegeben werden. Wirklich praktisch und zu empfehlen.
Wir können nur bestätigen: Tokio ist eigentlich eine Ansammlung verschiedener, ganz unterschiedlicher Städte auf engem Raum. Jede hat ihre Eigenheiten und Charakteristika. Wie begeben wir uns nochmals ins Shibuya-Quartier, besuchen vor allem kleinere Läden, die schöne Haushalt- und Gebrauchsgegenstände haben. Man könnte hier, mit dem notwendigen Kleingeld, Koffer füllen. Es gibt sie in den Gassen nördlich der Aoyama dori, aber auch südlich davon. Die Gegend gehört sicher zu den nobleren Tokios. Selbst in unscheinbaren und fast trostlos wirkenden Wohnblöcken am Rand des Quartiers weist die unterste Etage superedle Kleinstläden mit edelsten Mode-Artikeln oder Töpferwaren, die nahe oder fliessend in Kunstgegenstände übergehen, auf.

16 September 2018

Auf der andern Seite des Gartens liegt der kaiserliche Palast mit der berühmten Nijubashi-Brücke. Auch hier gibt es keinen näheren Zugang zu den Palastgebäuden. Durch das Sakurada Tor gehen wir müde zurück zum Hotel.
Nun nähern wir von Süden dem Kaiserlichen Palast und durchqueren den Kōkyo Gaiden Nationalgarten, der seit 1948 der Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Japanischen Schwarzkiefern (Pinus Thunbergii) kontrastieren hervorragend mit der dahinter liegenden Skyline von Tokyo mit modernsten Geschäfts- und Bankhäusern von Marunouchi, dem modernen Machtzentrum der Hauptstadt. Kaum einer weiss, dass das gesamte Viertel zwischen Garten und Bahnhof dem Mitsubishi-Konzern gehört. Für wenige Tausend Pfund, zwar damals eine recht hohe Summe, hatte einer der Gründer Mitsubishis der Meiji-Regierung das ehemalige Exerziergelände abgekauft und sich damit dem Spott der Geschäftswelt ausgesetzt, die das offensichtlich nutzlose Grundstück "Mitsubishi-Brachland" taufte...
Raucher sind in Japan eine ziemlich radikal unterdrückte Minderheit. Rauchen drinnen ist praktisch unmöglich, weil verboten. In unseren Hotel gibt es in jeder Etage ein kleines Zimmerchen für die Rauchenden. Draussen ist es nicht besser. Auf der Strasse weisen überall Schilder darauf hin, dass Rauchen (auch im Gehen) verboten ist. Ab und zu gibt es (meist) kleine Eckchen, in denen Aschenbecher stehen. Um sie zu finden, muss man schon ein Auge haben. Da und dort steht dann auch ganz verschämt ein Raucher in einem Toreingang ... Im Hibiya-Park geht man verhältnismässig grosszügig mit Rauchern um, am nördlichen Parkende haben sie eine eigens eingerichtete Raucherzone! Gedeckte Raucherplätzen haben wir sowieso keine angetroffen.
Hybiakoen Park während einer sonntäglichen Landwirtschaftsausstellung.
Nicht allzuweit entfernt vom Hauptbahnhof liegt ein weiteres Einkaufsquartier: Ginza. NB: Tokio ist eine Einkaufsstadt und die Tokioter fanatische Shopper. Ob nur heute Sonntag ist nicht ganz klar, aber die zentrale Chuo-dori ist autofrei. Es gibt Tische und Stühle auf der Strasse, aber die meisten flanieren hier einfach von Geschäft zu Geschäft. Hier und in den Seitengassen sind neben grossen Warenhäusern, wie an der Omoto-sande im Nordosten von Tokio, wiederum alle Modeketten und Marken von Rang und Namen auf dieser Welt vertreten.
Unser Hotel liegt eigentlich ganz in der Nähe des Kaiserpalastes. Wir möchten in die Nähe des Kaiserpalasts gelangen (mehr geht sowieso nicht), aber wir kommen von der falschen Seite, den von Westen gibt es keinen (offenen) Zugang. Also spazieren wir dem Palastgraben entlang nach Osten und besuchen der nördlichen Kitanomaru-Park, der der Öffentlichkeit zugänglich ist. Das Wetter ist aber trüb und der Park (zur Zeit) nicht ausnehmend attraktiv. Mit der U-Bahn gelangen wir dann zum Zentralbahnhof von Tokio, der aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts stammt . Der hübsche Backsteinbau wurde in den letzten Jahren mit einem schlichten, aber schönen und grossen offenen Vorplatz herausgeputzt.

15 September 2018

Auf einigen Strassen von Nezu hat es viel Verkehr. Dazwischen liegt aber ein äusserst ruhiges, enges, aber wegen der geringen Höhe der Häuser nicht erdrückendes Quartier. Hier liegen auch eine ganze Anzahl von Tempeln, und der Zufall will es, dass wir mitten in irgendwelche Zeremonienvorbereitungen geraten.
Beim Bahnhof Nippori schwenken wir wieder ins Quartier und kommen auf die Yanaka-Ginza. An dieser hübsche, durchaus nicht altmodischen „Quartier“-Einkaufsstrasse hat es viele kleinen lokale Läden, die feinste Esswaren, schöne Haushaltsartikel, traditionelle Kleider, moderne Cafés und vieles andere mehr verkaufen. Uns ist die Gegend auf Anhieb sympathisch.
Der nachlassende Regen macht es möglich, dass wir einen Spaziergang vom Ueno-Park hinunter in die Quertiere Yanaka und Nezu machen. Die Gegend ist eher ein ruhiger, wenig hektischer Teil Tokios. Wir spazieren durch den grossen Friedhof von Yanaka, auf dem auch bekannte japanische Persönlichkeiten begraben liegen. Einmal mehr fällt auf wie stark Friedhöfe (weltweit) ein Abbild der jeweiligen Kultur bzw. deren Umgang mit den Toten und Ahnen ist. Am Ende des Friedhofs gelangen wir zu der attraktiven Tennoji-Tempelanlage mit einem schönen Buddha. Wir entdecken und erleben hier und in den anliegenden Strässchen ab und zu einen Hauch vom alten Tokio mit seinen Holzhäusern und engen Gässchen.
Regen ist nicht nur angesagt, er kommt auch. Also besuchen wir lieber mal ein Museum. Das Tokyo National Museum ist das älteste und grösste Museum Japans mit 110‘000 Exponaten in Form von Kunstwerken und archäologischen Fundstücken. Darunter sind wesentliche Nationalschätze und nationale Kulturgüter zu finden, wie Buddha Statuen, Schwerter, Rüstungen, Geschirr, Karten und Bilder, die zum Teil auch den Bogen in die Neuzeit spannen. Das Museum steht zentral im Ueno-Park, in dessen unmittelbarer Umgebung auch Tokios Zoo zu finden ist.

14 September 2018

Es muss nicht immer ein moderner Skytower sein. Tokyo hat ein Stadthaus mit Weit- und Übersicht, dessen Aussichtsterrasse auch der Öffentlichkeit (gratis) zur Verfügung steht: Vom 45. Stockwerk des Tokyo Metropolitan Government Office, bis 2007 das höchste Gebäude Japans, sind Blicke in (fast) alle Richtungen möglich, und das bis tief in die Nacht. Wenn das Wetter es will, soll der Blick sogar bis zum Fuji gehen. Grossartig!
Überquert man aus dem lebhaften Quertier die Eisenbahn gelangt man zum Park des Meiji-Jingu-Schreins. Trotz einer stattlichen Anzahl Besucher wirkt hier alles sehr gelassen und ruhig. Auf breiten Wegen schreitet man durch einen dunkeln Wald mit grossen alten Bäumen. Der Reform-Kaiser Meiji hat versucht, das Positive der westlichen Kultur mit dem Positiven der japanischen Kultur zu vereinen. Das war wohl nicht unerheblich auch dafür verantwortlich, dass auch heute noch die französische Kultur einen hohen Stellenwert in Tokyo / Japan hat. Obwohl die Tore, der Schrein und die zugehörigen Gebäude nicht besonders alt sind (ca. 100 Jahre) könnte man meinen, dass sie schon seit Ewigkeiten hier stehen. Zudem überzeugen sie durch eine unglaubliche Eleganz.
Fast überall kann man sich natürlich auch kulinarisch versorgen. Frankreich ist in Tokyo generell sehr hipp, Läden, die Crêpes, allerdings à la japonaise, verkaufen sind im Harajuku-Quartier besonders in. So alle 50 m gibt es einen. Da kann ‚man‘ natürlich nicht nein sagen.
Später wandern wir der Omote-sande Strasse entlang, an der alle Modemarken mit Rang und Namen vertreten sind. Dieser breite mit Bäumen gesäumte Boulevard führt direkt auf den Park mit dem Meiji-Schrein, einem der wichtigsten Schreine von Tokio. Interessanter noch sind aber die Querstrassen im Quartier Harajuku, zB die Cat Street, in der es Hunderte von kleinen modernen und/oder modischen Läden gibt. Hier tummelt sich vor allem die Jugend, um sich mit den neusten Trends einzudecken.
Unmittelbar südwestlich der Kreuzung liegt die Bahnstation Sibuya. In deren Untergrund gibt es ein riesiges Einkaufsmekka für Esswaren aller Art, wirklich aller erdenklicher Art. Diese Etage heisst ‚Tokyo Food Show‘ und ist definitiv keine Show, sondern jeden Tag Realität. Natürlich man man sich fragen, wie sinnvoll eine doppelt bis dreifache Verpackung von zwei makellosen Äpfeln oder Orangen ist. Schön dargeboten sind sie alle. Daneben erstaunt schon fast, dass die Preise durchaus annehmbar sind, gerade auch für Bentoboxen oder Sushi-Schachteln mit verschieben Sushi-Häppchen. Für unter 10 Franken (~ 1000¥) kann man sich gut verpflegen.
Das Wetter ist weiterhin trüb. Dennoch gegeben wir uns ins Shibuya Quertier, das vor allem mit vielen Modeläden beeindruckt. Erstaunlich wieviel Leute, v. a. junge hier schon am Morgen am Shoppen sind. Im Zentrum des Quartiers liegt die berühmte Shibuya Crossing, auf der jeweils Hunderte von Personen (man munkelt in Stosszeiten Tausende) miteinander in einem riesigen Chaos die Kreuzung überqueren (bekannt besonders seit dem Film Lost in Translation). Bei unserer Anwesenheit war es allerdings eine (knapp) überschaubare Anzahl Personen pro Sequenz.

13 September 2018

Ursula und ich treffen uns verabredungsgemäss in Tokio am Flughafen. Beide kommen pünktlich an, sie wartet auf mich am Terminal 1. Wir sind müde, wobei mein Vorteil ist, dass ich mit nur einer Stunde Zeitverschiebung zurecht kommen muss, Ursula aber mit 7. Das Wetter ist trüb-grau bis regnerisch, später gibt es einige Aufhellungen. Wir fahren mit dem Bus ins Stadtzentrum in die Nähe des sehr zentral gelegenen Hotels (Monterey Hanzōmon), wo wir noch wenige Meter zu Fuss gehen müssen. Wir stellen bereits auf der anderthalbstündigen Fahrt in die Stadt fest, dass wir hier mit anderen Dimensionen rechnen müssen. Allerdings: Ist dieser Eiffelturm (Tokyo Tower) nicht doch wesentlich kleiner als das Original in Paris 🤔? Mit einem Spaziergang durchs propere Quartier Hanzōmon, einem Kaffee im Starbucks 🤔, einem Essen beim unmittelbar an der nächsten Ecke gelegenen Thailänder 🤔🤔 beschliessen wir den ersten Tag in Japan.