Italy, Austria · 12 Days · 17 Moments · August 2018

Südtirol Bauernhof


17 August 2018

Wir lieben dich so sehr. An meinem Geburtstag machst du mir das schönste Geschenk von allen. Als ich dich ins Bett bringe sagst du „Tschüss Mama. Liebe dich“ in deinem Gesicht ein entwaffnendes Lächeln. Ich habe Tränen in den Augen und als du mein Glück siehst wiederholst du nochmal die Worte die mir Gänsehaut auf die Arme zaubern und mein Innerstes anrühren. Ob du wohl weißt was du da gesagt hast?! Nun fahren wir wieder dem Alltag entgegen. Wir nehmen viele schöne Erinnerungen mit, Momente des innehaltens und der ausgelassenen Freude, grandiose Landschaften die sich eingebrannt haben in unsere Netzhaut wie ein Foto, gute Gespräche und Reflexionen durch ein inspirierendes Paar und ein Band der Freundschaft das mit jedem gemeinsamen Moment stärker geworden ist. Wenn das kein geglückter Urlaub war :)
Wir erobern das Fichtenschloss mit seinen Rutschen und Türmen, fahren mit der „Dondeldaaahn“ und essen Kaiserschmarren und Zwetschgendatschi. Die Kinder schaukeln auf der Hüttenterrasse, planschen in der Salatschüssel und Gießen mit Hingabe das Gras. Klar, im Urlaub mit Kind ist irgendwie alles anders... nichts ist so richtig selbstbestimmt, alles wird nach dem Rhythmus der Zwerge ausgerichtet. Und doch hat durch sie alles einen ganz besonderen Zauber. Vielleicht geht es im Leben gar nicht darum „glücklich“ zu sein. Denn das Glück ist doch irgendwie ein ewig unerreichtes Ziel - in Momentaufnahmen Gast in unserem Leben, immer willkommen aber so flüchtig und unstet. Vielleicht geht es viel mehr um Sinnhaftigkeit, um Zufriedenheit und Verwurzelt sein. Und nichts kann das mehr geben als ein Kind. Als unser Kind. Wundervolles, fröhliches, großes, kleines, nerviges Mädchen.
Vier der fünf Hüttentage verbringen wir mit Astrid, Benni und Jakob. Die Kinder genießen die Natur, die Tiere und einander in vollen Zügen und auch wir erwachsenen haben eine richtig gute Zeit zusammen, gehen wandern (soweit man das mit kleinen Kindern so nennen kann ;), kochen, schlürfen leckeren Cappuccino vor der Hütte und haben gute Gespräche und viel zu lachen.
Nun geht es wieder nach Hause. Fünf wunderbare Tage haben wir auf der Hütte verbracht, diesem besonderen Ort, unserem zweiten Zuhause. Wenn man über die Kuhweide hinauf geht und dabei die Grashüpfer aufscheucht, wenn man dann vor der Hütte ankommt und sich umdreht und hinunterschaut ins Tal, wenn die Weite des Tals und die Größe der Berge einen plötzlich beklommen macht, wenn man dann tief einatmet, diese klare Bergluft atmet mit all ihren Gerüchen und Geräuschen... dann ist es, als wäre man genau da wo man gerade sein soll. Dann macht sich Ruhe breit im Herzen und Frieden in der Seele. Und für einen kurzen Moment bin sogar ich ganz im Moment, ganz in mir selbst angekommen.

11 August 2018

Am Nachmittag gehen wir ein letztes Mal hinauf zur Villanderer Alm. Ein Spaziergang zu den Ziegen, Enten und Hasen. Der Esel Molly dreht zum Abschied voll auf und rennt so wild durch das Gehege dass man Angst bekommt ob er wohl rechtzeitig vor dem Zaun zum stehen kommt. Dazu schreit er laut Iiii-Aaaah. Und wir mittendrin. Lina ist völlig begeistert vom verrückten Esel. Dann spazieren wir weiter zur Rinderplatz-Hütte und essen hier zu Abend. Ein letztes Mal Spielplatz mit Aussicht. Beim Abstieg um halb acht am Abend werden wir noch mit einem phantastischen Spektakel belohnt, die Berge leuchten im Schein der untergehenden Sonne märchenhaft.
Dann gehts mit der Gondel hinauf auf den Plose, den Hausberg von Brixen. Herrliche Aussicht auf die umliegenden Täler und schöne flache Wanderwege. Lina mag allerdings selber laufen heute und so kommen wir nur ein paar hundert Meter weit ;) Der Berg ist zudem etwas überlaufen und so machen wir uns nach dem Mittagessen wieder auf den Weg hinunter und spielen noch ein bisschen am Brunnen bevor wir uns auf den Heimweg machen. Auf jeder Autofahrt singt Lina fast ohne Unterlass. „Mama hex singen, Mama jabub singen, Mama Backe huchen, Mama kokodil singen“. Sie kennt so viele Lieder und es ist eine Freude ihr zuzuhören. Man erkennt tatsächlich auch alles :)
Gleich nach dem Frühstück machen wir uns auf zum Kloster Neustift. Ein wunderbarer Bau mit einer beeindruckenden Kapelle und schönem Kreuzgang. Wir zünden eine Kerze an für all unsere Lieben und auch für unsere kleine Familie. Führung durchs Kloster findet wegen zuwenig Teilnehmern gerade keine statt, sodass wir den Klostergarten und die Bibliothek nicht besichtigen können. Und so schlendern wir bei schönstem Wetter einfach entspannt durch die Außenanlagen, kaufen im Klosterladen ein und sprechen über Zeitreisen ;) Lina hat übrigens dazu gelernt. Das Pferd mit Eis auf dem Kopf ist inzwischen dem Begriff „Eindorn“ gewichen. Auch nicht so ganz verkehrt 😂🤷🏻‍♀️

10 August 2018

6.35h! Das Urlaubsfeeling scheint auch Lina zu packen ;) Wir frühstücken entspannt und spazieren dann zu Linas Lieblings-Alm mit den vielen Tieren. Heute darf Mama mal den Packesel fürs Tochter-Kind spielen ;) Beim Ziegen streicheln, dem Esel Löwenzahn zustecken und Sandkuchen backen verstreichen Minuten und Stunden. Wir essen zu Mittag und wandern wieder nach Hause. Nachmittags schlendern wir nochmal durch Brixen. Lina bekommt ein neues Bilderbuch und einen Flummi mit einem Einhorn darin. Sie behauptet steif und fest es sei ein Pferd mit einem Eis am Kopf 😂 Michael kauft sich einen hangenähten Ledergürtel und wir uns alle eine leckere Kugel Eis. Lina jagt voller Begeisterung Tauben und zaubert mal wieder allen vorbeikommenden ein Lächeln auf die Lippen, zumal sie heute darauf besteht mit Schwimmflügeln durch die Stadt zu stapfen. Wir besichtigen noch kurz vor der abendlichen Schließung den Kreuzgang des Doms mit seinen herrlichen Malereien und dann gehts nach Hause.

9 August 2018

Den Nachmittag verbringen wir nach einem schönen Mittagsschlaf einfach auf dem Hof. Gehen gefühlte 100 mal die Hühner anschauen, verfolgen die Katze und machen Blödsinn. Schade dass so wenig Tiere da sind. Für Lina gibt es nichts Schöneres.
Lina lässt uns heute morgen bis 6.15 Uhr schlafen. Welch ein Genuss 👏🏻 wir frühstücken und machen uns dann auf den Weg zur Alm. Als wir Lina erzählen was wir vorhaben ist sie völlig aus dem Häuschen „jaaaaaaa, faaaalad faaan“. Oben angekommen leihen wir also ein zweites Ebike aus und düsen los. Die Wege sind teils recht abenteuerlich und steinig und Lina wird in ihrem Hänger schon ein kleines bisschen durchgeschüttelt. Sie ist aber bester Laune, verbringt insgesamt zwei Stunden singend und Fruchtschnitte essend mit „faaalad faaan“. Von der Gasser Hütte geht es über Stock und Stein bis zum Gasteiger Sättel. Unser Weg führt teils mitten durch Herden von Kühen - und wir müssen des Öfteren anhalten und Lina alles aus der Nähe betrachten lassen. Die Aussicht ist phantastisch trotz nicht ganz klarem Wetter und jede Anstrengung wert (ja, ich fand es trotz Ebike ein bisschen anstrengend ;)). Ein wirklich schöner Familienausflug ❤️

8 August 2018

Nachmittags fahren wir nach Klausen hinunter. Die kleine Stadt wird gerühmt, die mit schönste Altstadt in Italien zu haben. Hübsch ist es schon und leckeres Eis gibt es auch. Aber völlig von den Socken sind wir auch nicht. Man ist schon ganz schön verwöhnt wenn man aus Deutschland kommt. Immer wieder stellen wir fest dass wir gerne dort leben wo wir zuhause sind. Das ist doch auch ein schönes, beglückendes Wissen. Dann gehen wir noch in ein völlig überfülltes Freibad. Bei 34 Grad auch kein Wunder. Lina probiert das allererste Mal ihre Schwimmflügel aus und wir lassen uns mit viel Freude und gequietsche durch den strömungskanal treiben...
5.17 Uhr. Ein neuer Tag beginnt 🤭 Ich darf heute noch ein bisschen liegen bleiben während Lina und Michael schonmal die Küche unsicher machen. Um acht machen wir uns dann auf den Weg auf die Alm. Die villanderer Hausalm ist übrigens der geographische Mittelpunkt Südtirols. Lina findet Kraxe zwar irgendwie toll, aber leider nur für kurze Strecken. Also gehen wir wieder eine Runde durch Moor und Latschenkiefern und verbringen anschließend die meiste Zeit des Vormittags im Streichelzoo der Moar in Plun-Hütte. Lina liebt alle Tiere und ist rundum zufrieden. Schaukel, Sandkasten mit Aussicht und Rutsche tun ihr übriges. Dann steigen wir gemütlich ab und essen in der Gasser-Hütte kurz vor dem Parkplatz Gulasch und Hirten-Makkaroni. Unglaublich was nach einem ereignisreichen Vormittag an der frischen Luft in einen solch kleinen Kinderbauch hinein passt. Zuhause legen wir uns zu dritt nochmal aufs Ohr... herrlich.

7 August 2018

Nachmittags machen wir uns dann auf nach Brixen. Das pittoreske Städtchen ist ehemaliger Bischofssitz und verzaubert mit kleinen Gässchen und netten Geschäften. Wir sausen nur einmal rasch hindurch, mit einem kleinen Stopp bei Eiskaffee und Planschen im Brunnenwasser am Domplatz. Lina findet es langweilig im Kinderwagen und sie zu Fuß losziehen zu lassen führt zu allerhand Kollisionen mit anderen Spaziergängern. Nicht so entspannt. Trotzdem war es allemal einen Ausflug wert. Kühe und Natur sind aber ganz eindeutig die kinderfreundlichere Alternative. Und wenn die Kinder entspannt sind... ihr kennt das ja alle. Gute Nacht!
Heute sind wir schon um 5.15 Uhr wach. Oh Mann. Wir schlagen ein bisschen die Zeit in der Wohnung tot und machen uns dann auf zur „Hausalm“ von Villanders. Mit dem Auto geht es zur Gasser Hütte und von dort aus zu Fuß weiter. Wir wandern bei schönstem Sonnenschein und herrlichster Aussicht zwischen Moortümpeln, Latschenkiefer-Wäldern und saftigen Weiden dahin. Es riecht unfassbar gut nach Harz. Nur die Tiere fehlen ein bisschen und Lina versucht mit „Muhmuh, Kühe, wo biiiiissuuuu“ nachzuhelfen. Unsere Plappertasche konjugiert übrigens seit heute. Nicht immer aber immer öfter. Nicht mehr „Lina trinken“ sondern „Lina trinkt“ 🤭 Auf der Moar in Plun Hütte gehen dann alle ihre Wünsche zugleich in Erfüllung. Kühe, Pferde, Ziegen, Enten, Hasen, Meerschweinchen... alles da. Lina im Glück. Sie isst noch voll Genuss einen halben Teller Knödel-Tris und dann geht es nach Haus und wir machen alle zusammen ein wohlverdientes Mittagsschläfchen...

6 August 2018

Wir kehren bei der erstbesten Hütte auf einen leckeren italienischen Cappuccino ein, Lina freut sich über Ziegen und Hasen die sich sogar füttern und streicheln lassen und dann ziehen wir weiter. Es ist keine große Runde heute, wir müssen erstmal austesten wie groß die Kraxenliebe auf die Dauer so ist ;) angesehen davon ist das Gewicht der Kraxe samt Inhalt gar nicht so ohne. Gegen Mittag kehren wir in der Gostner Schwaige ein. Hier kocht ein junger Südtiroler in der angeblich kleinsten Küche Südtirols (2,5qm) leckere Spezialitäten mit vielen almentypischen Blüten und Kräutern. Wir lassen uns eine Heublütensuppe schmecken und einen Kaiserschmarren mit Rosenblättern. Der Typ hat es drauf das muss man wirklich sagen. Danach machen wir uns auf den Heimweg, Gondeln dem Tal entgegen. Lina planscht noch ein bisschen auf der Terrasse und dann gehen wir im nahen Dorf einkaufen. Am Abend kühlt ein Regenguss die Temperaturen angenehm herunter. Gute Nacht...
Der beste kleine Wecker der Welt meldet sich auch heute leider wieder pünktlich um halb sechs. Also raus aus den Federn, leckeres Vinschgerl mit Marmelade frühstücken und raus in die Sonne. Wir fahren mit der Gondel auf die Seiser Alm, ein wunderschönes Fleckchen Erde mit Blumenwiesen und hinter jedem Hügel einer neuen Aussicht wie auf einer Postkarte. Lina kommentiert aus ihrer heißgeliebten Kraxe heraus (in die sie unbedingt schon während der Gondelfahrt einsteigen wollte) die ganze Welt. „Hallo Kühe, hallo Pferd, hallo Wauwau, hallo Hasi, Bimbam Glocke Muhmuh“ kräht es fröhlich und in beträchtlicher Lautstärke durch die Lande. Wir genießen die Sonne auf der Haut, den Geruch nach Wald und Wiesen und haben endlich mal Zeit zu ratschen.

5 August 2018

So nun hat unser Urlaub also begonnen. 12 Tage Familienzeit liegen vor uns. Der Morgen beginnt stressig, und einmal mehr ärgern wir uns über uns selbst - warum haben wir nicht am Abend vorher wirklich alles komplett fertig gemacht?! So fahren wir ziemlich gestresst und unzufrieden mit uns und unserem Umgang miteinander los und sind so gar nicht in Ferienstimmung. Ein Zwischenstopp bei Gilla und Hans-Georg stimmt uns versöhnlich. Sie sind inzwischen sowas wie Familie für uns und tun einfach der Seele gut. Um fünf kommen wir dann in Villanders an. Der Hof ist wunderschön und liegt auf 1000 Höhenmeter mit phantastischem Blick über das Tal. Leider sind kaum Tiere da. Die Hasen hat der Fuchs geholt und die Kühe verbringen den Sommer auf der Alm. Es sei Ihnen ja gegönnt. Lina freut sich auch über Hühner und Katzen und erkundet fröhlich ihre Umgebung. Den Abend lassen wir dann auf dem Balkon ausklingen, wo wir einem nahen Gewitter und seinem eindrucksvollen Blitz-Schauspiel zusehen.