Iran · 7 Days · 31 Moments · April 2017

Redwheresoever ~Iran~


17 April 2017

Zurkhaneh. Spannend. Was das hier ist? Eine Mischung aus: Sport (Gewichteheben meets Aerobic), Religion, Tanz, Musik, Artistik, Gebet, Gedichte, Kult. Unser Host führt uns an diesen spannenden Ort, das ganze findet in einem alten Badehaus statt. Bevor es beginnt begrüßen wir noch ihren "Anführer", einen Olympiameister (worin konnten wir nicht herausfinden) der mibdestens 100 Jahre alt ist, und diesen "Sport" anführt und mitmacht. Sie verehren ihn auch wie einen Halbgott, was aber auf seine Gedichte zurückzuführen sein könnte. Auch die werden manchmal aufgesagt, danach wird mit Gewichtskeulen jongliert. Wöchentlich treffen sich hier also ein Haufen Männer in persischen Lederhosen und hautengen Shirts, um sehr lautstark eine Art religiöses-Traditions-Aerobic zu veranstalten. Spannend, aber selten etwas Merkwürdigeres gesehen...
Der Feuertempel bei Isfahan. Ursprünglich im 6.Jh v. Chr. wurde dieser heilige Ort erbaut, im 3.Jh. n. Chr. wurde er zum Platz des ewigen Feuers. Alte Kulturen vormuslimischer Religionen bewahrten hier für Jahrhunderte das heilige Feuer!
Die wunderschöne Moschee in Isfahan am Imam-Platz. Die Architektur ist unglaublich, nicht nur aus ästhetischem Blickwinkel - die Art und Weise wie die Moschee gebaut wurde, hat viele Besonderheiten. Je nachdem wo man im Innenraum steht, verändern sich durch die Lichtreflexionen die Muster. Vom Eingang aus sieht man beispielsweise einen riesenhaften goldenen Pfau am Kuppeldach, der von keinem anderen Standpunkt aus sichtbar ist. Obwohl es ein viereckiger Innenraum ist, wirkt der Raum achteckig (8 ist im Islam eine heilige Zahl); diverse spannende Sound-Spielereien findet man auch. Überhaupt wurden bei der Architektur in Isfahan viele solche Details und Spezialeffekte eingebaut (die Flüsterkuppel, die Steinstatuen mit den brennenden Augen, die wackelnde Erdbebensäule).
Kaffeeeee! Cold Brew und über 30 verschiedene Sorten. Während wir den Kaffee genießen, quatschen wir mit den Leuten hier und erfahren viele lustige Dinge über die Jugendkultur und die Gegend. Die Barista hier sind auch sehr lieb, alle paar Minuten bekommen wir etwas Neues zu kosten, Kaffee, Tee, Rosenwasser, Schokolade, Kekse,... Natürlich sind wir wieder DIE Attraktion, alle wollen Fotos mit uns, es wird Musik lautgemacht und in NullKommaNichts haben wir den Coffeeshop in eine kleine (nach herrlichem Kaffee duftende) Bar verwandelt. Woohoo!
Kleines Paradies! Durch eine unauffällige Tür (nicht die am Bild) betreten wir ein 400 Jahre altes Gebäude, die Wände sind voller faszinierender, iranischer Kunst, Impressionismus vom Feinsten. Am Ende des langen Ganges kommen wir in einen begrünten Innenhof, der wie von einer anderen Welt scheint. Überall sind Blumen, der Duft schwappt in Wellen über uns hinweg, tiefe Ruhe, als wäre das lautstark lärmende Isfahan plötzlich verschwunden. Wir setzen uns, leise plätschert verträumte persische Musik dahin, diese kleine Oase stellt sich als Café heraus - und wir bekommen sogar richtigen Kaffee! Illy! Im Iran, wo die meisten Leute auf Sahnemilch mit bisschen Nescafe stehen, schon fast ein Göttergetränk. Die Leute vom Café waren auch so lieb, sie haben uns einen fabelhaften Karottenkuchen einfach so geschenkt :) Sehr inspirierende Atmosphäre!
Happy Easter! Ostersonntag: Ostereier bemalen in Persien, auch mal was anderes. Unser Couchsurfing Host freut sich wie ein Kind, als wir ihm diese Tradition zeigen. Natürlich ist es auf diesem Bild schon fast 2 Uhr morgens, Iraner gehen selten vor dieser Uhrzeit schlafen.

16 April 2017

Und ständig treffen wir neue Leute! Im Iran ist man nie allein; immer kommt jemand auf dich zu, zum tratschen, fragen woher man kommt, ihr Englisch ausprobieren, und natürlich um einen Willkommen zu heißen So treffen wir auch diese beiden hier: Lustiges Duo, eines der erfolgreichsten Start-Up Unternehmen im IT Bereich Irans gehört ihnen, mit 21 haben sie schon drei erfolgreiche Apps programmiert und vermarktet. Wir verbringen den Nachmittag im Isfahan der jungen Generation: coole Coffeeshops, Picknick im Park, mit dem Auto quer durch die Stadt fahren, einfach nur um unterwegs zu sein (natürlich nebenbei laut Musik hören, so wie alle Jugendlichen hier), und herrliches Granatapfeleis-Menü (Granatapfelpudding, Granatapfeleis, Granatapfelsmoothie, Granatapfelsirup, granatapfelfruchtgummi, alles in einem Becher - ja, die Iraner mögen Granatapfel sehr) zu essen. Lustig war's!
Prächtiges Isfahan!
Der herrliche Imam-Platz von Isfahan! Der zweitgrößte offene Stadtplatz der Welt. Er lädt zum Herumschlendern und Verweilen ein, am angrenzenden alten Bazar lässt es schön bummeln und frisches Pistazieneis gibt es auch überall.
Mit einem guten Frühstück und viel Tee beginnt ein guter Tag. Wunderschönes Café in der Nähe der Jolfa Street!

15 April 2017

In Isfahan unternehmen wir noch einen Nachtspaziergang, unser Host zeigt uns die Stadt. So wunderschön! Wir tauchen ein in die Geschichten von Tausendundeine-Nacht, in warm-sandene Farben und mysthische Bilder. Unzählige hell erleuchtete Brücken, wie aus einem Bilderbuch. Unter einer von ihnen hat sich eine Menschentraube gebildet, jung und alt; man hört ihr Lachen, Trommeln und Klatschen schon von weitem. Sie musizieren; es gibt einen Vorsänger, der sie immer wieder zum Lächeln bringt und aktuelle Geschichten in alte, traditionelle Melodien webt - ein bisschen wie die österreichischen Gstanzln, nur orientalischer. Der Geschichtenerzähler erzählt mit pointierten Worten, die Leute singen es passioniert nach, klatschen, trommeln. Die Menge bewegt sich fröhlich, richtig getanzt wird nicht - das ist selbstverständlich vom Regime strengstens untersagt.
In Isfahan haben wir zum Glück schnell einen Last Minute Couchsurfing Host gefunden, der uns prompt vom Bahnhof abholt, und schon geht es weiter in die Stadt. Im bekannten Sherzade Restaurant bekomme ich Fessenjah serviert, Lamm in pürierter Granatapfelsoße. Nationalgericht, und wirklich gut. Dazu "Bier", sprich ein alkoholfreies Malzgetränk, das hier alle lieben, selbstverständlich mit Strohhalmen.
Das hier - ist nicht Kashan. Life happens while you're busy making other plans, oder wie war das. Unser schöner von der lieben Familie am Bahnhof handgemalter Zettel, dass der Busfahrer uns bitte am Highway Richtung Kashan rauslassen soll, hat leider nichts gebracht - die Busfahrer wurden unterwegs ausgetauscht. Der neue fuhr weiter und wollte uns dann, darauf angesprochen, mitten in der Wüste rauslassen, was wir dankend abgelehnt haben. Na dann wohl gleich weiter nach Isfahan, dachten wir uns!
Am nächsten Tag geht es weiter, wir fahren Richtung Süden. Am Busbahnhof sind wir erstmal recht verloren - alles bloß auf Farsi und natürlich in arabischer Schrift - aber sofort kommt wieder die persische Freundlichkeit auf uns zu, personifiziert in einer Familie (mit einer total süßen Babytochter), die uns herumstehen sieht, uns an der Hand quer durch die Station zieht, den richtigen Bus für uns findet und sogar den Ticketpreis für uns herunterhandelt. Auf einen Zettel schreiben sie uns auch noch auf Farsi für den Busfahrer auf, wo er uns rauslassen soll und verabschieden sich mit einem breiten Lächeln. Grinsend steigen wir in den Bus und lassen bald die Stadt hinter uns. Wir tauchen durch den Schneenebel der Teheran umgebenden Berge, die Landschaft wird immer karger, Mondlandschaft, verändert sich mit jeder Fahrtstunde immer mehr, Marslandschaft. Quer durch die Wüste, durch Wind und Wetter...

14 April 2017

Abends treffen wir Dorsa und Maryam von Couchsurfing und gehen mit ihnen zur "Naturbrücke", eine prächtige Brücke die zwei Parks verbindet und ein Highlight des Teheraner Nachtleben ist. Überall sitzen Familien und auch viele junge Leute im Grünen, es gibt unzählige Coffeeshops und "Bars" (mit alkoholfreien Cocktails natürlich). Bald ergeben sich spannende Gespräche über Sexismus, Frauenrechte, Einschränkungen und Freiheitswille, und eine (un)mögliche Revolutionsbestrebungen. Die zwei sind Feministinnen! Etwas seltsam, dass wir flüstern müssen und immer aufpassen, dass niemand uns hört. Im Iran sind solche Gespräche verboten - und man weiß nie wo die Spione der Sepah sind... Merkwürdiges Gefühl. Aber toller Abend, rebellisch und frei, wie ich es mag :)
Und das Ganze mitten in der Innenstadt Teherans!
Manchmal wundert es mich, dass aus keiner der alten Vasen oder antiken Teekannen ein Flaschengeist erscheint... Sehr begeisternd waren auch die vielen alten Fliesen, alle kunstvoll handbemalt. Wieviel Arbeit und Liebe in diesen Gebäuden steckt!
Golestan Palace. Der wohl prunkvollste Ort, den ich je gesehen habe. Beim Betreten des riesigen Geländes wird man von einem blühenden Garten enormen Ausmaßes empfangen. Geometrische Formen, über und über mit Blumen bepflanzt, dazwischen Wasserflächen, in welchen sich der Palast spiegelt. Der Palast besteht aus vielen verschiedenen Gebäuden, die über das Areal verteilt sind. Schon beim ersten sind wir geblendet: Die gesamten Räumlichkeiten sind von oben bis unten mit Kristallen und Spiegeln besetzt, die das Licht der hohen Fenster einfangen. Überall sind wundervolle Handmalereien. Die Räume sind voll von antiken Kostbarkeiten, Geschenke die Staatsführer aus der ganzen Welt dem König Persiens schenkten.
Jam-Session bei unserem Couchsurfing Host Kayvan. Musik spricht alle Sprachen der Welt, schön ist das!

13 April 2017

Fancy Lokal! Abends essen wir in einem bio-veganen Restaurant. Sehr gut und sehr hip(ster). 7. Wiener Gemeindebezirk auf persisch.
Der große Bazar von Teheran. Angeblich der größte Bazar des Orients. 10km durch verwinkelte Gassen und Seitengassen und Seitenseitengassen... Heute hat er geschlossen (hier ist Donnerstag und Freitag Wochenende), aber viele Leute finden sich dennoch auf der Straße. Kinder spielen Fußball; Ehepaare, die gemütlich Safraneis essen; Freundinnen, die aufgeregt Neuigkeiten austauschen. Gemütliche Atmosphäre!
Stadtrundgang.
Ostereier suchen mal anders ;) Straßenkunst in Teheran. Bemalte Eier sind auch eine persische Tradition an Nowruz, dem persischen Neujahr. Hier im Iran ist jetzt der erste Monat im Jahr 1395, sie sind auch 11 Tage weiter als wir. ...das sorgt immer wieder für herrliche Datumsverwechslungen ;)
Zum Lunch gibt es Ash (eine traditionelle, sehr dicke Suppe mit vielen Gewürzen und Nudeln, und etwas Yoghurt)
Wie ein schwarzes Loch an Kunst, das uns komplett verschluckt... nur farb- und freudvoller ;-) Wunderschön!
Das Contemporary Museum in Teheran hat die größte zeitgenössische Kunstsammlung an internationalen (und persischen) KüstlerInnen. Wir sehen Picasso, Warhol, Max Ernst,... und viele mehr.
Ein neuer Tag! Wir fühlen uns richtig angekommen. Die Straßen in Teheran sind so sauber! Da könnte sich so manche europäische Großstadt noch etwas abschauen. Heute wollen wir uns ein paar der vielen Museen hier ansehen, vor allem das Kunstmuseum interessiert uns. Unser netter (im Goetheinstitut in Teheran Deutsch lernender) Gastgeber führt uns dorthin, schon am Weg gibt es anregende Gespräche über Klimt, Tolstoi, Debussy, Schiller und Co. Wow!

12 April 2017

Das "Dach Teherans" ist ein beliebter Treffpunkt, sowohl für die Jugend, als auch für Familien am Abend. Mitten in den Bergen, die Teheran ja umgeben, führt eine Straße immer höher den Berg hinauf, nach dem Parkplatz darf nicht mehr gefahren werden und jung und alt spazieren die idyllische Straße hinauf, umgeben von einem herrlichen Panorama. Hier gibt es süße kleine Restaurants, Kaffeehäuser und fancy Hipsterlokale, wir holen uns ein riesiges Eis, die Menschen um uns trinken Saft oder Tee - so sieht hier das Nachtleben aus! Das "Dach" ist sozusagen der "Hotspot" des offiziellen Nachtlebens (Bars oder Tanzlokale gibt es natürlich nicht). Von oben haben wir einen fantastischen Blick über Teheran - wie unglaublich groß diese Stadt ist! Hier leben mehr Menschen, als in ganz Österreich zusammen, entsprechend groß ist das Lichtermeer... Was für ein erster Tag!
Kayvan nimmt uns gleich mit in die Kunstszene Teherans, heute ist die Eröffnung eines kleinen Kurzfilmfestivals. Durch einen süßen Garten geht es in ein abgedunkeltes Gebäude, wo verschiedene Videoinstallationen und Lichtbilder projiziert werden und Beamer-Leinwände aufgebaut sind. Verschiedene experimentelle Kurzfilme von jungen Künstlern und Kunststudenten werden gezeigt, das Publikum besteht vor allem aus jungen modernen Leuten. Spannend! Danach machen wir uns mit den Leuten auf, zum "Dach Teherans" zu fahren.
Die erste Nacht haben wir in einem Hostel gebucht, die restlichen wollen wir couchsurfen. Natürlich gibt es Tee zur Begrüßung. Nach ein paar Stunden des Ausruhens, machen wir uns auf den Weg. Hijab auf, Mantoo an und los gehts, wir erkunden ein bisschen die Stadt und treffen uns dann mit Kayvan, einem Theaterstudenten aus Teheran, den wir von der Couchsurfing Plattform kennen.

11 April 2017

Und los geht das Abenteuer! Wir fliegen von Wien nach Moskau, und dann weiter nach Teheran. Schon im Flugzeug ergeben sich sehr spannende Gespräche. Ich sitze zwischen einem sehr netten Iraner und Afghani, ersterer ist Geschäftsmann, letzterer ist vor vielen Jahren aus Afghanistan geflohen, da die Taliban ihn töten wollte, weil er Englischlehrer war. Der Flug verwandelt sich in einen spannenden Geschichte- und Politische Bildungs-Unterricht, ich höre Interessantes über all die ethnischen Minderheitengruppen, die Wandlung des politischen Systems, Religionskonflikte, die verschiedenen Extremisten und wie ihre Radikalisierung passieren kann, Schulsysteme, Bildungspolitik, internationale Spannungen und Problemstellungen usw. Wirklich interessant! So viele Informationen, und so wenig davon erfahren wir im Westen...