North America, Europe · 310 Days · 23 Moments · October 2017

Canadanidation


23 August 2018

In meinen zwei Wochen auf einer Olivenfarm in der Sierra Nevada ging es größtenteils darum, im Garten die Zutaten für das nächste Festmahl zufriedenzustellen, das Festmahl zuzubereiten, das Festmahl zu genießen und es schließlich mit selbstgemachtem Wein runterzuspülen. Klingt nach Folter, ich weiß, aber es wurde noch schlimmer. Anstatt im Garten helfen zu dürfen, wurde ich in der brütenden Mittagshitze oftmals dazu degradiert den gigantischen Pool mit Wahnsinnsausblick von innen zu putzen. Und das wurde dann auch noch damit getoppt, mich vor ein 300-Liter-Wein-Fass zu stellen, mit der Erwartung beim Abfüllen nicht allzu betrunken zu werden. Fast schon dreist. Beim Ausgehen im verschlafenen La Peza wurde dann aber auch mal ein versöhnliches Bierchen getrunken. Oder zehn. Das Schöne an der Region rund um Granada ist nämlich, dass zu jedem Getränk freie Tapas gereicht werden. Damit wird die eh schon überragende Tapas-Kultur perfektioniert. Gutes Essen, viel zu trinken, was will man mehr?

8 August 2018

Still ist es hier geworden. Die Gründe dafür dürften den Meisten bekannt sein. Nun bin ich aber zurück. Zurück aus Deutschland. Zurück in der Welt, nur um für euch diesen Blog weiterzuführen. Einer muss ja ins kalte Wasser springen. Und wenn dieses kalte Wasser der Atlantik ist, fällt das gar nicht mal so schwer. Nun habe ich bei meiner ersten Station in Spanien so viel über eine ordentliche Gartenführung gelernt, dass es mir gelungen ist, auch den Blog ein wenig umzudekorieren. Wenn ich in einem Land nicht so gedeihe, wie ich mir das vorstelle, muss ich halt den Boden eines anderen ausprobieren. Und die Stunden, gar Tage, die ich mit Unkraut zupfen verbracht habe, sollten mir helfen, den Blog zukünftig nicht wieder so verwuchern zu lassen. Auch den Erlebnissen, die ich zuvor genossen, von denen ich euch aber nie kosten lassen hab, möchte ich noch eine Geschichte geben, dienen sie mir doch jetzt als Dünger für Neues. Zu viel Gartenarbeit? Vermutlich schon. Aber dazu später mehr!

9 March 2018

Ich war in Yucatán, Mexiko. In der Gegend aus der ich komme, wird in Zeiten von finanziellen Engpässen der Jahresurlaub von Warnemünde an die polnische Ostsee verlegt. So handhaben es die Nordamerikaner wohl mit dem Golf von Mexiko. Während sich die ostdeutsche Bevölkerung jedoch damit zufrieden geben muss die graue Tristesse der Ostsee gegen eine noch gräuere einzutauschen, dürfen sich die Amerikaner aufs Paradies freuen. Mag sich der ein oder andere Baltenenthusiast nun auf den Schlips getreten fühlen, so rate ich ihm die sich ‘89 ergebene Chance endlich zu ergreifen, die Reservierung in der Lieblingspension für nächstes Jahr zu stornieren und einfach mal zu versuchen wirklich schön Urlaub zu machen. So viel sei verraten: traumhafte Natur, sensationelles Essen und endlich guter Tequila, verfeinert mit mexikanischem Temperament, für lächerliche Preise. Kriegt man jetzt noch die gelegentlich auftretende Ami.. -Verzeihung- Algenplage in den Griff ist Yucatán uneingeschränkt empfehlbar!

4 March 2018

Mir reicht’s. Ich muss vor der Kälte flüchten. Und auch vor dem Job in der Küche. Diese wird nämlich von einem unbarmherzigen Diktator geführt. Gefühlt musste ich ausbaden, was unsere Vorfahren da vor über 70 Jahren verbockt haben. Widrige Arbeitsbedingungen und -30 Grad zwingen mich also dazu, Kanada kurzfristig für einen Sommerurlaub zu verlassen. Bevor ich mich wieder aus dem Exil melde, möchte ich jedoch noch anmerken, dass nicht alles schlecht war. Ganz im Gegenteil! Mein kleines Häuschen, in dem mehr Schnee lag als draußen und meine zum Großteil australischen Mitbewohner, die ich von nun an für immer mit Staubsaugern verbinden werde, vermisse ich schon jetzt. Die vielen Parties und vorallem die Sonntage, an denen ich voller war als die Elbe im Sommer 2002, bleiben mir in Erinnerung. Neben dem Snowboarden, bleibt dann noch die atemberaubende Szenerie zu erwähnen, die Ausblicke ermöglichte, von denen Reinhold Messner damals in Nepal nur geträumt haben dürfte. Banff, wir sehen uns!

25 February 2018

Ihr werdet es nicht glauben, aber ich habe mich hier doch tatsächlich verguckt, nein, ich würde gar sagen verliebt. Sie ist 1,54 m groß und liegt mir zu füßen. Auf Zärtlichkeiten steht sie nicht so, sondern eher auf einen groben Umgang. Mir kommt das ganz gelegen, da sie sowieso nicht sonderlich kuschlig ist. Wachsen kann sie sich nicht allein, daher mach ich das. Ist aber nicht schlimm, weil sie gar nicht so haarig ist. Ja, ich gebs zu, sie hat nicht die dicksten Brüste und ihr fehlt der Hintern. Sobald ich mir ein wenig Objektophilie angeeignet hab, interessiert mich das aber auch nicht mehr. Grundsätzlich hat so ein Snowboard einer echten Frau gegenüber nur Vorteile: Es quatscht nicht, ist nur in der Anschaffung teuer und meistens treu. Anfangs habe ich mir die Boards noch geliehen, wollte die von den Skigebieten im großen Stil betriebene Snowboardprostitution aber nicht mehr unterstützen. Glücklicher könnte ich nun nicht sein, habe ich mir doch eine wahre Schönheit angelacht!

12 February 2018

So! Das war so ziemlich alles, was ich über unseren kleinen Ausflug zu erzählen hatte. Mittlerweile bin ich längst zurück in Kanada. Genauer gesagt in Banff, in den Rockie Mountains. Von Kalifornien nach Banff innerhalb einer Woche. So muss sich ein frisches Rumpsteak fühlen, das schon die angenehme Hitze der Pfanne spürend - nach der Feststellung, dass noch Suppe vom Vorabend übrig ist - doch den Weg in den Tiefkühler antreten muss. Mit dem Unterschied, dass es in Banff wesentlich kälter als in einem handelsüblichen Tiefkühler wird. Nichtsdestotrotz arbeite ich hier nun schon seit über einem Monat in meinem ersten Job in Kanada. Dabei kam für mich natürlich nur der klassische Weg in Frage: Vor einem halben Jahr noch fast der Sprung zum Wirtschaftsmogul, hab ich es mittlerweile schon zur Küchenhilfe gebracht. Wenn ich das Tempo kontinuierlich beibehalte, darf ich nach meiner Rückkehr vielleicht auf Klein Raddens Feldern Gurken sammeln. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden!

3 January 2018

Los Angeles Ist LA wirklich die Stadt aller Städte? Vermutlich schon! Wir hatten jedenfalls das Glück in einem der ältesten Hotels in Venice, direkt am Strand mit atemberaubendem Ausblick von der Dachterasse unterzukommen. Stammgast war dort einst ein gewisser Jim Morrisson. Ich sag euch, auf der Toilette Riders on the Storm zu hören, auf der es vielleicht entstanden ist... das ist der Shit. Wortwörtlich! Davon abgesehen: Wenn der Berliner Senat nicht bald Geld für einen Ozean vor der Haustür und Berge im Garten ausgibt, muss ich den Titel meiner Lieblingsstadt überdenken. Über 20 Grad Anfang Januar wären auch eine Überlegung wert. Und die Palmen Leute, die Palmen! Dieses fesche Hartholzgewächs zeigt mir eindeutig, dass Kiefer, Eiche und Co. mal eine neue Frisur vertragen könnten. Fazit: Wie eine Sirene in der griechischen Mythologie sitzt LA am Strand der nordamerikanischen Westküste und betört die Menschheit mit seinen lieblichen Gesängen. Wer könnte da widerstehen? See ya cali!

31 December 2017

Las Vegas Da haben sich die Amis doch tatsächlich einen Scheiß Spielplatz mitten in die Wüste gebaut. Da kann man natürlich mal Silvester feiern, dachten wir uns. Wenn man sich denn traut, den Weg auf sich zu nehmen. Noch nie hab ich eine Umgebung gesehen, die so sehr nach Schlange aussah, wie der Weg von LA nach Las Vegas. Wenn man kein Vermögen mitbringt, muss man allerdings auch damit rechnen, ein Silvester für Arme zu feiern. Wer sich auf diesem Spielplatz austoben will, muss nämlich tief in die Gucci-Tasche greifen. Trotzdessen kann ich drei Dinge abhaken, die man unbedingt gemacht hab sollte, wenn man schonmal in Vegas ist: Im Ceasars Palace Geld verzocken, die Wasserfontänen vor dem Bellagio betrachten, der süßesten Stripperin im Club Hilfe bei der Flucht in die Freiheit anbieten. Und auch ein Sushibuffet durfte ich erleben. Der starke Glücksspielcharakter dessen, ließe sich nur schwer beschreiben, jedoch erahnen. Zwar überfressen, nahm Las Vegas jedoch ein gutes Ende.

29 December 2017

San Diego Hach San Diego. Vermutlich der schönste Ort, an dem ich jemals mein Portemonnaie verloren hab. Obwohl McDonalds Groß Beuchow, Autobahnauffahrt Thiendorf und Linienverkehr Lübbenau-Luckau auch nicht ganz so schwer zu schlagen sind. Aber mal im Ernst. Wisst ihr wie schön diese Stadt ist? So schön, dass ich kein einziges Foto geschossen hab. Was für ein überragendes Kompliment an eine Stadt in der heutigen Zeit, wie ich finde. Wer wirklich wissen möchte, wie schön San Diego ist, muss Deutschland nicht mal verlassen. Ich lege euch hierfür einfach mal einen Urlaub in Binz auf Rügen ans Herz. Wenn man auf folgende Kleinigkeiten verzichten kann: Palmen, Sonne und junge Leute. Ich kann mir grundsätzlich vorstellen, dass es auch in San Diego Menschen jenseits der 60 gibt. Der große Unterschied liegt darin, dass die Einwohner dort, den rosigen Lebensumständen geschuldet, in der Regel erst mit 40 in die Pubertät kommen. San Diego: Ich bin schon ein bisschen verliebt, muss ich sagen.

27 December 2017

Surfen Mal ein kleiner Ausreißer. Hier geht‘s nicht um eine Stadt, sondern ums Surfen, was wir an mehreren Orten gemacht haben. Für die, die nicht wissen, wie sich das anfühlt: man hat quasi Geschlechtsverkehr mit dem Ozean. Nur intensiver. Ihr wisst ja, ich übertreibe nicht gern, aber beim Surfen sind meine Haare in 12-facher Geschwindigkeit gewachsen, mein Körper hat sich zu einem gebräunten Gebilde aus purer Muskelmasse gewandelt und meine Hände haben eine Fehlstellung entwickelt bei der Daumen sowie kleiner Finger abgespreizt sind. Ohne Haifischzahnkette geh ich seither nicht mehr aus dem Haus. Zum Ende unserer ersten Surfsession wollte uns die wunderschöne nasse Dame in blauem Gewandt mit überdimensional wachsenden Wellen zwar augenscheinlich umbringen, verübeln werde ich ihr das als gebildeter Mensch aber natürlich nicht, weiß man doch, dass das bei manchen Spezies nach dem Fortpflanzungsakt so üblich ist. Take it easy, folks! 🤙

24 December 2017

San Francisco Stellt euch folgendes vor: es ist Heiligabend. Nichts wollt ihr lieber sehen als leuchtende Kerzen auf dem Weihnachtsbaum. Aber ihr bekommt nicht mehr geboten, als einen öden Blick auf eine rostigrote Brücke. So ist es uns in San Francisco ergangen. Da konnten auch die paar leuchtenden Häuser im Hintergrund nicht mehr helfen. Aber nicht so schlimm. Immerhin war das Bier richtig schön teuer. Nein, mal im Ernst: San Francisco hat schon was zu bieten. Sonst würden die letzten überlebenden Hippies nicht immernoch im Golden Gate Park rumsitzen. Das Weihnachstwochenende war übrigens das Vorletzte, an dem sie illegal Marihuana rauchen durften, bevor es nach der Jahreswende in Kalifornien legalisiert und somit dem Mainstream geopfert wurde. Die armen Hippies. Man munkelt es könnten bald Legalisierungsflüchtlinge nach Deutschland kommen. Ein Land ohne Regierung kann immerhin auch nichts legalisieren. Fazit: Wunderschöne Stadt, traurige Hippies und ultra-mega-übel-teures Bier.

21 December 2017

Seattle Erster Zwischenstopp auf unserer Reise war Seattle. Was macht man da bei wechselnder Wetterlage? Richtig: Auf ein Käffchen zu Kurt Cobain. Haben wir natürlich auch gemacht. Nur ohne Kurt. Und leider auch ohne Kaffee. Aber noch frisch und motiviert, steckt man da natürlich nicht den Kopf in den Sand, fährt nach Downtown und versucht einen schönen Blick auf die Stadt zu erhaschen. Wahre Kenner meiden in Seattle die überteuerte Space Needle, suchen sich das höchste Haus der Stadt und fahren in das höchstmögliche Stockwerk, nur um dort auf die nächste Touristenfalle zu treffen. Auch hier wird für eine Aussichtsplattform natürlich kein Geld ausgegeben, sondern in der Anwaltskanzlei ein Stockwerk tiefer nett nachgefragt ob man mal aus dem Fenster schauen dürfte. Das kostet dann nicht mehr, als den Job der netten Sekretärin. Ich bin mir aber sicher, dass auch sie es genossen hat, uns vor unserem Rauswurf zwei Sekunden Ausblick zu gewähren. Gelohnt hat es sich allemal!

20 December 2017

Reisebericht USA Nach einer kleinen Auszeit möchte ich mich im neuen Jahr mit einer Besonderheit zurückmelden. Ich habe nämlich der Kälte und dem Regen über Weihnachten und Silvester entkommen wollen und bin dafür den Liebkosungen der Sonne, der nordamerikanischen Küste entlang bis fast an die mexikanische Grenze gefolgt. 6700 zurückgelegte Kilometer, 4 Staaten und noch mehr Erlebnisse passen hier natürlich nicht in einen Eintrag. Deshalb werde ich zu jeder Stadt und jedem Erlebnis etwas schreiben. Oder es zumindest versuchen. Bedanken möchte ich mich hier gleich nochmal bei meinen Begleitern Henning, Nils, Freddy, Ronny Schäfer und Bauer Hermann. Besonders letztere sollten meinen Erfahrungen nach auf keinem Roadtrip fehlen.

29 November 2017

Wenn man so viel Zeit mit Tieren verbringt wie ich, kommt man nur schwer drum herum, neben der emotionalen auch eine analytische Verbindung zu ihnen aufzubauen. In letzter Zeit stellte sich mir dabei vor allem eine Frage: Worin unterscheidet sich der Mensch vom Schwein? Ohne bisher eine konkrete Antwort gefunden zu haben, find ich es doch wichtig euch an meinen Gedanken teilhaben zu lassen. Außer Frage steht dabei natürlich, dass es evolutionär bedingte anatomische Unterschiede gibt. Abgesehen davon, kann ich durchaus einige Gemeinsamkeiten erkennen. Schweine fressen alles in sich hinein, wie der Mensch. Schweine unterdrücken andere Schweine, wie der Mensch. Schweine mögen keine Stromschläge, ebenso wie der Mensch. Nun hatte ich das Glück, diesen ästhetischen Kreaturen beim Liebesspiel beizuwohnen und ich kann euch sagen, dass die - verzeiht mir die ausdrucksweise - ficken wie die Schweine.. Wie der Mensch. Wir lernen: Ein wenig mehr Parfüm auftragen und adé Fleischlieferantendasein.

26 November 2017

Christmas comes early this year! Denn pünktklich um 0 Uhr mitteleuropäischer Zeit und der damit einhergehenden Überwindung des Totensonntags, ging es für mich auf die Suche nach sprießendem, fruchtbarem Leben. Was könnte mich wohl in die Wildnis getrieben haben? Ein paar Hinweise: -niemand verstaut Geschenke besser -es gibt viele, aber nur einen Wahren -je fetter desto besser -er ist nicht rot Ja richtig, es geht um den Weihnachtsbaum. Der liebste, da nämlich einzige Begleiter an den Feiertagen, den man sich aussuchen kann (nur für den Witz, hab dich lieb Mama!). Erblich bedingt, hab ich natürlich ein Auge für den perfekten Baum und konnte somit den größten und wichtigsten Beitrag seit Beginn meines Kanadaaufenthaltes leisten. Denn auch wenn mein Favorit nicht gewählt wurde und weiterhin auf die Wärme und Herzlichkeit eines Wohnzimmers warten muss, wurde er immerhin für den Bruchteil einer Sekunde in Betracht gezogen. Es geht bergauf. Vielleicht bring ich es hier sogar noch zu etwas.

13 November 2017

Der Alltag auf dem Bauernhof hält Einzug. Der anfangs betörend ländliche Duft entpuppt sich langsam als purer Gestank, erwirkt durch ein Gemisch aus Kompostierung, Schweiß und Schweinekot. Das Verhalten der Kühe wendet sich zum Negativen. Anfangs noch gelassen und kooperativ beim Melken, treten und schlagen sie jetzt um sich, wie es wohl sonst nur Frauke Petry und Beatrix von Storch an einer deutschen Grenze in 2015 getan hätten. Wenn man dann allerdings mal das nahegelegene Victoria besuchen möchte um der Tristesse zu entkommen, wird einem durch Konfrontation mit der harten Realität auf Tim Hortons Toiletten bewusst, wie gut man es doch eigentlich hat. Während die Tim Hortons Toiletten den Tiergehegen im Grad der Verschmutzung fast ebenbürtig sind, entsorgen die Tiere ihre Drogenutensilien nach Gebrauch wenigstens selbst. Zumindest meistens. Wenn jetzt noch meine Annäherungsversuche bei den Hühnern fruchten, wird das hier allemal zu einer unvergesslichen Zeit. LG, Euer Philipp

3 November 2017

Kleiner Nachtrag zu Halloween. Teil 2: Hier war es am 31. Oktober möglich, den Kinder vor geschmückter Kulisse der nächstgelegenen Kleinstadt, als neutraler, unverkleideter Beobachter mit strahlenden Augen beim Trick or Treating zuzuschauen. Das ist wirklich wie im Film. Das war so beeindruckend, dass ich auch trotz der auf den Fenstersimsen der Nachbarschaft angelegt und auf mich gerichteten Flinten besorgter Eltern, die ihre Kinder vor diesem vermeintlichen Perversling vor ihrem Haus beschützen wollten, durchaus eine gewisse Portion Nostalgie verspürte. Wenn man dann von den Kindern auch noch selbst Süßigkeiten geschenkt bekommt, ist das im Gegensatz zu den zahlreich abgefeuerten Warnschüssen ein Treffer direkt ins Herz. Ihr seht, mir geht es noch immer gut. Schaurige Grüße, Euer Philipp
Kleiner Nachtrag zu Halloween. Teil 1: Das ist schon was Besonderes hier, dieses Halloween. Zum Auftakt konnte ich es überall in Vancouver miterleben. Da darf sich nämlich schon in der Woche zuvor jeder Gestörte an Muttis Kleiderschrank bedienen und das Gesicht in den Bioabfall des Vortages tunken, nur um dann bewaffnet mit der Zwille des jüngsten Familienmitglieds strunzendichte durch die Straßen der Stadt zu ziehen - ohne, dass es irgendjemanden auch nur ansatzweise interessiert. Ihr kennt mich, mir kribbelt es bei solchen Zuständen natürlich in den Finger. So sehr, dass ich ein kleines Menstruations-Missgeschick der gegenüber Tampons feindlich gesinnten Frutarierin im Bett über mir durchaus zu nutzen wusste und somit auch selbst die Chance hatte, mich verkleidet vor die Tür zu wagen. Was für eine Sauerei. Das Verkleiden überlass ich in Zukunft anderen. Viel besser wurde Halloween nämlich in Metchosin...

31 October 2017

Ich habe den Himmel gesehen. Oder vom Himmel herab. Wer die Ehre hat, die unfassbare Schönheit eines Sonnenuntergangs über Vancouver vom Grouse Mountain aus betrachten zu dürfen, wird nicht nur für den Moment glücklich, nein, er oder sie wird auf ewig zu Großtaten inspiriert und von jeglichen Vorurteilen befreit sein, ferner mit ein wenig Glück Resistenzen gegen Malaria, Tripper und andere Urlaubsmitbringsel entwickeln. Mittlerweile habe ich Vancouver jedoch verlassen und bin auf einer Farm im verschlafenen Metchosin auf Vancouver Island gelandet. Hier schlafe ich in einem Wohnwagen und melke Kühe. Mit meinen Händen. Mit.Meinen.Händen. Ich rede über die Hände, die vor kurzem noch dazu bestimmt waren, die Tastatur jenes Computers zu bedienen, der einen europäischen Energiekonzern vor dem Untergang bewahren sollte. Was für eine Entwicklung. Die einzige Gemeinsamkeit: Beides mit miserablen Erfolgsaussichten. Zumindest bin ich hier zu Höchstleistungen motiviert. Grouse Mountain sei Dank!

27 October 2017

Das Wetter hat sich so stark gebessert, dass ich es fast bereue, meinen Bikini zu Hause gelassen zu haben und Vancouver ist in diesem Licht so schön, dass ich mich bei dem Gedanken ertappt habe, mir ein "I<3Vancouver"- Shirt zu kaufen. Das zeigt mir allerdings, dass ich meinen Alkoholkonsum drosseln sollte. Oder auch nicht. Denn wie schließt man besser Bekanntschaften, als bei einem schönen kühlen Bier - wenn man die Augen schließt und sich vorstellt ein frisch gezapftes Sterni (füllt das Zeug endlich in Fässer ab) zu trinken, schmeckt's nicht mal so übel. Es sei denn, man kriegt nur alkoholfreies Bier, wie bei diversen Sportveranstaltungen in BC. Da müssen sich die Kanadier schon die Frage gefallen lassen, ob sie noch ganz sauber sind. Wenn in Europa zum Fußball nämlich Bier gehört, sollte zum NHL-Eishockey Whiskey gereicht werden. Kann man Kunst, Athletik und Gewalt eigentlich schöner verbinden, als in dieser nervenaufreibenden Schlacht auf dem Eis? Langsam verliebe ich mich, Kanada!

21 October 2017

Das Wetter hält sich. Immerhin wird es nicht schlechter. Das allerdings, würde vermutlich auch den Weltuntergang bedeuten. Erneut dem Regen zum Trotz, konnte ich heute zum ersten mal die Natur in einem der größten Stadtparks der Welt, dem Stanley Park, erkunden. Entgegen meiner ersten Annahme, dass es hier tatsächlich noch außerhalb der Gefangenschaft lebende Dinosaurier gibt, wurde ich bei einem kurzen Krankenhausaufenthalt aufgeklärt: Das war natürlich nur ein Braunbär in einem T-Rex-Kostüm. Diese verkleiden sich wohl neuerdings, wenn sie auf Jagd gehen. Vor Ort rätselt man daher, ob die Viecher schlauer oder einfach nur dümmer werden. Mir kann's egal sein, gekriegt hat er mich nicht. Dafür wurde ich allerdings von einer Bande drogendealender Eichhörnchen überfallen. Daher der Krankenhausaufenthalt. Den Sachsen, die das hier lesen, sei gesagt: es hätten genauso gut weiße Eichhörnchen sein können und außerdem gibt es sicher Gründe für ihre Flucht in den Stanley Park! LG, Philipp

18 October 2017

Es ist von Anfang an klar, dass die Jobsuche kein Zuckerschlecken wird. Die Arbeitgeber suchen händeringend nach Fachkräften. In wirklich allen Bereichen. Dass ich die Pornobranche noch nicht in Betracht gezogen habe, liegt wohl an meiner Engstirnigkeit. Diese gilt es nun aber abzulegen. Und wer weiß, möglicherweise werde ich am Ende meiner Reise in Kanada erkannt. Eher von Männern als von Frauen und auch nicht unbedingt im Gesicht. Aber immerhin. Jeder, der was aus sich machen will, muss den Schritt durch diese Tür früher oder später gehen. Mit jeder Stufe steigt die Zuversicht, dass ich schon bald auf einem Sofa sitzend/liegend/stehend auf den Bildschirmen dieser Welt zu sehen sein werde. Und mit der Zeit sollte ich das Sofa auch in Sachen Popularität überholen. Also macht euch keine Sorgen um mich, denn jetzt „mach ich was ich liebe, entdecke meine Leidenschaft“. Liebe Grüße, Euer Philipp

17 October 2017

Der erste große Schritt ist gemacht: Ich hab Tegel überstanden. Die Leute, die am 24. September für den Weiterbetrieb Tegels gestimmt haben, sind noch schlimmer als die AFD-Wähler. Wer sich dieses Wirrwarr jemals vor Ort angesehen hat, weiß was ich meine. Meine Liebsten, die mich nur zum Flughafen begleiten wollten, laufen noch immer im Kreis, um das richtige Terminal A zu finden. Ich für meinen Teil, bin jedoch gut in Kanada angekommen. Die Straßen von Vancouver darf man aufgrund der Menge an Regen derzeit leider nur mit Schwimmflügeln/-weste betreten. Abgesehen vom Wetter lässt sich aber wenig Negatives sagen. Die Leute vor Ort sind dermaßen freundlich, offen und zuvorkommend, dass es theoretisch möglich wäre ohne Alkohol, Zigaretten und andere Drogen auszukommen. Der Theorie und den astronomischen Preisen zum Trotz, ist Bier aber wohl das einzige, was schneller fließt als die Regenbäche in den Straßen. Und wem könnte es damit schon schlecht gehen. Liebe Grüße, Euer Philipp