Norway · 2 Days · 14 Moments · July 2013

20 July 2013

Abschlussworte Ich möchte dir hier hochoffiziell danken, dass du dich für meinen Reiseführer entschieden hast, ich hoffe, du hattest Spaß beim Lesen und nimmst dir ein paar der Tipps zu Herzen. Hier findest du noch ein paar Fotos von Oslo, die dir die Stadt noch besser vermitteln sollen, etwa das Rathaus oder den Dom. Beide wären ein eigener Tipp wert, aber ich glaube, du bist ohnehin klug genug, zu wissen, dass Kirche und Rathaus wie in jeder Stadt sehenswert sind. Ich will dir außerdem noch ein paar Dinge mitteilen: +Meide den Bahnhof nach Sonnenuntergang. Oslo ist eine sehr sichere Stadt aber wie überall gibt es dubiose Gestalten, die lästig werden können. +Hab keine Angst, nachzufragen. Die Norweger sprechen fast alle sehr gut Englisch und sind auch meist hilfsbereit, auch wenn sie auf den ersten Blick abweisend wirken, das ist nun mal die nordische Stoigkeit. +Geh spazieren! Lauf einfach durch die Stadt, du wirst an vielen Ecken positiv überrascht! In diesem Sinne: danke und gute Reise!
Wie geht es nun weiter? Du hast dir nun also die wichtigsten Sehenswürdigkeiten dieser fantastischen Stadt angesehen. Ich vermute aber, dass du mehr sehen willst! Der klassische Backpacker mit dem zerfledderten Interrail Pass in der Hand wird sich jetzt wahrscheinlich überlegen, was er sich als nächstes ansehen wird, deshalb ein Wort zum Zugsystem in Norwegen: So modern und reich Norwegen auch ist, das Bahnsystem ist mies. Wirklich mies. Die zweitgrößte und meist überschätzte Stadt Norwegens, Bergen, wird nur 4 Mal pro Tag angefahren und die Fahrt dauert über 6 Stunden, meist gibt es Verspätungen. Die Fahrt dorthin allerdings ist hinreißend. Oft bleibt der Zug für ein paar Minuten stehen und weist den Touristen sogar auf die Möglichkeit hin, jetzt schnell Fotos zu machen und die sind es allemal wert die Fahrt anzutreten. Bergen ist aber eine Sackgasse, alle Wege führen nur nach Oslo und von dort weg. Ich empfehle dir eine Nachtzugreise nach Trondheim, einer kleinen aber wunderschönen Stadt!
Holmenkollen - On Top of the World Wenn du aufmerksam durch Oslos gegangen bist, kann sie dir nicht entgangen sein: die silbern glitzernde Skisprungschanze am Horizont. Der Holmenkollen ist Skisport-Fans natürlich sofort ein Begriff und diese werden sich auch an dem überaus anschaulichen Ski Museum erfreuen (dem einzigen seiner Art in Europa), das in den Holmenkollen eingebaut wurde. Aber jeder, wirklich jeder, will auf den Holmenkollen, denn die Aussicht ist mit nichts zu vergleichen. Ganz Oslo liegt vor dir, die Sonne spiegelt sich im Wasser des Fjords, bei gutem Wetter ein absolut paradiesischer Ort! Problematisch ist lediglich das Hinkommen: Zwar gibt es eine T-Ban Station in der Nähe, diese ist allerdings etwa 30 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, zudem muss man noch etwa 15 Minuten (bei mir warens 25) bergauf traben, du verlierst also auf jeden Fall viel Zeit. Doch das, sieh dir die Fotos an, sollte es dir wirklich wert sein. Mit Oslo Card mal wieder gratis!
Munch Museum Etwas nördlich vom Hauptbahnhof und mit der T-Ban leicht zu erreichen befindet sich das Munch Museum, nicht unbedingt ein Geheimtipp, aber wenn du nicht dort warst hast du auf jeden Fall etwas verpasst! Zu Munch selbst brauche ich dir hoffentlich nichts mehr zu erzählen, berühmter Maler, und so weiter. Das Museum selbst wird nach zahlreichen Diebstählen nun streng bewacht und leider darf man keine Fotos machen. Jedenfalls findest du dort wirklich wundervolle Bilder, die mindestens so berühmt sein müssten wie der Schrei. Tatsächlich musste ich zwei Mal durch das Museum laufen, um den Schrei zu finden (Tipp: dritter Raum, in einer Ecke, sehr leicht zu übersehen). Der Eintritt - ich werde nicht müde es zu schreiben - ist mit der Oslo Card frei (hast du sie am Anfang dieses Reiseführers gekauft, hat sie sich längst rentiert), das dortige Cafe und den Museumsshop würde ich allerdings aus finanziellen Gründen meiden.
Ibsen Museum Du hast sicher schon von Henrik Ibsen gehört, dem berühmtesten Dramatiker Norwegens überhaupt. Im Gegensatz zu seinem schwedischen Pendant Strindberg war Ibsen ein sehr fortschrittlich denkender Mann, der sich unter anderem für ein Frauenwahlrecht aussprach. Aus seiner letzten Wohnung in Oslo wurde ein Museum gemacht. Du findest sie praktischerweise an der Henrik Ibsen Gata (ich vermute, die Straße hieß noch nicht so, als er noch dort wohnte...) in der Nähe des Nationaltheaters, wo auch viele seiner Stücke Premiere feierten. Im Museum selbst findet man seinen alten Anzug, diverse persönliche Gegenstände, Manuskripten und einen kleinen Vorführraum mit einer englischsprachigen Dokumentation über Ibsen (sehr gut gemacht!). Überdies findet man vor allem eines: riesige Infotafeln mit winziger Schrift, die einem alles über Ibsen und seine Stücke vermitteln, was man wissen möchte und wesentlich mehr. Mit der Oslo Card gratis, ansonsten auch nicht übermäßig teuer!

19 July 2013

Aker Brygge Das hier ist - verzeih bitte den Anglizismus - The Place to be! Diese Flaniermeile führt entlang der Pipervika bis hin zum Museum der modernen Kunst. Von diesem ist übrigens das Gebäude selbst das größte Kunstwerk. Das Design dieses Viertels ist ultramodern, wenn nicht gar futuristisch und für die Bewohner Oslos ein fast schon ritualisierter Ort der Festlichkeit. Man findet so gut wie alle Herrlichkeiten kulinarischer Künste weltweit. Da ich aber annehme, dass du, lieber Leser, nicht unbedingt reich bist, empfehle ich, Snacks mitzunehmen und auf den öffentlichen Bänken zu genießen. Hitchcock - Warnung: Möwen überall! Falls du in der glücklichen Position bist, eine Herzdame oder ein Herzmännchen dabei zu haben, schlage ich einen Abend in Aker Brygge vor. Der Sonnenuntergang ist fast schon kitschig romantisch!
Norsk Folkemuseum Willst du Norwegen sehen? Ganz Norwegen? Im Wandel der Jahrhunderte? Dann komm in das Freilichtmuseum, auch bekannt als Norsk Folkemuseum, das die Geschichte Norwegens anschaulich erklärt. Du hast es erraten, mit der Oslo Card hast du ermäßigten Eintritt. Je nach Geschmack ist das Folgende eine Grund hinzugehen oder fernzubleiben: Die Angestellten dort sind verkleidete Schauspieler, die versuchen einen Hauch von Authentizität zu erzeugen. Dazu gibt es auch viele Veranstaltungen, die sich täglich abwechseln. Im Endeffekt ist das Freilichtmuseum detailgetreu aufgebaut und beherbergt auch eine echte Stabkirche, die eine der letzten ihrer Art ist.
Die Halbinsel Bygdøy Mit der Fähre (gratis mit der Oslo Card, Anlegestellte direkt vor dem Rathaus, alle 20 Minuten im Sommer) oder mit dem Bus kommt man nach Bygdøy (übersetzt so viel wie "bebaute Insel"), einem herrlichen Plätzchen im Oslofjord. Hier gibt es nicht nur zahlreiche Museen (die sehenswertesten findest du auch in diesem Reiseführer), sondern auch viel Grün zum Spazieren und eine tadellose Aussicht auf Oslo. Gleichzeitig wohnen hier die reichsten Norweger der ganzen Welt (ha, ha), deshalb lohnt es sich, in den Wohnvierteln zu flanieren und sich für sein zukünftiges Haus (oder besser Schloss) inspirieren zu lassen. Leider ist das Gebiet um die Anlegestelle der Fähre, dort wo die meisten Museen zu finden sind, sehr touristenfreundlich, das heißt teuer.
Fram Museum Gleich neben dem Kon - Tiki Museum befindet sich das nicht minder beeindruckende Fram Museum, welches Fritjolf Nansen gewidmet ist. Die Norweger haben scheinbar eine Schwäche dafür, Museen um Schiffe herum zu bauen, denn hier findet man die Fram, ein Polarschiff, das Expeditionen in die Arktis und Antarktis unternahm. Der berühmteste Kapitän war der schon erwähnte Nansen. Nansen ist nicht nur Friedensnobelpreisträger und der erste Mann, der sowohl Nord als auch Südpol erreicht hat, er ist auch zum Norweger des Jahrhunderts gewählt worden. Und wahrlich, niemand verkörpert den Norweger besser als er. Ein intelligenter und kühner Mann mit Bart, der Ski fährt und die kältesten Orte der Welt aufsuchen will. Das Museum - ebenfalls gratis mit der Oslo Card - ist für all jene spannend, die das Titanic - Feeling erleben wollen, ohne zu sinken und für alle, die sich für den Kühnsten aller Norweger interessieren.
Kon Tiki Museum Bist du schon einmal über den Pazifik gesegelt? Zusammen mit einem Haufen ungewaschener Norweger? Und das Ganze auf einem Floß? Keine Sorge, musst du nicht. 1947 hat Thor Heyerdahl mit dieser waghalsigen Aktion bewiesen, dass Polynesien entgegen der bisherigen Annahmen auch von Südamerika aus hätte besiedelt werden können. Um dies zu beweisen riskierte der moderne Galileo nicht nur sein Leben, auch seine Familie verlor er dadurch (seine Frau hatte ihn verlassen, weil sie verständlicherweise nicht gerade begeistert war, dass ihr Mann lieber monatelang mit 5 Männern auf einem Floß lebte als mit ihr im gemütlichen Haus). Das interaktive Museum - gratis Eintritt mit der Oslo Card - erklärt einem die gesamte Geschichte, die Biografie Heyerdahls und stellt das original Floß aus. Sehr schön aufbereitet und noch dazu lernt man einiges über die Ozeane und Strömungen.
Oslos Oper Eine architektonische Perle, der perfekte Fotospot und ein gutes Ziel für den Morgensport! Dieses Gebäude ist der stolz der Norweger und das perfekte Beispiel für moderne skandinavische Baukunst. Wer es sich leisten kann, darf eine Aufführung in der Oper nicht verpassen. Die Inszenierungen sind meist äußerst gelungen, die Sänger die besten Skandinaviens und der Zuhörerraum hat eine fabelhafte Akustik! Aber wenn du, lieber Leser, ebenso wie ich damals ein Low-Budget Reisender bist, mach dir keine Sorgen, die Oper ist von außen mindestens genauso schön! Sieh dir die Bilder an, dann erspar ich mir hier eine genauere Beschreibung. Wichtig ist nur, dass du auch wirklich auf das Dach der Oper gehst. Versprich mir das! Denn von dort erhältst du einen fantastischen Blick auf den Oslo Fjord, sowie auf die Häuserfassaden gegenüber der Oper. Noch eine Warnung: Der Aufstieg ist nur für Sportfanatiker problemlos!
Oslo Card Du bist also in Oslo angekommen, doch bevor du den ersten Schritt machst, hier das Wichtigste: Kauf dir eine Oslo Card! Diese bekommst du in jedem Touristenbüro und natürlich auch beim Info Center des Hauptbahnhofes. Warum ist diese Karte so wichtig? Ganz einfach: Sie ermöglicht dir die Nutzung sämtlicher Öffis in ganz Oslo, dazu die Eintritte in die besten Sehenswürdigkeiten und zahlreiche weitere Rabatte. Sie ist für einen, zwei oder drei Tage erhältlich (Kinder, Senioren Rabatt gibt´s auch) und rentiert sich doppelt und dreifach (zumindest, wenn du die Stadt nicht nur per Hop - on/off Bus sehen willst, von dem ich dir übrigens abrate!). Du kannst sie übrigens auch online buchen, einfach Oslo Card in Google eingeben und du findest mehrere Anbieter.
Ein Wort zur Party Ich halte dich für einen jungen attraktiven Backpacker, voller Lebensfreude und der Lust auf Abenteuer. Gut so! Oslo bietet dir alle möglichen Aktivitäten, ausgezeichnete Radwege, Sportzentren, Sprachzentren (falls du das putzige Norwegisch erlernen willst) und vieles mehr. Am Abend gibt es Kultur, Restaurants und Bars zu genüge, nur eines muss ich dir in aller Deutlichkeit vermitteln: Es ist unerhört teuer. Ich habe keine einzige Bar gefunden (und ich habe intensiv gesucht, glaub es mir), die annähernd vernünftige Preise hatte. Mein Tipp deshalb: Nimm von zu Hause was Gutes mit, stoße mit deinen Herbergsgenossen an und komme angeheitert in eine Bar, so sparst du viel Geld, bestätigst das Klischee von Backpackern und hast auch noch etwas Geld übrig um eine hübsche Norwegerin einzuladen (dies gilt jetzt für Männer, Frauen haben in Oslo wie überall den Vorteil, schön zu sein und eingeladen zu werden). Und da im Sommer die Nacht ohnehin immer zum Tag wird, genieß es einfach!
Vigelandspark Dieser Park sucht in ganz Europa seinesgleichen! Gustav Vigeland war einer der polarisierendsten Künstler und Bildhauer seiner Zeit. Trotzdem wurde ihm dieses riesige Areal gewidmet, das nur wenige T-Banen Stationen vom Hauptbahnhof entfernt ist. Überall findet man seine Statuen von vorzugsweise nackten Figuren in allen Größen und Variationen, unübersehbar ist dabei natürlich die Säule auf der Spitze des Hügels. Von der Ferne könnte man sie als Phallus betrachten, kommt man aber näher sieht man, dass der gesamte Turm nur aus nackten, korpulierenden Menschen besteht, die sich in einer Orgie mehrere Meter in die Höhe stapeln. Dennoch kann man hier nicht von Obszönität sprechen, es ist schlichtweg Kunst, ebenso wie der Rest des malerischen Parks. Der Eintritt ist frei, deshalb verbringen auch täglich hunderte Norweger die vielen Sonnenstunden im Sommer in diesem Park, grillen, spielen Badminton und erfreuen sich ihres Lebens. Wo sonst, wenn nicht im Park der nackten Menschen?