Austria · 10 Days · 30 Moments · August 2018

MiVi‘s Reise an die Amalfiküste


12 August 2018

Die schweren Wolken über dem Vesuv signalisieren uns, dass es Zeit ist aufzubrechen und während einer entspannten Fahrt auf der Autobahn bei 35 Grad Außentemperatur legen wir eine Gedenkminute für unseren Freund Albi ein, der gerade um diese Zeit mit defekter Klimaanlage durch Kroatien unterwegs ist. Selbst der kurze Weg vom Parkplatz der Raststation bis zu dessen Eingang ist kaum auszuhalten. Ein Hund im klimatisierten Eingangsbereich kühlt am Fliesenboden seine Weichteile und wir erfrischen uns mit einem eiskalten Cola. Am Flughafen angekommen haben wir noch einige Stunden Zeit und mit einer einstündigen Verspätung landen wir kurz nach Mitternacht und Deniz von DriveNow bringt uns noch gut nach Hause. Wir freuen uns, nach einem ereignis- und abwechslungsreichen Urlaub wieder daheim zu sein. Ein herzliches Dankeschön an Mama, die sich zu Hause so wunderbar um Flora und Fauna gekümmert hat! Gute Nacht und einen schönen Wochenbeginn! Vivi und Mike
Es ist Zeit Abschied zu nehmen. Nach dem Frühstück versichern wir Saverio, dass der Tag mit ihm am Boot der Beste war - er versichert uns hingegen, dass nicht viele Gäste sein Herz erobert haben wie wir und er uns nicht vergessen haben wird, wenn er als Hotellier seine erste Villa im Angebot hat. Nachdem genug Seelenbalsam ausgetauscht ist, machen wir uns ans Kofferpacken und spenden schweren Herzens noch einen kräftigen Schluck des übrig gebliebenen Limoncellos den Kanalratten. Eine herzliche Verabschiedung von der ganzen Familie später fahre ich zum Einladen unseres Gepäcks das Auto rückwärts durch die enge Gasse zu unserem B&B. Der Versuch, mit Hilfe der linken Hauswand unsere Initialen in den Seitenspiegel des Autos zu gravieren misslingt und es entstehen lediglich ein paar inhaltlich bedeutungslose Kratzer.

11 August 2018

Erschöpft und von der Sonne leicht gestochen kommen wir zufrieden wieder zurück und machen uns frisch, bevor wir uns am letzten Abend unseres Urlaubs ein besonders Essen in der Casa Rispoli genehmigen. Schließlich müssen wir unsere restlichen - ähm - Euros aufbrauchen. Der Kellner ist ausgesprochen sympathisch und bringt uns sogar als Entscheidungshilfe die ganzen rohen Fische zur Ansicht an den Tisch. Wir entscheiden uns für den Snapper und werden nicht enttäuscht, die fein abgestimmte Komposition aus gegrilltem Fisch, Gemüse und Sauce begeistert uns. Obgleich hier die Strategie, unsere Euros aufzubrauchen, voll aufgeht, fühlen wir uns endlich einmal nicht übervorteilt und fahren müde aber mit guter Laune zurück in unser B&B. Gute Nacht!
Endlich haben wir die angemessene Weise entdeckt, sich der Amalfiküste zu nähern: die Anreise mit dem private Boat ist, wie der Name einer luxuriöseren Yacht bereits sagt „Quite Essential“. Der Ausblick vom Meer auf die in den Fels gebauten Villen und deren steile kreativ gestaltete Abgänge zum Strand und/oder der privaten Yacht, die kleinen und ruhigen weil mit dem Auto nicht erreichbaren Strände und die dortigen Badestopps fernab der hektischen Touristenmetropolen machen die Reise erst zum wirklichen Erlebnis. Wir sind von neun bis neunzehn Uhr mit Saverio und seinem Freund dem Bootsbesitzer sowie einem weiteren Pärchen aus Norditalien unterwegs und genießen jede Ecke der Küste. Das Touri-Boot von letztens sehen wir diesmal nur von weitem. Wir werden heute für viel Stress und Schweiß der letzten Tage entschädigt und finden, dass unser Gastgeber diesen Trip ganz toll organisiert hat.

10 August 2018

Vivi auf der Suche nach der größten Einkaufsstraße der Stadt wird bald fündig und trägt glücklich zwei Paar wunderschöne Sandalen mit nach Hause. Wir schauen noch kurz zum Hafen und bestaunen die schwimmenden Hochhäuser, die dort vor Anker liegen. Nach einer kurzen Verhandlung mit dem Taxifahrer, der uns weismachen möchte, aufgrund des Verkehrs nicht in den acht Minuten laut Navi anzukommen, knöpft dieser uns für letztendlich vier Minuten auf der leeren Busspur statt 20 Euro nur 15 Euro ab. Wir essen noch gut in der Fattoria und gehen dann schlafen.
Er ist offenbar einer der beiden Chefs und fragt die ersten paar Reihen nach der Personenzahl je Tisch. Ich frage zurück, ob er Antonio oder Gigi ist und er erwidert letzteres. Wir stehen also direkt vor Gigi, einem der weltbesten Pizzabäcker! Ein Selfie muss her und wir bekommen schnell die Erlaubnis. Bald darauf dürfen wir zu unserem Tisch und wenig später sind die Empfehlungen des Chefs auf unseren Tellern gelandet - eine Margarita und eine Pulignese. Wir genießen jeden Bissen, der Teig ist einzigartig in seiner Konsistenz, ein weicher fast schon fluffiger Rand mit Brandspuren und dem zarten Geschmack von rauchigem Holz - und auch der Belag schmeckt wunderbar. Wir sind uns einig, diese Pizzen sind außergewöhnlich. Bald machen wir Platz für die Nächsten in der langen Schlange und ich verabschiede mich von Gigi ob des Materials auf seinen Fingerknöcheln mit einem nur sehr vorsichtigen Händedruck.
Augenblicklich werden wir von den Klängen eines mit Verstärkung lautstark singenden Italieners umhüllt und unsere Ohren führen uns um die nächste Straßenecke, wo der kleine Balkon einer Privatwohnung im ersten Stock zu einer aufwändig dekorierten Bühne umgebaut wurde. An einem langen Seil hängt ein Körbchen bis zur Straße mit dem Aufruf, das kleine Privatunternehmen finanziell zu unterstützen. Der Mann versteht es, sein Publikum zu unterhalten und ich reihe mich in den Kreis seiner Förderer ein. Jetzt aber schnurstracks zur Pizzeria, wo die Schlange an hungrigen Pizza-Gourmets bereits zehn Meter lang ist. Eine Dreiviertelstunde wird es dauern, bis wir als Erstplatzierte vor der Türe von Antonio und Gigi stehen. Ein kräftig gebauter selbstbewusster glatzköpfiger Pizzabäcker mit überdimensional großen Händen, dessen oberseitige Knöchel entzündet und entweder mit Pizzateig oder Krätze bedeckt sind, baut sich vor uns auf.
Auch heute wieder von den leckeren hausgemachten Bäckereien verwöhnt und gestärkt verabschieden wir uns und brechen nach Neapel auf. Meine originalen Positano Schuhe dürfen erstmals zwischen heissem Asphalt und nackten Fußsohlen zu ihrer wahren Bestimmung finden. Beim Anziehen fällt mir auf, dass der Italiener wieder einmal deutlich schlauer als der junge Fuchs ist, der uns die letzten beiden Abende an der gleichen Stelle fast ins Auto gelaufen ist. Die Schuhe sind eigentlich spanisches Importgut, mit einer Einlegesohle samt Positano-Aufdruck veredelt. Egal, sie gefallen mir trotzdem. Auf dem Weg zur besten Pizza der Welt in der Altstadt (die Kritiker sind sich nur einig, dass sie in Neapel sei, Saverio meint es gibt sie bei Antonio und Gigi Sorbillo) müssen wir uns beeilen, denn vor 13:00 soll der Andrang noch überschaubar sein. Wir parken etwas außerhalb und nehmen ein Taxi, das uns durch die engen Gassen bis fast vor die Türe führt.
Heute morgen beim Frühstück führen wir mit Saverio ein längeres Gespräch über seine Zukunftspläne, private Luxusvillen anzumieten, die von den Eigentümern oft nur wenige Wochen im Jahr benutzt werden. Diese möchte er als Hotelier an Touristen weitervermieten. Wir finden die Idee gut und hoffen auf eine Einladung, wenn es dann soweit ist. Die generell schlechte Wirtschaftslage in Italien wird auch zum Thema, die Saverio hauptsächlich der Mentalität seiner Landsleute geschuldet sieht. Qualitäts- und Serviceorientierung fehlen den meisten Leuten hier in seinem Umfeld und die zunehmende Verarmung führt dazu, dass der Tourist in einen verzweifelten Klammergriff genommen und gemolken wird, wo es nur geht. Wir fühlen uns sofort verstanden und sollten weiterhin bestätigt werden.

9 August 2018

Dort angekommen und am Weg zu unserem Abendessen fallen uns im Hafenbecken riesige Betonquader auf einer Länge von mehreren hundert Metern auf. Ich frage mich, ob die Opfer der italienischen Maffia nun hier als Wellenbrecher den letzten Dienst an ihrem Land verrichten. Wir kommen bald im „Stay Hungry“ an, wo wir noch ein leckeres aber kleines Mahl zu uns nehmen - ganz wie der Name es verspricht - und fahren danach wieder in unser B&B.
Eigentlich hatte ich Appetit, das zweite Panino unserer Jause zu verspeisen, aber ein von der Hitze des Tages kräftig beleidigtes und deshalb sehr muffiges Achselpaar vor mir trennt sich gerade von seinen sonnengereift würzigen Aromen. Zu einem Sandwich mit Hummus vielleicht noch passend, zu einem Panino mit Prosciutto Crudo, Formaggio und Pomodori jedoch denkbar unpassend. Nahezu zeitgleich steigt ein Helikopter mit einem großen roten Sack voll Meerwasser als Nutzlast nebenan auf. Dieser hat jedoch nicht unser lokal doch relativ begrenztes Inferno im Fokus, sondern den naheliegenden Berggipfel. Auch diesem ist die Hitze des Tages offenbar zuviel geworden und dicke Rauchschwaden eines Waldbrandes steigen auf. Einsam kippt er Tropfen auf die heißen Steine, während wir uns schon unserem Heimathafen nähern.
Wir wechseln mehr oder weniger nur die Straßenseite und genießen ein paar Takte Querflöte aus einem der umliegenden Häuser nahe der Bushaltestelle, wobei das größte Highlight am Berg die gepflegte und kostenlose Toilette ist. Als wir um 18:30 wieder auf unserer Fähre sitzen, kehren schön langsam die Reichen in den Hafen zurück. Der Hafenplatz ist nun deutlich ruhiger und sieht nach dem touristischen Alltag wieder wie der einer fast gewöhnlichen Küstenstadt aus. Auf der Rückfahrt identifizieren wir stolz die Villa von Sophia Loren und genießen die Abendstimmung an der Küste - das sanft rötlich gefärbte Licht der schon tief am Horizont stehenden Sonne und die leichte Brise aus einer Mischung von Meerwasser, Schiffsdiesel und Kreuzkümmel. Kreuzkümmel? Hier in Süditalien?
Nach einer gemütlichen Fahrt auf der mit Segeltuch überdachten Fähre finde ich in einer der Boutiquen coole Sommerschuhe und freue mich, nun mit einem Stück original Moda di Positano wieder nach Hause zu kommen. Später wird sich herausstellen, dass ich stattdessen ein Stück Moda di Austria hier zurücklassen werde. Meine Sonnenbrille war leider nur „unbreakable“ und nicht „unloosable“. Offenbar habe ich mich im Supermarkt vor den Wasserflaschen im Kühlregal verneigt und dabei die am T-Shirt eingehängte Brille verloren. Und Verneigungen können in Italien teuer werden, wie schon Kapitän Schettino zu erzählen weiß. Wir schlendern durch die engen Gassen hinauf auf eine Anhöhe, wo wir den Ausblick genießen. Das lässt sich noch toppen, denken wir und nehmen den Bus Richtung Montepertuso, das weit oberhalb von Positano liegt. Weiter als gedacht, denn nach 35 Minuten Busfahrt oben angekommen wird uns bewusst, dass wir eigentlich schon wieder nach unten müssen, um unsere Fähre zu erreichen.
Heute wollen wir mit der Fähre nach Positano, eine Stadt der besonders Wohlhabenden. Auf dem Weg zum Hafen bleiben wir noch in Vietri stehen und bummeln durch die Gassen voll von Keramik-Läden, wofür die Gegend hier auch sehr bekannt ist. In der Hafengegend angekommen finden wir einen Parkplatz, wo wir erstmals so richtig freundlich eingewiesen werden. Wir fragen den sympathischen Herren nach den Zahlungsmodalitäten und mit Hilfe eines spontan zum Dolmetschen einspringenden Paares finden wir heraus, dass im Voraus circa 2-3 Euro zu bezahlen sind. Die Freude, einen ganztägigen Parkplatz für die 2,90 zu bekommen, die ich noch in meinem Münzfach hatte, schlägt bald um, als ich von dem dolmetschenden Paar den Nachsatz „but this Parking is free“ höre.

8 August 2018

So fühlen wir uns zwar sicher, gleichzeitig aber verdächtigt, mit einem übervollen künstlichen Darmausgangs-Beutel ins Wasser zu gehen. Mein Schatz hat hier keine Scheu und übernimmt als erste diesen Part. Gemeinsam im Wasser, die Augen nur auf meine liebe Frau gerichtet, ist das Feuchttuch auch schon wieder vergessen und wir genießen die Erfrischung. Abends machen wir uns auf den Heimweg und kommen trotz des heutigen Mittwoch an drei unterschiedlichen Stellen an einem Brautpaar vorbei. Erst später macht es Klick - es ist heute der 8.8.18. Zum Abendessen geht es nach all dem Touristenrummel in ein von Einheimischen dominiertes Lokal in Cava de Tirreni. Es ist laut aber das Essen ist ok.
Heute wollen wir mal wie Rudi nur entspannen und nehmen den Bus nach Vietri. Hier am Calypso Strand mit Bestnoten ist nicht nur das Meer gesalzen, sondern auch die Miete für unser kleines Königreich, das sich über den Schatten dessen grosser grüner Flagge erstreckt, die frappant an einen Sonnenschirm erinnert. Beim ersten Gang in das kristallklare Wasser, getrübt nur von abgestorbenem Seegras und allerlei umherschwimmenden Kleinteilen mache ich die Begegnung mit einem Feuchttuch, dessen Herkunft und Geschichte ich besser nicht studieren möchte und beschließe, erfrischt genug zu sein. Später wollen wir aber doch nochmal gemeinsam ins Wasser, ohne unsere Habseeligkeiten zu einem späteren Zeitpunkt von den hier regelmäßig patrouillierenden Strandverkäufern wieder feilgeboten zu bekommen. Also füllen wir diese zunächst in eine der mit drei Zipverschlüssen versiegelten wasserdichten Taschen und anschließend in die zweite.

7 August 2018

Nicht mehr ganz frisch aber gestärkt zwängen wir uns mit schon jetzt komplett durchgeschwitztem Gewand in die Seilbahn Richtung Gipfel und schlendern dort durch die ebenfalls überfüllten Gassen. Ist das wirklich das Paradies, das uns versprochen wurde? Irgendwann verlassen wir die Touristenströme in Richtung der schmalen Gassen der einheimischen Villen, bis wir nach einigen Mühen am Belvedere Canone Aussichtspunkt ankommen und nun erstmals nachvollziehen können, warum die Reichen in Capri wohnen. Doch bald schon gehen unsere Wasservorräte aus und wir müssen zurück ins Getümmel. Wir wollen wieder nach Hause und nach einiger Wartezeit im Hafen sind wir zwei Stunden später wieder in Salerno, wo wir noch bei Don Carlo vorbeischauen, der uns zwei Teller mit leckerer Fisch-Pasta serviert. Dann aber ab nach Hause und ins Bett!
Heute brechen wir ohne Frühstück schon um 8:00 von zu Hause auf, um die Fähre nach Capri zu nehmen. Wir bezahlen unsere Schlepper mit über 90 Euro für die zweistündige Überfahrt in der Hoffnung auf ein besseres Leben - zumindest für einen Tag. Als wir in Capri zwischen Yachten und noch mehr Yachten ankommen, sind wir froh, unser überfülltes Schiff verlassen zu können. Sehr schnell holt uns auf der Touristenmeile jedoch die harte Realität ein und wir finden uns ohne Frühstück und von der langen Fahrt ausgehungert in einem zum Bersten vollen Mini-Supermarkt wieder. Dort tanzen auf dem Plafond die Schweinebeine Ballet und laden dazu ein, gemeinsam mit Tomaten und Mozzarella in ein Panini zu hüpfen. Beinahe hätten wir übersehen, für dieses Schauspiel rechtzeitig eine Wartenummer am Eingang zu ziehen und nach einer Großbestellung Paninis - wahrscheinlich des FC Capri - sind wir endlich dran.

6 August 2018

Die Villa Rufolo breitet sich vom Ortskern der höhergelegenen Stadt majestätisch in Richtung Küste aus und ist das Werk eines Philantropen und Ästheten, der dort zusammen mit einem bekannten Gärtner ein Kunstwerk schuf. Mit mehr Zimmern als das Jahr Tage hat, einem paradiesischen Garten und einem steil emporragenden Turm zeigt er trotz aller Philantropie wer in der Stadt die Hosen anhat. Als wir uns durch das Anwesen wandelnd schon an die aristokratisch ruhige und über jeden Stress des Alltags erhabene Atmosphäre gewöhnt haben, klingelt der Alarm für die Parkuhr. Es ist Zeit, wieder in die hektischen Niederungen des Alltages einzudringen und die vom Tourismus sichtlich genervt unfreundliche Seele der italienischen Kaufleute bei Gelato und Parkeggio zu inhalieren. Bevor diese noch auf uns abfärbt, beschließen wir die Stadtbesichtigung von Cetara und Vietri abzukürzen und nach Hause zu fahren. Unsere Kutsche darf für heute auch durchatmen.
Als Rudi heute morgen beim Frühstück in der Hollywoodschaukel einschläft, tauche ich ihn vorsichtig mehr und mehr an, bis er - ohne aufzuwachen - richtig wild schaukelt und im Schlaf reflexartig die Krallen zum Festhalten in den Stoff drückt. Dann brechen wir zu einer Fahrt entlang der felsigen Küste auf, um die naheliegenden Städte zu besichtigen. Mit der Motorradfahrer-Weisheit „das Beste an den Geraden sind die Kurven“ auf den Lipppen schwingen wir uns die schmale Bergstraße auf und ab, während unser Seitenspiegel unentwegt zu einem High Five mit dem Gegenverkehr ausholt. Die Mopedfahrer finden wie ein Schwarm Moskitos immer noch dazwischen Platz. Nach einer guten Stunde sind wir in Ravello angekommen, um die bekannteste der dort öffentlich zugänglichen Villen zu besuchen.

5 August 2018

Da unser Guide in schwer zu ertragender stakkatoartiger Stimme einen Satz nach dem anderen vor sich hin leiert, stecke ich ihn einfach wieder in die Hosentasche zurück. Somit sollte uns jedoch - Asche auf mein Haupt (politisch hier allerdings nicht ganz korrekt) - das eine oder andere Geheimnis der alten Pompeier verborgen bleiben. Den zum Beispiel immer wieder kunstvoll auf Hauswände aufgemalten Penis mit Flügeln schreibe ich kurzerhand dem Versuch der Besänftigung der Göttin Impotenzia zu - eine Erklärung mit der ich leben kann. Auch beeindrucken uns die ausgesprochen solide ausgeführten Zebrastreifen, die q.e.d. sogar einen Vulkanausbruch problemlos überdauern. Vivi ist zudem von einer überlebensgroßen Statue angetan, wenngleich sie uns auch nur die kalte Schulter zeigt. Nach fünf Stunden in teils brütender Hitze kommen wir mit in Salz gebatikten T-Shirts erschöpft aber zufrieden und mit einer Vielzahl an Eindrücken wieder zum Auto und schließlich in unser B&B zurück.
Nachdem wir wieder ein leckeres Frühstück hausgemachter Kostbarkeiten zu uns genommen haben, führt uns der heutige Ausflug nach Pompei. Am ersten Sonntag im Monat gratis, das gefällt uns.
Das akustische Duell, das sich zu Hause die Regionalzüge des nahegelegenen Bahnhofes liefern, übernimmt hier eine Horde an Hunden, alle im Garten ihres Rudelführers eingesperrt, sich die Ärgernisse des ganzen langen Tages mitteilend. Die frische Luft und die akustische Abwechslung richtig genießend schlafen wir bald ein. Um ungefähr 5 Uhr morgens ist die Zeit für eine kleine Vergeltung gekommen. Eine Schar an weit verstreut sitzenden Hähnen ist damit beschäftigt, die nächsten Stunden bis zum helllichten Tag den Hunden den Schlaf zu rauben, den sie ihnen Abends zuvor genommen haben. Nach ungefähr zwei Stunden haben sie es sprichwörtlich geschafft, die schlafenden Hunde zu wecken und setzen gemeinsam fort. Ein gut sitzender Verschluss für den Gehörgang ist nun das Mittel der Wahl.

4 August 2018

Nach einem Gläschen Wein auf dem Balkon, in das Vivi ein bisschen zu tief hineinschaut, beginnt es zu donnern, als würde der Vesuv ausbrechen. Im Regen unter dem Vordach fühlt es sich bei ein paar Runden „Sechs nimmt“ jedoch sehr heimelig an, bis die ersten Regentropfen sich ihren Weg durch das angerostete Vordach bahnen. Als Saverio uns mitteilt, dass das Bügeleisen nun frei ist, bereitet Vivi ihre Kleider für den nächsten Einsatz vor, während ich ein Selfie mit Rudi mache. Dann geht es in die „Fattoria“ zum Abendessen auf eine gemischte Platte mit gegrilltem Fisch und Gambi am Tisch neben dem Klavier, an dem heute ein gemütlicher rundlicher Italiener mit viel zu großer Hose gefühlvoll über die Tasten gleitet. Nach einem Fläschchen Wein haben wir viel Spaß auf dem kurzen Rückweg und machen noch ein Foto gemeinsam mit unserem „Schützling“, wie Vivi den Schutzpatron (der leicht Angeheiterten?) nennt.
Aufgrund der Schlechtwetterprognose für Nachmittag fahren wir heute über den schon am Vormittag flimmernden Asphalt durch enge und steile Gassen vorerst nur in den Nachbarort Cava de’ Tirreni, wo es eine Vielzahl an Boutiquen für Vivi gibt und kommen gerade rechtzeitig zum Einzug einer Braut in die Kirche. Diesmal haben wir unsere Snacks für Mittag dabei und können so an dem lecker garnierten Vorspeisenteller am Straßenrand einfach vorbeigehen. Nach ausgiebiger Inspektion - gefühlt - nahezu aller Boutiken der Stadt haben wir für heute genug Sonne getankt und ziehen uns zur Siesta zurück.
Unser Frühstück ist im Garten unter einem Flachdach aus Schilf gerichtet, wo uns lecker knusprige Bruschetta-Brötchen mit Omelett und hausgemachte Kuchen und Croissants mit Vanillecreme erwarten. Als wir uns setzen, schwingt sich auch die trächtige Katze, die eigentlich der überfressene Kater Rudi ist, auf die Hollywoodschaukel und verrichtet in schwingenden Bewegungen genüsslich ihre Morgenhygiene. Unser Blick fällt auf den riesigen Zitronenbaum, der für den gestrigen Limoncello nach Oma’s Rezept verantwortlich zeichnet. Zum Abschluss des Frühstücks gibt es noch einen starken italienischen Espresso und wir können satt und zufrieden in den Tag starten.

3 August 2018

Die Autofahrt ist insgesamt dann doch recht lange und wir sind froh endlich anzukommen. Der freundliche Gastgeber Saverio holt uns mit dem Moped von einem Parkplatz ab und führt uns zum Haus seiner Eltern. Vivi’s Koffer transportiert er gleich auf dem Moped. Wir wohnen im ehemaligen Zimmer seiner Eltern und als Türschild, das jeweils eine andere Blume abbildet, finden wir unsere Hochzeitsblume, die Calla. Das Zimmer ist sehr sympathisch und bietet einen traumhaften Ausblick vom Balkon auf das Meer und die umliegenden Hügel, die wir vorerst nur bei Nacht sehen. Saverio setzt sich mit uns noch im Garten zusammen und bei einem hausgemachten Limoncello und frisch frittiertem Gemüse seiner Mama stellt er mit uns einen Wochenplan mit einer Reihe guter Insidertipps zusammen. Auch Vater, Bruder und Schwägerin sind da. Wir freuen uns schon auf die kommenden Tage!
Wir entscheiden uns für die längere Route mit Zwischenstopp an der Küste von Sperlonga, einem sehr netten kleinen Ort auf einem Felsen am Meer. Leider denkt der Italiener um 17:00 noch nicht ans Abendessen und so müssen wir mit einer besseren Tiefkühlpizza in einer Touristenfalle vorlieb nehmen, die uns aber dafür bis am Abend im Magen liegt. Der Spaziergang durch den malerischen Ort entschädigt uns dafür. Eigentlich wollen wir noch ein Eis kaufen, aber in dem kleinen Laden ist niemand außer das Eis und eine Schale mit Münzen - wir sind uns nicht sicher ob wir uns dort wirklich selbst bedienen sollen und gehen wieder.
Das kann dauern ... 40 Wartenummern vor uns bis zu unserem Auto. Doch so ein Köfferchen bietet gut Platz für zwei Reisende und Zeit genug, diesen kleinen Blog zu erstellen. Nach einer Stunde Warten bekommen wir von einem schläfrigen Hertz Mitarbeiter die Papiere und kurz darauf einen Renault mit 290 gefahrenen Kilometern ausgehändigt.
Jetzt gehts los, schnell noch checken ob der Sonnenhut sitzt und ab nach Rom!