Germany, Italy · 38 Days · 421 Moments · March 2019

Bike you Goethe II - von Rom nach Sizilien


3 May 2019

Kurz vor Mitternacht, eine sehr lange Reise geht zu Ende. Es war in vielerlei Hinsicht eines außergewöhnliche Reise. Zunächst mal bin ich gut 3000 Kilometer alleine bis an einen der südlichsten Punkt Europas geradelt. Dabei bin ich dem großen deutschen Dichter menschlich sehr nahe gekommen und nicht zuletzt habe ich auf der Reise in meine eigene Vergangenheit alte Bekannte wiedergefunden, neue Menschen kennen gelernt und wunderbare Tage mit meinen Freundinnen und Freunden verbracht.
Und gönne mir zum Schluss nochmal einen Aperol, der noch nicht mal so teuer war...
Ich mache das Beste daraus und umrunde einfach den halben Zürichsee inklusive einmal Fähre fahren.
Tja, und da bleibe ich dann auch erst mal... Ich habe zwar eine Fahrkarte nach Frankfurt, mein Fahrrad aber nicht. Alle Plätze ausgebucht! Also muss ich wohl oder übel ein neues Ticket kaufen und den Nachmittag im teuren Zürich totschlagen.
In Como trennen sich dann Goethes und mein Weg. Er ist wohl Richtung München weitergereist, ich fahre nach Zürich.
So, der Zug fährt los, Frankfurt ich komme.

2 May 2019

Meinen letzten Abend verbringe ich wieder im Ostello Bello, das seinem Namen wirklich alle Ehre macht. Ich plaudere bei Livemusik mit einer Amerikanerin, die als Freiwillige bei einer Hilfsorganisation in Somalia arbeitet; einer Polin, die in Honkong lebt und arbeitet ( und mit der man gut trinken kann ;-) ), und einer Österreicherin, die Ukulele spielt und gerne lateinamerikanische tanzt. Besser könnte der letzte Abend dieser Reise nicht sein!!!!!
Mein Reisebegleiter Goethe hat sich auf seiner Rückreise noch schnell den Dom angesehen. Das wollte ich eigentlich auch, aber dann hatte ich irgendwie genug von Tourimassen in Sakralgebäuden und bin lieber noch ein bisschen durch Mailand gebummelt.
Reklame in der Metrostation - Da stockt mir kurz mal der Atem!
Und dann bin ich auch schon am letzten Ort meiner Reise angekommen. Von den Straßenlampen herab begrüßt mich Salvini mit der Aufforderung: Italien zuerst - Europawahl. Aber dem Arschloch gönne ich kein Bild in meinem Reisetagebuch und zum Glück verschwinden die Plakate dann auch.
Man kann die Nähe zu Mailand am Brückenstil ablesen.
... noch ein paar Brücken.
Das ist sein Sarkophage. Man beachte die damalige weibliche Schuhmode!
Die Anlage war Ursprünglich ein Karthäuserkloster, das der Herzog von Mailand, Visconti, bauen ließ, damit die Mönche für sein Seelenheil beteten.
Am Wegrand liegt eine unglaubliche Perle, an der ich fast vorbeigefahren wäre, wenn nicht der Besitzer des Ostellos in Pavia mich darauf hingewiesen hätte. Die Certosa di Pavia.
Partnerlook-Wanderinnen
Der Weg verläuft heute geradeaus am Kanal Naviglio Pavese entlang von Pavia direkt nach Mailand. Mein heutiges Sammelobjet: Brücken.
Der letzte Tag meiner grande Tour beginnt. Ein bisschen Wehmut kommt da schon auf, wenn so ein großes Projekt endet. Andererseits freue ich mich auch sehr auf zuhause und hab genug Ideen für die nächsten Monate...

1 May 2019

... und dann eine ordentliche Portion Fleisch (@Mama: ja, stimmt, essen ist wichtig...)
... ein wenig Sonnenuntergangkitsch...
Ein bisschen Flussromantik...
Was es hier auch gibt, sind einige noch stehen gebliebene Geschlechtertürme wie in San Gimignano. Beeindruckende Phalli der Macht...
Das Highlight ist aber San Michele Maggiore. Hier wurde Karl der Große zum König der Langobarden gekrönt. Und auch HEINRICH der zweite, ja der dessen Grab Goethe in Palermo besucht hat, wurde hier zum König von Italien gewählt und gekrönt. Da gab es allerdings dann einen Aufstand, bei dem die damalige Kirche abbrannte - dumm gelaufen.
Der Dom zum Beispiel hat die drittgrößte Kuppel Italiens nach dem Petersdom in Rom und einer Kirche in Florenz. Und der Baumeister hat sich sogar mit Leonardo da Vinci beraten...
Pavia ist eine wirklich schöne italienische Stadt, die auch kulturell einiges zu bieten hat. Und wer ist wieder mal zu früh Richtung Mailand abgebogen? Natürlich der Herr Goethe!
Und dann erscheint auch schon die erste Sehenswürdigkeit: die überdachte Brücke ( und das Boot, auf dem ich gleich einen Aperitif nehmen werde ;-) )
Kurz vor Pavia wird es dann nochmal richtig urwaldig - ok, das versöhnt mich. Es gibt sogar Wasserschildkröten!
Interessante Dekorationsentschlossenheit und Farbgestaltung, das hätte ich fast unterschlagen.
Es geht heute ohne große Höhenunterschiede meistens auf dem Damm entlang. Eigentlich ein bisschen langweilig, aber ab und zu taucht wenigstens ein kleines norditalienische Städtchen auf.
Das ist also das Paradies! Ob ich da hin möchte? Sieht ein bisschen mickrig aus und die Straße hört auch noch auf, ob der Paradieswächter da nicht ein Machtwort sprechen könnte?
Und noch zwei Prachtexemplare!
Mein heutiges Sammelobjekt! Wie heißen diese Dinger eigentlich? Der Adler guckt ein bisschen doof.
Eine weitere Mohnvariation.
Zum Morgenkaffee kehre ich nochmal ins Art Café zurück. Das ist eine echte Perle in diesem unspektakulären Ort, der sich bei booking.com nur durch seine Nähe zur Autobahn auszeichnet. Irgendwie mag ich das Schöne im Unspektakulären, vielleicht weil ich selbst aus so einem Ort bin.

30 April 2019

Und lasse den Abend ( als einzige Frau) in einer Fernfahrerkneipe mit lecker Hausmannskost ausklingen.
Ich versüße mir den Nachmittag im „Artcafe“ im Nachbarort...
Das wartet aber dann nochmal mit dieser imposanten Villa aus dem 17/18. Jahrhundert auf, in der angeblich der Italienische König Umberto und Puccini sich die Zeit versüßt haben und das man heute wohl für seine Hochzeit mieten kann.
Schließlich liegt mein Ziel vor mir, Orio Litta, auf der Landkarte ein unscheinbares Dörfchen.
Und da befindet sich auch dieses verwunschene Gehöft. Ich glaube, ich habe einen Faible für‘s Morbide...
Es gibt sogar eine Fähre, extra für die zu Fuß Pilgernden.
Aber nach einer Weile taucht auch der auf.
Hinter Piacenza beginnt dann der Po-Radweg, zunächst mal ohne Po.
Und sehr mächtig der Palazzo Farnese.
Schön auch das gotische Rathaus.
Es gibt auch hier wieder einen Dom im romanischen Stil mit Löwen am Eingang wie auch schon in Parma und Fidenza. Besonders gefallen haben mir die Säulenheiligen und die etwas gequält wirkenden Portalträger. Das Innere bleibt mir verborgen, da der Dom von 12.30 bis 15.30 Mittagspause macht.
Mittagspause in Piacenza. An 21. Mai 1788 hat Goethe hier auf seiner Heimreise übernachtet.
Etwas befremdlich ist die Verbindung von Katholischer Universität und Kampfflugzeug auf dem selben Gelände ... ich will gar nicht genau wissen, wo da der Zusammengang ist, sicher nicht im gemeinsamen Streben nach Höherem oder gar den Göttlichen...
... und anderen außergewöhnlichen Gebäuden.
Immer wieder grifft man auf der Via Francigena auf einzelne oder mehrere Wanderer,oft auch Wanderinnen.
... Schlössern...
Da ich heute etwas mehr Zeit habe, sammle ich Bilder von Klatschmohn...
Kleine Bemerkung am Rande (@Ute und Heike): die glücksbringenden und Fruchtbarkeit versprechenden Pinienzapfen auf Torpfosten sind anscheinend in ganz Italien beliebt.
Was da hinten wie Wolken aussieht, sind Berge mit Schnee! Und da auf der Landkarte sonst keine anderen Berge zu finden sind, müssten das die Alpen sein...
Die heutige Strecke ist recht flach, nicht so weit und dazu noch sonnig (wer hätte das gestern noch zu hoffen gewagt)

29 April 2019

Fiorenzuola ist ein nettes kleines, etwas verschlafenes Städtchen auf dem Frankenweg, wo ich den heutigen Abend verbringe - als einziger Gast im Albergo Concordia, bewacht vom Portier, der unten recht laut fernsieht und anscheinend Spaß an der Sendung hat, man hört ihn manchmal lachen. Ich dagegen schau Comissario Montalbano in RAI1!!!! Wunderbar
So bin ich dann doch noch ein Stück ohne Regenhose und recht eben und steigungsfrei nach Fiorenzuola d‘Arda gefahren.
... kam dann doch noch langsam die Sonne raus.
Doch dann, ein Stück hinter Fidenza...
Danach lief es aber eigentlich bestens: schöne Strecke ( der Frankenweg ist ein echter Tipp), schöne Landschaft - nur das Wetter wollte sich einfach nicht ändern.
Die Spur habe ich allerdings kurz darauf nochmal verloren. Vor dem Wassergraben habe ich dann aber lieber wieder umgedreht. Einmal steckenbleiben im Lehm hat mir gereicht...
In Medesano war ich wieder auf der Frankenspur. Das Städtchen selbst ist ansonsten eher unspektakulär.
Bei Regen ist radeln auf jeden Fall besser als dumm rumsitzen. Also habe ich mich in meine tolle Regenhose und Juttas Regenjacke gepackt und bin losgefahren in Richtung Via Francigena. Es wäre ja auch schade, wenn ich die Sachen völlig umsonst mitgenommen hätte.
Den Palazzo della Pillotta, in dem sich auch das Teatro Farnese befindet, konnte ich leider nur von außen ansehen, denn dummerweise ist mal wieder Montag und alle Museen sind geschlossen. Somit war mein Vorscherdrang in Sachen Goethe an dieser Stelle beendet, zumal es weiter schüttete.
Der ist von innen sehr schön und über und über mit Fresken verziert.
in Parma angekommen, hat es dann auch satt geregnet. Meine Recherchen zu Goethes Heimfahrt haben ergeben, dass er in Parma halt gemacht hat, wir sind also wieder auf dem gleichen Weg. Ich ihm allerdings zeitlich jetzt etwas voraus. Den Dom hat er sich natürlich angesehen -ich auch.
Nachdem ich gestern ganz kurz mal mit dem Gedanken gespielt hatte, auf der Via Francigena auch den 1000er per Fahrrad zu meistern, habe ich mir das heute morgen bei dieser Wetterlage gleich mal wieder aus dem Kopf geschlagen. Also per Zug nach Parma.

28 April 2019

Meine heutige Unterkunft liegt oberhalb von Pontremoli mit einem göttlichen Ausblick, aber leider ohne Restaurant oder Lebensmittelgeschäft. Die Besitzerin des wunderschönen Appartments bietet sich kurzerhand an, mich in den nächsten Supermarkt zu fahren. Nach all den Restaurants ist es wunderbar, entspannt ein kleines Abendessen selbst zuzubereiten.
Ob das DAS Canossa ist, konnte ich leider nicht nachprüfen, der Ortsname ist nach diesem Schild nie mehr aufgetaucht.
Es wird jetzt etwas weniger steil aber bleibt weiterhin landschaftlich wundervoll.
Der Berg sieht ein wenig nach Vulkanausbruch aus, das Wetter war mir aber weiter hold.
Schade, hab ich verpasst ;-)
Irgendwann geht es dann steil bergab bis Aulla was sich vor allem dadurch auszeichnet, dass es unten liegt.
Einfach nur atemberaubend!!!!
Es geht immer weiter nach oben und irgendwann liegt die ganze Küste tief unter mir und die nächsten Berge vor mir. Unfassbar, dass ich das alles hochgestrampelt bin!
Die erste Ortschaft heißt Carignano und ist erst der Anfang. Hier gibt es einen circolo arci, das sind Kulturvereine, die gemeinnützig, kirchenfern und der kommunistischen Partei näherstehend sind - erinnert mich extrem an die Jahre, in denen ich viel in Perugia war.
Und dann beginnt der Aufstieg: insgesamt 600 Höhenmeter. Das rotorangene in der Mitte unten ist Sarzana, wo ich gerade noch war.
Wanderer gibt es hier auch ne Menge, ist ja auch ein Pilgerweg...
Los ging es von Carrara aus zunächst einmal über kleine Sträßchen und entlang an hübschen Kanälen und - ein weiteres Wunder - die App funktioniert und weist sicher den Weg.
Auf der Suche nach einem sinnvollen und fahrbaren Rückweg bin ich auf eine echte Perle gestoßen, die Via Francigena. Als Via Francigena, auch Frankenstraße oder Frankenweg, werden die alten Fernstraßen bezeichnet, die Pilger auf ihrem Weg vom Frankenreich oder von England aus über das Gebiet des Frankenreichs nach Rom zur Grabstätte der Apostel Petrus und Paulus nutzten. Heute ist es eine Wander- und Radfahrroute quer durch Europa.

27 April 2019

Und damit der Marmor das einzige ist, was hier bricht, gibt es überall in der Stadt diese Schilder: Achtung, fallende Pinienzapfen. Sehr aufmerksam!
In Carrara angekommen habe ich von meiner Unterkunft aus einen direkten Blick auf die berühmten Marmorsteinbrüche.
Direkt gegenüber liegt dieses Gebäude. Unfassbar!!! Hier war ich 2004 auf einer meiner fürchterlichsten Klassenfahrten. Das Gebäude war einmal ein faschistisches Kindererholungsheim, das später in eine Jugendherberge umgewandelt wurde und jetzt leersteht. Es gab noch mehrere andere heruntergekommene Erholungskomplexe, die ich leider nicht fotografiert habe. Es wäre zu erforschen, warum das gerade hier so ist!
Und schließlich finde Ich bei Marina di Massa eine kleine Seniorenbar für meinen Aperitif mit Meerblick.
Ab und zu treffe ich auf ein paar besonders spezielle Perlen der Italienischen Architektur für meine kleine Sammlung.
Danach reiht sich über zig Kilometer ein Bagno ans andere. Ich fahre den ganzen Nachmittag am Meer entlang, ohne es wirklich zu sehen. Auch irgendwie doof. Dennoch genieße ich das Radfahren in vollen Zügen.
Dafür ist die Uferpromenade von Viareggio eine echte Jugendstilperle!
Um so größer ist der Kontrast danach. Es reiht sich eine Werft für Luxusjachten an die andere. Das hat etwas eklig Ordinäres, dieses Geldgeprotze. Wem die Dinger wohl alle gehören !?
... und der Weg bis Viareggio wird auch immer wilder und schöner. Was für eine herrliche Naturlandschaft!
Und dann komme ich an einen wunderbaren wilden Strand...
Die Landschaft ist aber bereits wunderschön.
Zunächst ist der offizielle Weg noch recht befahren.
Beim ersten Versuch, im Naturpark Spiaggia del Vecchiano am Meer entlangzufahren, scheitere ich an einem unbefahrbaren Strand. War aber ein schönes Scheitern.
Nachdem ich mich eine Weile auf Staatsstraßen getummelt habe, biege ich bei Migliarino ab Richtung Meer. Kurz vorher habe ich in Madonna del‘ Aqua die Partnerstadt von Bad Tölz passiert - ich finde es immer wieder schön, wenn sich auf meiner Reise ein Kreis schließt.
Es geht aber auch idyllisch!
Im Lido di Pisa hatte ich dann eine erste Idee, wo meine libanesischen Mitbewohner ihre Soundsysteme installieren.
Bei meiner Abfahrt heute morgen präsentiert sich mir gleich mal die gesamte Spannbreite italienischer Badestrände von Luxus bis Polizeischwimmen.

26 April 2019

Es beginnt der letzte Teil meiner Goethereise. Während der Dichter von Sizilien aus wieder nach Neapel reist, dort 14 Tage bleibt und dann nochmals fast ein ganzes Jahr in Rom verbringt, kehre ich langsam nach Hause zurück. Den heutigen Abend verbringe ich in einer Unterkunft in Tirrenia über einem ehemaligen chinesischen Restaurant und plaudere nach dem Abendessen noch ein wenig mit den beiden libanesischen Technikern, die hier auch wohnen und ihr Geld damit verdienen, dass sie Soundsysteme in Luxusschiffe einbauen. Was es nicht alles für Berufe gibt...
Dann kam die Sonne doch noch, wunderbar. Mein Kreuzfahrtbedürfnis ist aber jetzt befriedigt, das ist kein längerfristiges Reiseformat für mich. Zu langweilig und zu lange mit Leuten auf engem Raum, die man sich nicht ausgesucht hat...
Das mit dem Sonnenbaden wird wohl heute nichts mehr.
Am Bug braut sich allerdings schlechtes Wetter zusammen!
Mein Kreuzfahrtmorgen beginnt sonnig. Ich hoffe es handelt sich bei den Arbeiten am Rettungsboot um routinemäßige Wartungsarbeiten...

25 April 2019

Ciao ciao Palermo...
Jetzt sitze ich hier auf meinem Kreuzfahrtschiff für Arme am leeren Pool und warte auf die Abfahrt. Hallo Abenteuer, ich bin bereit...
... und dann trennen sich unsere Wege: ich Richtung Schiff, der Rest ins Bett und morgen in den Flieger nach Hause 😪
Nach ein bisschen herumschlendern heißt es dann für unser formidables Damentrio langsam Abschied nehmen. Noch ein letzter Aperitif in einer weiteren Neuentdeckung und ein wenig Wehmut und Abschiedsschmerz...
Der Kreis schließt sich. Wir sind wieder in Palermo. Neues gibt es hier trotzdem immer noch und wahrscheinlich noch für mehr als einen Aufenthalt zu entdecken. Heute ein Mittagessen in der Antica Focacceria di S. Francesco. Gleich bei „uns“ um die Ecke. Wir essen allerdings nicht die berühmten Milzbrötchen...
Wie wir unsere Last Minute Einkäufe nach Hause bringen, ist noch offen ( aber keine Sorge, der Schwertfisch bleibt hier).
Ciao Siracusa!!!

24 April 2019

Grundstimmung ist aber gut, mit und ohne Cocktail...
... schwanken wir zwischen „oh, was für ein schöner Urlaub“ und „ach, wie schade, schon fast vorbei“!
Und während die Herren sich für den morgigen Feiertag herausputzen lassen...
Abendliche Meeratmo.
... fahren wir mit dem Fahrrad ( geliehen, meines steht ja noch in Palermo...) an einen schönen (fast) einsamen Strand in Arenella und hängen dort einfach mal ein bisschen rum.
Nach einem Gang über den unerwartet schönen Markt...

23 April 2019

Und natürlich finden wir auch heute wieder ein super leckeres Restaurant, inklusive wild gewordener Folkloremusiker, die zum Glück bald weiterziehen. Und damit den werten Lesern nicht das Wasser im Mund zusammenläuft, gibt es nur ein Bild von der unspektakulären Beilage und dem allerdings sehr exquisiten Wein...
Auf dem Weg zum Abendessen stolpern wir noch über diesen riesigen Apollotempel.
Wir haben auf jeden Fall für heute genug Kultur getankt und fahren zum Entspannen ans Meer.
Die Banksyausstellung ist hochpreisig und dafür sehr überschaubar. Irgendwie konterkariert sie die Kapitalismuskritik des Künstlers gehörig, aber vielleicht zerstören sich die Drucke am Ausstellungsende ja auch selbst...
Wir schauen uns das ganze nochmal von oben an und treffen - unumstößliches Urlaubsgesetz- ein deutsches Paar, das wir zumindest teilweise kennen.
Dieser Palast eines ehemals neureichen Bürgers aus Noto hat angeblich 90 Zimmer und die schönsten Balkone Siziliens.
Der örtliche Dom ist innen insgesamt nicht so beeindruckend, was vielleicht daran liegt, dass er kurz nachdem er zum Weltkulturerbe ernannt wurde erst mal teilweise einstürzte und erst in den letzten Jahren künstlerisch eigenwillig wieder aufgebaut wurde. Richtig gut fand ich dagegen die Objekte aus alten Fluchtlingsbooten, die an das Schicksal der Geflüchteten erinnern.
Als Anknüpfungspunkt zum ersten Teil meiner Radtour ist dieses Rathaus im Stil Palladios gehalten. Passt doch alles immer irgendwie zusammen.
Der Südosten Siziliens ist berühmt für seine barocken Städte. Wir suchen uns eine von ihnen aus, Noto. Hier leuchtet wirklich alles im rosé-sandfarbenen Sandsteinlicht. Der Reiseführer klärt uns auf: die Pracht der Bauten rührt von einem Wettstreit zwischen Adel und Klerus her, Noto nach dem Erdbeben im 17. Jahrhundert wieder strahlend aufzubauen.

22 April 2019

Und irgendwie finden wir immer im richtigen Moment den richtigen Ort! Heute Abend eine Art Trattoria, die sich Cantina Rampa, Kellerrampe, nennt. Ursprünglich war hier ein Weinhändler tätig, der irgendwann anfing, kleine Leckereien zum Wein anzubieten. Superleckeres, bodenständiges Essen auch heute noch und dazu nette, normale italienische Gäste.
Das heutige Städtchen ist auf jeden Fall ganz bezaubernd.
Unsere Unterkunft liegt in Ortigia, einer vorgelagerten Insel vor Siracusa, die älteste griechische Ansiedlung mit in ihrer Hochzeit 500000 Einwohnern, kann man sich kaum vorstellen!
Kirchen gibt es hier an jeder Ecke und eine prachtvoll barocker als die andere. Warum das so ist, ist noch herauszufinden. Auf jeden Fall führt uns der letzte Teil unserer Reise ins barocke Sizilien, das wird hier auf jeden Fall klar. Wir machen uns auf den Weg zu unseren letzten Aufenthaltsort: Siracusa.
Streetfood hinter dem Fischmarkt- göttlich, ein Traum, unschlagbar, meraviglioso ...
Ich nehme an, dass das Castello Ursino das normannische Kastell ist, an dem Goethe zumindest vorbeigelaufen ist. Er hat sich insgesamt vier Tage in Catania und Umgebung aufgehalten und jetzt bin ich sogar fast wieder zeitlich parallel zu seiner Reise. Er war vom ersten bis vierten Mai hier...
Catania ist nicht so aufgeräumt wie Palermo oder pittoresk wie die Liparischen Inseln, hat aber einen anderen Charme, der uns immer mehr in seinen Bann zieht.
Das zufällig am Weg liegende Museum für zeitgenössische Kunst erweist sich als kleine Entdeckung. Es gibt sogar einen künstlerischen Bezug zu Ostern...
Spontan entscheiden wir uns, anstelle des Etnas Catania einen Besuch abzustatten, und sind zunächst etwas enttäuscht vom Stadtbild. Mit Hilfe des Handys orten wir aber dann das wahre Zentrum.
Während die ersten Pendlerzüge an unserem Frühstückstisch vorbeiziehen, rät uns Gianni ( auch wahlweise Gionny genannt), unser Vermieter und Mann der alles checkt und im Griff hat;-), uns den Etna zu sparen, da man da außer Nebel heute eh nichts sehe. Wir glauben ihm und vertrauen ihm bei dieser Gelegenheit auch die beiden polnischen Handys an, die ich gestern auf der Straße gefunden habe. Er kenne die Carabinieri gut, behauptet er. Wir hoffen es...
Der Tag in Taormina startet grau, stürmisch und kalt.

21 April 2019

... und einem romantischen Blick auf die Isola Bella. Das Fazit unseres Besuchs ist aber dennoch, dass die großen Zeiten, als hier Greta Garbo, Marlene Dietrich, Cary Grant oder Kaiserin Elisabeth ihre Aufwartung machten, wohl vorüber sind und ein Besuch Taorminas nicht zwingend nötig ist.
Und so endet der Nachmittag doch noch ganz versöhnlich am Strand...
Schließlich finden wir auf der Flucht vorm Tumult doch noch die Seilbahn nach unten.
Wir geben auf und flüchten zum Aperitif in eine Seitenstraße. Hier gelingt es mir immerhin, den Ober mit der Frage, ob es zum Aperitif „wie üblich“ ein paar Nüsschen oder Pizzastückchen gebe, so aus der Reserve zu locken, dass er das Firmenkonzept „teurer Aperitif ohne nix“ über den Haufen wirft und uns einen formidablen Antipastimix serviert. Und zwar NUR uns, die enttäuschten Tischnachbarn gehen leer aus!
... wenn sich durch ihn nicht diese unfassbaren Menschenmassen schieben würden. Goethe hat hier das antike Theater besucht und gebriesen.
Taormina wäre sicher ein schöner Ort...
Auch hier wieder das ein oder andere Geisterhotel in Luxuslage, unverständlich! Wir folgen nun Goethes Reise sozusagen rückwärts. Von Messina, seinem letzten Stopp vor der Rückreise nach Rom, haben wir nur ein Brückengewirr zu Gesicht bekommen, das einer großen Murmelbahn glich.
Unser nächstes Ziel ist das vielgepriesene Taormina. Wir wohnen in einer Art ausgebauten Gartenhütte von Gianni, einem rechten Testosteronboltzen.
Ich glaube die Entscheidung war gut.
Wir sind so früh, dass wir dem Rat des (wieder einmal) sehr netten Hafenangestellten folgen und ein Boot früher nehmen. Es kann hier durchaus vorkommen, dass man wetterbedingt nicht von der Insel wegkommt...
Die ganze Nacht über hat es heftig gestürmt und als wir im Hafen von Rinella ankommen, wirkt das Meer auch recht belebt.
Und schon verlassen wir wieder Salina. Noch ein paar letzte Blicke ins Landesinnere.
Frohe Ostern allen Mitreisenden!

20 April 2019

Aber wie immer wussten wir uns dann doch zu trösten...
Ein weiterer Tipp von Marisa war der kleine Ort Lingua, den sie so oft erwähnte, dass wir uns dorthin per Bus auf den Weg machten, um die bisherige Magie der Insel auf ihrem Höhepunkt zu erleben... So etwas kann irgendwie nur schiefgehen! Der Ort war eher enttäuschend, der außergewöhnliche Salzsee eher gewöhnlich und das Wetter mittlerweile auch noch kalt und trüb.
Unterhalb der Kirche befindet sich eine Bucht mit in den Felsen gehauene Bootshäusern, sehr idyllisch!
Unten angekommen befindet sich die Kirche aus dem Film und eine kleine, liebevolle Bar (in der der Neffe vonMarisa arbeitet), die jeden Abend um 18 Uhr „Il Postino“ zeigt. Man könnte meinen, die Insel sei selbst ein nie endender herzerwärmender Kinofilm...
Die Häuser hier sind sehr speziell und ganz anders als die auf dem Festland oder Sizilien. Sie erinnern eher an die Kanaren, was nicht von ungefähr so ist. Die Gebäude sind nach altem liparischen Baustil kubusartig errichtet. Diese minimalistische Bauform widersteht bestens den ständigen Vulkanbeben. Die etwas gedrungenen Rundpfeiler sind ebenfalls typisch und stützten das Strohdach und die abschließenden Mauern dienen auch als Sitzbank.
Es gibt auf diesem ein Guckloch, durch das man das Haus des Postinos sehen kann.
Und dann lag auch schon Pollara zu unseren Füßen und zudem noch ein spektakulärer Pfad hinunter zu dem Dorf, in dem der Film”Il Postino “ gedreht wurde.
Der Blick aufs Meer war aber, wie so vieles hier auf der Insel, fast zu schön um wahr zu sein.
Warum dieses Gebäude “semaforo”, also “Ampel “ heißt, hat sich mir nicht recht erschlossen.
Man kann ganz gut erkennen, dass hier alles vulkanischen Ursprungs ist. Goethe hätte seine wahre Freude an den verschiedenen Gesteinen gehabt, war aber leider nicht hier.
Die Natur gibt wieder einmal alles!
Auf Anraten von Marisa, unserer Hausverwalterin, sind wir von der Idee abgekommen, in zwei Tagen außer Salina auch noch andere Liparische Inseln anzusteuern und konzentrieren uns ganz auf das hier und jetzt und zwar zunächst in Form einer Wanderung nach Pollara.

19 April 2019

Wir beschließen den ersten Abend auf der Insel mit einem großartigen Abendessen. Ganz anders als die drei Gänge gestern und vorgestern im agriturismo, aber jedes auf seine Art lecker.
Der Blick von der Veranda unsere wunderschönen Unterkunft.
Am Horizont lässt der Vulkan Stromboli regelmäßig eine Rauchwolke ab.
Die Insel ist wunderschön .
Wir fahren mit einem Tragflächenboot nach Salina, der Grünen der sieben Eolischen Inseln.
Schließlich können wir uns doch losreißen und brechen nach einem italienischen Frühstück auf zu einem neuen Abschnitt unserer Reise: den Liparischen oder Eolischen Inseln.
... und interessanterweise auch den Bürgermeister und die Frauen.
Natürlich gibt es auch wieder Jesus und die Frauen...
Dieser Protagonist trägt eine Orange mit einem darin steckenden Messer auf Blumen durchs Ort. Das ist wohl eine lokale Besonderheit, deren Bedeutung uns leider keiner erklären kann. Die anderen tragen nachvollziehbare Symbole für den Kreuztod Jesu.
Also sind wir pünktlich um 7 Uhr aufgestanden, um dem Ereignis beizuwohnen, und treffen prompt den besagten Küster, heute im historischen Ordnerkostüm. Er hat uns anerkennend gegrüßt.

18 April 2019

Wir machen uns auf zum vorösterlichen Aperitif bei dem wir Gino zum dritten Mal treffen - geduscht, parfümiert, 10 Jahre jünger aussehend und von den Dorfsenioren neidisch beäugt.
Der vorösterliche Himmel verdunkelt sich ...
Der Küster, der für Jesus zuständig ist, hat einen alten Panda, der unter dem Schutz aller Heiligen fährt. Er ( der Küster) weist uns auch nochmal ganz ausdrücklich darauf hin, dass wir morgen unbedingt die Prozession im Ort besuchen sollen, was uns auch schon alle anderen Kontakte vor Ort empfohlen haben.
Da Ostern vor der Tür steht, sollen wir auch unbedingt die Urne Jesu und seinen Aufenthalt im Garten besuchen. Wir tun es und finden Jesus in der Tat in einem gläsernen Schneewittchensarg.
Vor dem Aperitif machen wir noch einen kleinen Rundgang durch das Städtchen Collesano. Die örtliche Kathedrale wurde uns vom Ziegenhirt Gino auf unserem Spaziergang wärmstens ans Herz gelegt. Wir treffen ihn auch prompt im Ort wieder und er sorgt dafür, dass wir auch den richtigen Parkplatz finde
Und auch hier oben gibt es wieder zwei wunderbare Geisterhotels, diesmal mit alpiner Anmutung.
Dann sind wir richtig weit nach oben in den parco delle Madonie gefahren und haben uns nach 9 km Aufstieg in einer völlig anderen Landschaft wiedergefunden, es gab sogar noch Schneereste.
Ein Schneeräumgerät mit der Aufschrift „Palermo“ wirkt schon befremdlich.
... und auch ein wenig Fauna in der Umgebung von Collesano.
Flora...
Ein strahlend blauer Morgen empfängt uns. Heute steht die Erkundung der Natur auf dem Plan. Zunächst stellen wir aber erst mal fest, dass die Gäste des Agriturismo aus Gießen den Ausbilder des Freundes meiner Tochter gut kennen. Kleine Welt!

17 April 2019

Das Abendessen war köstlich, ein echter Agriturismoschmaus! Zudem hat uns der extrem sympathische Besitzer ausführlich und mit einer wunderbar ruhigen Art und Stimme alles über dieses wunderbare Gebäude und seine Geschichte erzählt. Zum guten Schluss gab es einen Fenchel-Lorbeer-Distel-Schnaps. Seeeeehr lecker.
Heute haben wir der vibrierenden Großstadt Palermo den Rücken gekehrt und sind aufgebrochen in den parco delle Madurie, ein riesiges Naturreservat in den Bergen hinter Cefalú. Dem sind aber noch zähe Verhandlungen mit der Autovermietung vorangegangenen, wo man mir unbedingt noch eine Anti-Vandalismus-Versicherung verkaufen wollte - mit dem Hinweis, in Italien sei es sehr speziell. Ich habe abgelehnt und hoffe, dass die Vandalen gnädig mit und sind.

16 April 2019

Die Sizilianer sind einfach gut...
Rückkehr nach Mondello
Anarchie und blutige Passion liegen hier direkt beieinander
Es gibt auch Viertel in Palermo, die noch den morbiden Charme von vor 20 Jahren haben!
Variante zwei zu den Regenschirmen
Der alte Techno-Obertshäuser weiß auch, wo‘s schön ist!

15 April 2019

Und abends Fisch und Chorgesang
Und als dann endlich die Sonne rauskam, gab es in Monreale heiße Schokolade mit 20000 Kalorien in Form von feinem Süßkram.
Eine echte Entdeckung war das Anti-Mafia Museum! Es erklärt die Entstehung der Mafia bis hin zum spektakulären Mord am Mafiaboss Giuliano in den 50er Jahren und hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte der Mafia bis heute zu dokumentieren / unterstützt vom Bürgermeister von Palermo.
Gegenüber befindet sich die Kirche der Anbetung Marias, die von albanischen orthodoxen Christen gegründet wurde, die vor vielen Jahrhunderten nach Sizilien geflohen sind. Sie reden heute immer noch albanisch und Italienisch, und werden von der katholischen Kirche akzeptiert und integriert und die erlaubt deren Priestern zu heiraten. Warum nicht gleiches Recht für alle!?!?
Ab jetzt sind wir zu dritt und haben uns in der Tat die Kirche mit den drei roten Kuppeln von innen angeschaut. Sehr besonders. Sie ist der Grabkirche Jesu nachempfunden, stammt aus dem 12. Jahrhundert und wird heute noch von den Rittern des Heiligen Grabs betreut. Die gibt es wirklich noch, angeblich heute auch für Frauen offen.

14 April 2019

Ein weiterer Namensvetter, mit dem ich leider auch nicht verwandtschaftlich verbunden bin.
Alternative zu Regenschirmen
Die Kirche sieht interessant aus. Heute ist mein Kirchenkonto aber voll, da gehe ich morgen nochmal hin.
Einen Antimafia-Heiligen gibt es auch. Und dann sind hier noch Heinrich der 4. und Friedrich der 2. begraben, allerdings im Bezahlbereich und der war schon geschlossen.
... und als Höhepunkt der Versilberte Altar mit der Ganzkörperreliquie (!) der Heiligen Rosalia, der Stadtheiligen von Palermo. Soweit ich verstanden habe, soll sie die Stadt vor der Pest gerettet haben.
Drinnen gibt es zum einen wieder mal einen Haufen Reliquien...
Die Kathedrale dagegen ist geöffnet und würde von Goethe auch besucht. @ Gregor (und natürlich auch alle anderen Interessenten), sie erinnert mich an die in Sevilla. Hat bestimmt etwas mit der Entstehungszeit und dem Einfluss der Araber zu tun.
Ich würde sagen, das ist doch mal ein Park, der dem heutigen Tag alle Ehre erweist. Er befindet sich unterhalb des Palazzo Reale, der heute geschlossen ist.
Nachdem Jesus schließlich abgeführt wurde haben wir genug vom Passionsspiel und schauen uns die Kathedrale von innen an. Die ist unfassbar schön, die Mosaiken im byzantinischen Stil erinnern mich an Ravenna. Völlig unverständlich, dass sich Goethe DAS nicht angeschaut hat. Aber wahrscheinlich lief das für ihn unter uninteressantes Mittelalter.
Sehr detailverliebt wird die Gerichtsszene mit Pontius Pilatus dargestellt, inklusive Auspeitschen und Dornenkrone und der totalen Zerrissenheit des römischen Stadthalters. Ich mache mir ein wenig Sorgen um die vielen kleinen Kinder hier und erkläre meiner muslimischen Begleitung grob das Geschehen.
Wir befinden uns mitten im den diesjährigen Passionsspielen von Monreale!
Ich dagegen treffe im Bus nach Monreale meine türkische Zimmermitbewohnerin von gestern und gemeinsam stolpern wir über einen Haufen Römer, untermalt von einerMusik, die eine Mischung aus Boxkampf und Fluch der Karibik ist. Die alten Römer haben allerdings technisch ganz schön aufgerüstet.
Derweil beschäftige ich mich noch ein wenig mit Goethe und besuche da Städtchen Monreale. Er besucht dort das Kloster San Martino ( ich nicht) und lässt sich vom Abt diverse Altertümer zeigen.
Und das ist unser Zuhause für die nächsten 3 Tage. Wie im Märchen! Die beiden anderen Prinzessinnen kommen heute Abend.
Direkt vor meinem neuen Zuhause gab es einen kleinen Flohmarkt. Schade, dass meine mit Mitnahmekapazitäten so beschränkt sind und @ Thomas, dass ich so gar keine Ahnung von alten Platten habe...
Heute ist ja Palmsonntag. Der ersten Prozession begegnete ich gleich nach dem Aufbrechen, die erschien mir aber für italienische Verhältnisse doch recht mickrig.
Schade, dass die Portiersloge meiner letzten Unterkunft nur noch die Mülltonne beherbergt...

13 April 2019

Ich glaube, hier hab ich vor etwa 17 Jahren mit Lioba und Ali zu Abend gegessen...
Und jetzt schlendere ich durch Palermo, habe natürlich wieder lecker gegessen und freue mich, dass wir ab morgen zu dritt Sizilien erkunden.
An der Promenade in Bagheria hat mich ein alter Mann angesprochen, ob ich Deutsche sei. Und dann hat er mir in lupenreinem Deutsch erzählt, dass er vor „100 Jahren“ in Frankfurt als Bauarbeiter gearbeitet hat und zwar am damaligen Neubau des Gagerngymnasiums!
Hier erscheint mir die Sachlage eher umgekehrt. Ich glaube nicht, dass in dieser besonderen Lage jedes der Häuser auf der Grundlage eines ordentlichen Genehmigungsverfahrens gebaut wurde...
So ein Schild habe ich schonmal gesehen. Ich muss mal herausbekommen, was dahinter steckt - irgendwie interessant! (Hier hat die Mafia verloren und der Staat gewonnen)
Die Strände sind hier nicht so doll, die Küste von oben aber atemberaubend.
Die Berge hinter mir sind schon ganz schön stattliche Brocken und vor mir liegt ein Küstenabschnitt, der auch noch einige Erhebungen zu bieten hat.
Nach einer einstündigen Fahrt durch die Berge komme ich in Termini Imerese an und radle ab da immer am Meer entlang nach Palermo.
Das hier ist eine der vielen von der EU unterstützten Baumaßnahmen, bei denen man nicht so recht weiß, wofür die gut sind bzw. wann die wohl fertig werden. Die von Salvini als von Frankreich ferngesteuert bezeichnete EU hat hier einiges unterstützt, fragt sich, ob der neue finanzielle Bündnispartner China auch so spendabel sein wird!?
Ein Blick zurück und einer nach vorne. Ich verlasse heute die chronologische Reiseroute Goethes und kehre sozusagen zu den Ursprüngen nach Palermo zurück, während Goethe weiter Richtung Catania reist. Aber keine Sorge, da komme ich schon auch noch hin.
Hier ist schonmal Golgotha für die Kreuzigung nächste Woche aufgebaut.
Diesen Markt in Caltanissetta hätte Goethe auch besuchen können, den gab es wohl zu seiner Zeit schon. In der Nähe frühstücke ich in der empfohlenen Barbella: eine Art lauwarmer Krebbel mit Ricottafüllung. Göttlich!!! Und dann geht es weiter Richtung Palermo.

12 April 2019

Und so geht ein Tag zu Ende, der dann so ganz ohne Radfahren und entgegen meiner morgendlichen Unentschlossenheit hinsichtlich der weiteren Fortbewegung doch sehr schön war. Ein bisschen anders halt als die 90km Fahrttage.
... und eine rote.
... eine weiße, in der gerade der portable Kreuzweg eingesegnet wurde...
Es gibt im Zentrum gleich drei farblich verschiedene Kirchen. Eine blaue...
Caltanissetta ist, wie Goethe ganz richtig feststellte, wirklich „wohlgebaut“ und sehr ansehnlich und propper im Vergleich zu den letzten Orten auf meinem Weg.
Im Gegensatz zum quengelnden Goethe, „wir freuten uns in dem wohlgelegenen und wohlgebauten Catanisetta zuletzt anzukommen, wo wir jedoch abermals vergeblich um eine leidliche Herberge bemüht waren“, ist meine Unterkunft mal wieder top und mit Blick auf die Kirche und gleich zwei Balkonen.
Leider ist mein B&B erst ab 17 Uhr geöffnet, weshalb ich mir den Nachmittag in einem windgeschützten Außencafe hiermit und mit Commissario Montalbano vertreibe. Es hätte schlimmer kommen können..
Auch der Bahnhof von Caltanissetta ist außerordentlich geschmackvoll.
Erst vor Caltanissetta wird es wieder etwas milder. Goethe wird auf dieser Strecke klar, warum Sizilien den Ehrennamen „Kornkammer Italiens“ erlangen konnte und schildert dann ausführlich das Leben der dortigen Landbevölkerung, wobei ich mich frage, wie er diese Kenntnis beim reinen durchfahren erlangen konnte...
Während sich der Zug seinen Weg ins Landesinnere bahnt , bin ich wieder mal sehr froh, dass das Wetter für mich die Entscheidung getroffen hat! Das ist schon SEHR rau und gebirgig hier und wenig menschliches Leben...
Der Bahnhof von Agrigento ist ausgesprochen hübsch und hat sogar eine Kapelle - ich hoffe, das hat nichts mit der Qualität der Züge oder Bahnstrecken zu tun .
Auf der Post war ich heute einigermaßen beeindruckt von der Organisationsstruktur. Dagegen ist deutsche Bürokratie pillepalle. Ich wollte einfach nur 4 Briefmarken kaufen. Der Laden war zu dem Zeitpunkt leer, trotzdem musste ich eine Nummer ziehen, die mich dann elektronisch einer der beiden Mitarbeiterinnen zuwies. Die Briefmarken waren aber an diesem Morgen noch nicht geliefert, also musste ich warten. Mitarbeiterin 2 kam dann aber auf die Idee, dass sie das Porto auch ausdrucken könne, aber nur, wenn die Karten schon geschrieben sind und ich sie dann in der Post lasse. Also hab ich sie geschrieben und bekam schließlich mit einer neuen Nummer die Marken ausgedruckt, die allerdings so groß waren, dass sie einen Teil des Bildes auf der Vorderseite verdecken...
Heute zeigt sich das Wetter äußerst launig. Nachdem ich eine Weile mit meiner Radfahrerehre gerungen habe, hab ich mich dazu durchgerungen, die heutige Etappe mit der Bahn zu bestreiten. Und vorher kaufe ich in der Apotheke noch eine Portion Pfefferspray, um meine Hundeparanoia etwas besser in den Griff zu bekommen. Hilft ja im Zweifelsfall auch gegen menschliche Hunde, die mir allerdings hier bisher noch nicht über den Weg gelaufen sind.

11 April 2019

Und das Restaurant, das ich in einer verborgenen Ecke gefunden hatte, und das mir kurz danach Salvo vom Hostel auch noch empfohlen hat, war wunderschön und lecker noch dazu. Ein Gegenbeispiel zur These, dass das Essen leckerer ist, je ungemütlicher der Gastraum sich präsentiert.
Es gibt aber auch natürlich ganz wunderbare Ecken!
... die für mich um so befremdlicher sind, als es in der Altstadt unzählige leerstehende und dem Verfall preisgegebene Wohnungen und Häuser gibt. Vielleicht finde ich dafür ja noch eine Erklärung, oder ist der Schlüssel dazu auch wieder nur Korruption und mafiöse Machenschaften?!
Die Figur zeigt eigentlich ins Tal, irgendwie aber auch auf diese schrecklichen Hochhäuser...
Beim Abendspaziergang treffe ich schließlich noch auf das Teatro Pirandello. Es scheint, als seien Pirandelloorte immer bewachsen...
Am Strand von San Leone sind dann schließlich alle friedlich vereint: die Ruinen, der Eifelturm u d der Weihnachtsmann. Was will man mehr!?
Mein Mittagessen frisch vom Baum!
Ich tauchte ab in den giardino Kolybetra, ein ehemaliges Wassersammelbecken der Antike, das heute ein kleiner Garten Eden ist.
Im Hintergrund lauert immer das neue Agrigento mit seinen unfassbar hässlichen Hochhäusern. Und nach 3 Stunden hatte ich dann auch genug von Tempeln und ihren zusammengefallenen Resten.
Immerhin hat er sein ganzes Vermögen in die alten Steine gesteckt und veranlasst, dass diese Säulen wieder aufgerichtet wurden.
Diese Villa mitten im Tal der Tempel gehörte einem gewissen Herrn Alexander Hardcastle. Ein Engländer, der sich ganz den alten Steinen und deren Erhalt verschrieben hatte. Kein schlechter Immobilienstandort!
Als nächstes der Tempel der Concordia. „Der Tempel der Concordia hat so vielen Jahrhunderten widerstanden; seine schlanke Baukunst nähert ihn schon unserm Maßstäbe des Schönen und Gefälligen, er verhält sich zu denen von Pästum wie Göttergestalt zum Riesenbilde.“ Aha
Oha ( interessante Beobachtung: Männer lassen sich gerne mit der Hand am Gemächt fotografieren, Frauen tätscheln eher den Kopf... was will uns das sagen???)
Aber dann ging’s wirklich los ins Tal der Tempel. Das hat Goethe natürlich auch besucht. Als erstes der Junotempel inklusive Opferaltar. „ und so gelangten wir ans östliche Ende der Stadt, wo die Trümmer des Junotempels jährlich mehr verfallen.“ Ich glaube, dem ist jetzt Einhalt geboten. Das ist die bestorganisierte Tempelstelle, die ich bisher besucht haben - wo die Stadt selbst so chaotisch ist...
Schön ist die Geschichte, die er zu dieser Kirche geschrieben hat: Als Herr Greli sich zu einemMittagsschläfchen hingelegt hatte, hat der Teufel den Glockenturm dieser Kirche erklommen und alle Glocken geleutet. Aufgeschreckt und in Unterwäsche schoss daraufhin Herr Greli auf die Glocken, was die religiösen Herren vor der Kirche so erboste, dass sie auf ihn losgehen wollten. Das verhinderte wiederum der hinzugeeilte Pater Fiorica, indem er dafür bürgte, dass Herr Greli eine neue Glocke und eine riesige Einweihungsfeier organisiere. Und so kam es, dass dieser das erste mal überhaupt diese Kirche besuchte...
Pirandello, ein italienischer Autor, der auch mal eine Weile in Bonn studiert hat, hat als Kind im diesem Haus in Agrigento gelebt, steht zumindest da. Er ist einerseits berühmt, aber auch andererseits zwiespältig, da seine Haltung gegenüber den Faschisten wohl nicht ganz klar ist.
Nicht vergessen, Ostern steht vor der Tür!
Goethe hat in Agrigent, das er Girgenti nennt, nicht in einem Gasthof gewohnt, da es wohl keinen gab, sondern bei Privatleuten. Denen hat er beim Pastamachen zugeschaut und die dann wohl auch gegessen. Mittlerweile gibt es hier 1000 B&B und mein Hostel ist auch wunderbar. Heute ist Kultur angesagt und das heißt im Süden Siziliens: Tempel. Aber vorher gehe ich noch ein wenig durch die Stadt. Dieses interessante Gebäude steht direkt vorm Hostel- und das ist kein spezieller Kameraeffekt!

10 April 2019

Und dann kam ich doch noch mit dem allerletzten Akkurest gefühlt 1000 Meter über dem Meer in meinem Hostel in Agrigento an!!!
Noch ein bisschen abenteuerliche Straßenführung...
Auf jeden Fall ist das angeblich der Ort, der als Vorlage für die Comissario Montalbano Krimis diente. Für die Verfilmung hat man allerdings dann einen schöneren Ort weiter östlich ausgewählt. Mal sehen, ob ich da auch noch hinkomme. Auf jeden Fall lese ich gerade Teil eins und finde, Camillieri trifft die Atmosphäre hier in Sizilien sehr gut.
Denn dieser Hafen vor Agrigento ist recht außerirdisch.
Dieses Verkehrsschild steht in Porto Empedocle und das passt irgendwie gut!
... die Scala dei Turchi (Türkentreppe), wir würden sagen „Kreidefelsen“...
... und dann verbarg sich hinter diesem Tor...
Ein bisschen Piratenromantik...
Auch ein interessantes Zusammenspiel von alt und neu.
Das war die gesperrte Brücke und langsam machte ich mir um die verbleibende Akkukapazität Sorgen!
Und dann schaute mich dieses Gebäude an. Hätte ich den strengen Blick nur richtig gedeutet, die Straße, die ich entlang fuhr, endete nämlich an einer unüberwindbar gesperrten Brücke. Also wieder zurück und die Parallelstraße genommen.
Um die Hauptverkehrsstraße zu meiden, kam ich auch an dieser favelaartigen Kleinstadt namens Montallegro ( fröhlicher Berg) vorbei. Vielleicht ist der Berg einfach froh, dass er nicht da unten leben muss.
Zumindest ist man hier anscheinend weltoffen und hat einen wunderschönen Meerblick.
Blöderweise hab ich dann mal wieder den Radwegschildern zu sehr vertraut, was mich in dieses seltsame Feriendorf geführt hat.
Das schöne am Bergauffahren ( was hier öfter passiert) sind nicht etwa die malerischen Bergdörfer, die sind eher karg. Nein, es ist natürlich zum einen die Gewissheit, dass „what goes up must go down“, und zum anderen der großartige Blick, mit dem man immer belohnt wird.
Manchmal haben auch Lastwagen so ihre Probleme, auf jeden Fall hupen sie auch auf Sizilien immer sehr zuverlässig, aber mittlerweile hab ich mich daran gewöhnt und finde es freundlicher als Hundegebell.
Das Wetter und die Strecke sind schön. Was die Strecke betrifft, gibt es hier im Laufe des Tages allerdings Schwankungen. Manchmal muss ich auf die Hauptverkehrsstraße zurückgreifen und manchmal verlieren sich die Idyllischen Sträßchen im Nichts.
Dieses Gebäude kommt auf jeden Fall in die Sammlung der außergewöhnlichen Architekturleistungen! Es sieht aus wie ein Atombunker, ich dachte es sei vielleicht eine Kirche, aber letztendlich ist es das Volkstheater auf dem Thermalgelände der Stadt.
Noch ein letzter Blick auf die Piazza von Sciacca und dann geht es weiter Richtung Agrigento. Mittlerweile weiß ich, dass Goethe hinsichtlich dieser Etappe seiner Reise nur über Kalkfelsen und Pflanzenarten schreibt...

9 April 2019

Auf jeden Fall habe ich mich am Ende des Tages mit dem besten Fisch belohnt, den ich seit langem gegessen habe. Ich weiß, die Essensfotos häufen sich, aber das hier musste einfach mit ins Album!
Sciacca scheint nicht so ein verlorener Ort zu sein wie Castelvetrano. Leider kann ich gerade nicht nachlesen, was Herr Goethe dazu meint, weil hier im Haus der Strom ausgefallen ist 😂
Einen Teil konnte ich abkratzen, ein Teil flog mir beim Fahren um die Ohren und den Rest konnte ich hier in der Unterkunft in Sciacca, die ich dann doch irgendwann erreichte, mit einem Schlauch abspritzen. Irgendwie hab ich doch immer Glück...
Es gab sogar einen richtigen Radweg,der mich aber kurz ins nächste Verderben stürzte. Er war an einer Stelle mit zähem Lehm überzogen, in den ich ungebremst hineinfuhr und aus dem ich mich und mein Rad fast nicht mehr herausbekam. Alles voller zähem Lehm!!!
Und nach so viel Kultur musste ich dann mal wieder Rad fahren, auch um mein Hundetrauma von gestern zu überwinden. Ich gebe zu, in der ersten Stunde war ich ziemlich angespannt. Nachdem der einzige Hund aber der Hütehund dieser Herde war, den der Hirte gut im Griff hatte, konnte ich mich nach und nach entspannen,
Goethe war da nicht, aber zu seiner Zeit sah es wohl auch eher so wie links auf dem Bild aus und es gab noch nicht diese wunderbaren Darstellungen von heute, die es vorstellbar machen, wie das alles wohl mal aussah.
Danach bin ich aufgebrochen zu den Tempelanlagen und der Acropolis von Selinunt.
Der ältere Herr hier hat mir und den Damen eine Führung durch die Kirche gegeben, die sehr interessant war. Es gibt hier zum Beispiel das einzige Bild der Beschneidung Jesu überhaupt. Interessant, oder?
Auf Anraten meines Vermieters habe ich mir dann noch die chiesa san Domenico angeschaut und die war eine echte Entdeckung. Sie wurde im Altarraum von einem Künstler namens Antonino Ferraro plastisch mit Szenen aus der Bibel ausgestaltet, sehr besonders.
Nach dem Frühstück mit meinem Vermieter in der Bar ( neue Variante von bed&breakfast) bin ich noch ein wenig durch den Ort geschlendert. Irgendwie hat er ja doch einen verborgenen Charme in all seiner Zerstörtheit.

8 April 2019

Eiserne Italienregel:je weniger romantisch das Restaurant aussieht, um so größer die Chance auf ein gutes Essen 😉
Großartig war auf jeden Fall mein Abendessen in der Trattoria „da Giovanni“ : Der Seniorchef hat über mich und mein Essen gewacht und mit mir geplaudert, die beiden Söhne haben gekocht und aufgetragen.
Dumbo scheint hier ein echter Kassenschlager zu sein...
Es gibt hier aber auch ganz hübsche Ecken. Der Eingang des Theaters ist übrigens dem Tempel von Segesta nachempfunden!
Goethe hat über Castelvetrano nicht viel zu berichten, außer dass er nachts in seiner schäbigen Unterkunft über sich einen Stern hat leuchten sehen und morgens erst bemerkte, dass da ein Loch im Dach war. Der Ort ist in der Tat etwas eigenartig und hat auch heute noch eine Menge kaputte Häuser zu bieten.
natürlich bin ich irgendwann angekommen in Catelvetrano. Das ist der Blick aus meinem Fenster.
Und weiter ging es, dann auch wieder mit Sonne. An dieser Stelle hatte ich das Gefühl, den ganzen Tag nur bergauf gefahren zu sein und den sehnlichen Wunsch, endlich anzukommen und als es dann endlich bergab ging, erschien die hässliche Ausfallstraße wie das Paradies.
Hier hat mich dann schließlich auch der Regen eingeholt, vor dem ich bisher erfolgreich davongefahren war.
Als der Künstler Alberto Burri 1981 die Trümmer der zerstörten Stadt sah, entschied er, dass sein Beitrag für Gibellina nicht in der neuen Stadt mit ihrem modernen, lichten Straßenraster stattfinden sollte, bei den Überlebenden, sondern hier, bei den Toten. Wer darüber mehr wissen will, kann das hier nachlesen: https://www.faz.net/aktuell/reise/landschaftskunst-auf-sizilien-unter-den-duenen-aus-beton-15712845.html
Und dann lag der Cretto di Burri vor mir.
Kleiner Exkurs: Ich hatte schon mehrfach gehört und gelesen, dass es auf Sizilien das Problem streunender Hunde gibt, die sich auch gerne mal zusammenrotten. Gelegentlich gibt es da wohl auch mal Zwischenfälle... Diese Geschichte ging mir die letzten Tage nicht aus dem Kopf und ich hatte mir bei den Einheimischen auch schon Tipps geholt, wie man damit umgeht. Heute hab ich solche Hundegangs dann auch mehrmals getroffen. DIE SOLLEN IN DER HÖLLE SCHMOREN! Vier mal (2x Hütehunde von Schafherden / 2x undefinierbar) wurde ich von kläffenden räudigen Tölen begleitet. Die Strategie, nicht zu schnell wegzufahren (da braucht man echt Nerven), den Kötern nicht in die Augen zu schauen und sie dafür anzubrüllen hat einigermaßen funktioniert... Ich fahre jetzt mit dem Abusschloss am Lenker und bin auch bereit ( Entschuldigung liebe Hundefreunde) im Bedarfsfall zuzuschlagen. Das einzig Gute am heutigen Tag ist, dass ich nicht mehr ganz so viel Angst hab, immerhin sind sie mir nie zu nahe gekommen.
Ich entschloss mich, weiter nach Gibellina vecchia, dem zerstörten Dorf, zu fahren, wo der Künstler Burri ein Gedenkfeld errichtet hat.
Und das ist Gibellina Nuova, eine Stadt, die nach dem Erdbeben von 1968 ( das übrigens gerade auch in meinem Buch von Elena Ferrante Thema ist) an dieser Stelle komplett neu erbaut wurde. Der damalige Bürgermeister wollte mit Kunst gegen das Drama des Erdbebens mit über 400 Toten angehen. Die Stadt hat angeblich die höchste Dichte an Kunst im öffentlichen Raum und zog Beuys ( der war echt oft in Italien...) und andere Avantgardekünstler an.
Salemi einmal von nah und einmal von fern. Ich würde sagen, zweiteres sieht eindeutig besser aus.
Das Örtchen hier heißt Vita, obwohl es recht morta aussieht. Das schönste an Vita aber war, dass es danach endlich mal eine Weile bergab ging ...
Das hier ist das Beinhaus des Pianto Romano, anderes Jahrhundert. In der ersten Hälfte des 19. Jhd. nahm die Stadt mit dem unaussprechlichen Namen Calamafati an den Aufständen der Sizilianer gegen die bourbonische Herrschaft teil und wurde 1860 Schauplatz der Schlacht zwischen den Tausend Freiwilligen von Garibaldi und den Bourbonen. Das Wetter passt irgendwie...
Und wenn man ganz genau hinschaut (oder zoomt), sieht man hinten nochmal dem Tempel von Segesta.
Die Landschaft ist einfach beeindruckend, hier mit einer leichten Wildwestnote.
Das Wetter war heute recht gemischt, ein bisschen von allem. Meistens ist es mir gelungen, den Regenwolken davonzufahren.
Mein Fahrrad war übrigens während meines Aufenthaltes in Alcamo unter sehr prominentem Schutz. Aber heute morgen ging es dann weiter und zwar auf die Bergetappe Richtung Süden.

7 April 2019

Interessante Fahrzeuge! Das blaue gehört dem Besitzer meines Appartements, der mir einen Schnellkursus in der Geschichte von Alcamo gegeben hat. Von ihm habe ich auch erfahren, dass Goethe wohl zwei Häuser weiter übernachtet hat. Verrückt!!
Ich bin lieber nochmal ans Meer gefahren und habe mir in Castellammare einen Aperitif gegönnt.
Hoppla!
Das Amphitheater wurde wohl restauriert. Da sagt Goethe nämlich: „ die Mühseligkeit, in den unscheinbaren Trümmern eines Theaters herumzustreifen, benahm uns die Lust, die Trümmer der Stadt zu besuchen.“ Ich dachte mir, wenn das Theater mal langweilig war, hatte man zumindest einen coolen Blick. Die Trümmer der Stadt hab ich mir dann auch gespart.
Der Tempel ist beeindruckend und steht wohl seit mehr als 2000 Jahren genau so da! Goethe beschreibt ihn sehr ausführlich (klar, Antike), das erspare ich den werten Lesern und Leserinnen. Lustig fand ich, dass fast das selbe auf den Erklärtafeln stand, war halt auch manchmal ein kluger Kopf, der Herr Goethe.
Ich mache mich auf den Weg zum Tempel von Segesta. Der Frühling ist hier überall sichtbar, die Blumen am Straßenrand so wunderbar, das könnte man gar nicht so gezielt anpflanzen!!
Entgegen der Wettervorhersage regnet es nicht. Zeit, Wäsche zu waschen und ein bisschen zu recherchieren, was Herr Goethe so zu berichten hat. Auf dem Weg hierher schreibt er über die Einkehr in einer Herberge folgendes: „Unter dem Obdach einer luftigen, an der schlechten Herberge vorgebauten Halle erquickten wir uns an einem mäßigen Imbiß. Hunde verzehrten begierig die weggeworfenen Schalen unserer Würste, ein Betteljunge vertrieb sie und speiste mit Appetit die Schalen der Äpfel, die wir verzehrten, dieser aber ward gleichfalls von einem alten Bettler verjagt. Handwerksneid ist überall zu Hause.“ Was für ein bornierter Tourist Goethe doch immer wieder ist - und ein reicher Bürgerschnösel dazu. Dass es sich hier möglicherweise um ein gravierendes soziales Problem handelt, kommt ihm nicht in den Sinn!
Das Warenangebot ist ganz aufs doch überwiegend männliche Publikum abgestimmt: Herrenschuhe, Pflanzen für den Nutzgarten und die zur Zeit gerne getragenen Herrentäschchen.
Bei meinem Morgenspaziergang treffe ich auf ein sehr italienisches Sportereignis... die Kommentatorin habe ich schon vorher gehört, dachte aber, es handele sich um eine politische Manifestation. Eingeleitet wurde das ganze übrigens ganz patriotisch mit der italienischen Hymne!

6 April 2019

... gehe ich früh nach Hause, werfe noch einen Blick auf die rummelige Piazza und schlafe dann wie ein (glücklicher) Stein.
... und in Ermangelung eines interessanten Kinoprogramms...
Nach einem kleinen Stadtrundgang und einem leckeren Abendessen ( die Besitzerin der Wohnung hat mir einen Tisch im angesagten Restaurant reserviert - supernett!!!)...
Und dann bin ich nach gut 80 km an meinem Ziel Alcamo angekommen, ein wunderschönes Städtchen über dem Meer. Die Gelateria d’Epoca verkauft übrigens Pommes 😂 und ich wohne in dem Haus hinten links hinter den Palmen.
Ein weiters Geisterhotel am Wegesrand.
Die Kollegen haben mir dann auch durch diese Engstelle geholfen und noch ein paar Tipps für die weitere Strecke gegeben.
Meine neuen Freunde... es gibt hier unglaublich viele Radfahrer. Überhaupt bin ich doch sehr beruhigt. Nach meinen doch etwas anstrengenden Stadtfahrten war ich mir nicht sicher, ob das auf Sizilien so weitergeht. Aber bisher ist das Radfahren hier völlig entspannt. Man kann unbesorgt die kleineren Straßen wählen, die Autofahrer sind wohl am Radfahrer gewöhnt.
Trappeto hat eher einen leichten Favelacharme, schön fand ich den Versuch, den Eindruck durch ein Hintergrundtransparent etwas abzumildern. Und anscheinend besteht eine enge Verbindung zu Solingen.
Die Insel im Hintergrund heißt „Isola Delle Femmine“ Insel der Frauen. Ob Zuflucht oder Verdammung bleibt offen ... Und ich bin jetzt so ko, dass ich morgen früh weiterschreiben muss - da soll es eh regnen 😏
Hinter Mondello gibt es gleich ein ganzes Geisterforf. Das hat mich dann doch interessiert und ich habe eine ältere Dame angesprochen, was es damit auf sich hat. Es ist wohl die klassische italienische Politkorruptionsgeschichte. Baustopp wegen irgendetwas, dann aber doch zum Teil weitergebaut und irgendwie hat dann noch ein hoher Politiker der vorherigen Regierung die Finger im Spiel. Die Leute hier nennen den Berg, der wohl eigentlich Tomasso Natale heißt, Albero Natale (Weihnachtsbaum), weil abends die Lichter der fertiggestellte Häuser und Straßen so schön funkeln.
Und dann habe ich mir das genialste italienische Hörnchen ever gegönnt, ein Cornetto con la crema di pistacchio 😇
Mare e Monti...
Hinter dem Orr liegt der nördlichste Punkt Siziliens:die Riserva Naturale Capo Gallo mit einem verwunschenen Leuchtturm.
Westlich von Palermo befindet sich das wunderschöne Badeort mit viel Jugendstil: Mondello, echt eine unverhoffte Entdeckung .
Danach habe ich mich auf den Weg nach Alcamo gemacht, Goethes erste Station nach Palermo.
Goethe ist erst mal 14 Tage im Palermo geblieben. Ich habe aber gerade mal genug von großen Städten und außerdem treffe ich mich ja nächste Woche mit zwei Freundinnen in Palermo. Das Haus, in dem wir dann wohnen, musste ich mir natürlich schon mal ansehen. Ein Traum!!
Ich fahre mit den ganz Großen an Land...
Angekommen! Morgens um 7 laufen wir in Palermo ein. Da habe ich es doch um einiges besser als Goethe. Der war zwar wohl mit einem munteren Haufen von „Operisten und Tänzern“ unterwegs, nach einer ruhigen Nachfahrt war der aber erst zwischen Ischia und Capri. Losgefahren ist er am 29.03. und kam schließlich am 2.04., morgens um acht (fast wie ich) vor Palermo an. Ganze 4 Tage Überfahrt, nicht von schlechten Eltern, zumal auch noch teilweise stürmisch...

5 April 2019

Jetzt geht es hoffentlich gleich los und morgen bin ich schon auf Sizilien!!!