Germany, Ethiopia · 19 Days · 19 Moments · January 2018

Unterwegs in Äthiopien


14 February 2018

Generalstreik in der Provinz Oromia rund um Addis - Straßensperren - Nachrichtensperre - Ausnahmezustand- 🙈 nichts wie weg - Schade, dass dieses liebenswerte Land politisch so instabil ist
Wir besuchen ein Bergdorf des Dorze-Stammes und schippern auf dem ChamoSee Das etwa 2400m hoch gelegene Dorf ist das Zentrum der Dorze- Ethnie. Einst als Kriegervolk berühmt sind sie heute sesshafte Ackerbauern und weben farbenprächtige Baumwollstoffe. Aus dem Mark der „falschen Banane“ backen sie ein sehr leckeres, nahrhaftes Brot. (siehe Fotos) die Dorfbewohner wirtschaften in Kooperativen, teilgefördert von der irischen Initiative „Vita“. Auf der nachmittäglichen Bootsfahrt auf dem Chamosee begegnen wir zunächst Pelikanen, ägyptischen Wildgänsen und mannshohen Goliathreihern, die mäjestätisch am seichten Ufer entlangstolzieren. Von den Fischern in ihren Einbäumen nehmen sie kaum Notiz. Immer öfter tauchen jetzt Nilpferde kurz zum Luftholen aus dem Wasser auf. Aus gutem Grund bleibt unser Boot jedoch in respektablem Abstand. An den Gestaden einer Insel suhlt sich ein Rudel fetter Krokodile. Ihre Mäuler mit den Reißzähnen öffnen sich ab und an wie Scheunentore. Jetzt krieg ich Angst

12 February 2018

Vom Unterlauf des Omo Richtung Norden - Wir ändern die Fahrtrichtung um 180 Grad und fahren vorbei an fantastischen Terrassenlanschaften mit Hütten und Kraldörfern, die sich wie Tupfen an die Hügel schmiegen. Wir überqueren fast ausgetrocknete Flusstäler, in deren schmalen Rinnsalen durstige Tiere trinken, Frauen Wäsche waschen und nackte Männer sich reinigen. Alles scheint harmonisch und tiefem Einverständnis zwischen Mensch und Natur von statten zu gehen. Nur uns wird das Fotografieren schwer gemacht. Die Vielzahl der mit Kalaschnikovs bewaffneten Männer ist begründet mit der Gefahr des Eindringens Land/Vieh raubender Gruppen aus Nordkenia, Südsudan und Somalia. Am Abend erreichen wir das Swaynes Hotel an der Abbruchkante des Afrikanischen Grabenbruchs mit überwältigendem Blick auf den Chamo-See und den Nechi-Sar- Nationalpark. Vor uns liegt die riesige, in der Sonne glitzernde Fläche des Chamo-Sees mit seinen dichten Schilfufern, in dem sich Nilpferde und auch Krokodile tummeln.

11 February 2018

Die Karo, Mursi, Hamer — Ethnien in Südäthopien So vielfältig und interessant die Sammesvölker Im Süden sind, so offenbaren unsere Besuche in ihren Dörfern immer mehr eine Stammesfolklore, bei der die exotische Bemalung und Kleidung manchmal wie Kostümierung und Freilufttheater anmutet. Dazu kommt die deutliche Erwartung an fotografierende Touristen nach Bezahlung. Das mögen zwar kleine Beträge sein, aber es summiert es sich und birgt die Gefahr, auf Dauer die traditionellen Lebensformen aufzuweichen. Touristen als Herolde der Globalisierung, Geld und Handy als trojanische Pferde? Schon möglich. Ich denke, dass sich die Mitgliederzahl der Ethnien in Südethiopien in den nächsten Jahrzehnten dezimieren wird. Auch vor diesem Hintergrund habe ich gestern für mich einen Besuch des sog. Bullensprungs“, bei dem sich junge Männer heiratsreif springen, peitschen etc. abgesagt und stattdessen den Hausberg von Turmi bestiegen. Der fantastische Aussicht zufolge haben wir das Richtige getan?

10 February 2018

Der Süden - Reise durch den Busch Bei steigenden Temperaturen und extremer Trockenheit bewegen wir uns weiter auf staubiger Piste, vorbei an großen, auch von Kindern geführten Rinderherden, und besuchen ein Dorf der Ara, einen Viehmarkt und einen weiteren Markt. Die traditionelle Kleidung und Bemalung wird immer fantasievoller, auch fremdartiger für uns. Weil Ackerbau bei dieser extremen Trockenheit nicht möglich ist führen die Clans ihre Herden zu den letzten Wasserlöchern der Region. Auch wir spüren die Wasserknappheit und spüren in zunehmendem Maße die hohe, lebenswichtige Bedeutung des Naturguts. So wird diese Reise für mich immer zu einem Lehrstück menschlichen Überlebenskampfes.

9 February 2018

Bei den MURSIS Die Mursis sind ein kleiner Volksstamm von weniger als 4000 Menschen, die zwischen Jinka und dem Omo- Fluss in karger Umgebung leben. Sie sind Vieh- und nach der sommerlichen Regenzeit auch Ackerbauern, wenn das Hochwasser abgeflossen ist. Ihr Charakteristikum ist der Schmuck der Frauen, die sich mit Lippentellern schmücken. Mir tun bei ihrem Anblick Mund und Kiefer weh. Die Männer fallen durch kreideweiße Körperbemalung auf. Wir fahren durch die ausgedorrte Landschaft zu einem ihrer Dörfer. Nach unserer Ankunft präsentieren sie sich uns einzelnen oder in Gruppen zum Foto, die Frauen mit ihren Kleinkindern, und fordern dafür einen Obulus ein. Wir erfahren zwar, dass sich ihre Lebenssituation in den letzten Jahren während des Aufbruchs Äthiopiens in die Moderne kaum verändert hat, sehen aber auch, dass sich einige junge Frauen den körperlichen Verstümmelungen widersetzen, vllt. auch weil der äthiopische Staat die Beschulung von Mädchen mit Tellerlippen veweigert.

8 February 2018

Weiter geht’s durch den Süden Äthiopiens, den 90 verschiedene Ethnien mit unterschiedlichen Sprachen bevölkern, teils nomadisch mit ihren Herden ziehend. Wir fahren von Yirgalim über Konso nach Jinka durch wunderschöne, terrassierte Hügellandschaften und besuchen ein Dorf der Konso, in dem noch knapp 10.000 Stammesmitglieder in Hütten und in enger Gemeinschaft mit ihren Herden leben. Der Markt in Key Afer, unserer nächsten Station, ist bizarr. Überall posieren kleine Gruppen der verschiedenen Ethnien in ihrer traditionellen Kleidung und Bemalung wie Manneqins vor den wenigen Touristen und verlangen pro Foto den Richtpreis von 5 Birr. Die Missachtung dieser Regel führt zu heftigem Protest. Auf meinem Rundgang begleitet mich eine Äthiopierin, macht mir Avancen und spricht von Liebe und heiraten. Sie ist wie eine Klette und all meine Gegenargumente, auch Zurückweisungen wollen nicht verfangen. Ulli, eine mitreisende Wienerin, die ich in der Ferne entdecke, gibt mir..
...Hoffnung dieser verzwickten Lage zu entkommen. Ich schließe im Laufschritt zu ihr auf, lege den Arm um ihre Schultern und gebe ihr zu erkennen, dass sie sich über meine Vertraulichkeiten nicht wundern möge. Sie versteht sofort, spielt mit und nach einiger Wegstrecke wage ich den Blick zurück und kann meine Aspirantin nicht mehr sehen. Bei der Ankunft im Hotel in Jinka passiert mir ein weiteres Malheur. Nachdem uns unser Reiseleiter die Zimmerschlüssel ausgehändigt hatte, bietet mir ein junger Kofferträger seine Dienste an. Als ich nach einiger Zeit mein Zimmer betrete, entdecke ich zwei geöffneten Reißverschlüsse an meinem Rucksack. In einem kleinen Fach am Boden hatte ich 40$ versteckt, die jetzt fehlten. Ich habe gleich den Jungen in Verdacht, zitierte ihn heran und konfrontierte ihn auf das Heftigste. Er ist so verdattert oder auch eingeschüchtert, dass er mir ohne Umschweife das Geld aus seiner Hosentasche zurückgab. Afrika ist eben zuweilen auch anstrengend und herausfordernd.

7 February 2018

Von Lalibela reisen wir über einen kurzen Hops mit dem Propeller Flieger über die unwegsamen Berge zurück nach Addis Abbeba, wo wir auf 4 Geländewagen umstiegen. Auf meist staubiger Schotterpiste gings ins ins Great Rift Valley, Ostseite. In 2 Tagesfahrten fuhren wir vorbei an malerischen Dörfern, Herden mit Dromedaren, Ziegen, Rindern und Schafen, Marabus und Pelikanen an Seeufern sowie unzähligen Termitenhügeln, deren Schlote bis zu 5 m hoch aufragten. Die von den emsigen Termiten genial erbauten Kamine bewirken eine gleichbleibend niedrige Temperatur im Innern des Baus. Bei unseren Stops waren wir in kürzester Zeit umringt von Scharen rufender Kinder: Mit „you, you!“ , „Hello ferenji“ und großen dunklen Augen begrüßten sie uns. Frauen und Alte sind zurückhaltender und kamen erst nach und nach dazu. Hier kamen ich meine mitgebrachten Hotelseifen, Stifte und kleinen Bälle gut an.

5 February 2018

In Lalibela, diesem Ensemble aus monumentalen Basiliken, versteckten Kapellen, kühlen Krypten und dunklen Gängen scheint die Zeit vor Jahrhunderten stehen geblieben zu sein. Im Auftrag des Königs Lalibela legten Handwerker im 12. Jahrhundert mit Hammer und Meißel riesige, monolithische Blöcke aus dem roten Tuffstein frei, höhlten sie von innen aus und schufen so ins Innere der Erde insgesamt 11 sakrale Bauwerke von fantastischer Größe und Eleganz. Das gesamte Ensemble ist UNESCO Weltkulturerbe und ist von m. E. völlig überdimensionierten, hässlichen Schutzdächern beschirmt. Nur die Georgskirche, die schönste, wurde in ihrem ursprünglichen Zustand belassen.

3 February 2018

Aksum „Selam“ lautet die Begrüßung auf Amharisch, die rechte Hand auf die Brust gelegt. Ich versuche wenigstens ein paar Standardformeln auf Amharisch zu lernen. Alle Touristen quasseln Englisch, ich finde es eine Sache des Respekts, wenn man den Äthiopiern in ihrer Landessprache ein wenig entgegenkommt. Zurück nach Aksum: In der alten Kaiserstadt und Residenz der Sagen umwobenen Königin von Saba, Aufbewahrungsort eines der größten Mysterien der Menschheit, der Bundeslade mit den mosaischen Gesetzestafeln, treffen Neuzeit, Mittelalter und. abessinische Frühzeit lebendig aufeinander. Hier ist mir klar geworden, dass das Klischee vom „Kontinent ohne Geschichte“ für Afrika vom archäologischem Boom der letzten 20 Jahre gründlich umgeworfen wurde. Mein Kopf ist nach den vielen Besichtigungen und Ausflügen in das faszinierende Umland zu Palastruinen und Sakralbauten so voll, dass ich darüber kaum einschlafen kann. Dennoch fühle ich mich hier sehr wohl. Gleich gehts nach Lalibela 🛫

2 February 2018

1 February 2018

In den Simien Bergen ⛰ Heute morgen hat mich der Gesang aus dem Lautsprecher um 5 Uhr geweckt. Ich packe die Gelegenheit beim Schopfe und schreibe ein wenig weiter. Wir sind gestern auf 3300m gewandert und ich habe meine Grenzen gespürt. Ich denke es ist der großen Höhe geschuldet. Die tolle Landschaft und die großen Gruppen von Blutbrustpavianen, die uns friedlich unter sich sitzen ließen, während sie Graswurzeln ausbuddelten etc haben mich begeistert. Auch die respektablen Silberrücken sind einfach ruhig und ungestört an uns vorbei ihren weiteren „Beschäftigungen“ 🙈 nachgegangen. Das war ein tolles Gefühl. Wir wurden begleitet von 2 alten bewaffneten Bergwächtern mit wettergegerbten Gesichtern. Es gibt wohl Leoparden, Hyänen und Grenzgänger aus dem verfeindeten Eritreia in den Simien-Bergen. Heute geht es weiter hoch ganz in den Norden in die ehem. Kaiserstadt Axum, ich hoffe sie liegt tiefer. Ich grüße euch herzlich vom Dach Afrikas (Die Simien-Berge haben als einzige 8 4000er)

30 January 2018

29 January 2018

Bahir Dar und Tana See Ahh, endlich slow down und keine Großstadt mehr. Wir wohnen in einer wunderschönen Lodge am Rand von Bahir Dar. Mit dem Boot schippern wir über den Tana See zu einer Insel mit einigen orthodoxen Klöstern. Beim Aufstieg auf den Klosterberg blicken wir immer wieder in die strahlenden Gesichter junger Äthiopier, die mit ihren Familien Souvenir- und Kaffeeshops betreiben. Wir trinken superleckeren Kaffee und betreten staunend den historischen Tempelbezirk am Berggipfel. Gerade ist eine Messe zu Ende und wir dürfen hinein in den nach Weihrauch duftenden Rundbau. Die Wände sind überall mit orthodoxen Bibeldarstellungen bemalt. Auf der Rückfahrt mit dem Boot beobachten wir noch einige Hippos, die kurz Ohren und Nase zum Luftholen rausstrecken und sofort wieder abtauchen. Am Abend sind wir angefüllt mit Eindrücken Stimmungen und genießen hungrig das leckere Buffet.

28 January 2018

Puhh, mehr als 24h auf den Beinen und dann am ersten Tag gleich volles Stadtbesichtigungsprogramm. Das Wetter im über 2000m hoch gelegenen Addis Ababa, wie man hier sagt, ist angenehm: vormittags frisch und nachmittags mollig warm. In der Gruppe habe ich ein paar nette Einzelkontakte, mit anderen ist es aber noch kühl. Mal sehen. Wir sind alle müde. Am meisten beeindruckt hat mich heute das Nationalmuseum mit seiner prähistorischen Abteilung. Auf einem Bild sieht man die Skelettteile von „Lucy“, unserer Vorfahrin (?) aus dem Rift Valley vor ca. 3 mio jahren. Addis Ababa zeigt eine enorme Bautätigkeit, die Gerüste, auch die der Wolkenkratzer sind aus Stangen des Eukalyptus Baumes. Überhaupt hat Äthiopien die höchsten BIP Zuwächse aller afrikanischen Staaten. Trotzdem ist, besonders in Teilen des riesigen Mercato Marktes noch viel Armut zu sehen. Aber: die Leute tun was dagegen und ertragen es mit Gleichmut. Morgen werden wir um 4 Uhr geweckt, weil wir in den Norden fliegen.

26 January 2018