Croatia · 10 Days · 34 Moments · August 2012

Susanne Vienna

Im Land der Skipetare


2 September 2012

Christians Fakten für den interessierten Balkanreisenden 1. Preise fallen, je weiter südlich man kommt, auf 30% des Österreichischen Niveaus. 2. Quartiere sind ohne Vorbestellung überall zu bekommen. 3. Mit Euro kann man überall zahlen. 4. Hier gibt es praktisch nur österreichische Banken, zumeist ERSTE und RAIFFEISEN. 5. Alle Mercedes Modelle Baujahr 1990 und früher befinden sich am Balkan. 6. Lästige Betteleien gibt es nur in Touristenzentren, auf unserer Route in Mostar. 7. Die Straßen sind im Wesentlichen ok, Ausnahmen auf Nebenrouten in Albanien. – Einspruch von Susanne! 8. In Albanien ist jedes zweites Gebäude ein Rohbau. Es wird gebaut bis das Geld ausgeht, weiter gemacht wenn frisches verfügbar ist. 9. Fußball scheint nicht die Spezialität der Montenegriner zu sein. Der lokale Meister verliert in der Euro Liga Qualifikation gegen PSV Eindhoven mit einem Gesamtscore von 14:0. Die Leute nehmen es gelassen, mehrmals brandet während des Spiels Jubel auf.
Zeit, dass wir heimommen Am Nachmittag lade ich Christian in die Konditorei ein. Dort ist ein Gewimmel. Kein Wunder, es gibt feine Sachen in diesem an Mehlspeisen armen Land. Palacinki ist normalerweise das höchste aller Ziele. Allerdings sind wir hier schon so nahe an Italien, dass es hin und wieder Profiterol oder Pannacotta auf die Speisekarte schaffen. Eis gibt es natürlich auch. Das kroatische Sladoled ist, wie bei uns, mal besser mal schlechter, nur Christian mault herum. Ihm schmeckt ja ausschließlich das Eis vom Molin-Pradel auf der Landstraße. Naja, er muss ja keines essen. Nachdem ich mein missgelauntes Gespons - zu viele Touristen, man hört nur Deutsch, lauter Pensionisten, kein ordentliches italienisches Restaurant, Eis und Mehlspeisen ungenießbar, die Leute sind zu fett, hier kann man nur Wassersport betreiben - ins Hotel geschickt habe, schaue ich mir den Rest der Stadt an. Die Max Mara Boutique hebe ich mir für morgen auf.
Konditorei Auf meinem Bummel durch Optija treffe ich durchwegs ältliche Leute. Deutlich jünger sind nur die Gäste des Hotel Admiral. Die haben ein großes Automatencasino und einen Jachthafen. Ansonsten ist Opatija wunderbar. Es gibt einen Max Mara, eine La Perla Boutique und eine famose Konditorei im Hotel Milenij. Die kann ohne weiters mit dem Zauner in Ischl mithalten. Außerdem kann man auf der direkt in den Felsen gehauenen Uferpromenade bis ins 14 km entfernte Rijeka gehen. Das reicht um ein Stück Torte zu verbrennen.
Kaiserlich-königlich Opatija ist das Bad Ischl des Balkans. Angeblich war es schon zu Zeiten der Monarchie ein beliebter Kurort und das kaiserliche und königliche dringt aus allen Poren. Wir wohnen in einer ehemaligen Habsburger Villa, in der schon Coco Chanel und die Kennedys abgestiegen sein sollen. Die Kronleuchter, die Draperien und das Tafelsilber könnten aus dem Hofmobiliendepot stammen. Wir haben leider nur noch ein Mansardenzimmer bekommen. Ganz Opatija scheint ausgebucht zu sein. Zum erstenmal in diesem Urlaub haben wir echt Probleme mit dem Quartier, wir suchen zwei Stunden. So ist die Villa ein echtes Glück. Die Lage ist atemberaubend. Was fehlt, zumindest aus Christians Sicht, ist das Gym und der Wellnessbereich. Die Habsburger haben halt noch nicht so viel von Gymnastik gehalten.

1 September 2012

Zadar Auch Zadar hat eine herzige Altstadt mit herzigen Lokalen, unzähligen Kirchen und von Fenster zu Fenster gespannten Wäscheleinen. Aber davon haben wir mittlerweile genug gesehen. Nach einem Besuch am Fischmarkt machen wir uns auf zum letzten Ziel dieser Reise, wo wir noch ein paar erholsame Tage genießen wollen. Opatij
Kriegsrelikte Viel schöner ist der Ausblick von der Seilbahn, mit der wir dann auf den Hausberg von Dubrovnik fahren. Dort gibt es ein Bürgerkriegsmuseum, das die Gräuel des Balkankrieges zeigt. In gedrückter Stimmung machen wir uns auf nach Split.
Ritterspiele Der Diokletianpalast hat viele Eingänge und Keller. Die zugehörige Kirche ist aus unerfindlichen Gründen geschlossen. Nicht, dass mich Kirchen so besonders interessieren, aber nicht hinein zu können macht mich bockig. Wir pilgern also zur nahe gelegenen Touristinfo, wo wir auf 2 Mitarbeiter dieser sinnvollen Einrichtung treffen. Ein ziemlich dicker junger Mann hat die Füße auf dem Schreibtisch liegen und isst seine Jause. Seine Kollegin plaudert angeregt am Telefon. Nach einiger Zeit wendet sie sich der Schlange vor ihrem Schreibtisch zu. Als ich endlich drankomme, erhalte ich die Auskunft, dass die Kirche eigentlich geöffnet hat. Wenn sie zu ist kann man auch nichts machen, im Touristoffice habe man keine Information. Ich bin dann schon eher unfreundlich. Die Dame auch. Sie erklärt mir, dass sie ja nicht alles wissen könne. Der Reiseleiter einer italienischen Reisegruppe löst das Rätsel. In der Kirche wird gerade ein Film gedreht. Das erklärt auch die vielen Leute im Ritterkostüm.
Drei alte Feen ... Das Hotel Park, in dem wir abgestiegen sind, hat zwei Vorteile. Es hat einen Parkplatz und man kann zu Fuß über die Wiese zum Stadtstrand gehen. Das tue ich dann auch und mische mich unter die Einheimischen. Die Bucht hat einen Sandstrand und das Wasser ist so flach, dass man bestimmt 200 m gehen muss, bevor man schwimmen kann ohne mit dem Bauch auf Grund zu laufen. Das erklärt auch das Verhalten der Badegäste. Sie stehen im seichten Wasser und essen, trinken, schlecken Eis, plaudern, … Besonders die älteren tun das in Straßenkleidung. Das erklärt wiederum die vielen Schuhe mit hineingesteckten Strümpfen am Ufer. Ich wate also hinaus um ein bisschen zu schwimmen. Misstrauisch beobachten mich drei ältere Damen, die in Ufernähe offenbar eine Konferenz abhalten. Nach dieser sportlichen Betätigung machen wir einen Hafenbummel. Als wir zurückkommen, stehen die drei alten Feen noch immer im seichten Wasser.
Dubrovnik Die Altstadt von Dubrovnik hat ein Ruf zu verteidigen und auch tatsächlich einiges zu bieten. Das hat sich natürlich herumgesprochen und nun scheint alle Welt hier zu sein. Es geht zu wie auf dem Rummelplatz. Schon gestern Abend ist uns unangenehm aufgefallen, dass es weder Hotelzimmer noch freie Tische im Restaurant gibt. Das ist heute nicht anders und unter die Touristen mischen sich auch noch die Kirchgänger. Sie bilden Trauben vor den nicht gerade wenigen Gotteshäusern und sind vergleichsweise jung. Ich werfe kurz einen Blick in eine der Kirchen und stelle fest, dass diese wie erwartet nicht anders ausschaut wie alle anderen, die ich bisher gesehen habe. Rühmliche Ausnahmen: Die Sagrada Familia in Barcelona, die Kathedrale in Brasilia und die Wotrubakirche in Wien.

31 August 2012

Polizei 2 Ab heute geht es gegen Norden. Halbfertige Straßen, unzählige Serpentinen, Baustellen, 6 Stunden für 280 km. Teilweise gibt es auch nagelneue Straßen, die dann abrupt enden. Auf so einem Stück, werde ich wieder von der Polizei angehalten. Es gibt eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 kmh und ich war gut doppelt so schnell. Ich erkläre dem Polizisten, dass ich das Schild übersehen habe und die Straße ja eh gut ist. Der meint, er verzeiht mir alles, wenn ich ab jetzt langsam fahre. Keine Strafe. Das muss mein charmantes Lächeln sein! Ich fahre langsam und das ist gut so. Hinter der nächsten Kurve ist die Straße aus.
Polizei 1 Bitola ist auch ganz hübsch. Man darf sich nur nicht allzu weit vom Stadtzentrum entfernen. An den Rändern wirkt es schon recht ausgefranst. Wir vollenden dann die Seerunde und wundern uns wieder einmal, wieso die Grenzabfertigung so lange dauert, wo doch nur ein einziges Auto da ist. Wir nämlich. Die müssen die langsamsten Computer der Welt haben. Einen Atari aus den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts vielleicht. Bald haben wir wieder Pogradec erreicht und dort fahre ich dann verkehrt gegen die Einbahn. Eine Spezialität von mir, wenn ich mich wo nicht auskenne. Zu allem Überfluss kommt mir ein Polizeiauto entgegen. Ich werde freundlich abgemahnt und auf den richtigen Weg geschickt, dabei habe ich mich schon in einem albanischen Gefängnis gesehen. Christian schüttelt nur noch den Kopf. Er hat natürlich sowohl das Einbahnschild als auch das Polizeiauto gesehen.
Ein Schmuckkästchen Ohrid hat besonders viel Tourismus. Es liegt direkt am See, hat einen eigenen Flughafen und ein Schmuckkästchen von Altstadt. Dort befindet sich eine alte Kirche mit über 1000 Jahre alten Fresken. Das entschädigt uns für die verpasste Höhlenmalerei, an der wir versehentlich vorbeigefahren sind. Umkehren wollten wir dann auch nicht, erfahrungsgemäß sieht man eh nur ein paar Kratzer. Die Fresken in der Kirche hingegen sind vergleichsweise gut erhalten. Sie waren die meiste Zeit hinter Putz verborgen, als die Kirche - nicht ganz freiwillig - aufgegeben werden musste und als Moschee fungierte.
Ohrid Heute erreichen wir den südlichsten Punkt unserer Reise in der Nähe von Bitola/Mazedonien, 5 km vor der griechischen Grenze. Wir fahren um den Ohridsee herum um uns die mazedonischen Berge aus der Nähe anzusehen. Die sind viel grüner als in Albanien. Und obwohl Mazedonien der ärmste der Jugoslawien-Nachfolgestaaten ist, sind die Leute hier viel wohlhabender als in Albanien. Man merkt es an der Kleidung, an den Häusern, an den Geschäften und an den Straßen. Keine Rohbauten ohne Fenster und Seitenwände, die aber schon bewohnt sind. Keine Bauern am Straßenrand, die eine magere Ziege an der Leine führen und viel mehr Touristen. Sogar die Hunde sind hier dicker. Albanien ist ja auch das ärmste Land Europas, nur geschlagen von Moldawien. Zumindest sagt das die Statistik.

30 August 2012

Schatschepare Am Abend suchen wir uns ein Restaurant aus, das keine englische Speisekarte hat. Nicht dass die Übersetzung besonders hilfreich wäre. Was beispielsweise Juice with meatball auf der Frühstückskarte ist, können wir uns nicht wirklich vorstellen. Oft steht als englische Übersetzung auch nur das gleiche dort wie in der Landessprache. Supe oriental ist soup oriental. Filet koran ist koran filet. Auch nicht wirklich hilfreich. Heute sind wir mutig und bestellen drei Speisen, wo uns die Worte gefallen . . . und essen das beste Abendessen bisher in Albanien. Wir bekommen Grillkäse mit Salat, geröstete Leber und Lammkotelettes. Der Grillkäse heißt kashkavall, die Leber irgendwas kurzes mit m und das Lammkotelett fängt mit b an und hat in der Mitte ein x. Ein köstlicher in Orangensaft getränkter Nusskuchen heißt SCHATSCHEPARE. Das ist Lautschrift! Das Wort habe ich gestern in der Bäckerei im Chor mit dem Personal geübt, damit ich es im Restaurant bestellen kann. Hat auch geklappt.
Bonzenparadies Der See liegt spiegelglatt zwischen den rötlichen Bergen auf der albanischen und den weißen auf der mazedonischen Seite. Die Wassertemperatur ist angenehm und man kann weit hinausschwimmen. Als ich eine dubiose grüne Boje entdecke, mache ich allerdings kehrt. Vielleicht ist das ja die mazedonische Grenze. Wir sehen jede Menge Fische, die an den Füßen knabbern, wenn man ruhig stehen bleibt, Krebse, Wasserschlangen, Schwalben, Kormorane aber kaum Menschen. Nur ein paar Fischer sind unterwegs. Die Touristen kann man an den Fingern einer Hand abzählen. Die Tretboote, die wir angeblich jederzeit haben können, sind über Nacht alle kaputt geworden, als wir tatsächlich eines wollen. Also schwimmen wir und aalen uns in der Sonne. Christian ist schon so rosig wie ein Marzipanschweinchen. Ich bin ja vorgebräunt. Dann machen wir einen Ausflug zum Bonzenparadies aus Enver Hoxas Zeit. Ein paar alte Villen stehen noch. Angeblich kann man in einer davon Hoxas Schlafzimmer mieten!
BLA ALPI Jetzt sind wir also in Pogradec, dem Bibione für Arme. Das war einmal die Ferienhochburg der Bonzen zu Zeiten des Kommunismus. Es ist auch wunderbar hier. Die Bergkulisse und der See sind traumhaft. Wir sind spät dran und so sind die Sommerurlauber schon weg und wir können Hotel und Landschaft fast exklusiv genießen. Unser auserkorenes Hotel heißt Bla Alpi und liegt ein paar Kilometer vor Pogradec direkt am Seeufer. Es ist dem Albanienführer eine Empfehlung wert und tatsächlich neu und schön, modern eingerichtet mit allem Komfort und gutem Restaurant. Nächtigung und Frühstück kosten uns umgerechnet € 12.50 pro Nase. Wir hätten es noch viel billiger haben können. Es gibt ein paar Restaurants am Seeufer und jedes vermietet drei, vier Zimmer. Der Komfort lässt allerdings zu wünschen übrig.
Wocheneinkauf und Auto Lavash Unser nächstes Ziel ist der Ohridsee. Auf den Bergstraßen geht es nur mit Tempo 30, aber es gibt immer was zu sehen. Am Straßenrand gibt es Standln, wo man allerlei kaufen kann. Christian steuert einen Obststand an und hält dem Händler unseren kleinsten Geldschein unter die Nase. Mit 5 kg Weintrauben, einem Berg Pfirsiche und einem Sack Zwetschgen fahren wir weiter. Dem strahlenden Gesicht des Standbesitzers nach zu schließen, hätten wir für die Summe auch den Esel bekommen, wäre er denn in den MINI gegangen. Wir sehen unzählige Schilder auf denen „Auto Lavash“ steht. Daneben sitzt meist ein junger Mann mit einem Gartenschlauch. Später wird uns klar, dass es sich um die albanische Form der Autowaschstraße handelt. Bei den meisten herrscht auch reger Betrieb. Auf den hiesigen Sandpisten bedürfen die Karossen intensiver Pflege. Der MINI ist bereits so schmutzig, dass man die Farbe nicht mehr erkennt. Wir haben sicher das dreckigste Auto in ganz Albanien.

29 August 2012

Das Butterfass Nachdem wir die Sehenswürdigkeiten erledigt haben, darf ich mich den Souvenirbuden widmen. Ein erster Vorbote des "echten" Tourismus. Allerdings wird noch nicht der übliche Souvenirkitsch verkauft, sondern Kunsthandwerk, das teilweise auch vor Ort erzeugt wird und alter Hausrat. Ich kaufe eine Olivenholzschale und ein altes Butterfass im Hinblick auf spätere Selbstversorgung. Christian ist entsetzt, als er das Riesending zum Auto schleppt, speziell als er erfährt, dass wir jetzt eine Kuh auch noch brauchen, oder zumindest eine Ziege. Ich finde, ein gebrauchtes albanisches Butterfass für 13 € ist ein unschlagbares Souvenir.
Die Burg Im Museumsführer liest sich die Geschichte der Burg so: Mit dem Namen Kruja wird die Burg in einer christlichen Urkund des Jahres 879 erwähnt, wenn die Stadt die Rolle eines orthodoxen Bistum-Zentrum hatte. Die späteren Bauern brachten, dass die Burg ihre vollständige Form am Ende des zwölften Jahrhunderts erhielt und als Zentrum der byzantinischen Garnison diente. Während des Mittelalters ist das Wesenhaftesystem der Burg weiter vervollkommnen; sie ist einige male Wiedergebaut, besonders nach den drei großen osmanischen Feld gen 1450, 1466, 1467. Der starke Erdbeben von 1617 so wie die Massenzerstörung von den Osmanen nach dem Aufstand 1832 brachte grrosse Schaden der Burg. Einige Regulierungen während des 19. Jahrhunderts konnten nicht mehr den ehemaligen Glanz der Stadt zurückkehren. …. (sic) Aber man soll nicht spotten, die meisten Leute hier sind dreisprachig.
Der Held Die Burg von Kruja lockt ganze Reisebusse an. Sie liegt wunderschön ganz oben auf dem Felsen und musste angeblich wegen ihrer außergewöhnlichen Lage gar nicht befestigt werden. Laut Reiseführer war sie ein Bollwerk gegen die Osmanen und hatte außerdem eine Art Funkturm, an dessen Spitze mittels Lichtzeichen Nachrichten von Burg zu Burg weitergegeben wurden. In der Burganlage befindet sich das Skanderberg-Museum. Der gute Skanderberg hat angeblich von 25 Schlachten gegen die Osmanen nur 2 verloren. Schon ein toller Kerl, wie er da überlebensgroß in Gips auf seinem Sockel steht und grimmig schaut. Die Frauen sind ihm sicher zu Füßen gelegen. Bei unserem Heldenverehrungstrip durchs Museum werden wir permanent von einem Angestellten verfolgt, der in jedem Raum sofort hinter uns zusperrt und uns nicht mehr zurück gehen lässt. Jeden Territorialgewinn verteidigt er gnadenlos. Ein Nachkomme Skanderbergs? Nein, Mittagspause.

28 August 2012

Hotel Amerika Das hätten wir nicht tun sollen, auch wenn das Panorama beeindruckend ist. 4 Stunden und 138 km später kommen wir endlich in Kukes an und treffen den albanischen Präsidenten. Kukes ist unglaublich hässlich und ziemlich verfallen. Aber es gibt eine Oase in der Wüste. Das Hotel Amerika, dessen Zufahrt allerdings abgeriegelt ist. Überall Polizei. Als wir uns als Touristen outen, lässt man uns durch und so parken wir direkt neben der präsidentlichen Limousine. Die örtlichen Honoratioren trinken mit dem Präsidenten in einem Extrazimmer Kaffee und niemand hindert uns einzutreten. Wir haben uns im Stockwerk geirrt und vermuten hinter der Tür den Ausgang in den Garten. Freundliche Leibwächter zeigen uns den Weg und wir können beim Abendessen beobachten, wie die ganze Entourage wieder abzieht. Wir haben natürlich keine Ahnung, was sich abspielt, aber der Kellner klärt uns auf.

27 August 2012

Zeitreise In Dobre Voda fühlen wir uns dann in die 60er-Jahre zurückversetzt. Der Badeort wird ausschließlich von Einheimischen frequentiert. Dort wird mir dann leider schlecht. Das hat nichts mit dem Ort zu tun sondern vermutlich mit einem Glas frisch gepressten Orangensaft, der nicht ganz so frisch gepresst war. Wir haben ein Hotel mit Meerblick und Terrasse und dort verbringe ich die nächsten beiden Tage mit fürchterlichen Magenschmerzen und allem was dazu gehört. Sobald es mir besser geht, fahren wir weiter. Ich will endlich zu den Skipetaren! Es herrscht erstaunlich viel Verkehr. Österreicher, Italiener, Deutsche. Wo kommen die bloß her. Die meisten fahren alte Mercedes, also liegt die Vermutung nahe, dass es Gastarbeiter auf Heimaturlaub sind. Jedenfalls hätten wir ihnen nachfahren sollen. Sie alle benützen die nagelneue Autobahn, die unser TomTom nicht kennt, nur wir nehmen die Bergstraße.

26 August 2012

... Menschenschlangen Endlich oben angelangt, werden wir mit Menschenmassen konfrontiert, die an der Klosterpforte angestellt sind. Man hat freundlicherweise Sonnenschirme aufgestellt, damit niemanden in der Schlange der Hitzschlag trifft. Offenbar besteht die Aussicht, einen Segen zu erhalten. Die Gäste hier sind Pilger, keine Touristen. Wir verzichten auf den Segen und kommen trotzdem wieder heil auf der Hauptstraße an.
An der Klosterpforte ... Die kommenden Tage am Meer wollen verdient sein und so besuchen wir eines der vielen Klöster auf dem Weg an die Küste. Wir verlassen die sogenannte Straße und sogar Christian muss zugeben, dass wir uns zur Zeit auf einem Feldweg befinden. Das schreckt die Reisebusse nicht ab. Ausnahmsweise bin ich froh über die dicken Brummer. Eingekuschelt zwischen zwei solcher Riesen kann uns nichts passieren. Wenn der Bus keinen Hangrutsch auslöst, wird der Boden wohl auch den MINI tragen. Außerdem ist unser Feldweg steil, reich an Serpentinen und einspurig. Der vordere Bus macht uns den Weg frei, der hintere hält Unbill ab. Das sind so die Gedanken, die mir durch den Kopf gehen.
Krupaz Ich bin nach der Fahrt so erschöpft, dass ich unbedingt ausspannen muss. Wir fahren gleich nach Krupaz baden. Dort sind nur ein paar Einheimische anzutreffen. Die Massen sind am Meer. Auch hier müssen wir uns den Weg erklären lassen. Das Konzept der Beschilderung ist offenbar unbekannt. In Krupaz gibt es sogar ein Hotel, das aber so unglaublich hässlich ist, dass wir doch in Niksic absteigen.
Also fahren wir über die Berge weiter nach Montenegro. Die Straßen sind ein Kapitel für sich. Christian ist leicht zufrieden zu stellen. Er hält alles für eine Straße, was asphaltiert ist. Ich bin der Meinung, dass Einrichtung wie ein Mittelstreifen, ein befahrbares Bankett, Seitenbegrenzungen mit Beleuchtung und Leitschienen an Stellen, wo die Straße an Steilhängen vorbeiführt, Stand der Technik sind. Die sogenannte Straße ist also nur in Christians Welt eine.

25 August 2012

Mostar Mit guter Bodenhaftung dank tiefem Schwerpunkt verlassen wir den Ort und fahren weiter nach Mostar. Die Hotels an der Zufahrtsstraße zur Altstadt scheinen uns wenig einladend und so quälen wir uns mit dem Auto in die schmalen Altstadtgassen bis zum Hotel Old Town, das eine Oase mitten im Wirbel darstellt. Ich fädle den MINI gekonnt ein. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie man einen riesigen Mercedes durch das enge Tor kriegt. Es geht aber, einer steht drin. Ansonsten besteht Mostar aus der berühmten Brücke, die nach dem Balkankrieg detailgetreu wieder aufgebaut wurde, vielen überteuerten Restaurants, Souvenirläden und – wenn man weitergeht – zerstörte Häuser, Bombenkrater, Armut und Depression. Kein Ort, an dem wir bleiben wollen. Nach einer Nacht im Hotel Old Town lassen wir uns vom Hotelbesitzer Tipps für Weiterfahrt geben. Er zeigt uns die Route auf einer zerfledderten Landkarte und warnt uns vor der Küstenstraße, die schmal, kurvenreich und mit viel Verkehr gesegnet ist.
Schweizerhausatmosphäre Auf der Fahrt kommen wir bei Jablanica immer wieder an Lokalen vorbei, wo sich irgendetwas am Spieß dreht und Unmengen von Leuten essen. Es ist ohnehin gerade Zeit für eine Pause und so parken wir den MINI zwischen all den uralten Mercedes-Schlitten und nehmen die Örtlichkeit näher in Augenschein. Was sich da am Spieß dreht ist jedenfalls Lamm und die Lokale erinnern mich ans Schweizerhaus im Prater, nur dass es eben keine Schweinsstelzen gibt sondern solche vom Hammel. Da die gesamte Straße von derartigen Lokalitäten gesäumt ist, dürfte es sich um eine örtliche Spezialität handeln. Wir befragen den Reiseführer und finden dort prompt die Empfehlung auf keinen Fall die Lammspezialitätenlokale rund um Jablanica zu versäumen. Tun wir nicht.
Balkansee Die Sonne strahlt vom Himmel und es ist heiß, also tun wir, was die Leute hier auch tun. Baden im Balkanasee. Dieses kleine Resort liegt auf dem Weg und zwar in der Srpska Republika, was man nur bemerkt, weil plötzlich alles in kyrillischer Schrift angeschrieben ist. Den Balkanasee muss man sich wie die Donauinsel vorstellen. Sehr bodenständiges Publikum, eine Menge uralter Autos, die in der Wiese parken und der Geruch von Gegrilltem hängt über allem. Wir packen unsere Schlafsäcke als Unterlage aus und lassen uns am Ufer nieder. Und weil wir heute schon rustikal unterwegs sind, gehen wir in einem kleinen Tschocherl namens Sarajevska Cevapi essen. Bei den Nutellapalatschinken kann Christian dann allerdings nicht mehr mithalten.

24 August 2012

Bihac In Bihac quartieren wir uns im netten Hotel Paviljon ein, das direkt am Fluss Una liegt. Die Wehranlage ist offenbar ein beliebter Badeplatz und so komme ich doch noch zu meiner Erfrischung. Zwischen spielenden Kindern, flirtenden Jugendlichen und rauchenden Anglern mit stoischem Gesichtsausdruck ziehe ich meine Runden im klaren Wasser und bin wieder versöhnt. Wir machen einen Stadtbummel und entdecken ein Kino, in dem ein amerikanischer Blockbuster gespielt wird. Christian fragt auf Englisch, ob der Film in Originalsprache gezeigt wird. Ja leider, antwortet der Kinomanager ebenfalls auf Englisch. Aber keine Sorge, es gibt (bosnische?) Untertitel. Wir verzichten trotz dieser Verheißung auf das Kinoerlebnis, was Christian später leid tut. Aber da steht ihm seine Hollywood-Phobie im Weg. Also gehen wir essen. Da es im Ort zwar jede Menge Bars und Kaffeehäuser gibt, aber kein Restaurant, essen wir im Hotel. Die Fischplatte ist gigantisch, Christian hat trotzdem noch Platz für Palacinki
Enttäuschung in Plitvic Wir haben trotzdem bald genug von Zagreb und brechen Richtung Nationalpark Plitvicer Seen auf. Dort erlebe ich dann eine herbe Enttäuschung. Nicht nur ist das einzige Hotel am Seeufer hässlich und wenig einladend, es ist auch voll. Keine Chance auf eine Bleibe, auch nicht bei den kleinen Pensionen an der Straße. Die sind ebenfalls wenig einladend. Ich will mich mit einem Bad im See trösten und nicht einmal das funktioniert. Es gibt keine Infrastruktur am See, das ist mir schon aufgefallen. Der Grund dafür ist das Badeverbot. Das ist doch wohl die Höhe, ein See, in dem man nicht schwimmen darf. Angeblich sind die Plitvicer Seen das Trinkwasserreservoir der ganzen Region und daher besonders geschützt. Vermutlich lassen sich die Einheimischen nicht abhalten, aber die wissen, wo man zum Ufer gelangt. Der See ist eingezäunt. Naja, Schwamm über den Nationalpark. Hier kann man bloß wandern und Schwammerl suchen. Weiter nach Bihac.
Zerbrochene Beziehungen Zagreb zeigt sich von seiner besten Seite. Die Sonne strahlt vom blitzblauen Himmel. Wir bummeln durch die Innenstadt, fahren mit der Seilbahn in die Oberstadt und bewundern die Kathedrale, die heimatliche Gefühle weckt. Sie ist auch eingerüstet wie der Stephansdom. Die Geschäftsstraßen sind mit einladenden Kaffeehäusern gesäumt und es gibt jede Menge Museen. Das skurrilste ist das „Museum der zerbrochenen Beziehungen“. Aus aller Welt schicken Menschen, die gerade eine Beziehung beendet haben, symbolisch einen Gegenstand der ihre Geschichte besonders gut illustriert. Also Tatwaffe nicht wegwerfen sondern nach Zagreb schicken.
Zagreb Wir kommen viel später weg als geplant. Es ist schon fast 4 Uhr nachmittags als wir endlich rollen. Fünf Stunden später sind wir dann in Zagreb. Das Hotel Ilica hat einen eigenen Parkplatz und glücklicherweise noch ein Appartement frei. Das Auto wird einfach irgendwie zwischen die anderen gepfercht. Der kettenrauchende Hotelportier kassiert unseren Autoschlüssel und wir können beruhigt schlafen gehen. Das Ilica ist eine lustige Mischung aus Ostblockbarock, moderner Architektur und dem Charme eines kleinen Hotels. Obwohl direkt im Zentrum ist es relativ ruhig, weil das Haus zurückgesetzt ist und die Zimmerfenster auf den so entstandene Hof hinausschauen. Lärm machen nur die an- und abreisenden Autofahrer, aber die schlafen inzwischen auch schon alle.
Die Route Zagreb (Kro) - Bihac (Bos) - Jajce (Bos) - Mostar (Bos) - Niksic (Mon) - Dobre Voda (Mon) - Kukes (Alb) - Prizren (Kos) - Kruje (Alb) - Pogradec (Alb) - Ohrid (Maz) - Bitola (Maz) - Tirana (Alb) - Podgorica (Mon) - Dubrovnik (Kro) - Split (Kro) - Zadar (Kro) - Opatija (Kro) Wir waren 3 Wochen unterwegs.