Italy · 9 Days · 8 Moments · July 2018

Ferien in der Toskana


5 August 2018

Mittags muss man hier wirklich ruhen. Vor der Siesta waschen wir das Salz auf der Haut im schönen Pool unserer Anlage ab und kochen etwas. Adam nutzt die Zeit zum Gamen, immer eine Grundsatzdebatte, dass die iPad-Zeit pro Tag nur eine halbe Stunde beträgt. Wir kochen unterdessen Kartoffeln und Butterbohnen, dazu gibt es ein Ragú aus dem Glas (mit Fleisch der berühmten Chianina-Rinder). So einfach und fein. Dann verfallen wir alle (na ja, Adam mehr oder weniger) in wohlige Mittagsträgheit: Jola schläft, Uwe liest, Adam schaut einen Film auf dem iPad. Dieser Zustand hält so bis 16-17 Uhr an, dann ist die schlimmste Hitze geschafft.
Ein erster Tag am Meer. Nachdem wir gestern alle todmüde in die Federn gefallen sind, frühstückten wir heute morgen gemütlich und versorgten uns dann bei Francesco mit selbstproduzierten pomodori (Tomaten), carotte (Möhren), patate (Kartoffeln) und fagioli (Bohnen) und bestiegen danach unsere biciclettas im Landesstandard (das heisst, nicht unbedingt vertrauenserweckend, aber noch fahrtüchtig) und fuhren ans Meer. Dazu muss man erst einmal durch einen dichten und mit labyrinthischen Wegen versehenen Pinienwald, an einem monströs grossen Campingplatz vorbei und schließlich noch ein Stück zu Fuss an den Strand. Natürlich verlieren wir uns prompt, da Uwe wie ein Irrer vorausfährt (Radfahrernation). Am Ende kommen wir doch gemeinsam am Strand an. Dieser ist aber wirklich prima, angenehm, flach, herrlich erfrischend. Der Sand ist allerdings so heiss wie eine stundenlang vorgeglühte Herdplatte. :-) Aushalten kann man es hier allerdings nur bis circa 13 Uhr, dann wird es Zeit für die Siesta

1 August 2018

Der Dom von Siena. Der Dom von Siena ist unübersehbar in der Skyline von Siena und zählt zu den bedeutendsten und schönsten Kirchen Italiens. Auf einer früheren Kapelle als ehrgeiziges Projekt einer romanischen Kirche begonnen, die den steigenden Einfluss und Wohlstand Sienas dokumentieren sollte, ist, die Planung stetig verändert worden und der Gesamtbau trotz seiner Geschlossenheit bis heute Fragment geblieben. In der jetzt vorliegenden Gestalt mischen sich romanische und gotische Einflüsse zu einer beeindruckenden und beinahe erschlagenden künstlerischen und architektonischen Fülle. Die Kirche mit dem Sternenhimmel im Gewölbe bildet fast eine eigene Welt für sich und besteht aus mehreren Teilen, die über unterschiedliche Eingänge zu erreichen sind (und für die natürlich unterschiedlich Eintritt bezahlt werden muss). Wir entscheiden uns für den einfachen Eintritt in den Dom und die Piccolimini-Bibliothek(5€), denn das reicht vollkommen, um einen vollständig mit Bildern zu fluten.
Nachdem Jola darauf geachtet hat, dass wir rechtzeitig aufbrechen, stehen wir schon um 9 Uhr auf der Piazza del Campo, kurz Campo, dem zentralen Platz Sienas, auf dem sich das öffentliche Leben und auch der Palio di Siena (eigener Moment) abspielt. Auf einer Talsenke gelegen, ist der Platz in Richtung des Palazzo Pubblico (Rathaus) leicht abschüssig und weist neun strahlenförmig angeordnete Pflasterungen auf, die an die Herrschaft der Neun, der wirtschaftlich und politisch stabilsten Zeit der Siener Republik, erinnern. Die Sonne brennt allerdings auch schon so früh mit 30°C auf den Platz, so dass wir froh sind, im Schatten des Torre del Mangia etwas Schutz zu finden. Wir setzen uns auf das Strassenpflaster und beobachten das noch ruhige Treiben auf dem Platz. Bis auf einige Kinder und frühe Einkäufer oder Kaffeesüchtige ist es aber noch ruhig. Das ändert sich in den Abendstunden und erst recht, wenn sich der Campo anlässlich des Palio in einen brodelnden Kessel verwandelt.

29 July 2018

Da unsere Einkaufstour heute ja nicht so erfolgreich war, musste ich heute Abend etwas improvisieren und mit dem arbeiten, was da war. Ich entschied mich für Muschelnudeln. (Conchiligioni) gefüllt mit einer Farce aus gehackten Tomaten, Thon (Thunfisch), Zwiebeln, Pesto, Ricotta und kleinen Mozzarellastückchen. Dann in den Backofen. Das Ganze dann serviert auf einem feinen Sugo aus Zucchetti, Ruccola und Minze. Einfach und fein. Hat allen gut geschmeckt. So gut, dass es von dem servierten Essen nicht einmal ein Foto mehr gab. :-) Adam war allerdings so fertig, dass er gleich nach dem Essen ins Bett fiel. Während Jola und ich bei einer Fladche örtlichem „Toscano“-Wein noch sehr gute Gespräche führten (und dabei heldenhafterweise die zahllosen Moskitos ignorierten, wobei eigentlich nur ich sie ignorieren musste, weil die Viecher Jola nicht beißen wollen, so hatte ich mir Gleichberechtigung eigentlich nicht vorgestellt :-D) und feststellten, wie schnell in der Toskana dich Sonne untergeht.

28 July 2018

Unterwegs in der topfflachen Emilia Romagna mit ihren kleinen Bauernhäusern hinter Zypressen bekommt man Lust auf Prosciutto di Parma, Mortadella und Coppa di Bologna, Salame Felino di Parma und natürlich Fossakäse und Parmigiano Reggiano. Oder auch auf romanische Kunst, auf die in zahlreichen Tafeln an der Autobahn hingewiesen. Zum Beispiel im Dom von Modena. Natürlich haben wir auch alle Sehnsucht, an unserem Ziel anzukommen, was wir nach zehn Stunden Fahrt inklusive eines kleinen Staus und zwei Pausen schaffen. Der Empfang im Tenuto Moriano ist freundlich und wir können schnell unsere gemütliche Ferienwohnung beziehen. Sie liegt am Rand der Anlage, an einem Hang, mit Blick auf toskanische Hügel, Castelli und Weinberge. Silberakzien, Ahorn und Zypressen spenden Schatten und Oleander, Myrte, Ginster, Steineichen, Mastix und unzählige Olivenbäume wachsen an den Hängen. Unsere erste Aktion ist ein Sprung in den Pool, angesichts von 34°C um 17.30 Uhr das Highlight nicht nur für Adam :-).
Heute starten wir in die Ferien in der Toskana. Nach der traumatisch langen Rückreise aus Kroatien letztes Jahr (die ganze zwei Tage dauerte) sind wir gespannt, wie es uns diesmal wird. Ohne Pausen und Stau sind laut Google sechseinhalb Stunden aufgerufen. Wir entscheiden uns, den Gotthard zu meiden und lieber gleich über den San Bernhardino zu fahren. Was sich als richtig erweist. Denn neben den sehenswerten Ausblicken während der Fahrt wie die Vial Mala und Roffla-Schlucht, hübschen Bündner Dörfen, Alpweiden und Bergen kann man auch Schweizer Ingenieurskunst bestaunen, die uns schnell ins Tessin und nach Italien trägt. Lediglich bei Como, an der schweizerisch-italienischen Grenze, hakt es. Danach brausen wir über sehr moderne Autobahnen durch die Lombardei und die Emilia Romagna der Toskana entgegen, bestaunen den schnellsten Zug Europas, den Frecciarosso 1000 und den futuristischen Bahnhof Emilia Romagna AV, an dem nur diese Schnellzüge halten. Da bekommt man Lust, mitzufahren.