Germany · 3663 Days · 12 Moments · September 2007

Dieter's Expedition zu REWE


18 September 2017

Ich erreiche die Bahnschranke. Hier verkehren nur wenige Züge und immer nur dann, wenn ich unterwegs bin. Ich stehe und warte. Der Zug ist kurz und leer. Weiter geht es vorbei an der Lahn und dem Campingplatz.
Von Leonie und Sebastian wurde mir dieser Link geschickt und ich verfolge seitdem begeistert ihre Reise nach La Gomera. Ich kenne die Insel noch aus der Zeit, als die Regenbogen schwarz/weiß waren und erinnere mich daran, dass auf Gomera alle Tage gleich lang - aber unterschiedlich breit sind. Ganz so aufregend sind meine Reisen derzeit nicht. Nachdem es mir aber tatsächlich gelungen ist, die App auf das Handy zu laden, möchte ich jetzt die Welt auch an meinen Expeditionen teilhaben lassen, die mich diesmal zum Supermarkt nach Runkel führen.

16 September 2017

15 September 2017

Beim Eintritt in den Markt übermannt mich nach den Strapazen der Reise das wohlige Gefühl, endlich zurück in der Zivilisation zu sein. Welche Ordnung, welch ein Überfluss, was für eine Farbenpracht. Es gibt in Runkel kein Theater, kein Museum und auch kein Kino. Aber warum auch? Im REWE Markt ist alles vereint. Wie in einer Galerie lassen sich die zahlreichen Objekte bewundern. Literarisch anspruchsvoll die Auflistung der Zusatzstoffe und fast lyrisch die Anweisung zur Zubereitung der ewig haltbaren Fertiggerichte. Voller Bewunderung habe ich vergessen was ich einkaufen wollte. Trotzdem stelle ich mich in die Schlange an der Kasse und genieße es, endlich wieder unter Menschen zu sein. Die Kassiererin lächelt mich an. Ich knurre zurück. Sie lächelt immer noch. Ich bin ratlos.
Der Rückweg führt mich durch die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und kleinen Gassen. Viele Ladengeschäfte stehen leer. Was aber soll man hier auch verkaufen? REWE hat alles. Und was REWE nicht hat, braucht man halt nicht. Was hatte ich eigentlich gebraucht? Ach ja - Kippen. Am Horizont taucht ein Zigaretten-Automat auf.
Direkt am Ortseingang erreiche ich das Ziel meiner abenteuerlichen Reise: den REWE Supermarkt. In bizarrer Schönheit fügt sich das architektonische Meisterwerk in die Landschaft ein. Bis heute ist nicht verständlich, warum das malerische Ensemble als "Weltkulturerbe" nicht anerkannt wurde.
Die letzte Etappe führt mich über die alte Lahnbrücke, bis zur (natürlich geschlossenen) Bahnschranke und dann weiter, immer bergauf. Am Horizont taucht mein hinlänglich renoviertes Haus auf. Endlich wieder Zuhause! Voll mit unvergesslichen Eindrücken von einer aufregenden Reise erreiche ich den Küchentisch. Erschöpft aber glücklich öffne ich mit unruhiger Hand das mitgebrachte Päckchen Zigaretten. Nirgends ist ein Feuerzeug zu finden! Schön war es trotzdem.
Ich starte den Motor. Der Wagen setzt sich geschmeidig in Bewegung und rollt auf die Hauptstraße - nicht ohne vorher noch einem roten Golf die Vorfahrt genommen zu haben. Vor mir erscheint die Runkeler Burg. Ein beeindruckender Anblick, der einen allerdings in einer scharfen Rechtskurve ereilt. Die Ureinwohner berichten von zahlreichen Unfällen, weil die Fahrer von der Burg abgelenkt wurden. Also ähnlich wie "Lorelei" - nur ohne Schiffe und feministische Vorurteile.

8 September 2007

Vom Basislager zum Supermarkt sind es fast 900m - also unmöglich zu Fuß zu erreichen. Ich begebe mich auf den beschwerlichen Weg zum Auto. Vorbei an fast unberührter Natur - die eigentlich mein Vorgarten sein soll. Seltene Pflanzen und Unkräuter säumen den Weg. Manche Stellen lassen mich glauben, dass vor mir kein Mensch seinen Fuß auf diesen Boden gesetzt hat. Ich muss dringend einen Gärtner besorgen.