Myanmar · 19 Days · 15 Moments · December 2017

CHAPTER 5 - Myanmar


19 January 2018

Einen letzten Auftrag in Myanmar haben wir noch zu erfüllen. Die unglaublich symphatische und hilfsbereite Besitzerin unseres Hotels in Kalaw bat uns nach einer spannenden Unterhaltung über Politik, Land und Leute um eins: Tell your friends! Das wollen hiermit tun, den Myanmar ist wahnsinnig toll! Also Taschen packen und ab mit euch in eins der noch authentischeren asiatischen Länder! Grüne Berge, weite Steppen, Pagoden aus sämtlichen Jahrhunderten. Taucht ein in diesen Mischmasch aus traditionellem Landleben, ehemaliger Militärdiktatur, tiefverwurzeltem Buddhismus und langsamem Streben nach Moderne. Keine einzige Sekunde fühlte es sich gefährlich an, trotz der anhaltenden Konflikte. Meidet den Staat Rakhine, packt die Kohletabletten ein und erlebt aufgeschlossene und des Lebens frohe Menschen. Wir machen jetzt erstmal Urlaub an den Stränden Thailands, ein bisschen Erholung muss sein!

18 January 2018

Ein Highlight hatte Mandalay doch noch zu bieten, es ist wohl nicht sehr überraschend: das Essen! Eigentlich haben wir die letzen Tage fast nur Currys mit Capati gegessen, aber die waren dafür hervorragend. Mit Kürbis, Avocado, Kichererbsen im gemütlichen Dachterrassenrestaurant bei Marie oder deftig mit Rind und Hammel beim verrückten Straßeninder. Es war so lecker, dass wir beiden Lokalen gleich zwei Mal einen Besuch abstatteten. Und für den kleinen Hunger zwischendurch ging es zum fancy Burmesen, dessen Karte wir hoch- und runter probierten. Um auch noch ein wenig Kunst und Kultur mitzunehmen, waren wir gestern bei einer burmesischen Tanzshow. Die Schüler einer Tanzschule führten uns durch eine Vielzahl von traditionellen Tänzen. Technisch beeindruckend und auch die Livemusik gefiel uns sehr. Die kitschigen Kostüme und dick aufgetragene Schminken entlockte uns den ein oder andere Lacher. Der Enthusiasmus der Tänzer fehlte allerdings keine einzige Minute.

17 January 2018

Mandalay, also gepackt hat es uns nicht so richtig. Großstadt, aber irgendwie ist nicht wirklich viel los, historische Highlights, aber auch eher in weiten Entfernungen. Wir probierten es trotzdem. Fahrradtour zum Palast, erbaut vom vorletzten König, Wohnstätte des letzten Königs bevor ihn die Engländer ins Exil brachten. Riesen Areal mit ein paar hübsche Holzhütten, der Großteil der Anlage wird nahwievor vom Militär genutzt. Entsprechend schwierig fiel uns die Entscheidung wirklich das Geld an den Soldaten zu übergeben, um ein Ticket zu bekommen, gerade dies wollten wir doch bei unserer Reise nicht unterstützen. Mandalay Hill erwartete uns mit einer glitzerndem Pagode und unendlich vielen Treppen. Heute erkundeten wir das Umland, Inwa und Amapura, zwei weitere ehemalige Hauptstädte. Wie immer spannende Bauten aus sämtlichen Jahrhunderten, langsam werden wir allerdings etwas Pagoden-muede.

15 January 2018

Ein Transportmittel haben wir in 3.5 Monaten noch nicht ausprobiert: die gute alte Eisenbahn. In einigen Ländern auch gar nicht wirklich verfügbar, in Myanmar schon, einer der positiven Aspekte der britischen Kolonialisierung. Die Strecke ab Kalaw Richtung Norden sollte besonders schön sein. Landschaftlich war es wirklich ein Traum, so viele tolle Täler und Berge. Jeder Halt in einem der vielen Dörfer ermöglichte uns zudem einen kleinen Einblick ist das wahnsinnige dörfliche Treiben: hier noch ein bisschen Obst durchs Fenster, vielleicht doch lieber Blumen, palettenweise Eier wurden verladen oder Pakete aus Bananenblättern. Verrückt wie der Handel hier so abläuft. Thazi selbst war nicht der Rede wert, außer vielleicht die Begegnung mit einem ziemlich großen Skorpion. Eigentlich wollten wir per Bus weiter, doch war wiederum der Zug schneller und von den Preisen unschlagbar. So begingen wir die Road to Mandalay per Bahn um 4h morgens. Leider nur in der Holzklasse, selbst das war ok!

13 January 2018

Sportlich waren wir in der letzen Zeit eher wenig, daher kam eine Wanderung gerade recht, bevor unsere Muskeln ganz verschwinden. 20 km bergauf und bergab durch das Umland Kalaws. Grüne Berge in alle Richtungen, Gemüsefelder, Seen, Mischwälder, wir fühlten uns ein bisschen wie zu Hause. Auf dem Gipfel gab es anstatt Brotzeit lecker indische Chapati mit Kürbis-Kartoffel-Curry und Avocado-Salat. Auf dem Rückweg ging es durch zwei Dörfer, in einem fand gerade auch eine Hochzeitsfeier statt. Wir wurden dazu gebeten, im Wohnzimmer das sonst auch das Schlafzimmer für zwei komplette Familien ist, nahmen wir Platz und durften uns an Snacks bedienen. Natürlich saßen wir auf den Ehrenplatzen, die sonst nur den älteren vorbehalten sind. Fotos sollten wir auch machen, direkt auch vom frisch getrauten Ehepaar. Wir fühlten uns so herzlich aufgenommen 😍

12 January 2018

Wir haben hin und herüberlegt, seitenweise im Reiseführer gelesen und das Internet konsultiert um unseren nächsten Stop festzulegen. Den Norden mussten wir aus Zeitmangel verwerfen, aber ein bisschen Natur wollten wir trotzdem. Obwohl Pindaya lange unser Favorit war, sind wir aus logistischen Gründen nun in Kalaw gelandet und sind mehr als positiv überrascht. Bergig, grün, klimatisch sehr angenehm und selbst das Städtchen ist reizend. Wir spazierten zu einer Pagode und verwöhnten unsere Gaumen. Auch wenn wir asiatisches Essen lieben, heute ließ europäisches Essen unsere Herzen höher schlagen: der erste richtige Kuchen seit 3.5 Monaten, exzellenter Cappuccino, selbstgebackenes Brot, Pizza aus dem Pizzaofen. Sowohl Ausländer als auch Einheimische haben es kulinarisch drauf und das auch noch in tollem Ambiente. Irgendwas zwischen Alpendorf und Schrebergartenanlage. Ein Städtchen zum Wohlfühlen!

11 January 2018

Myanmar scheint für uns das Land des wirklich frühen Aufstehens zu werden, heute gings acht Uhr aufs Boot. Bis knapp vor Sonnenuntergang schipperten wir über den See und bekamen allerhand geboten: Weberei mit Lotusgarn, eine Pagode mit hunderten von Stupas, ein schönes altes Holzkloster, Zigaretten-Roller, schwimmende Gärten und und und. Das komplett Leben spielt sich hier auf dem Wasser ab. Häuser auf Stelzen, die im Vergleich zu allen anderen burmesischen Behausungen bisher ziemlich groß sind, sind Wohn- und Arbeitsstätte zu gleich. Angebaut wird Reis, Lotus, Gemüse... und die Männer der Familie gehen auf Fischfang. Ziemlich verrückt und landschaftlich einfach wunderschön!

9 January 2018

Teil 2 der historischen Tour und wohl eins der Highlights jeder Myanmar Reise: das magische Bagan. Gesundheitlich war es eins der Lowlights, hatten wir alle in mehr oder weniger schlimmen Ausmaßen mit Lebensmittelvergiftungen zu kämpfen. Bagan erkundeten wir natürlich trotzdem und es war faszinierend. Fast 3000 große und kleine Tempel, die nur ein bis zwei Jahrhunderte jünger sind als die in Pyay, allerdings wesentlich besser erhalten. Besonders pittoresque wird der Anblick bei Sonnenuntergang, was wir uns natürlich nicht entgehen ließen.

5 January 2018

Ab in den Norden auf historische Entdeckungen. Erste Station und auch historisch der erste Meilenstein in der burmesischen Geschichte: Pyay. Das findet auch die UNESCO super und wir düsten mit unseren Mopeds durch die über 1000 Jahre alten Überresten der Pyu-Dynastie. Viel ist nicht mehr übrig, aber beeindruckend war es allemal. Im Umfeld der alten Palast- und Tempelanlagen hat sich wohl nicht allzuviel getan, kleine Bauernhütten mit Kühen, Schweinen, Blumenkohl und anderen Gemüse. Die Stadt selbst bot jetzt nicht so die Highlights, eine nette Pagode, mäßiges Essen. Wir schulten unsere Roller-Skills: bisschen mehr Verkehr und Ben probierte sich an einer Halbautomatik.

3 January 2018

Nach 130 km auf dem Zweirad erstmal eine Abkühlung mit Myanmar-Bier. Nach all dem asiatischen Biersorten mal wieder ein Leckeres! Gegessen wurde frische Spieße vom Grill an der Uferpromenade. Und es passierte, was uns die letzten Tage schon oft aufgefallen ist - wir werden permanent angestarrt. In Yangon waren schon wenige Westler unterwegs und mittlerweile sehen wir kaum noch welche. Es ist eine willkommene Abwechslung mal nicht dem Touristenstrom zu folgen, andererseits ist der Sonderstatus auch ein wenig anstrengend. So passiert es auch mal, dass sich plötzlich einer unterhakt, die beste Freundin ruft, das Handy zückt und man ungefragt und mit überraschtem Gesicht auf einem Selfie landet.
Ab auf den Roller und rein ins Vergnügen! Die Landschaft sollte wundervoll sein und ein paar kulturelle Highlights hatten wir uns für den Weg auch noch rausgesucht. Kloster Nummer eins lag weit abgelegen, ist schon ein wenig verfallen aber trotzdem wunderschön anzuschauen. Jeder, der ein wenig Geld hat, baut eine religiöse Stätte fürs Karma. Hier war es vor etwa 150 Jahren ein Reederer, der scheinbar einiges an Moneten übrig hatte. Nächster Stop: merkwürdige Felsformation mit Stupa. Wiedermal aßen wir unglaublich gut und die Herrin des Hauses scheute keine Mühen, damit wir am Ende auch wirklich wussten wie das Gericht heißt und was es ist. Weiter ging es durch die Karstberge und Reisfelder. Nicht dass wir solche Landschaften nicht schon das ein oder andere Mal gesehen hätten, aber wir sind immer wieder verzaubert. Reich verzierte Holzhäuser, zusammenfallende Palmenhütten, ein Buddhapark mit 1121 identischen Buddhas, riesige Abbauhalden - am Wegesrand wird's nie langweilig!
Wir sind immer wieder völlig hingerissen von der sagenhaften Organisation des burmesischen Reiseverkehrs. Nachdem es gestern ohne Vorbereitung so wunderbar klappte, glaubten wir unserem Hotel einfach nicht, dass es nur einen Bus am Abend zum nächsten Ziel Pyay geben sollte. Also auf zum Busbahnhof. Kaum betraten wir die Fläche, hatten wir eine Gruppe von fünf Burmesen, die mit uns die Busanbieter nach ein freien Plätzen abklapperten. Endlich einen gefunden, schockte uns der Preis. Nach ein paar Diskussionen mit Hand, Fuß und Google Maps stellte sich heraus, dass wir uns da wohl missverstanden hatten. Bei der wenig nachvollziehbaren Aussprache und den Schriftzeichen, die eher Kunst gleichen, kann das schon Mal passieren. Also ab zur nächsten Bude und Zack hatte wir Tickets für 9:00 und alle waren glücklich.

2 January 2018

Eine Pilgerreise stand an. Los ging's in aller Frühe: mit dem Taxi zum Bus und dann zum Pilgerziel schlecht hin, dem Golden Rock. In der Talsation angekommen wechselten wir in eine Art Riesenpick-Up mit provisorischen Sitzplätzen. Die halbstündige Fahrt zum Heiligtum glich eher einer Achterbahnfahrt! Endlich angekommen bestaunten wir das Objekt der Pilgerei. Die ganzen Tempelanlage ist voller Essenstände und Familienlagern, man hängt hier scheinbar einfach ganz gern rum, heilige Orte als Picknickplatz - mal was anderes. Zurück im Tal musste die Weiterfahrt nach Mawlamyine organisiert werden. Plötzlich war alles ganz einfach. Ein junger Herr schob uns hektisch in einen Bus, der wiederum wurf uns kurze Zeit später wieder raus, denn unser Moped-Taxi wartete auf uns. Wir wurden wieder zu einer Bushaltestelle gefahren, in einen Bus verfrachtet & waren wie durch ein Wunder pünktlich wie versprochen um 8 am Zielort. Wir hatten uns auf alles eingestellt nur nicht auf diese Reibungslosigkeit🙏

1 January 2018

Happy new year! Wir sind ganz wunderbar ins neue Jahr gerutscht. Nach einem unglaublich leckeren Essen beim Inder nach Empfehlung ging es in den Kandawgyi Park. Wir hatten gelesen, dass hier üblicherweise die Yangoner Silvester feiern. Wir suchten uns ein schönes Plätzchen und beobachteten das Treiben: Familien mit Kindern saßen gemütlich zusammen, die Jugend tanzte wild zu Musik aus ihren Boxen, der Alkohol floss in großen Mengen. Punkte 12 Uhr gab's ein kurzes Feuerwerk und dann leerte sich der Park auch in Windeseile. Zu Fuß ging's zurück und gerade so erstanden wir noch ein Wegbier. Mit dem Absacker im Hostel wurde es dann gar nix mehr, trotz angebotener Bestechungsgelder, wies man uns immer wieder auf die Sperrstunde hin. Am Neujahrstag ließen wir es ruhig angehen und besuchten die wohl wichtigste Tempelanlage des Landes, die Shwedagon Pagode. Wir bewunderten die Mengen an Stupas und Buddha Figuren und schlängelten uns durch die Massen an Einheimischen, die ihre Gebete abhielten

31 December 2017

Hallo hallo Myanmar! Kurz vorm Jahreswechsel wechselten wir noch mal das Land. Nach 24h sind wir bereits begeistert. Yangon ist wesentlich moderner als vermutet, auf der Taxifahrt ins Stadtzentrum reihten sich die Luxushotels nur so aneinander. Im Stadtkern ist zum Glück noch alles charmant, eine verrückte Mischung aus uns Bekanntem aus Südostasien und noch nicht entdeckten indischen Einflüssen. Das Leben auf den Straßen scheint aufgeweckter, das Essen vielseitiger und geschmacklich komplexer. Die Architektur stilvoller und gleichzeitig heruntergekommener. Die Menschen sind trotz Großstadtgewusel aufgeschlossen und super freundlich. Beim Lethoke Schlemmen, eins der kulinarisch Highlights, erzählte uns ein Teenager am Nachbartisch nützliches über burmesische Kulinarik und im Park erfuhren wir von einem Studenten so einiges über Obamas Besuch oder den besten Ort um Longyi zu erstehen, der traditionelle Wickelrock, den sowohl Frauen als auch Männer tragen.