Colombia · 16 Days · 15 Moments · August 2018

CHAPTER 16 - Kolumbien


1 September 2018

Back to Bogota! Da wir Bogota bei unserem ersten Stop ein wenig in’s Herz geschlossen haben, freuen wir uns umso mehr noch einmal 1,5 Tage hier verbringen zu können bevor wir das Land auch schon wieder verlassen. Die letzten 2,5 Wochen in Kolumbien haben wir sehr genossen- es ist einfach unglaublich wie divers dieses Land ist, in jeglichen Sinnen: Klimatisch, kulturell, die Flora und Fauna. Kaum zu glauben: Fast 10% aller bekannten Tierarten der Welt sind in Kolumbien heimisch. Auch das kolumbianische Volk hat uns sehr freundlich und großzügig in ihrem Land willkommen geheißen. Daumen hoch!

29 August 2018

Nach großartigen 4 Tagen mussten wir uns von unserem Hostel im Tayrona Park verabschieden, es ging wieder ein Stück westlich nach Santa Marta. Wir verbringen hier einen Tag bevor es zurück nach Bogota geht. Da die Stadt selber herzlich wenig zu bieten hat, unternahmen wir von hier aus einen Tagesausflug nach Minca, ein kleines Bergdorf 45 Minuten entfernt. Hier wanderten wir zu einem Wasserfall und genossen tolles Brot in einer fancy Bakery :)

28 August 2018

Nach ein paar schwer entspannten Tagen ging es heute per Tagestrip in den Tayrona Nationalpark. Wir hatten uns für einen entspannteren Weg entschieden, da die anderen Optionen doch eine Nummer zu hart für Ben’s Zeh erschienen. Unsere 20km lange Tour führte uns durch dichten Dschungel in dem wir große Horden Kapuziner Affen hautnah erleben konnten, bis an die hier sehr schroffe Karibikküste mit traumhaften, aber tückischen Stränden. Denn: An den meisten Stränden im Park herrscht striktes Schwimmverbot aufgrund von extrem aggressiver Brandungsströmungen. In den letzten 15 Jahren sollen hier über 200 Menschen ertrunken sein. Selbst an den freigegebenen Stränden merkt man sofort: Hier ist absolute Vorsicht geboten! Auch andere Gefahren lauerten im Park: keine 5m von zahllosen Touristen am Strand entdeckten wir ein riesiges Krokodil in einem kleinen Teich. Wir dachten das Warnschild sei eher ein Spaß. Denkste!

26 August 2018

Heute ging es weiter in Richtung Nordosten, in die Nähe des Tayrona Nationalpark. Der Plan war den Nationalpark für einige Tage mit einigen Wanderungen zu erkunden - nur funktioniert das leider nicht wirklich gut mit einem gebrochenen Zeh. Aus diesem Grund legte Ben für 2 Tage eine Zwangspause ein während Rockina mit anderen Hostelgästen kleinere Ausflüge machte oder einfach mit entspannte. Unser Hostel hätte glücklicher Weise kaum einladender sein können: Umringt von Dschungel und Natur, erhöht an einem Berg gelegen mit Blick über den Nationalpark. Die Schlafräume waren komplett offen, die Gebäude aus Bambus gebaut. Nature baby! Das klingt übrigens alles super romantisch und idyllisch bis man bei Dunkelheit absolut riesige Kakerlaken herumlaufen sieht. Naja, egal. Wir waren nachts immerhin mit Mückennetzen geschützt!

25 August 2018

Heute ging es als Tagestrip an einen Strand, etwa 45 Min per Bus entfernt. Der Tag hatte neben dem schönen Strand ein großes High- und ein großes Lowlight. Kaum am Strand angekommen und auf der Suche nach einer tollen Plätzchen schaffte Ben es sich an einem von Sand bedeckten Stein den kleinen Zeh zu brechen. Wir sind uns nicht zu 100% sicher ob er gebrochen oder geprellt ist, fest steht: es ist sehr dick und blau. Egal, mit Tape geht das schon. Zum Highlight, dem Grund für unseren Trip: Am Abend wartete eine Exkursion in eine kleine Lagune auf uns. Dort findet man nämlich leuchtendes Plankton! Nach Sonnenuntergang fuhren wir einige Minuten zur Lagune in die wir kurzerhand hineinsprangen (Ben’s Tip an alle im Boot: „Achtung vor den weißen Haien!“ Kam nicht so gut an!). Im Wasser erwartete uns dann ein absolutes Naturschauspiel: Sobald man den Körper bewegte leuchteten abertausenden von kleinen Tierchen auf und umhüllten alle Gliedmaßen in neonfarbenem Licht. Absolut magisch!

22 August 2018

Next stop: Endlich wieder Karibik! Dieses Mal ging es per Flieger (50Min. Flugzeit) nach Cartagena an der karibischen Küste, einer DER Touristenziele in Kolumbien. Der Tourismus hat in dieser Region, anders als im Rest des Landes, bereits seit vielen Jahrzehnten einen großen Einfluss. So sieht ein Teil der Stadt (leider) auch aus wie Cancun oder Miami (für Arme!). Die eigentliche Stadt ist eine kleine Altstadt umringt von einem Schutzwall, vor rund 500 Jahren zum Schutz vor Piraten gebaut wurde. Wir verbringen hier drei Tage. Die Altstadt bietet endlos viele, super schöne Gassen und Seitenstraßen, die meisten Bauwerke sind mehrere 100 Jahre alt und in der Regel schön in Stand gehalten. Es finden sich aber auch teure Modeboutiquen und schicke Restaurants, was das Feeling ein wenig zerstört.

20 August 2018

Heute gings per Tagestrip nach Guatape, ein kleines Dörfchen welches neben einem 220m hohen Felsen liegt welchen man hochsteigen kann. Ziemlich ungeil bei 33 Grad! Die Aussicht hat aber für all das Leid entschädigt. Übrigens: Die Seenstruktur die ihr auf den Fotos sehen könnt ist vor Jahren durch Menschenhand entstanden (Aufstauung/Staudammbauten).
Man muss aber natürlich auch das gesamte Paket betrachten: Auch heute gibt es viele bettelarme Gegenden in Medellin in denen man als Fremder nach vermutlich 10 Minuten seine Wertgegenstände los wäre. Die Stadt bemüht sich durch z.B. Infrastrukturprojekte (z.B. ein nagelneues Seilbahnnetz um die an Berghängen gelegenen Problemviertel besser zugänglich zu machen) aber weiterhin sehr die Bedingungen der Einwohner zu verbessern. Wir verbringen hier zwei volle Tage und erkunden die Stadt zu Fuß und per Metro. Fun Facts: Das Metrosystem Medellins gilt als modernstes des gesamten Kontinents. Außerdem: All diese Reformen, die die Stadt in den letzten 20 Jahren unternommen hat wurden entweder durch internationale Spendengelder oder Kredite realisiert. Die Einwohner sind dabei ziemlich ehrlich: Keiner glaubt daran, dass die Stadt diese Kredite jemals vollständig zurückzahlen können wird.

19 August 2018

Es geht weiter! Für die 350km von Bogota nach Medellin braucht unser Bus 11 Stunden, was uns positiv überrascht, hatte man uns doch eine 10 Stunden Fahrt angekündigt. Wir waren auf Schlimmeres vorbereitet. Medellin galt in den 90er Jahren als gefährlichste Stadt der Welt und bildete zu dieser Zeit den Dreh- und Angelpunkt Escobar’s Machenschaften. Wir trauten unseren Augen kaum als wir am ersten Tag die Stadt erkundeten: Durch umfassende Sozialreformen, der Bau von zahllosen Bibliotheken und sonstigen kulturellen Einrichtungen und Sportanlagen ist der Stadt in den letzten 20 Jahren eine Kehrtwende gelungen: Die Stadt versprüht heute eine wahnsinnige Energie und Kreativität. In unserer Gegend reihen sich die hippen und coolen Cafés, Bars und Restaurants aneinander - eine stylischer als die andere.

18 August 2018

All das heißt aber natürlich nicht, dass im Land alle Probleme gelöst sind. Wie bereits erwähnt treibt die große Armut in ländlichen Regionen immer mehr Bauern dazu Koka anzubauen um diese dann in die umliegenden Länder zu verschiffen, auch gestaltet sich die politische Situation alles andere als einfach. Zwar gab es im letzten Jahr die friedlichsten Wahlen seit Bestehen des Landes, gleichzeitig wurden in den letzten Monaten hunderte von Regionalpolitikern und Aktivisten ermordet. Von alle dem bekommt man als Tourist wenig mit. Natürlich gibt es in den Großstädten so einige Ecken an denen wir uns 1x mehr umdrehen und nicht das allerbeste Gefühl haben, in solche Situationen kann man aber offen gestanden selbst in Hamburg geraten. Das Land wirkt in Summe nicht gefährlicher als Mexiko, wobei in Mexiko der Hauptgrund für unsere Verängstigung vermutlich die unglaubliche Präsenz schwer bewaffneter Polizei-Konvois war.
Ein kleiner Einschub zu Drogen, Gewalt und Gefahren in Kolumbien. Die Meisten von euch denken bei Kolumbien sicherlich an Kokain, Escobar oder an FARC und andere Guerrilla-Gruppen die das Land allesamt in den letzten 30 Jahren in tiefe Krisen gerissen haben. Ähnlich ging es uns als wir begannen eine grobe Route durch Südamerika zu planen. Was vielen nicht bekannt ist: Ein Großteil dieser Probleme gehört der Vergangenheit an. Spätestens nachdem die kolumbianische Regierung mit der FARC 2016 einen Friedensvertrag geschlossen deutet vieles auf eine positive Zukunft des Landes hin. Die berüchtigten Drogenkartelle aus den 80er und 90er Jahren agieren heutzutage in erster Linie in Mexiko, Peru, Venezuela und anderen Ländern - aus Kolumbien haben sie sich schon lange zurück gezogen. Die Koka-Produktion jedoch gewinnt in den letzten Jahren immer mehr an Fahrt, in erster Linie weil den Menschen in Armut nichts anderes übrig bleibt. Weiter im nächsten Post.
Das Essen in Kolumbien überzeugt übrigens auch, wobei das kulinarische Angebot innerhalb des Landes extrem variiert da die Klimazonen brutal unterschiedlich sind. In Bogota ist das Essen logischer Weise an das kalte, windige Klima angepasst welches das ganze Jahr ziemlich gleichmäßig herrscht: Deftige Eintöpfe, Suppen, viel Kartoffel, heiße Schokolade und Kaffee an jeder Ecke. Auch finden sich hier wieder mehr Streetfood Stände an denen man für sehr (!) wenig Geld Empanadas oder Arepas (einfache Teigtaschen mit variierender Füllung) kaufen kann. Das Land an sich ist sehr preiswert wenn man es darauf anlegt: Für unter 2 EUR frühstücken ist kein Problem, ein Hauptgericht findet sich für unter 3 EUR. Aber es gibt auch die andere Seite: In Bogota gibt es zahllose, super hippe Bars und Cafés in denen man für ein Bier dann eher 4 EUR statt 50ct ausgibt. Die Schere ist riesig.
Eines muss man deutlich sagen: Die Kolumbianer sind ein wahnsinnig liebevolles und freundliches Volk! Zwar stellt ihre Version der spanischen Sprache Ben ein weiteres Mal auf eine harte Probe, das Problem lässt sich aber im Notfall immer mit Händen und Füßen klären. Die Kolumbianer sind (auch untereinander) extrem höflich und zuvorkommend, fast immer sprechen sie in Floskeln und Anreden. Selbst in einfachen Cafés wird man mit großer Herzlichkeit begrüßt, die Bestellung wird SEHR gerne aufgenommen und man wird mit großem Dank formal verabschiedet. Ziemlich interessant zu sehen wie unterschiedlich die Länder in Südamerika Gebrauch von der spanischen Sprache machen und sie ihr Eigen machen (zahllose Worte sind nämlich auch komplett anders als in Mexiko oder Kuba).
Gestern Abend erkundeten wir bei gefühlten 0 Grad und ordentlich Wind die Innenstadt in der gerade ein riesiges katholisch-christliches Rockfestival stattfand. Nein Danke! Kurz darauf machten wir eine großartige Entdeckung: Die Kolumbianer haben eine Art von Glühwein den es überall auf den Straßen zu kaufen gibt!! Geil! Zwar besteht der Canelazo nicht aus Wein, sondern aus Zuckerrohrsaft, Zimt, Anis und einem kolumbianischen Hartalkohol (Aguadiente, sehr schwieriges Zeug!), trotzdem kamen uns sofort Gedanken an den heimischen Weihnachtsmarkt in den Kopf! Den Tag verbrachten wir mit einer Walkingtour (mit etwa 30 Teilnehmern!) durch die Stadt bei der uns das Land, die Menschen und die Stadt näher gebracht wurden.

17 August 2018

Touchdown in Bogota! In der vierthöchst gelegenen Hauptstadt der Welt (über 2600m) erwartete uns Nachts um Halb 2 ein deutlich anderes Klima als in Kuba: 5 Grad und Starkregen. Unsere ersten Eindrücke der Stadt: Wow! Ziemlich entwickelt. Die Gegend rund um den Flughafen stellt so einige westliche Städte in den Schatten: Kilometerweit ziehen sich die hochmodernen Bürogebäude und Hotelkomplexe. In unserer Nachbarschaft (15 Min vom Stadtzentrum entfernt) erwartete uns eine weitere Überraschung: Wir fühlten uns wie in Edinburgh oder so: viele massive, aber leicht verspielte Backsteinhäuser, schwarz lackierte Metallzäune und so weiter. Einen Grund für diese Parallele konnten wir bisher nicht ausmachen. In der Altstadt geht es nicht sehr picturesque zu, die meisten Bauten stammen aus den letzten 100 Jahren und sind wenig ansprechend. Die Höhe ist sofort spürbar, besonders Ben hatte leichte Probleme mit Kopfschmerzen und gelegentlichen Atemproblemen.