Cuba · 7 Days · 11 Moments · August 2018

CHAPTER 15 - Kuba


16 August 2018

Nach etwa 10 Tagen hieß es schon wieder: ¡Adios Cuba! Am späten Abend ging es für uns per Flieger in ein neues Land: Kolumbien! Wir haben unsere Zeit in Kuba sehr genossen, unter anderem weil sich vieles ziemlich surreal und wie im Film anfühlte. Besonders nach den Busfahrten durch das Land mussten wir feststellen, dass die Welt außerhalb Havannas deutlich anders aussieht: Bereits eine Stunde außerhalb werden die Felder noch manuell mit Bullen gepflügt, die Behausungen werden sehr, sehr einfach. Kein Wunder, dass jeder Kubaner unbedingt nach Havanna ziehen möchte (was ziemlich unmöglich ist solange man dort keinen Job zugewiesen bekommt). Aber auch auf den Feldern sind die Menschen gut gelaunt und positiv gestimmt was die Zukunft angeht.

15 August 2018

Nachdem wir uns in den letzten Tagen ein wenig mit Bauern und Locals unterhalten konnten möchten wir euch ein paar spannende Insights nicht vorenthalten: Ein Grund dafür weshalb sich die ländliche Bevölkerung sehr auf den Tourismus ausrichtet ist, dass die Bauern per Gesetz dazu verpflichtet sind zwischen 70% (z.B. Kaffee) und 90% (z.B. Tabak) ihrer Ernten an den Staat abzugeben, und das zu extrem niedrigen Tarifen von denen sie kaum leben könnten. Die Ernten werden unverarbeitet weitergegeben, der Staat stellt dann die jeweils finalen Produkte selbst her (Kaffee und Zigarren/Zigaretten). In diesem Zusammenhang wurde uns dann auch erklärt: Jede kubanische Zigarre die irgendwo auf der Welt teuer verkauft wird, beschert ausschließlich dem kubanischen Staat ein saftiges Einkommen. Cohiba und co sind also Staatsunternehmen. Im Grunde ein klassisches Beispiel für den Kommunismus, für uns trotzdem ziemlich interessant zu erleben.
Für heute buchten wir eine Wanderung in ein anderes Tal (Valle de Silencio, sprich Tal der Stille). Auch dieses Mal hatten wir Glück mit unserem Guide, wenn auch gleich er schätzungsweise 100kg bei 160cm wog, was ihm anscheinend nichts ausmachte. Zigarre rauchend führte er uns (und eine Neuseeländerin) rund 4 Stunden durch Felder, Waldstücke und entlang riesiger Bergformationen. Obwohl wir die Tour bereits relativ früh starteten machte uns die Hitze besonders heute zu schaffen. Wir konnten unsere Klamotten nach der Tour praktisch auswringen. Übrigens: Das Essen in Vinales hat uns ein wenig mehr begeistert als in Havanna - was womöglich an der Bemühung, Touristen möglichst gut zu bedienen, liegt. Die obligatorischen, ziemlich trockenen Schinkensandwiches für etwa 5 Euro-Cent in einer Local-Cafeteria haben wir uns trotzdem nicht entgehen lassen.

14 August 2018

Wie bereits beschrieben ist die Hauptattraktion der Region die herrliche Natur. Die Umgebung erkundet man hauptsächlich per Pferd, teilweise aber auch zu Fuß. Unsere erste Tour bestritten wir ebenfalls per Pferd, in einer 6er Gruppe ging es 6 Stunden durch eines der vielen Täler wo wir Kaffee- und Tabakplantagen besuchten (inklusive obligatorischen Verkostungen und dem Versuch uns möglichst viel zu verkaufen) und die Natur genießen konnten. Selbst in dem so ziemlich perfekten Setting für eine Zigarre mussten wir uns eingestehen, dass wir keine großen Zigarren-Fans mehr werden. Unser Tourguide war ein studierter Tierarzt der bereits in Europa gearbeitet hat. Ein solch erfahrner Guide machte die Angelegenheit ein wenig einfacher für Anfänger (Ben) in Sachen Pferdereiten. Aber: Bis auf den (schmerzhaften) leichten Galopp hat’s wunderbar funktioniert!
Nach dem obligatorischen Start in Havanna ging es für uns heute nach Vinales. Entspannte vier Stunden Fahrt per Bus in Richtung Südwesten liegt das Dörfchen inmitten von großen Karstbergketten und sattgrüner Vegetation. Der Ort selbst ist winzig, bevor der Tourismus kam überlebte man hier in erster Linie durch Landwirtschaft: Kaffee, Zuckerrohr, Früchte und natürlich Tabak baut man hier an. Letztes Jahr kamen über 600.000 Touristen - bei unter 30.000 Einwohnern in der gesamten Region kann man sich vorstellen, dass es leider nicht ganz so idyllisch zugeht wie man es sich ausgemalt hat. Ca. jedes zweite Haus bietet als „Casa Particular“ Touristen einen Schlafplatz an, an der Hauptstraße reihen sich über 100 Restaurants aneinander. Dafür, dass die Locals hier oft noch mit Bullenkarren arbeiten sind die Touristen ein ziemlich krasser Kontrast. Nichts desto trotz ist die Gegend wunderschön. Wir werden 3 Tage hier verbringen.

13 August 2018

Nach absolut grandiosen Tagen in Havana heißt es für uns gleich zweimal Abschied nehmen: Während wir heute weiter aufs kubanische Land fahren, tritt Paddy die Heimreise in Richtung Hamburg an. Wir haben wahnsinnig tolle zwei Wochen gemeinsam verbracht in denen wir unser Bestes getan haben ihm die mexikanische Kultur näher zu bringen und gemeinsam Kuba zu entdecken. Gute Reise Paddy!

11 August 2018

#3: Die Zeitblase! Ich habe es bereits erwähnt - Havana ist genau so wie man es sich vorstellt: Uralte Fassaden mit verschnörkelten Balkonen, Oldtimer auf der Straße die ohne Ruß-Filter vorbei dampfen, Salsa-Live-Musik schallt aus jeder dritten Tür. Dazu: Rum an jeder Ecke. Man fühlt sich wie in einem Paralleluniversium. Teilweise sind die Bauwerke extrem (!) marode und herunter gekommen, oft wurden auch 1-2 Stockwerke ganz einfach auf bestehende Häuser mit Ziegeln und Zement aufgesetzt. Auch sind die Straßen (selbst in der aufpolierten Altstadt) oft nicht gepflastert, überlaufende Müllcontainer in jeder zweiten Straße. Es ist nicht schwer die sehr armen Seiten des Landes ausfindig zu machen, aber selbst dort feiern die Menschen das Leben und scheinen sich nicht daran zu stören, dass ihre Lebensumstände nicht die Besten sind.
#2 der Dinge die uns beschäftigen: Das Essen! Wir waren bereits vorgewarnt, dass Kuba nicht gerade das kulinarische Mekka sei, so war es dann tatsächlich auch. Nach Jahrzehnten der Ernährung durch Essensmarken und rationierter Grundnahrung scheinen die Kubaner ihre Kreativität und Fähigkeit Gewürze einzusetzen weitestgehend verlernt zu haben. Sofern man nicht fast 10 EUR pro Gericht in einem tollen Restaurant ausgeben will ernährt man sich zu 95% von Pizza, Sandwiches oder Nudeln mit Tomatensauce (alle gänzlich ungewürzt). Aber wer will es ihnen nach so vielen Jahren der weitestgehenden Isolation und Armut wirklich übel nehmen. Übrigens: Kubaner haben ein Durchschnittseinkommen von unter 20 EUR im Monat (wobei Grundnahrung durch Essensmarken extrem subventioniert wird und Wohnraum, Bildung und Healthcare generell kostenfrei für Kubaner ist). Wie dem auch sei - für einige Tage lässt es sich auch aushalten - wir fokussieren uns eh auf den Rum!
Einige Dinge die uns in Havana besonders beschäftigt haben: #1: Der Kommunismus: Kuba ist womöglich das letzte Fleckchen Erde an dem der Kommunismus noch (weitestgehend) gelebt wird und von der Bevölkerung auch unterstützt wird. Das System funktioniert seit etwa 50 Jahren noch immer, die Menschen haben zwar wenig zu leben, sind aber sehr glücklich damit und auch überzeugt, dass das Land den richtigen Weg geht. Aber offen gestanden spürt man: Der westliche Einfluss „lauert“ an jeder Ecke - Jeder trägt Nike oder Adidas, die Bars sind teilweise moderner als in Hamburg. Im Stadtzentrum warten allen Ernstes Boutiquen von Montblanc und anderen Luxusgüter-Anbietern auf die Touristen. Auch mischen sich mehr und mehr moderne Autos in den Verkehr. Der Wandel ist also sehr zu spüren und wird sich auch garantiert in den nächsten Jahren drastisch beschleunigen. Aber auch dem stehen die Kubaner positiv gegenüber. Alles wird gut - so scheint der allgemeine Konsens.

10 August 2018

Wir verbringen drei volle Tage in Havana. Wir haben also ausreichend Zeit die Stadt ausführlich zu erkunden. Eine der ersten Amtshandlungen die wir tätigten war Rum zu kaufen: Eine Flasche Havana Club (3 Jahre gereift) für 3,80 EUR. Wohoo! Dazu noch ein paar Limetten am Straßenstand mitgenommen und das kubanische Äquivalent zu Coca-Cola, nämlich tuCola - Tod dem Kapitalismus!!!, gekauft und fertig war unsere Haus-Bar. Dass der Vorrat nicht gerade lange gehalten hat muss ich glaube ich nicht erwähnen! In den zahlreichen Bars Havanas gab es dann natürlich noch so einige Mojitos, Cuba Libres und Daiquiris. Harte Tage für die Leber! Nicht nur wegen der hervorragenden Drinks haben wir drei uns sofort in die Stadt verliebt. Auch wenn die Verhältnisse teils doch extrem einfach sind und Straßen nur teilweise gepflastert sind, sprüht die Stadt einen unbeschreiblichen Charme aus. Wie im Film eben!

9 August 2018

Heute hieß es: ¡Adios Mexico! Per Fähre ging es zurück nach Cancun, dann direkt zum Airport. Der Flug nach Havana dauert nur 50 Minuten und ist schnell hinter sich gebracht. Bereits nach wenigen Minuten im Taxi kamen uns die ersten US-Oldtimer aus den 50er- und 60er Jahren entgegen, wie in einem Film! Die Taxifahrt führte uns über weitestgehend dünn besiedeltes Farmland, zwischendurch waren vereinzelt Hochhäuser mit Castro- oder Che Guevara- Bildern an den Außenwänden zu sehen. Kinder spielen direkt am Highway Fussball, auf der anderen Seite bestellen alte Herren mit ihren Ochsenkarren die Felder. In Havana begrüßten uns dann die allseits bekannten (oft sehr heruntergekommenen) Barockfassaden und eine Mischung aus Sovjet-Ära Autos und US-Oldtimern. Absoluter Wahnsinn. Unser Casa Particular (ein staatlich reguliertes Konzept für Touri-Unterkünfte) liegt direkt in Old Havana.