Europe · 92 Days · 515 Moments · August 2018

Bike you Goethe - mit dem Rad nach Rom


6 days ago

Jetzt bin ich wirklich zu Hause. Auch dort warten noch kleine Überraschungen auf mich - ein neues Türschild, das wie für mich gemacht ist, und neue Blumen auf dem Balkon als kleine Erinnerung an Italien ;-) Danke, Danke, Danke!!!! Liebe Mitreisenden, die letzten zweieinhalb Monate waren für mich eine außergewöhnliche Zeit und Erfahrung. Es gab keinen Tag, an dem ich gelangweilt oder unglücklich war und es war mir eine große Freude zu wissen, dass da ganz viele Menschen meine kleinen Abenteuer und wundervollen Erfahrungen mit mir geteilt haben. Fortsetzung folgt - versprochen!!!! Wir sehen uns im Frühling in Sizilien...

7 days ago

... hat Thomas heimlich für mich eine rauschende Willkommensfeier vorbereitet. Es gab viel zu erzählen, was für ein wunderbarer Abschluss einer einzigartigen Reise!!!!
... nachdem ich kurz Goethe alias Möller an der Alten Oper zugewunken hatte ...
Ich bin zurück. der Empfang war überwältigend!!!! Da haben mir die Worte gefehlt, ehrlich. Sehr schön, wenn man zu Hause liebe Freunde hat. Aber nicht nur, dass ich von einem jubelnden Empfangskomitee begrüßt wurde und im kleinen Fahrradkorso in Richtung Zuhause begleitet wurde...
So, die Koffer sind gepackt. Frankfurt, ich komme!! Als rührend schöner Abschluss dieser langen Reise fragt mich ein älterer Mann, ob er mir helfen kann und geleitet mich dann auf seinem wunderschönen uralten Fahrrad quer durch Basel zum Bahnhof. Am Ende stellt sich heraus, dass er Italiener ist, der sich unbändig freut, dass ich sein Heimatland mit dem Rad erobert habe.
Und zu guterletzt noch der Streckenplan, lieber Stefan, soweit ich den rekonstruiert bekomme... - Zunächst bin ich von Regensburg aus an der Donau entlang bis Vohburg und dann irgendwie immer Richtung Süden bis Freising - Von Freising bis zum Sylvensteinsee ging’s immer dem Isarradweg entlang - Von da aus dann querfeldein zum Walchensee und dann wieder bis Scharnitz dem Isarradweg folgend - Über Landstraßen bis Telfs und dann bis Innsbruck den Innradweg entlang. - Ab Innsbruck die alte Brennerstraße entlang, die auch der München -Venedig-Radweg ist, dann entlang der ehemaligen Brennerbahn bis Bozen - von da die Etsch entlang bis Ravazzone und dann über den Berg zum Lago di Garda. - Am östlichen Ufer nach Süden und dann wieder an der Etsch entlang bis Verona. - Ab da dem Radeg I1 und I2 versucht zu folgen, was nicht immer leicht war... - und schließlich ab Venedig bis Rom dem superverlässlichen Reiseführer „Radfernweg Venedig-Rom“ blindlings gefolgt.

8 days ago

„Unternehmen Mitte“ ist eine sehr coole Bar und mehr, da nehme ich heute meinen letzten Aperitif auf dieser Reise- zu Preisen, die es unmöglich machen, auch nur ansatzweise betrunken zu werden...
Ein weiteres untrügliches Zeichen, wohin das Jahr steuert: der erste Weihnachstmarkt...
Basel ist eine sehr hübsche Stadt, die dem Durchschnittsdeutschen leider meistens nur als Grenzübergang begegnet. Es lohnt sich durchaus, nächstes Mal auf dem Weg in den Süden dort eine kleine Pause einzulegen.
Das Hostel in Basel erinnert ein bisschen an Fritz-Deutschland in der Gwinnerstraße in Frankfurt...
Hat aber doch noch geklappt und so sitze ich jetzt ganz entspannt im Zug Richtung Basel. Auf der Italienischen Seite noch mit grauem Himmel und dicken Wolken, nach dem langen Tunnel in der Schweiz mit herrlich blauem Himmel und Sonne. Früher, auf der Heimreise vom Italienurlaub, war das immer umgekehrt.
Beim leckeren Frühstück im coolen Hostel hätte ich fast ganz uncool meinen Zug verpasst! Ich habe das Datum mit der Abfahrtszeit verwechselt...

9 days ago

Und da ist er wieder, Manzoni. Ist nämlich DER italienische Schriftsteller der Romantik.
„Oh mein schönes verlorenes Vaterland...“ ich würde mal behaupten, einer weiblichen Malerin wären da andere Bilder in den Sinn gekommen...
Venedig im Winter...
Das Sublime/Erhabene und die Nacht - für alle, die sich nicht mehr so genau an die Romantik erinnern, zwei zentrale Themen der Epoche ;-)
Zufällig „stolpere“ ich über eine Romantik-Ausstellung. Da muss die Deutschlehrerin natürlich hin.
Hier sieht man zwei menschliche Kultstätten an einem Fleck vereint: Der Mailänder Dom und die Luxus- Galleria Vittorio Emanuele II... Vor dem Dom grölen heute die Fans von AC Mailand und wünschen die Gegner, Juventus Turin, zur Hölle. Hilft aber nix, Juventus gewinnt später trotzdem. Und im Kommerztempel gibt man sich Mühe, auch ein bisschen auf Kultur zu machen, bloß dass es das Volk nicht sonderlich beeindruckt. Das stürmt nicht die Buchhandlung, sondern Prada und Versace.
Die Mailänder Scala, über die gegenüber Leonardo da Vinci etwas geistesabwesend wacht, habe ich mir ehrlich gesagt etwas imposanter vorgestellt.
Hier steht aber auch das Haus, in dem Manzoni gelebt hat (der mir etwas später nochmal über den Weg laufen wird...), der Autor der „I Promessi Sposi“. Und wie könnt es anders sein, hat auch hier Goethe mal wieder die Finger im Spiel. Manzoni hatte ihm den fertigen Roman nach Weimar geschickt und auf seine Fürsprache hin wurden dann gleich zwei deutsche Übersetzungen in Auftrag gegeben, eine in Leipzig und eine in Berlin. der alte Freund Goethe hat aber auch ÜBERALL mitgemischt!
Weiter gehts durch das Qadrilatero della Moda. Hier reiht sich eine Top-Modeboutique und eine gebotoxte Ü-50erin an die andere.
Ich wähle meine mittlerweile bewährte Beschäftigungsart: einfach mal loslaufen. auf dem Weg komme ich in einen etwas verwunschenen Park „Giardini Pubblici Indro Montanelli“. Der Pavillon ist übrigens ein Kindergarten, was für ein schöner Ort für solch eine Einrichtung.
Weiter geht es nach Milano, das mich mit Militär, Nebel und leichtem Nieselregen empfängt. Dafür bin ich hier im tollsten Hostel der gesamten Reise untergebracht „Ostello Bello Grande“ - ein echter Tipp, wenn man mal in Mailand eine Unterkunft finden muss!
Ein kleiner Hoffnungsschimmer im Land, das zur Zeit von einem wildgewordenen rechten Salvini beherrscht wird.
Die vielen Kunstwerke, die sich Goethe in Bologna zu Gemüte geführt hat, müssen bis zu meinem nächsten Besuch warten. Die Torri dei Asinelli will ich aber wenigsten besuchen. „Gegen Abend war ich auf dem Turm. Die Aussicht war herrlich.“ Ja Schade! Gegen Morgen war die Wartezeit leider so lang, dass mir auch dieses Vergnügen verwehrt bleibt... Ein Grund mehr, nochmal herzukommen.
Nun erschließt sich auch „die Gelehrte“. Man merkt, dass Bologna eine weltoffene, studentisch geprägte Stadt ist. Irgendwo habe ich gelesen, sie sei ein bisschen wie das italienische Berlin.
Am Morgen ist noch Zeit für einen, diesmal entspannten Stadtbummel ohne Hunger durch Bologna. Goethe ist hier einige Tage geblieben und er hatte Recht. Die Stadt ist definitiv auf meiner „da muss ich nochmal hin“-Liste.

10 days ago

abends bin ich dann endlich in Bologna. Italiener bezeichnen die Stadt als „la Grassa, la Dotta, la Rossa“ - die Fette, die Gelehrte, die Rote. Das Essen spielt hier eine große Rolle, das bekomme ich am Abend zu spüren. Ich irre zwei Stunden durch die belebte Altstadt, bevor ich ein Restaurant finde, in dem es einen freien Tisch für eine Person gibt. Fast wäre ich in der Stadt mit den meisten Restaurants auf meiner Reise verhungert...
Die Bahnfahrt erweist sich, trotz zweimaligem Umsteigen, als sehr entspannt. Schön ist auch, dass ich an vielen Orten vorbeikomme, die ich mir vorher mit dem Fahrrad erobert hatte. Kurz bin Ich sogar nochmal am Meer.
Es ist jetzt auch hier unübersehbar: Weihnachten steht vor der Tür...
Heute heißt es Abschied nehmen von Rom und meinem Abenteuer der letzten zwei Monate. Noch einen letzten Cappuccino und dann mache ich mich auf den Weg nach Termini.

9 November 2018

Nach einem Café mit Ute G. aus Frankfurt, die zufälligerweise gerade an diesem Wochenende auch in Rom ist, fahre ich nach Marino und treffe (nach 30 Jahren !!) meinen ältesten italienischen Freund. Ein schöner Abschluss vor der anstehenden Rückreise.
Eine neue Kuriosität in den Souvenirläden Italiens ist dieses Jahr dieser Priester- Pin-up-Kalender ...
Ich liebe den wilden Mix zwischen Alt und Neu, der in Rom quasi überall zu finden ist. Allerdings wirkt die Stadt zur Zeit an vielen Ecken etwas „malcurato“ ( auf deutsch würde man vielleicht heruntergekommen sagen...) auf mich - schade!!!
Auf dem kleinen Platz Mattei gibt es diesen Schildkrötenbrunnen, den der Herzog Mattei der Legende nach in einem Tag hat bauen lassen, um seinen Schwiegervater in spe zu beeindrucken, der von ihm bis dahin anscheinend noch nicht so recht begeistert war.
Heute werde ich bis zum frühen Abend einfach ein bisschen durch die Straßen und Gassen Roms wandern. Zuerst besuche ich das ehemalige Ghetto, das mich immer wieder fasziniert, auch wenn es mittlerweile zu einem etwas eigenartigen touristischen Hotspot geworden ist.
Dieser Text gehört eigentlich an den Anfang des Tages, weigert sich aber, seinen Platz in der richtigen Reihenfolge einzunehmen ;-) Mein letzter Tag in Rom beginnt und ich beginne ihn mit einem Besuch des Museums in Trastevere, wo es eine sehr interessante Fotoausstellung einer italienischen Fotografin gibt. Ihre Bilder aus Sizilien erinnern mich an den Sardinienurlaub, den ich Anfang der 80er Jahre mit meinen Eltern gemacht habe.
In der Ausstellung alter Aquarelle von Rom finde ich dann doch tatsächlich eines von der Herberge „Locanda del orso“, in der Goethe seine erste Nacht in Rom verbrachte, bevor er in die hessische Künstler-WG auf dem Corso zog.
Sehr beeindruckt haben mich Lisetta Carmis Bilder von Transvestiten in Genua aus den 60er Jahren, die sie über mehrere Jahre begleitet hat und die zur Zeit im Museum von Trastevere ausgestellt werden.

8 November 2018

Und auch Tivoli selbst ist, im Gegensatz zu der Gegend zwischen Rom und hier, ganz hübsch.
Liszt hat hier wohl eine ganze Weile gelebt - was man nicht alles so erfährt, wenn man Goethe folgt.
Die Wasserspiele sind dagegen völlig durchgeknallt und beeindruckend!
Dann fahre ich weiter zur Villa d‘Este. Die Villa selbst ist nach den vielen Palladios eher unspektakulär, der Garten ist dagegen der Hammer.
An besten hat mir das Canopo gefallen.
Das Gelände ist riesig und besteht aus den Resten von Thermen, Unterkünften für Soldaten, Bedienstete und den Kaiser und fordert einiges Fantasie beim Besucher. Der Audioguide ist hier echt sehr hilfreich!
„Diese Tage war ich in Tivoli und habe eins der ersten Naturschauspiele gesehen. Es gehören die Wasserfälle dort mit den Ruinen und dem ganzen Komplex der Landschaft zu denen Gegenständen, deren Bekanntschaft uns im tiefsten Grunde reicher macht.“ Wenn Goethe das sagt, muss ich da wohl auch hin, denke ich mir und mache mich an meinem vorletzten Tag in Rom mit Metro und Bus auf nach Tivoli. Zunächst besuche ich aber erst mal ganz ausgiebig die Villa Adriana 6 km vor Tivoli.

7 November 2018

Obwohl auch Trastevere schöne Ecken hat, man muss nur ein bisschen suchen. ( Dem aufmerksamen Beobachter ist sicher aufgefallen, dass ich wieder bei Giovanni zu Abend gegessen habe, meine neue Lieblingsosteria!)
Es ist kaum zu glauben, dass sich nur wenige hundert Meter hinter dem megatouristischen Colosseum dieses wunderbar entspannte Stadtviertel befindet mit herrlichen kleinen Läden, Werkstätten und Restaurants. Nicht weitersagen, sonst geht es ihm wie Trastevere, das zu einem italienischen Alt-Sachsenhausen mutiert ist.
Ein weiteres Thema meines Aufenthaltes hier ist ja die Entdeckung mir unbekannter Stadtteile. Heute war der Rione Monti dran.
Im Giardino degli Aranci hat man dann aber wenige Meter entfernt einen ganz entspannten Blick auf die Kuppel und den Rest der Stadt und das in fast privater Atmosphäre.
Ein Hügel war mir aber nicht genug. Deshalb bin ich weitergezogen auf den Aventin. Dort gibt es im Tor zum Anwesen der Malteser ein Schlüsselloch, durch das man die Kuppel des Petersdoms sehen kann. Das Schöne ist, dass das nur im echten Leben funktioniert. Auf dem Foto erkennt man nix.
Es gibt hier auch einen Leuchtturm, obwohl es kein Gewässer weit und breit gibt. Der wurde von nach Argentinien ausgewanderten Italienern 1911 zum 50. Jubiläum des Königreichs Italien spendiert.
Ich glaube, hier oben wurde ein Teil von „Night on Earth“ gedreht, in dem Benigni als Taxifahrer einem Priester seine ersten sexuellen Erfahrungen mit Kürbissen und der Ziege Lola schildert, woraufhin der Priester an Herzversagen verstirbt.
Danach bin ich hoch auf den Gianicolo gestiegen, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf die Stadt hat.
Mein Plan für heute und die nächsten Tage ist ja: ein bisschen Goethe und ein bisschen Ute, auf jeden Fall nichts, was ich schon kenne. Also steht heute Morgen die Villa Farnesina direkt gegenüber meiner Unterkunft auf dem Programm. „Gestern war ich mit Angelika in der Farnesina, wo die Fabel der Psyche gemalt ist. Dieser Saal oder vielmehr Galerie ist das Schönste, was ich von Dekoration kenne, soviel auch jetzt dran verdorben und restauriert ist.“ Da stimme ich dem Herrn Goethe voll zu. Interessant finde ich darüber hinaus, dass es auch schon 1528 Vollidioten gab, die Graffiti auf Kunstwerke kritzeln mussten. In diesem Fall waren es deutsche Landsknechte und die Innschrift lautet „was sol ich schreiben und nit lachen die Laknecht haben den babst laufen machen.“ Na immerhin KONNTE er schreiben...

6 November 2018

Ich bin gespannt auf morgen!!!
Die Bilder vonLu Song auch und der Ausstellungsraum selbst ist großartig.
Die Ausstellung „Every Body Talks“ fand ich klasse.
Für die mir verbleibende Zeit werde ich nicht versuchen, Goethes Romerlebnisse von 5 Monaten in 4 Tage zu komprimieren. Vielmehr will ich es ihm thematisch gleichtun und die Stadt durchstreifend entdecken. Ich war schon so oft in Rom, dass es wenig Sinn macht, zum x-ten Mal den Vatikan oder das Colosseum zu besuchen. Also werde ich dahin gehen, wo ich bisher noch nie war. Den Anfang hat heute das Stadtviertel Testaccio gemacht - ein Quartiere poppolare wie die ältere Dame meinte, mit der ich zum Aperitif einen Prosecco getrunken und über Rom geplaudert habe. Genau das ist es. Der ehemalige Schlachthof ist heute ein Kulturzentrum mit Museum.
Ein wichtiger wenn nicht der wichtigste Teil seiner Reise war für Goethe der Aufenthalt in Sizilien, wo er unter anderem auf der Suche nach der Urpflanze war und die Grundlagen für seine spätere Farbenlehre gelegt wurden. Das bedeutet, da muss ich auch hin! Wenn nichts dazwischenkommt heißt das im nächsten Frühling „bike you Goethe- Teil 2“!!!
Und nachgewirkt hat die Zeit auf jeden Fall bis in unsere Tage.
Wenn man den Zeichnungen von Tischbein glauben darf, war die WG auf jeden Fall ein mopsfideler Haufen!
Dieses Bild wurde nach einem Portrait von Angelika Kauffmann gemalt, mit der ihn eine tiefe Freundschaft verband.Irgendwo habe ich allerdings gelesen, dass er dieses Bild von sich nicht so treffend fand.
In diesem Zimmer wohnte er. An der Wand ist eine Reproduktion einer Zeichnung Tischbeins, die „Das verfluchte zweite Küssen“ heißt. Das Kissen war sicher nicht für Frau von Stein gedacht... Das Tagebuch an sie endet mit der Ankunft in Rom ziemlich abrupt, es gibt noch einen recht gekränkten Brief an sie, in dem er sich über ihr Zettelchen beschwert, das er von ihr als einziges Lebenszeichen erhalten hat. Und dann stürzt er sich ins richtige Leben und da braucht man auch mal zwei Kissen! Faustina hieß übrigens das richtige Leben.
Und da wohnte er, der alte Knabe: Via del Corso 18. Also nix wie rein in die gute Stube.
Nachdem ich mir dann auch noch den Verfall des Augustusforums vor Augen geführt habe, bin ich in etwa auf dem Stand Goethes nach seinen ersten Tagen in der ewigen Stadt, sodass jetzt die Zeit für einen WG-Besuch reif ist.
... und kurz beim Colloseum vorbeigeschaut.
Habe der menschlichen Statue beim Ausruhen und Weitermachen zugeschaut...
Also habe ich mir noch die Trajanssäule angeschaut, die mich an meinen schrecklichen Lateinunterricht erinnert.
... und dann wollte ich eigentlich auf diesem hässlichen Kasten (Entschuldigung liebe italienischen Vaterlandsliebhaber) einen Cappuccino trinken, musste aber erfahren, dass das Café leider geschlossen ist. Schon der zweite Ort nach den due Ciccioni, den es nicht mehr gibt, schade.
Ein Blick aufs Forum Romanum ...
Heute begebe ich mich endlich wieder auf Goethes Spuren, der ja schon einige Tag vor mir hier angekommen ist und mittlerweile mit Tischbein in einer WG wohnt. Vorher hat er allerdings schon einige touristische Highlights konsultiert und so mache ich das auch. Zunächst erklimme ich den Kapitolshügel - auch hier wieder die angesagten Alpenfeilchen.

5 November 2018

Ich lasse den Abend in der Osteria da Giovanni ausklingen - eine echte Entdeckung am Rand von Trastevere. Die Mutter des Besitzers kocht echte Hausmannskost und das Publikum ist zu 100% italienisch.
Beim zweitem Besuch der Information im Bahnhof Termini steht die Rückreise. Ab jetzt kann ich Rom genießen.
Ich nutze den Tag derweil für die Recherche meiner Heimreise. Dass die sich mit Fahrrad als SOOO kompliziert erweisen würde, habe ich nicht gedacht. Das nächste große Abenteuer wartet auf mich. Stand der Dinge bis jetzt: Am Samstag fahre ich mit 2x Umsteigen von Rom nach Bologna, am Sonntag dann direkt nach Mailand. Die wirklich freundliche Bahnbeamtin am Infoschalter hat mir des weiteren eine Fahrkarte nach Chiasso verkauft, danach war sie mit ihrer Weisheit am Ende. Während meiner mehrstündigen Regenrecherche habe ich jetzt eventuell einen Zug gefunden, der mich und mein Rad direkt und schnell von Mailand nach Basel transportiert... Roma Termini, ich komme (sobald der Regen aufhört...)!
Das entscheidende Accessoire heute in Rom ist ein Regenschirm oder auch ein Regencape. Der zu Hause so sehnlichst erwartete Regen fällt hier auch heute wieder ausgiebig. Mal sehen, vielleicht bringe ich ihn ja nächste Woche mit ...

4 November 2018

Ich bin glücklich, glücklich, glücklich 😀!!!!! Und belohne mich mit einem Aperol an Alpenfeilchen in Trastevere und einem echt römischen Supli. Ich bin im Himmel.
Und dann bin ich da! Mitten in Rom - mit dem Rad!!!! Unfassbar.
Aber dann sieht es immer mehr nach ROM aus!
Zunächst bewege ich mich noch zwischen Kläranlagen und Sportplätzen in einer eigenartigen Symbiose aus Stadt und Natur.
Dann erreiche ich nach Durchquerung beeindruckender Pfützen und öden Brachlandes diesen wunderbaren Radweg, der mich sicher nach Rom führt.
Immerhin schonmal ein paar Ruinen, allerdings neueren Datums.
Kurz vor Rom in Labaro ist die Faszination Roms noch nicht wirklich zu spüren...
Gegen zwei Uhr wird der Regen langsam weniger und ich muss mich entscheiden: noch eine Nacht im netten Einzelzimmer oder Aufbruch Richtung Rom? Ich entscheide mich für Rom!
Heute Morgen geht erst mal gar nix... es regnet stundenlang junge Hunde!

3 November 2018

Sacrofano ist mein letzter Halt, bevor ich morgen in die ewige Stadt rolle. Ich freue mich!!!
Eine weitere landesspezifische Eigenart ist der Straßenbelag am jeweils äußeren Rand der Fahrbahn, da wo der Radfahrer und die Radfahrerin sich in der Regel aufhalten. Warum auch immer ist der geprägt durch eine kreative Oberflächenstruktur bestehend aus Rissen und kleinen oder auch großen Löchern. Es gilt also, nicht zu verträumt in die Landschaft zu blinzeln, sondern immer schön die Straße im Blick zu behalten. Und das dritte Phänomen ist schließlich der Autofahrer, der sich dem Radfahrer von hinten nähert. Anscheinend lernt man in Italien in der Fahrschule, dass der Radfahrer auf das Näherkommen eines Autos mit eindringlichem Hupen hingewiesen werden muss. Erschreckt man also nicht durch den Wachhund, sorgt der Autofahrer von hinten dafür, dass man immer schön wachsam ist im Straßenverkehr...
Und da sich die Reise langsam ihrem Ziel nähert, möchte ich an dieser Stelle auf drei Dinge hinweisen, die mir in den letzten Wochen aufgefallen sind. Das sind zunächst (Hundefreunde bitte weglesen) die nervtötenden Köter, die meinen Weg begleitet haben. Zur Grundausstattung eines ländlichen italienischen Anwesens gehört auf jeden Fall ein Hund, dessen einzige Aufgabe darin besteht, wie ein Irrer in Richtung Zaun zu rennen, sobald sich diesem etwas nähert und - je kleiner desto hysterischer - durch sinnloses Gebelle sein Herrschaftsgebiet zu verteidigen.
Weiter geht es durch viel schöne Landschaft über Nazzaro nach Sant‘Oreste.
Bei Torrita Tiberina treffe ich zum zweiten Mal auf dieser Reise auf den Tiber. Im Gegensatz zu Ponte Valleceppi hinter Perugia, wo ich ihn das erste Mal überquert habe, ist er mittlerweile ganz schön breit geworden und vom Regen der vergangenen Tage mächtig angeschwollen.
Der Verkaufsschlager in italienischen Blumenläden ist zur Zeit das Alpenveilchen! Das wächst allerdings auch in seiner wilden Form gerne und wunderschön am Wegesrand.
... auf der vorletzten Etappe dieser langen Reise endlich die Regenhose zum Einsatz. Wäre ja auch doof gewesen, wenn ich die völlig umsonst die 2000 Kilometer durch die Landschaft gefahren hätte!
Und so kommt nach den wunderschönen Bergdörfern Casperia und Roccantica...
Das Wetter hält leider nicht, was es heute morgen noch so großspurig versprochen hat.
Und anscheinend bin ich immer noch auf dem richtigen Weg, wobei mein Freund Thomas mich ja bereits darauf hingewiesen hat, dass eh alle Wege nach Rom führen. Halt nur mehr oder weniger direkt...
Der Weg führt vorbei an den Zwillingsfestungen Rocchette und Rocchettine, die aus dem 12./13. Jahrhundert stammen. Heute ist nur noch die Ansiedlung Rocchette bewohnt.
Zunächst startet der Tag mit großartigem Sonnenwetter und einem herrlichen Blick ins Tal und auf den gegenüberliegenden Berg.

2 November 2018

Mit einem herrschaftlichen Blick über das Tal und einem selbstgekochten Abendessen beende ich den Tag glücklich und zufrieden. Der Countdown läuft: Übermorgen bin ich in Rom!!!
Aber dann habe ich es doch noch locker hinter mir gelassen und gegen Ende der Reise außerdem zwei wichtige Erfahrungen gemacht: 1. Man braucht zum Radfahren nicht pausenlos gutes Wetter. 2. WetterOnline hat nicht immer recht...
Eigentlich wollte ich nur bis maximal Calvi dell‘Umbria fahren.
... aber dafür entschädigt die Landschaft mit traumhaften Ausblicken.
Die Wege sind nicht immer ganz so leicht zu befahren...
Über Narni öffnet sich ein atemberaubender Blick ins Tal.
Man könnte hier ohne großen Umbauaufwand sofort einen Mittelalterfilm drehen.
Der Dom aus dem 12. Jahrhundert ist beeindruckend, wozu die orangenen Kugeln in den Steintrögen vor dem Dom sind, wird jedoch nirgends erklärt.
Sehr schön ist dagegen Narni, wo die übliche Morgencrew sich schon auf dem Platz am Brunnen versammelt hat. Vom angedrohten Regen fehlt allerdings, Gott sei Dank, jede Spur.
Aus der Ferne sieht Terni ganz OK aus, aus der Nähe allerdings nicht so sehr.
Zum Frühstück gibt es heute für mich - la Tedescha - extra etwas Herzhaftes, super!!!

1 November 2018

Ich beschließe den Regentag in einer Pizzeria-ristorante mit dem optischen Charme eines Vorortbürgerhausrestaurants. Das Essen ist aber superlecker, die etwas verrückte Pizza-Oma spendiert mir ein Pizzabrot extra (ich glaube, sie sorgt sich ein bisschen um die alleinreisende Ü-50erin) und im Schutz der munteren Nonnen und Mönche taucht noch ein Herr auf, der aussieht wie mein Kollege Heinz-Theo...
Jetzt mache ich es mir aber erst mal in meinem kleinen Zimmerchen gemütlich, getreu dem Spruch über meinem Bett ;-)
Goethe war schon am 27. Oktober in Terni. „Terni liegt in einer köstlichen Gegend, die ich diesen Abend von einem Spaziergange um die Stadt mit Freude beschaute.“ Auch darauf werde ich wohl eher verzichten. Ich habe mir aber schonmal einen Platz in der nächstgelegenen Pizzeria reserviert. Bei den katholischen Italienern ist nämlich heute Feiertag - Allerheiligen- und da geht der Italiener gerne mal essen. Da wird mich MEIN Spaziergang in Terni heute hinführen.
„Spoleto hab ich bestiegen und war auf dem Aqueduckt der zugleich Brücke von einem Berg zum andern ist.“ Auf dieses Vergnügen muss ich leider verzichten, denn es beginnt wieder ausgiebiger zu regnen. Ich beschließe, die Skulptur und die Wolken als Schicksalswink zu verstehen, und nehme den Zug nach Terni. Muss ja nicht sein, dass ich mich am Ende der Reise noch in irgend eine metereologische Gefahr in den Bergen zwischen Spoleto und Terni begebe...
Das Wetter ist nicht sehr vielversprechend, wenigstens ist es nicht kalt.
Heute Morgen schüttet es wie vorhergesagt. Ich frühstücke mit zwei Tschechen, die den Fanziskus-Pilgerweg entlang wandern und derTabacchi-Oma, die uns ihr komplettes pessimistisch-schwermütiges Lebenskonzept erläutert - ein eigenartiges Frühstück, nach dem ich in den weniger werdenden Regen aufbreche.

31 October 2018

Ich wohne gegenüber dem einzigen kleinen Laden im Dorf, der der Mutter der Besitzerin gehört. Dort habe ich ein ganzes 8-Bett-Zimmer für mich alleine und bereite mir mit meinen Einkäufen aus dem Tabacchiladen ein Abendessen zu - eine seltene Angelegenheit während der letzten Wochen.
Für Gregor...
Ich übernachte heute in Poreta, einem kleinen, sehr malerischen Weiler am Hang vor Spoleto.
Auf dem Weg zu meiner Unterkunft komme ich an diesem wunderschönen Borgo di San Giacomo vorbei.
„Trevi liegt am Anfang einer schönen Plaine zwischen Bergen, alles ist noch Kalck, nichts Vulkanisches hab ich spüren können.“ Stimmt, Herr Goethe. Alles was ich spüre, ist die Freude am Radfahren und die Hoffnung, dass mich heute kein Regenschauer erwischen wird.
Das kann ja aber durchaus auch sehr stimmungsvoll sein!
Mein Weg führt heute größtenteils an einem kleinen Fluss entlang. Der Herbst ist jetzt auch hier unübersehbar!
Das wunderschöne Spello lasse ich lieber links am Hang liegen, da das Wetter sich inzwischen wieder als nicht ganz so verlässlicher Partner zeigt.
Wieder einmal taucht ein italienischer Radweg auf, der genau meiner wäre. Mittlerweile habe ich gelernt, das als interessantes Accessoire meiner Route zu betrachten, dem ich nicht allzuviel Bedeutung beimesse. Genau so kommt es dann auch: Wenig später fragt mich eine freundliche Italienerin bei meinem Kartenstudium, ob sie mir helfen könne, denn der Radweg ende an dieser Stelle und lasse die Radfahrer hier hilflos herumstehen. Ich danke ihr für ihre Hilfe und wähle sogar ihren Vorschlag, da meine Radfahrbibel mich unnötigerweise mal wieder ins Gebirg schicken will.
Ich fahre bei schönem blauen Himmel daran vorbei, denn da war ich ja schon letzte Woche.
... und dann liegt auch schon Assisi vor mir.
Noch ein letzter Blick zurück...
Nach fast einer Woche in Perugia geht es heute weiter. Vor mir liegt ein klarer Morgen, hinter mir die Stadt, die ich jetzt schon seit 30 Jahren kenne und immer wieder liebe.

30 October 2018

Und dann ist der Tag auch schon fast zu Ende und es geht ans Packen für die Weiterfahrt.
... und ein Kinobesuch als einziger Gast.
Noch ein letzter Spaziergang...
Am Nachmittag zeigt sich der blaue Himmel, als wäre nichts gewesen.
Und dann gibts da ein ganzes Stockwerk zu einer Kunstperformance, die „unser“ Joseph Beuys hier in Perugia 1980 über den gesellschaftlichen Stellenwert der Kunst veranstaltet hat, na sowas!
Zum einen gibt es da eine Ausstellung über den aus Perugia stammenden Futuristen Dottori, der in fast allen Bildern den Lage Trasimeno verarbeitet.
Das Wetter beruhigt sich langsam, morgen geht es endlich weiter und heute nutze ich den Tag nochmal, um noch ein paar unbekannte Ecken Perugias zu entdecken: diesmal das Museum für moderne Kunst.

29 October 2018

Und dann kam ich gerade noch rechtzeitig vor dem großen Unwetter nach Hause und habe den Rest des Tages die Beine hochgelegt und gelesen - auch nicht schlecht!
Und auch dem Nobile Collegio Cambio, das von dem berühmten Perugino ausgemalt wurde, hab ich noch einen kurzen Besuch abgestattet.
Das Wetter hielt noch für einen kurzen Spaziergang und einen schönen Blick auf die Stadt und die Umgebung.
Sehr beeindruckt hat mich dieses Bild. Es stellt die Verbrennung des Girolamo Savonarola in Florenz 1498 dar.
Da ständig der nächste Regenschauer droht, verbringe ich viel Zeit in der Galeria Nazionale dell‘Umbria. Hier treffe ich wieder auf die mir mittlerweile sehr vertrauten Motive der stillenden Maria und auch die Mariendarstellung mit dem weit ausgebreiteten Mantel taucht erneut auf. Ich glaube, die Reise hat mich endgültig zur Expertin in Sakralkunst qualifiziert...
Ohne den ganzen Schokoladenquatsch sieht die Stadt viele besser aus.
Da sich die Berichte über Unwetter in Italien überschlagen, bleibe ich noch bis Mittwoch in Perugia und nutze die Zeit, die Stadt, die ich schon so lange kenne, etwas mehr zu erkunden. Zuerst schaue ich mir die Sala dei Notari an, ein wunderschöner Raum, den man ganz ungestört und ohne Eintritt besuchen kann.

28 October 2018

Heute regnet es und zwar sehr entschlossen...

27 October 2018

Abgerundet wurde der Abend dann noch mit der Lesung einer Autorin, die über ihre Essstörung berichtete, was in Anbetracht der Schokoladenmesse etwas zynisch klingt, aber eine sehr interessante Veranstaltung war.
Und da Massenveranstaltungen die Massen immer gerne an einem Ort konzentrieren, ist ein Spaziergang durch das restliche Perugia dann auch recht ungestört und vergnüglich.
Da gehe ich lieber ins Museum und schau mir die dortige, sehr schöne Ausstellung „Da Raffaello a Canova Da Valadier a Bella“ an. Die gibt mir auch einen kleinen Vorgeschmack auf die weitere Reise, denn die Bilder stammen aus der Accademia Nazionale di San Luca, die sich in Rom in der Nähe des Trevibrunnens befindet.
Hier tobt gerade eine eigentümliche Veranstaltung, die sich Eurochocolate nennt. Die bestärkt die These, dass die Sache mit dem Serotonin in der Schoki überbewertet wird. ZU VIEL Schokolade ist nicht gut für den Menschen. Sie macht nicht nur dick, sondern auch ein bisschen depressiv und dumm...
Und das ist heute der Blick von oben ins Tal Richtung Assisi.
So sah es vielleicht hier vielleicht aus, als du vorbeigeeilt bist.
Mal wieder ein Pferd... „In Perugia hab ich nichts gesehen, aus Zufall und Schuld. Die Lage der Stadt ist schön und mir wohl eingedruckt.“ Nun denn, mein lieber Freund Goethe, dann hole ich das für dich mal nach. Ab jetzt verlangsame ich das Tempo nämlich und während du schon fast in Rom bist, bleibe ich noch ein paar Tage in Perugia - weil es mir hier gefällt und weil das Wetter mich außerdem etwas ausbremst.

26 October 2018

Während es im römischen Amphitheater ( ist dir übrigens entgangen, lieber Goethe...) früher so richtig zur Sache ging, ist der Touristenkitsch heute allerdings eine ganz besonders perfide Art der Folter...
Und überhaupt ist Assisi ein schönes Städtchen...
Und auch die Kirche der heilgen Chiara, Freundin und Weggefährten von Francesco, ist sehenswert.
Schön fand ich hingegen die Fassade der Kathedrale di San Rufino.
Natürlich habe ich dann auch Goethes Objekt der Begierde besucht. „ (Ich) fragte einen hübschen Jungen nach der Maria della Minerva. Er ging mit mir und wir mussten die ganze Stadt hinaufsteigen die an einem Berge gebaut ist. ... und siehe das schöne alte Werk stand da. Das erste der alten Zeit das ich sah.“ Ich verschone die werten Leser jetzt vor weiteren Ausführungen des Meisters. ICH war jetzt nicht ganz so hingerissen, vielleicht aber auch, weil nur Google Maps und kein hübscher Junge mich geleitet hat...
Bei göttlicher Beleuchtung hab ich mir die Unterkirche, die Krypta und die Oberkirche angeschaut und heimlich- entgegen der lautstarken Bemerkung „no Foto!!!!“ - zwei Schnappschüsse gemacht...
„Il Gran Convento lies ich links liegen, sah des Heiligen Franziskus Grabstäte nicht ...“ Der werte Herr war wieder auf der Jagd nach der Antike, ich hab mir diese Orte jedoch nicht entgehen lassen.
Perfekt synkronisiert mit Goethe geht’s heute nach Assisi( sozusagen mit der modernen Postkutsche, dem Bus).

25 October 2018

Ich erreiche Perugia am selben Tag wie Goethe, am 25. Oktober! Bei meiner Freundin, bei der ich unterkomme, gibt es auch Verhaltensregeln bei Erdbeben. Ich hoffe mal, dass ich die nicht brauche und widme mich lieber dem Profanen.
Mein Reiseführer meint es diesmal besonders gut und führt mich über mehrere Hügel einmal um Perugia herum, bevor er mich endlich ankommen lässt. So lerne ich auch die Città della Domenica kennen - ich dachte, es sei eine Pilgereinrichtung, ist aber nur ein Freizeitpark 😂.
Ich genieße die Landschaft Umbriens auf dem Radweg Richtung Perugia, dessen Beschilderung sofort nach dem Foto verschwindet...
Und dann kommt Perugia immer näher.
... geht es schon bald wieder nach oben und der See verabschiedet sich majestätisch im Tal.
Nach Passignano...
Der Weg führt abseits der großen Straßen immer am See entlang.
Dann geht es weiter Richtung Perugia und vor mir liegt der LagoTrasimeno im Morgendunst. „Der See von Perugia ist ein schöner Anblick. Recht sehnlich wünsch ich mir jemanden von den meinigen an die Seite.“ - Da hat er einfach Recht, der Herr Goethe!
Ich nutze den Morgennebel für einen kleinen letzten Rundgang durch die mittelalterlichen Gässchen von Cortona.
Dafür entdecke ich eine Veranstaltung, die zwar wenig mit Goethe zu tun hat, aber prima zu MEINER Reise in die Vergangenheit passt.
Am Morgen ist das Tal verschwunden!

24 October 2018

Der Blick von oben ist herrlich und ganz hinten unten sieht man schon den Lago Trasimeno, da gehts morgen hin.
Aber dank meiner extrem resourcensparenden Fahrweise fehlte vorm Aufstieg nur ein Strich auf der Akkuladeanzeige!!! Kein Grund zur Panik also.
Cortona kam näher und näher.
Dann tat sich in der Ferne aber doch noch ein Berg auf und genau da (oben rechts) wollte ich hin.
Dann ging es weiter Richtung Cortona und eingedenk der Tour de Force gestern war ich eigentlich sehr dankbar, dass es einfach nur steigungsfrei ein Flüsschen entlang ging.
Petrarca hat hier übrigens auch gelebt, lieber Herr Goethe, aber mit der Kunst anderer hast du ja bekanntlich so deine Schwierigkeiten...
Hier wurden sogar Szenen von „Das Leben ist schön“ mit meinem Lieblingsschauspieler Roberto Benigni gedreht. Den hab ich in Arezzo, von wo er herkommt, übrigens vor Jahren mal live gesehen. Das war einmalig!!! Auf einem Fußballfeld war gefühlt ganz Arezzo von 1 -99 Jahren versammelt und Benigni hat einen grandiosen Abend geliefert, unvergesslich!!!
Die Stadt ist ganz wunderbar!
Nachdem mein lieber Goethe am 23. Oktober Florenz recht touristisch gestreift hat (Boboligärten, Dom und Baptitsterium - alles Orte, die ich ob der Massen gemieden habe) und mit der Bemerkung abspeist:“Von der Stadt sag ich nichts, die ist unzähligmal beschrieben“, hat er sich auch auf den Weg Richtung Arezzo gemacht. „Bey Arezzo that sich eine gar herrliche Plaine auf, wo ich über das gedachte Feld und die Arten es zu bebauen bemerke.“ Ja, das stimmt, ist aber nur eine Seite der Medaille. Aber da unser - nennen wir ihn hier bewusst Herr Möller - etwas engstirnig nur ein Auge für Ackerbau und Antike hat, ist ihm leider wieder mal ein mittelalterliches Kleinod durch die Lappen gegangen.
Dann ging es weiter Richtung Arezzo.
Die Besitzerin des B&B Vecchia Quercia in Pergine Valdarno war so begeistert von meinem Rad, dass sie vor der Abfahrt noch ein Fotoshootings machen musste.

23 October 2018

Im taghellen Restaurant Cacciatore, umgeben von ausschließlich illustren Herren.
Aber ich wäre nicht ich, wenn ich mich nicht nach einer kurzen Erholungspause und einer langen Dusche mit DIESEM Menü belohnt hätte! Und alles für nur 15 Euro 🎉
Bei diesem Schild dachte ich noch „Glück gehabt“... Schnee gab es zwar danach keinen, allerdings war heute zum ersten Mal mein Akku leer, lange bevor ich an meiner Unterkunft war 😱. Da hieß es dann strampeln,bis der Arzt kommt. Und da er nicht kam; schieben, schieben, schieben... Deshalb gibt es keine tollen Bilder von dem Sonnenuntergang mit gleichzeitigem Vollmond 😭. Man merke sich: die toskanischen Hügel werden gerne unterschätzt!!!
Und wieder eine neue Weinsorte, durch die der Weg mich führt.
Der Radreiseführer ist wirklich Gold wert, auch wenn er mich manchmal über etwas holprige Wege führt.
Ich fahre durch eine echte Bilderbuchlandschaft.
Es gibt übrigens auch das andere Florenz...!
Noch einen Cappuccino am Ufer des Arno und dann liegt Florenz auch schon hinter mir.

22 October 2018

Das Konzert war klasse, die Örtlichkeit auch! Vom ersten Stück, das eine Premiere war, war sogar der Komponist da! Das Publikum war aber teilweise ein bisschen nervig: kniegetatsche, handygedaddel, Bonbonpapiergeknister ... Dabei war es gar kein gratis Konzert, seltsam!
Schließlich war ich noch im Museum für Moderne Kunst. Alles in Allem ein gelungener Tag, finde ich. Heute Abend gehe ich noch auf einKonzert in Santa Croce und dann sage ich ciao ciao Florenz.
Auch das Gebäude ist wunderschön und vom Café oben hat man einen tollen Blick auf Florenz.
Besonders anrührend fand ich aber zum einen die Sammlung dieser Beigaben, die die Mütter ihren abgegebenen Kindern mitgegeben haben (z.B. Halbe Münzen), um sie später vielleicht wieder identifizieren und zu sich holen zu können und zum anderen die Filmaufnahmen von betroffenen Menschen, die über ihre Verwandten oder ihre eigene Adoption berichten.
Die Ausstellung hat mich sehr beeindruckt. Sie zeigt zum einen die Geschichte dieses Kinderheims von seinen Anfängen bis ins 20. Jahrhundert. Da gibt es zum Beispiel dieses eher ungewöhnliche Marienbild, auf dem diese nicht selig mit dem kleinen Jesus, sondern als Beschützerin der ausgesetzten Kinder dargestellt wird.
...komme ich auf diesen schönen und vor allem beinahe menschenleeren Platz. Hier befindet sich das Ospedale degli Innocenti, eine Art Auffangstation für ausgesetzte Kinder seit dem 15. Jahrhundert.
Nach einem kurzen Besuch in der Kirche Santa Maria Maddalena dei Pazzi (heiligen Maria Magdalena der Verrückten)...
Er liegt mitten auf einer Verkehrsinsel und ist doch trotzdem ganz verwunschen. Dort liegen vor allem protestantische Engländer und Amerikaner aus dem 19. und 20. Jahrhundert begraben. Die durften anscheinend nicht auf den katholischen Friedhof... Unter ihnen befinden sich für Engländer und Amerikaner sicherlich bekannte Schriftsteller etc. - ich habe jedoch keinen von ihnen gekannt.
Ich habe beschlossen, den heutigen Tag in Florenz unter das Motto „Orte, die man sonst in Florenz nicht (zwingend) besucht“ zu stellen. Ein erster solche Ort ist der Englische Friedhof.

21 October 2018

Morgen haben in Florenz alle Museen zu. Vielleicht ist es dann nicht ganz so voll...
Immerhin habe ich nach längerem Suchen eine ziemlich normale Bar gefunden, in der der Aperol nicht 8, sondern nur 4 Euro kostet.
Ich hatte die naive Vorstellung, dass ich vielleicht gegen Ende der Öffnungszeiten noch in die Uffizien gehen könnte, da kann Giotto von seinem Sockel nur milde lächeln: 2,5 Stunden Wartezeit.
Florenz ist, was die Touristenmassen angeht, fast noch schrecklicher als ich es in Erinnerung hatte.
Heute spielt Florenz gegen Cagliari, das Spiel geht 1:1 aus und 2 Florentiner gehen mit Kopfverband vom Feld, spielen die Partie aber bis zum Schluss mit, da werden keine Gefangenen gemacht...
Eigentlich bin ich ja auf Goethes Spuren unterwegs, allerdings entwickelt sich die Reise im Moment gerade auch als eine in meine eigene Vergangenheit. Die Jugendherberge, in der ich die nächsten beiden Nächte verbringe, ist mir wohlbekannt: hier war ich 1984 auf Klassenfahrt. Es hat sich hier wenig verändert, außer dass die beiden Eingänge zu den Schlafbereichen nicht mehr ausdrücklich nach Geschlechtern getrennt sind. Die roten Stockbetten gibt es aber immer noch...
Wenn man ganz genau hinschaut, sieht man am Ende der Straße schon Florenz!
Auf dem kleinen Platz vor der Kirche ist ein recht hässlicher Flohmarkt und für einen Cappuccino im angrenzenden Café hat man einen guten Blick auf das römische Amphitheater, ohne Eintritt bezahlen zu müssen.
Dann liegt Fiesole vor mir.
Diese Steigung zwischen Casini und Polcanto, die nur wenige Kilometer lang ist, ist schlimmer als die gesamte gestrige Strecke und bringt mich wirklich an meine Grenzen, verrückt! Allerdings werde ich am Ende mit einem göttlichen Blick belohnt.
Es ist alles noch in einen feinen Morgendunst gehüllt.
Während Goethe am 20. Oktober noch in Bologna weilt und den Appenin noch vor sich hat, wo er in „einem elenden Wirths Hause in Gesellschaft eines wackern päpstlichen Offizirs der nach Perugia seiner Vaterstadt geht, eines Engländers mit seiner sogenannten Schwester“ übernachten wird, breche ich heute morgen aus meiner wunderschönen Unterkunft in Richtung Florenz auf.

20 October 2018

Zur Belohnung gab‘s Tortelli al ragu, eine Spezialität der Gegend: mit Kartoffeln gefüllte Teigtaschen mit Hackfleischsauce, ein Traum.
Danach kam aber die Belohnung: 600 Höhenmeter bergab. Berge sind definitive Glücksspender beim Radfahren!!!
Insgesamt 900 Höhenmeter vom Morgen bis zum Passo della Colla!
Und dann ging es munter bergauf!
Noch eine kleine Verschnauf- und Trinkpause in Crespino del Lamone. Das Essen sah hier auch super lecker aus, wäre aber vor dem bevorstehenden Pass keine gute Idee gewesen.
Hinter Brisighella ging es dann langsam aber stetig bergauf. Heute sollte der Appenin bezwungen werden!
Es gibt dort innerhalb der Häuser einen sogenannten Eselsweg. Da wurde wohl wirklich auf Eseln Kalk entlangtransportiert.
Meine erste Etappe heute war Brisighella. Hier waren wir ziemlich genau vor 18!!! Jahren im ersten Urlaub mit der klitzekleinen Lioba. Auf dem Weg dorthin hatte ich ein rechtes Gefühlsbad, dort angekommen war’s einfach schön.

19 October 2018

Auch heute habe ich wieder eine wunderbare Unterkunft. Die Besitzerin hat mir ein riesiges und superzartes Rindersteak gebraten und gemeinsam haben wir den Monteur mit der mitreisenden Geliebten (Eheringcheck...) beäugt, der sich etwas verschämt ebenfalls im versteckten Agriturismo einquartiert hat. Es wird einfach nie langweilig!
Und als hätte die Landschaft meine Kritik vernommen, wurde sie gleich danach viel schöner. (Vielleicht hatte ich vorher aber auch nur einen zu niedrigen Blutzucker...)
Deshalb musste ich mich in Faenza mit einer amtlichen heißen Schokolade mit Sahne trösten.
Und dann wurde es auch landschaftlich nicht mehr so schön...
Kein schöner Ort ist dieser für die ewige Ruhe...
Hinter Ravenna gab es zunächst noch einige nette Orte.
Ich nicht!!!
Auch Lord Byron hat Ravenna einen Besuch abgestattet. Mein lieber Goethe, da ist dir wirklich etwas entgangen! Da dein Blick so streng und vielleicht auch engstirnig allein auf die Antike gerichtet war, hast du leider die wunderbaren byzantinischen Mosaiken verpasst.

18 October 2018

Letztendlich ruht er heut hier und es wird um respektvolle Ruhe gebeten - das lesen aber wohl auch nur die Tedeschi...
Goethe hat sich in Ravenna nicht blicken lassen - eine Schande, wenn man bedenkt, dass der ITALIENISCHE Dichterfürst hier begraben ist! Das Grab ausfindig zu machen ist allerdings gar nicht so leicht. Unter diesem Haufen waren seine Knochen am Ende des zweiten Weltkriegs verscharrt. „Wegen der Tedeschi“ raunt ein Besucher seiner Frau zu...
In Ravenna muss ich mich zwar endgültig vom Meer verabschieden, werde aber mit einer wunderschönen Unterkunft belohnt!
Auch ein interessanter Name für eine Bierkneipe...
Das Überqueren der Kanäle in den Küstenstädten vor Ravenna ist nicht immer einfach...
Und dann sind da unzählige Flamingos!!!!
Hier stehen sogar die Kühe im Wasser.
Mein Weg führt mich heute vor allem entlang dieser riesigen Lagune. Ich treffe fast keinen Menschen, dafür alle Arten von Vögeln und habe manchmal das Gefühl, ich fahre ins offene Meer - großartig!
Ich frühstücke hier mit meiner üblichen Morgencrew im Café del Ragno, das früher der Kornspeicher Comacchios war. Seit Wochen treffe ich morgens immer die gleiche Gruppe Menschen: Alte und Mütter mit Kindern... Auch eine neue und interessante Erfahrung, wenn man sonst zu dieser Zeit seinem täglichen Broterwerb nachgeht.
Comacchio ist eine wunderbare kleine Stadt, die wieder sehr an Venedig erinnert.
Am Morgen geht es weiter Richtung Comacchio. Meine schlaue Radstreckenbibel hat nicht nur tolle Karten, sondern auch hilfreiche landeskundliche Hinweise zu bieten: Die spezielle Form der Fischzucht, die hier bereits seit dem 11. Jahrhundert betrieben wird, nennt sich Vallicoltura. Die Jungfische werden dabei während ihrer Wanderung von der Adria in die Lagune abgefischt.

17 October 2018

Aber jetzt sitze ich in meinem putzigen Zimmer im B&B in Porto Garibaldi - versorgt mit Video Tipps vom netten Pizzabäcker nebenan, der mir einen gefühlt einstündigen Vortrag über die Korruption in Italien gehalten hat. Was für ein Tag...
Und für einen Moment war ich mir nicht mehr ganz sicher, ob ich eventuell aus Versehen am schwarzen Meer gelandet war...
Hotel und Straßenname passen irgendwie gut zusammen.
Das Strandbad in Lido Delle Nazioni hat bestimmt schon bessere Tage gesehen.
... und danach am Meer DER einfach so herum.
Im Wald stehen zuerst die...
Weiter geht der Weg danach auf einem Damm zwischen dem Meer und einem wilden Kiefern- und Eichenwald.
Man sieht sich ja bekanntlich immer zwei Mal im Leben. Manchmal muss man da gar nicht lange warten. Am Ende des Damms liegt das kleine Strandrestaurant von Cinzia, der Frau von gestern Abend. Sie sitzt drin und lädt mich zu einem super leckeren Mittagessen ein. Manchmal passieren Dinge wie im Film.
Die Strecke ist wirklich wunderschön, auch bei grauem Himmel. Und am Ende wartet eine Überraschung!
Dieses Gewässer nennt sich übrigens “Po morto “ = Gestorbener oder toter Po. Ein Gefühl, das ich kenne.
Mein Weg führt mich heute zum ersten Mal in Regenklamotten am Po entlang Richtung Goro, wo es - zumindest wenn man der Anzeigetafel glaubt - von Promis nur so wimmelt. Die Strecke war ein Tipp meiner gestrigen Abendbekanntschaft.
Für alle, die sich nach diesem Sommer nicht mehr so genau erinnern: So sieht Regen aus...

16 October 2018

Das ist übrigens meine neue Radfahrbibel! Man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben (ist übrigens, wie ich gegoogelt habe, ein autorenfreies Sprichwort), aber ich bin heute auf kleinsten Nebenstraßen problemlos von Chioggia bis hierher gelangt. Auf den Karten ist jede kleinste Abzweigung vermerkt! Nach dem Italia2- Disaster habe ich daher beschlossen, den Reiseverlauf ab jetzt bei Bedarf „frei nach Goethe“ zu gestalten - ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel alter Knabe...
Und in Santa Giustina (schon wieder eine Justine...) angekommen, verbringe ich nun in einer menschenleeren Jugendherberge den Abend entspannt mit Bestellpizza und meinen beiden Mitbewohnerinnen: einer Frau aus dem Nachbarort, die mal ne Pause vom Ehemann braucht, und ihrer Tochter... (Kleiner Nachtrag: besser als gestern, da hatte ich im Nachbarzimmer eine psychisch derangierte Dame, die abwechselnd geweint und „non toccare“ geschimpft hat)
Ich wurde aber danach mit einer langen und entspannten Fahrt am Po und seinen Nebenarmen entlang belohnt.
Um wenig später den Po zu überqueren, musste ich mich kurzzeitig auf eine Art zweispurige Autobahn begeben und habe kurz aber heftig um mein Leben gefürchtet. Wenig hilfreich war dabei ein Alfafahrer, der mich fuchtelnd und hupend darauf hinweisen wollte, dass ich seiner Meinung nach nicht auf diese Straße gehörte - ich hätte gerne auch ein Floß als Alternative gewählt, wenn es eines gegeben hätte...
Nach 45 Kilometern bin ich in Adria, ein Städtchen, das dem Meer davor einmal den Namen gegeben hat. Heute ist es jedoch eher belanglos, war für meinen Allerwertesten aber eine willkommene Erholung...
Es geht aber dennoch ganz gesittet zu, auch wenn kein Auto weit und breit zu sehen ist, warte ich brav auf grün.
Venedig im Rücken geht es heute wieder auf‘s Rad, und zwar richtig. Um es vorwegzunehmen: 95 Kilometer. Zunächst führt der Weg einen kleinen Kanal entlang -Canale di Valle.

15 October 2018

Meine heutige Etappe war recht kurz (37 km zum Eingewöhnen) und endet in Sottomarina, das mich ein bisschen an die Italienurlaube meiner Kindheit erinnert.
Die dritte und letzte Insel heißt Chioggia und wird zurecht auch klein Venedig genannt, nur dass es hier weder Japaner, noch Amerikaner oder Russen gibt.
Pellestrina ist ein schmaler Inselstreifen, der immer noch vorwiegend vom Fischfang lebt - wie gemalt und so ganz anders als das wimmelige Venedig.
Beim Übersetzen nach Pellestrina treffe ich auf weitere einzigartige Transporte.
Und dann läuft mir der Geheimrat an der südlichen Lidospitze doch wieder mal zufällig über den Weg, die Gegend hätte ihm gefallen - so nah am Golfplatz von Venedig.
Am Lido entlang zeigt sich ein ganz anderes Bild der Lagune.
Das war nicht der letzte venezianische Spezialtransport...
Heute habe ich endgültig Abschied genommen von Venedig. Ab jetzt geht es wieder aufs Rad Richtung Rom.

13 October 2018

Und ganz zum Schluss haben wir uns noch eine göttliche Gianduia gegönnt, Nougateis mit Nüssen und gaaanz viel Sahne.
Punta della Dogana „Dancing with myself“: Nach all den Palladios, Veroneses, Tintorettos und Co. ist es herrlich, das Auge mal mit moderner Kunst zu verwöhnen, auch wenn die Performance von Prince und ? Nicht ganz so überzeugend war - irgendwie ein bisschen wie endloses Standbildbauen im Deutschunterricht. (Jetzt klinge ich schon wie Goethe...).

12 October 2018

Goethe hat in Venedig fast jeden Abend ein Theaterstück oder eine Oper besucht. Das lassen wir uns natürlich auch nicht entgehen und krönen den Tag mit einem abendlichen Besuch im „La Fenice“. Und wie so oft auf dieser Reise passt irgendwie alles besser zusammen als man es im Vorfeld hätte planen können. Die Sopranistin Margriet Buchberger singt Lieder von Liszt und Wagner. Textgrundlage bei Liszt sind unter andrem Gedicht von Goethe wie „Es war ein König in Thule“...
„Als dann war ich in dem Judenquartier und anderen Ecken und Enden.“ Wir auch. Was Goethe nicht erwähnt oder vielleicht auch nicht weiß: nach diesem Quartier, was Ghetto hieß, wurden alle anderen Ghettos benannt.
Und Gondel sind wir auch gefahren! Nicht für 200 sondern für 2 Euro - gewusst wie...!
Zur Abwechslung mache ich dann mal etwas ganz anderes und lasse mir spontan die Haare abschneiden.
Natürlich gehen wir auch in die Scuola di St. Rocco und prüfen dass Urteil des Weimarer Meister über Tintoretto. „Hier sind auch große Figuren, trefflich gewählt und die Stücke gut gedacht; aber die Gemählde würden alle mehr Reitz haben wenn sie kleiner wären... er hat sie nur nach dem Maßstäbe vergrößert, ohne ihre innerliche Natur vergrößern zu können.“ Na ja, zumindest heute gelten die Gemälde als Höhepunkte des Schaffens Tintorettos. Der Kommentar einer befreundeten Schriftstellerin zu Goethes ewigem Gekritel war , sie könne Künstler nicht ausstehen, die andere Künstler nur kleinreden...
Ein kleines zweites Frühstück erweist sich als Offenbarung!
Da halten wir es doch lieber mit der anderen Leidenschaft Goethes, nämlich einfach durch die Gasen zu schlendern und sich von den Ecken und Winkeln der Stadt und von ihren Menschen überraschen zu lassen.
Am Morgen besuchen wir die Kirche Santa Maria der Jesuiten ganz in der Nähe unseres Hotels - neugierig, was Goethe dort wohl gesehen haben mag. „Muntere Gemälde vonTiepolo. An den Deckenstücken sieht man an einigen liebenswürdigen Heiligen mehr als die Waden,...“ Trotz intensiven Suchens haben wir außer ein paar leichtbekleideten männlichen Oberkörpern nichts entdecken können. Da hätte Goethe in Vicenza mal genauer hinsehen sollen (Bild 2), da war wirklich einiges zu sehen!!

11 October 2018

Wir beschließen den Abend ganz im goetheschen Stil, denn wie sagt er so schön über den lido: „Es wird der Dindenfisch hier viel gegeßen, ich habe mir von der schwarzen Feuchtigkeit geben laßen und will ihrer noch mehr nehmen.“
Die vielen Muscheln gibt es hier schon mindestens seit Goethe, er hat sie selbst für Frau von Stein gesammelt. Das Filmfestival und das mondäne Hotel hätten ihn sicherlich auch interessiert...
Wunderbare Retro-Strandanlage, ein bisschen so als wäre eine Raumstation mit Aussichtsmast am Strand gelandet.
Genug der Kultur, Kirsten und ich fahren für den Rest des Tages auf den Lido, hat Goethe mit seinem „alten Schutzgeiste“ ,einem Angestellten, Der für ihn in Venedig alles managt, auch gemacht.
„ Inwendig ist St. Redentor auch ganz köstlich.“ Da sagt Frau Eberhard jetzt mal: „Na ja, da hab ich schon Dolleres gesehen...“
Und wer hat wohl diese Kirche gebaut? Na!? Genau, Palladio. Hier ist unser Geheimrat voll des Lobes:“ Ein schönes groses Werk. Die facade viel liebenswürdiger als die von St. Giorgio.“
Das Schöne an Venedig ist, dass zwischen all den Sehenswürdigkeiten auch immer (fast) ganz normales Leben passiert.
Immerhin ist er mit den Pferden gnädiger. „Treffliche Gestalten!“
Unten auf dem Markusplatz wurden derweil bei scheppernder italienischer Nationalhymne vom Band die neuenStadtpolizisten vereidigt.
Heute geht’s ins Innere des Markusdoms. Wir sind so früh, dass man sogar noch in Ruhe schauen kann. Über das Fotografierverbot setze ich mich mal großzügig hinweg. Die Mosaiken sind unfassbar schön. Goethe ist in seinem Urteil eher zurückhaltend. „Bunte Figuren auf goldenem Gründe alles Mosaische Arbeiten. Einige sind recht gut, andre gering. ... vierecktge Stückgen Glas, und hier nicht einmal auf die sauberste Weise...“ Na, Herr Goethe, da sind wir wohl ein bisschen banausenhaft!

10 October 2018

Der Kontext ist allerdings streitbar, denn die Restaurierung war so kostspielig, dass sie nur durch Investoren möglich war, die das Innere in einen Hochpreis-Konsumtempel umgestalteten. Handelsvertretung des Globalkapitalismus oder so ähnlich ...
Es gibt auf dem Fondaco dei Tedeschi, der alten deutschen Handelsniederlassung in Venedig, seit neustem eine Terrasse mit einem großartigen Blick auf Venedig
Die ersten Eindrücke Goethes stammen vom Markusplatz und vom Canale grande. „Wie dem großen Canal wohl keine Strase in der Welt sich vergleichen; so kann dem Raume vor dem Markus Platz wohl auch nichts an die Seite gesetzt werden.“ Sehr amüsant ist seine Assozistion zur „Markus Kirche“: „ich pflege mir die Facade zum Scherz als einen kolossalen Taschenkrebs zu dencken.“ würde der mal bloß das ganze Gewürme zu seinen Füßen verschlingen ...
Damals wie heute nähert sich der Tourist anscheinend auf den gleiche Wegen der wunderbaren Stadt Venedig.

9 October 2018

Ich bin zurück! Nach dem schönsten Landeanflug, den ich jemals erlebt habe, geht die Reise weiter. Ich gönne mir die Fahrt vom Flughafen nach Venedig stilgerecht im Wasserbus und bin auch gleich wieder im Thema, denn „Ohnfern Venedig nahm ich mit noch einem eine Gondel und wir fuhren herein. Es ist groser respecktabler Anblick.“ Wohl wahr werter Herr Goethe!!

30 September 2018

Ich bin jetzt mal ein paar Tage weg. Am 10.10. geht die Goethetour in Venedig weiter.

29 September 2018

Ich beende den Abend im schönsten Kino, das ich je gesehen habe. Mit einem Film, der mich beeindruckt : „Girl“.
Und dann wird auch noch die Fassade illuminiert und alle Motive der vergangenen Tage tauchen wieder auf: Palladio, der zweite Weltkrieg...
Am späten Nachmittag bin ich wieder in Vicenza, auf der Terrasse der Basilica sieht man heute sogar die Berge. Unten tobt ein Fest mit Livemusik, von dem mir niemand sagen kann, was sein Anlass ist.
Wer weiß, was das für eine Pflanze ist? Sie sieht aus wie Mais, hat aber keine Maiskolben, sondern diese traubenartigen Blüten oder Früchte obendrauf.
Ich glaube, ich habe einen der Gründe gefunden, warum gelegentlich noch nicht einmal kleine Pfeile an Pfosten den richtigen Weg weisen: Es sind diese in der Gegend extrem beliebten Hochzeitsanzeigen, die gerne an Verkehrsschildern angebracht werden. Da sind kleine Pfeile eher zweitrangig.
Auch eine interessante Straßenführung...
Italia 2 und ich haben so eine Art On-off-Beziehung: wir verlieren uns und finden uns wieder und immer wenn ich denke, ich hasse dich, werde ich mit wunderschönen Orten versöhnt.
Der Besuch im Fahrradfachhandel ist diesmal freiwillig, die Bremsblöcke müssen erneuert werden.
Dann geht es wieder auf die Suche nach dem ominösen Radweg Italia 2, nicht immer auf den schönsten Straßen Italiens und nur mit Google Maps wirklich machbar.
Am Wegesrand noch ein Palladio.
... und einem letzten Blick auf die Stadt Bassano del Grappa mache ich mich auf den Rückweg nach Vicenza. An der Brücke befindet sich ein Hinweis auf den zweiten Weltkrieg. Ich wusste nicht, dass so viele Orte und Kulturstätten dieser Gegend bombardiert wurden. Zudem hat die SS hier 1944 auf brutale Weise den Widerstand gegen die deutsche Besatzung niedergeschlagen, indem sie 31 Jugendliche und junge Männer von Angehörigen der faschistischen Jugend an Telefonkabeln an den Bäumen dreier Straßen aufhängen ließ. Ein schreckliches Bild, das mich sehr erschüttert.
Nach einem Besuch der Brücke von - na, von wem? - Palladio...

28 September 2018

Die Herberge ist speziell, das Abendessen wie immer ein Treffer! Jetzt liege ich im gemischten Schlafsaal und hoffe, dass mein osteuropäischer Mitbewohner bald seine Beziehungsprobleme am Telefon gelöst haben wird. Würde ich seiner Sprache mächtig sein, würde ich der Frau am Telefon zurufen: vergiss den Brummkopf! Gute Nacht!
Mein heutiges Ziel ist Bassano del Grappa.
Schließlich werde ich nach einer heftigen Bergetappe mit einem grandiosen Ausblick und dem malerischen Städtchen Asolo belohnt.
Ist aber nicht immer von Nachteil, so komme ich zum Beispiel an einer weiteren Palladiovilla vorbei, der Villa Maser.
... der Münchenradweg aber leider abhanden und ich fahre kilometerweit in die falsche Richtung - immer auf der Suche nach dem doofen Italia 2.
Die Berge kommen näher...
Und für eine Weile kann ich dem Radweg Venezia München folgen, eine sehr entspannte Geschichte, denn im Gegensatz zu Italia 2 gibt es da alle 100 Meter ein Schild.
Ich mache mich auf den Weg nach Bassano und plötzlich sind da Berge.
Es gibt sogar moderne Kunst, eine angenehme Abwechslung!
Treviso ist sehr schön, bisher kannte ich hier nur den Flughafen...

27 September 2018

Und schließlich eine allerliebste Schlafstätte vor den Toren von Treviso mit lecker Restaurant um die Ecke und Einzelzimmer - alles wieder gut!
Es gibt auch ein bisschen Industrieromantik und sogar einen Bootsfriedhof.
Aber schließlich werde ich mit einem wunderschönen Radweg entlang dem Fluß Sile belohnt.
Und prompt tauchen die Radwegschilder NACH Mestre wieder auf, dafür wird’s jetzt ziemlich langweilig gerade...
Der Bosco di Mestre lässt den Horror di Mestre, den ich hier hinter mir habe, nicht erahnen! Auf einen Schlag waren alle Radwegschilder verschwunden, nix, noch nicht mal die klitzekleinen Pfeile auf Laternenpfosten! Dafür Lastwagen, Straßenbahnschienen, Radwege die auf 4-spurigen Verkehrsinseln enden, handyverblödete Schülerhorden die gar nix mehr wahrnehmen...
Der Extraumweg zur Villa Foscari hat sich allerdings nicht gelohnt, sie war geschlossen und quasi unsichtbar. Nomen erst Omen könnte man meinen, sie heißt nämlich auch „la Malcontenta“ - die Unzufriedene...
Sehr hübsch ist das Städtchen Dolo.
Da stellt sich die Frage, ob die gegenüberliegende Brasserie diese historischen Ereignisse irgendwie miteinander zu verbinden trachtet...?
Diese hier heißt Villa Pisani und hat eine recht bewegte Geschichte hinter sich. Wie Vieles hier in der Gegend wurde sie von Napoleon in Besitz genommen, er hat aber nur einmal darin übernachtet und wohl behauptet.“Für einen Grafen zu groß, für einen König zu klein“ - Angeber... Ein weiterer, nicht sonderlich glorreicher historischer Meilenstein ist der, dass Mussolini und Hitler hier zum ersten Mal zusammenkamen.
Heute ist endlich wieder ein rechter Radfahrtag. Um es für die Statistik vorwegzunehmen: 106 Kilometer. der Weg führt zunächst entlang der Brenta und später an dem/der Sile entlang von Padua bis Treviso und ist gesäumt von unzähligen venezianischen Villen.

26 September 2018

Und ganz zum Schluss war ich noch zum Abendessen in der Pizzeria Clipper 63, eine echte Entdeckung aus der Not heraus, dass das Hostel ein wenig abseits liegt. Ich hatte das Gefühl, in die 90er zurückkatapultiert worden zu sein. Und dem nicht genug war heute Abend auch noch der mexikanische Abend, den es hier jeden Mittwoch gibt, weil der Chef mal in Mexiko war. Ein würdiger Abschluss würde ich sagen ...
Zum Abschluss war ich nochmal auf dem wunderschönen Platz Prato della Valle.