Nepal, Indonesia, Vietnam · 109 Days · 48 Moments · March 2018

Asiatische Winde


30 June 2018

B a c s o n Sie lässt sich kaum vermeiden. Die leichte Reizüberflutung, die Phase, in der man sich an die Umstände des neuen Landes gewöhnen muss. Eine fremde Sprache, eine neue Währung, eine andere Mentalität, wandelnde Landschaften oder ein neues Klima. Mal braucht es Stunden, mal Tage, mal Wochen. Doch hat man sich einmal drauf eingelassen, beginnt man die Schönheit eines Landes in jedem Detail zu sehen. Ich schließe meine Augen und sehe sie erneut: die Friedlichkeit des Nebels. die aufgehende Sonne, die behutsam Leben ins Tal haucht. die imposanten Zipfelmützenberge. der glitzernde Morgentau. das saftige Grün der Reisfelder. die schwerelos vorbeifliegenden Insekten. die Feinheit ihrer Flügel. der surreale Seerosenteich. die tiefe Zufriedenheit, die von den Menschen ausgestrahlt wird. in diesem unscheinbaren Tal im Norden Vietnams. und ich realisieresiere: man sollte viel öfter Abstand von seinen Sorgen und Gedanken nehmen. Die Augen öffnen. Und im hier und jetzt leben. -f
g r e i f s w a l d Ich sitze in einer totenstillen Bibliothek und Abendlicht scheint schräg durch die großen Fenster. Seit zwei Stunden bin ich so vertieft in meine Aufgaben, dass ich kaum den Wandel der Schatten um mich herum bemerkt habe. Wie schnell sich Dinge doch wandeln können. Vor guten zwei Monaten noch war ich mit Kopf und Körper immer genau, wo ich war - das Reisen fehlt mir ...„kling“ Friedis Augen leuchteten vor mir auf als die Tassen zusammenschlugen. Die Großmutter lachte begeistert. Oh ihr Lachen es klang über unser kling hinweg und erwärmte unsere Herzen. Zwei Nächte blieben wir in dem vietnamesischen Dorf - schliefen bei ihr, tranken nachmittags Tee und bekamen heimlich BonBons zugesteckt. Vielleicht verbrachten wir unsere Tage mit nichts sinnvollem, nichts zukunftsorientiertem, aber wir sahen und schmeckten und lachten.. Jetzt,hier, fühlt sich der Gedanke an die Großmutter wie ein Zufluchtsort an. Ich denke, wir werden weiterschreiben und in Erinnerungen reisen. -sw
(2) r a m b u t a n In harter Schale die süße Frucht. In einer Pause auf einer sonnigen Wiese fernab von Dorf und Stadt, nur ein kleiner Hof uns gegenüber, schenken uns die Farmer Rambutan. Erschöpft von der Fahrt, ein vibrierender Po, liegen wir im Gras. Der Mann fährt die Einfahrt hinab, einen umgedrehten Helm in der Hand, und schüttet die Früchte in unsere überrascht ausgestreckten Hände Rast davon, schneller als Bedanken möglich wäre und wir öffnen die Frucht. Die süße Frucht in harter Schale. Klebrige Kerne klammern sich an Fingerspitzen. -s
(1) a n a n a s Sie eignet sich als Frühstück, Mittag oder als Snack für zwischendurch. Die Ananas. Raffiniert geschnitzt, wird sie in Vietnam an jeder Straßenecke verkauft. Der beste Weg des Verzehrs ist folgendermaßen: man kaufe sich eine ganze Ananas, halte sie am grünen Strunks fest und beiße genüsslich hinein. Diese Prozedur wird bis zum letzten Bissen fortgeführt. Oder bis das prickeln auf der Zunge zu einem unerträglichen brennen ausartet.Dann darf die Ananas gerne an mich weitergereicht werden. Im besten Falle werden Kinn, Wangen, Hals, Nase und Hände im Nachhinein mit einem Erfrischungstuch gereinigt, das der vorausschauende Flo bei der letzten Busfahrt mitgehen lassen hat. Besonders geeignet ist dieser Snack auf Motorradtouren. Am Straßenrand sitzend, schmeckt die Ananas gleich doppelt so aromatisch. Ein letzter Tipp zum Schluss: je untouristischer die Destination und schäbiger der Markt, desto günstiger ist der Spaß zu haben. Lust geweckt, auf eine Ananas am Strunks? -f

29 June 2018

i n h a l t // wenn der scooter einmal hält Zu viert rasten wir über die Straßen des Nordens. Starteten in Hanoi und endeten in der grünen Hauptstadt. Der kleine rote Scooter trug Friedi, mich und den übergewichtigen Fjällräven Rucksack quer durchs Land, zeigte uns ein verstecktes Vietnam, das man nie mit einem Touristenbus entdecken könnten. Dies sind die Momente, wenn der Scooter einmal hielt.
c à p h ê s ữ a đ á Ich schließe die Augen. Feinster Kaffeegeruch durchströmt meine Nase. In der Ferne höre ich Menschen, die sich angeregt unterhalten und wenn ich ganz genau lausche, ein leises Tropfen. Ich öffne die Augen wieder und beobachte die ausgetüftelte Konstruktion vor mir. Ein kleines Glas, dessen Boden bedeckt von Konsensmilch ist. Auf dem Glas stehend, ein silberfarbener Kaffeefilter, durch den tiefschwarzer Kaffee rinnt. Das Tropfen wird langsamer und stoppt schließlich vollkommen. Ich nehme den Filter vom Glas und Fülle es bis zum Rand mit Eiswürfeln. Mit einem verzierten Löffel wirble ich die Milch auf und setzte das Glas an meine Lippen. Ein kühles und samtiges Gefühl macht sich breit und rinnt meine Kehle runter. Was bleibt ist ein intensiver Röstgeschmack, eine milde süße und eine nussig-schokoladige Nuance. Wer hätte es gedacht, aber Vietnam hat es geschafft. Ich trinke Kaffee. -f

28 June 2018

Liebstes Hanoi, es brauchte nicht lange, um dich ins Herz zu schließen. Vom ersten Tag an hast du uns mit offenen Armen empfangen. Mit deinen kunterbunten Märkten, dem alten Stadtkern und bestem Essen hast du uns in den Bann gezogen. Du bist eine quirlige Stadt, voll mit Menschen, auf deren Haupt ein kegelförmiger Strohhut sitzt. Die einem nach kurzer Skepsis das herzlichste Lächeln zuwerfen, das man je gesehen hat. Eine Stadt, mit engen Gassen, verrücktem Verkehr und gleichzeitig grünt und blüht es auf jedem Balkon, an jeder Straße und in jeder Steinspalte. Es scheint mir, als würden Großstadt und Natur in dir ein gutes Gleichgewicht gefunden haben. Es war mir eine Freude durch deine nach Handwerk orientierten Straßen zu schlendern. Metallwaren. Kleidung. Gewürze. Obst und Gemüse. Cafés. Oh, vor allem deine Cafés waren herzallerliebst. Hanoi, es ist mir eine Ehre, dich kennengelernt zu haben. Ich hoffe, man sieht sich eines Tages wieder. Bis dahin liebste Grüße -f

25 June 2018

s t u d e n t e n l e b e n Tiefe blaue Augenringe liegen schwer auf unseren Wangenknochen. Wir bräuchten so dringend eine durchgeschlafene Nacht. Doch direkt nach unserem Flug nach Hanoi kommen wir in einer Unterkunft an, deren Definition von Betten arg von unserer abweicht. Es handelt sich um ein Studentenwohnheim, das -mit dem Versprechen, mit den Studenten Englisch zu üben- noch ein paar metallene Hochbetten, belegt mit hauchdünnen Bambusmatten, für uns frei hat. Neben diesen 8er Schlafzimmern steckt das ganze Haus voll mit einem Kuddelmuddel aus Sprache, Herzlichkeit und anhaltenden Essensgerüchen. Wir werden mit in ihre Stammlokale, auf Sportplätze und Dächer genommen. Schon wieder tragen uns Fremde fraglos auf Händen...so verlassen wir zwar vier Tage später das Haus mit noch tieferen Augenringen, aber dankbar für diesen einzigartigen Einstieg in das Land. (tatsächlich stammt das meiste Bildmaterial aus dieser Zeit von ihren Facebookposts, ob es uns lieb ist oder nicht) -s

17 June 2018

d e t a i l s Der Urwald übte schon immer eine gewisse Faszination auf mich aus. Früher waren es Bücher, die Geschichten über riesige Blätter erzählten, dann waren es Träumereien -ich, über ein Mikroskop gebeugt eben diese Hülle und Fülle erforschend - und zu guter letzt war es ein Gespräch mit Rico („du weißt aber schon, dass auch Asien viel Regenwald trägt?“) und das folgende Buchen des ersten Flugtickets. Hier nun auf Borneo, in unseren letzten Tagen Indonesiens, kann ich ein Stück der Swantje ausleben, die ich mir früher gewünscht habe zu sein. Stunden kann ich zwischen Bäumen stehen bleiben und ihre Details fotografieren. In minutenschnellen Skizzen Tiere festhalten. Dann kehren wir immer wieder auf den kleinen Flussdampfer zurück und ich beginne alles zu sortieren. Nur vier Tage fahren wir den Sekonyer River hinab. Doch diese vier Tage bedeuten mir persönlich die Welt. Bestimmte Teile seiner selbst kann man vielleicht einfach nur in der Fremde kennenlernen. -s

16 June 2018

D s c h u n g e l Ich setzte meine Augen aufs Okular des Fernglases. Mein Blick fällt auf ein dichtes Blätterdach. Suchend bewege ich den Kopf nach rechts, bis ich ihn erblicke. Den ersten Orang Utan. Einst über ganz Südostasien verbreitet, existieren heute nur noch wenige Populationen auf den Inseln Borneo und Sumatra. Aufgrund der langwierigen Jungtieraufzucht können sich die Tiere nur schwer den durch Menschen veränderten Lebensbedingungen anpassen. Einmal zerstörte Populationen erholen sich kaum. Als Fruchtfresser dienen sie der Artverbreitung, indem sie die Samen der verzehrten Pflanzen ausscheiden. Gekonnt nutzen die bis zu 120kg schweren Primaten ihr Gewicht, um die Äste aufeinander zuzubiegen und sich von Baum zu Baum zu schwingen. Ich nehme die Augen vom Okular, Blicke zu Swantje herüber, die den Moment auf Papier verewigt und fülle glücklich auch mein letztes Lungenbläschen mit Borneos Dschungelluft. -f (sponsored by google)

10 June 2018

m e e r e s m e n s c h e n// zwei Während die Menschen langsam wieder aus dem Sturm erwachen und beginnen den Regen aus ihren Booten zu schaufeln, schleiche ich wieder zurück zum Haus des alten Mannes. Friedi hat schon einen Topf aus der Nische geholt und das Feuer entfacht. Unter seinem neugierigen Blick und der lodernden Flamme rühren wir süßen Milchreis für alle zusammen. Rauch erfüllt die gesamte Küche. Und in meinen vernebelten Gedanken und tränenden Augen muss ich lächeln. Über die Vielfalt der Welt, die mir diese Reise zu zeigen vermag. Menschen, die mit dem Wasser leben, auf Stelzenhäusern, im Klang der Wellen. -s
m e e r e s m e n s c h e n// eins Mitten in der Togean Sea liegen einzeln und verstreut Inseln. Manche scheinen von außen je berührt, andere schenken Gemeinschaften ein kleines zu hause im weiten Meer. Dann sind von der Küste aus Trampelpfade ins Landesinnere erkennbar, ein kleines Hafenbecken ist am Uferrand abgezäunt und man sieht Häuser, die auf dünnen, hölzernen Beinen über dem Meer wacker zu stehen versuchen. Menschen des Meeres - so würde ich ihre Bewohner gern benennen. Leben vom Fischfang und hören zum Einschlafen das Wellenplätschern unter ihren Hütten. Als wir bei einem alten Mann in einem der Dörfer unterkommen, zieht Sturm in der Nacht auf. Fast meinen wir die Pfähle zerbrächen unter dem fragilen Haus und die Wellen verschluckten die gesamte Insel. Doch mein Augenöffnen in der ersten Dämmerung beweist mir das Gegenteil. Aus dem Bett geschlichen und barfuß durch die Hüttensiedlung wandernd zeigt sich mir das Dorf in seinen leuchtendsten Farben. -s

9 June 2018

F r ü h s p o r t Die Sonne blitzt durch die Palmenblätter. Sie wirft tanzende Schatten auf meinen Körper und kitzelt meine Nase. Leise rauscht das Meer und in der Ferne höre ich vertraute Stimmen. Langsam schäle ich mich aus meiner Hängematte und falle Swantje nahezu in die Arme. „Guten Morgen, wollen wir eine Kokosnuss zum Frühstück vom Baum holen?“ ... So oder so ähnlich startet ein morgen auf einer verlassenen Trauminsel. Nach einer erfrischenden Gesichtsdusche im türkis glitzernden Meer und eine kleinen Morgenplausch stehen wir vor einer Kokospalme. Diese soll es heute sein. Gekonnt erklimmt Swantje in ihrem leuchtenden Kleid die Palme und wirft mir eine Kokosnuss direkt in die Arme und durch türkis glitzerndes Wasser schlendern wir wieder zurück. Mit gezielten Machetenschlägen öffne ich die Kokosnuss, während Swantje mit zwei geschnitzten Bambusstrohhalmen zwischen dem Palmen auftaucht. Die Sonne steigt gen Himmel und ein neuer Tag kann beginnen. -f

5 June 2018

M a r k t b e s u c h e Es ist ein dunkler und weitläufiger Schuppen, durch den wir laufen. Ein Schuppen, der zu bestimmten Zeiten des Tages zum Leben erwacht. Der auf einmal vor Farben beginnt zu sprühen, deren Luft sich mit Marktschreien und Verhandlungsgesprächen füllt, durch deren schmale Gänge man sich langsam an den Menschen vorbei zwängt und an jeder zweiten Ecke man vor staunen stehen bleibt. Es scheinen sich nicht viele Touristen hier her zu verirren, so viel verraten einem die Preise, sowie die überraschten und erfreuten Blicke der Menschen. Ich hoffe, dass solche Märkte niemals aussterben werden und mit ihnen der ehrliche und persönliche Umgang mit Lebensmitteln. Mit vollen Tüten um unseren Handgelenken verlassen wir diese kleine Welt. Steigen auf unser Motorrad. Und düsen davon. -f

4 June 2018

e i n g a n z e r s t e r n e n h i m m e l Erstaunlich, dass im Wasser brechendes Licht selbst die Abenddämmerung ins Meer bringt. Der Ozean ist golden-rot. Alle Holzboote sind bereits ans Ufer gefahren. Nur unseres treibt zwischen den Walhaien. Mit geschlossenen Augen gleite ich ins Wasser hinein und mein Herz bleibt für einen kurzen Moment stehen. Walhaie sind Kreaturen von Größe. Sie sprechen vom Alter der Erde. Und von ihrer Schönheit. Die grauen Körper tragen die Bewegung der Wellen in und einen ganzen Sternenhimmel auf sich. Ihre Kiemen wirbeln wie Flügelschläge, das Wasser auf. Und die die spitz zugeschnittenen Flossen auf Rücken und Korso zerschneiden glatt das Nass, durch das sie gleiten. Ich sehe drei dieser einzigartigen Geschöpfe vor mir erscheinen. Drei Riesen schweben senkrecht unter dem Boot. Lebendig. Ich vergesse mich. -s

2 June 2018

S p a z i e r g ä n g e Es war ein spontaner Nachmittagsspaziergang durch die Gassen Grontalos. Die Temperaturen wurden langsam erträglich. In Gespräche vertieft, immer der Nasenspitze folgend, wurde unsere Aufmerksamkeit plötzlich auf eine Gruppe Kinder gelenkt, die fröhlich winkend nach uns riefen. Englische Wortfetzen und indonesische Bruchstücke später, setzten wir, gefolgt von unseren neuen Freunden, den Weg fort, bis wir erneut vor einem Haus stehen blieben. Frauen freuten sich und fragten aufgeregt nach Bildern. Als eine der Damen mit ihrem Kopftuch, dass sie sich zügig für das Foto über schmiss, sowie einem Männergebetsrock zum verdecken der Beine, zurück kam, war das Gelächter groß. Den Mund leicht gespitzt und bereit war sie für das Bild. Es war eine herrliche Situation. Kennt ihr es, wenn der Kiefer vor lachen schmerzt? -f

29 May 2018

d a s m e e r // wie es ist, hier Fähre zu fahren Flores ist nun auf der Landkarte kein weißer Fleck mehr - ein ganzes, dünnes Reisetagebuch trägt nur den Namen dieser Insel. So brechen wir am Morgen des 29. Mais mit Sack und Pack wieder auf. In unseren Wochen in Indonesien haben wir uns fast daran gewöhnt, alle paar Wochen mit einer riesigen Fähre zwischen Inseln hin und herzufahren. So fühlt es sich dieses Mal schon vollkommen natürlich an, eine Bank auf dem Deck zu besetzten und das Kartenspiel rauszuholen. Stunde um Stunde vergeht. Kinder kommen und verschwinden wieder. Die Sonne geht unter und der Mond auf. Wir breiten unsere viel zu dünnen Schlafsäcke auf den Holzbänken aus und ruhen ein paar Stunden bis sich die ersten Passagiere entscheiden, ein wenig Gute-Morgen-Laune-Musik zu hören. Dreißig Stunden pures Reisen können anstrengend sein, aber ich mag den Blick zur Seite aufs Meer und das Gefühl der unbekannten Fremde, sobald Land am Horizont erkennen kann. Sulawesi.

28 May 2018

E r n t e Reisfelder, die wie ein Spinnennetz angelegt sind; dieses von Menschenhänden geschaffene Phänomen wollten wir mit eigenen Augen sehen. Doch Eintritt für einen Aussichtspunkt zu zahlen, sahen wir nicht ein. So brausten wir die Straße weiter entlang, bis wir die Felder erspähten. An einer Gruppe reiserntender Frauen, die uns fröhlich zuwinkten, hielten wir spontan an. Und frag mich einer wie es dazu kamen, doch plötzlich waren wir Teil des Spinnennetzreisfeldes, unsere Füße versanken im weichen Schlamm und begleitet vom glucksen & jauchzen der Frauen übernahmen wir die Reisernte für eine klitzekleine Weile. An der Hand eines kleinen Mädchens wurden wir schließlich zu einem Wasserhahn geführt, um alle Beweise wegzuspülen. Langsam sickerten sie in die Erde. Übrig blieben ein paar Dateien auf der SD-Karte der Kamera und eine leuchtende Erinnerung. Von einem Reisfeld, dessen spektakuläre Form wir nie von oben sahen, doch in deren goldenen Mitte wir standen und glücklich waren. -f

27 May 2018

s o n n t a g e 2 kg Mehl 500g Margarine 6 Tassen warmes Wasser 6 EL Zucker 1 TL Trockenhefe Zu dritt auf einem Moped sitzend, mit Sommerschlappen an den Füßen und wehendem Haar fahren wir die Straße entlang. „You say stop, okay?“ Unmittelbar vor einem kleinen Geschäft, das seine Türen nur für uns öffnete, sagt Petronella das ersehnte „stop“. Eine Vollbremsung später düsen wir mit unseren Einkäufen wieder zurück. Gebannt verfolgen wir Petronellas gekonnte Handgriffe. Alle Zutaten vermengen, 30 Minuten ruhen lassen, kleine Kügelchen formen, in der Holzküche ein Feuer schüren, das Öl erhitzen, ein Loch in die Mitte der Kügelchen drücken und in das heiße Fett werfen. Mit einem dampfenden Kaffee in der einen und einem heißen Doughnut in der anderen Hand, tauschen Swantje und ich ein stummes Grinsen aus, erheben uns und verteilen die kleinen Gebäcke an den schachspielenden Rico & den teleshopping schauenden Flo, während der Regen seine Melodie auf dem Wellblechdach spielt. -f
k l a m m e d e c k e n Durch die breiten Spalte im Holz dringt Licht. Warme goldene Streifen auf unseren taufeuchten Fließdecken. Gestern Abend kamen wir in einer kegelförmigen Bambushütte an, die wie angeklebt an den dunkelgrünen Hügel schien. Eine einzige Matratze lag in der Mitte und Holzbretter waren an den leeren Türrahmen gelehnt. Hier schließt man die Augen, wenn das Abendbrot am Fuße des Hangs unter einer kleinen Glühbirne beendet ist. Öffnen tut man sie in den ersten Sonnenstrahlen. Erhebt man sich dann aus den klammen Decken, klettert die Sonne grade langsam über die Reisfelder gegenüber. Der Nebel ist eingefärbt vom Licht. Nur Vogelstimmen und das Brummen eines Motorrads unterbrechen die Stille. In diesem kleinen Dorf, in dem die Menschen nachts grade mal genug Strom für ihre Lampen haben, findet man Zeit, die Natur wieder zu sehen. Hier betrachte ich ihr Erwachen und es scheint wie das Schönste auf der ganzen Welt. -s

26 May 2018

s c h m a l e h ä n d e Man schließe die Augen und stelle sich eine Situation vor, wie folgt. In jedem Dorf An jeder Landstraße Aus jeder kleinen Farm rennen Kinder. -Buhlee Buhlee- rufen ihre lauten Münder. barfuß sprinten sie vor zum Straßenrand. strecken die Hände aus um abgeklatscht zu werden. Es sind Kinder auf dem Weg zur Schule, aber auch Kinder, die wohl nie die Schule sehen werden. Fast wie kleine Berühmtheiten sitzen wir auf dem dahin rasenden Roller und schlagen ihre warmen, schmalen Hände ab. Man öffnet die Augen wieder. Ist es wahr? Gibt es dieses Land, in dem man Freude auslöst, grade weil man fremd ist? Warum ist es bei uns nicht so. -s

24 May 2018

salzduft// f i s c h e Man nehme Angelsehne, ein Bleigewicht und einen Haken, finde ein Stück Styropor, sowie einen Stock und bastle alles zu einer Konstruktion zusammen. Et voilà: eine Angel. Erwartungsvoll stehe ich im Wasser und werfe sie aus. Der Schwimmer zuckt. Meine Hand umschließt das Holz der Angel fest. Nichts. Der Köder wurde abgefressen. Die Fische bekommen Freude an diesem Spiel. Man könnte es nennen: ‘Mensch ärgere dich nicht’. Langsam sinkt die Sonne tiefer und begibt sich auf den Weg, die andere Seite der Erde zu wecken. Plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen, als es an der Schnur zieht. Meine Augen weiten sich, ich versuche die Kraft am anderen Ende zu bändigen. Wenig später halte ich ihn triumphierend in den Händen: einen silber schillernden Fisch. Das Abendessen ist gerettet. Als Backpacker betraten wir eine namenlose Insel, als wahre Überlebenskünstler verlassen wir PADÈL Island. -f

23 May 2018

salzduft//a f f e n Mein Löffel kratzt auf dem Boden der Plastikdose. Versucht bemüht noch die letzten Haferflocken aus den Ecken zu holen. Es muss schon lustig aussehen wie wir dort alle am Strand in einer Reihe sitzen und Oats mit Banane essen. Nachdem alle Dosen geleert sind, stehen Friedi und Flo auf um sie im Meer auszuwaschen. Ich sitze am Strand und beobachte amüsiert wie sich aus dieser Arbeit eine kleine wilde Wasserschlacht entwickelt, als ich plötzlich von hinten ein Geräusch vernehme. Ein Knacken und Rascheln. Ein Blick über die Schulter reicht und ich springe auf. Dort sind Affen. Überall Affen und sie plündern klammheimlich unser Lager. Mit Steinen und lauten Rufen schaffen wir es sie fürs erste zu verscheuchen. Doch diese Geschöpfe, von denen ich als Kind immer als Kameraden geträumt habe, bleiben diebisch die nächsten zwei Tage in der Nähe unseres Lagers. Nur auf eine Gelegenheit wartet. Aber ich denke aus solchen Momenten werden später Abenteuergeschichten gewebt. -s

22 May 2018

salzduft// p l a n k t o n Es ist Tag. Wellen brechen sich an der weißen Bordwand und feine Wassertropfen klatschen aufs Deck. Das Schiff wankt unkontrolliert. Ich sitze ganz dicht an der Wand und genieße den Duft. Die Salzluft des Abenteuers. Mit diesem winzigen Kahn, der so unermüdlich gegen die Kraft des Meeres ankämpft wiegen wir uns aus dem Hafen Labuan Bajos hinaus. Inselgruppen kesseln die Bucht ein und verstreuen sich in der Ferne. Unser Fischer hält sein Steuer fest in den Händen. An einigen aus dem Meer wachsenden Bergen ziehen wir vorbei auf eine der Inseln zu. - Es ist Nacht. Dunkelheit umfängt uns. Friedi und mich im Wasser wie wir unsere Hände durchs Nass gleiten lassen und Plankton aufleuchtet. Goldene Spuren, die unseren Händen folgen. Wir stehen an einem Strand der keinen Namen trägt. Eigentlich trägt die gesamte Insel keinen Namen. Wir sind hier allein. Vier kleine Seelen für drei Tage mit zwei Wasserkanistern auf unserer eigenen namenlosen Insel. -s

17 May 2018

S q u i d Die Schnur wird hochgezogen und mit einem Zucken, das den kleinen Körper durchfährt, spritzt Tinte über das ganze Deck. Er wird zu den anderen in eine Schale geworfen. Als ich in die Schale blicke, schauen mir riesige, blau funkelnde Augen entgegen. Meine Hände gleiten über die kühle, rutschige Haut, dessen Farbe sich von einem unschuldigen Weiß, über schillerndes Blau, zu einem dunklen Orange entwickelt. Schwarze Punkte pulsieren. Werden groß und wieder klein. Bewegen sich wie glitzernde Wellen über die Oberfläche. Auch wenn langsam das Leben aus ihren Körpern entweicht, kennen die Saugnäpfe noch genau ihre Aufgabe: sie halten sich an allem fest, was sie berührt und geben es so schnell nicht mehr frei. -f
T o u r i s t e n 2 Tage/1 Nacht Bootstour - Abenteuer inclusive! Wir wollen euch berichten. “Manta-Rochen! Springt!” 26 Touristen tuen wie befohlen und begeben sich gemeinsam auf die Jagd. Die Jagd nach dem besten GoPro Video. Einen abgetriebenen Amerikaner und Sonnenbrand später erreichen sie Komodo Island. 26 Touristen marschieren vom Bootssteg zum Eingang des Nationalparkes & zahlen großzügig Eintritt, Fotoerlaubnis, Führer, Nationalpark-Erhaltungsgebühr, sowie Schnorchelerlaubnis für umliegende Gewässer. Die Aufregung um den ersten (vorm Küchengebäude) erspähten Drachen ist groß, Instagram-taugliche Bilder, den Tieren gefährlich nahe, müssen geschossen werden! Nach einer umfangreichen, längentechnisch am schwächsten Glied orientierten Wanderung stapfen sie geschlossen und glücklich zum Boot zurück. Eine Nacht später: schwitzend aber ausdauernd erklimmen sie in der Morgensonne ihr letztes Ziel - Padar Island. 26 individuelle Bilder entstehen. Eines für euch. Eure zwei von 26. -f

16 May 2018

z w i s c h e n i n s e l n Diesiges Licht und starrende Blicke begrüßen uns beim Betreten einer dunklen Halle, deren Fliesenboden beinah’ schwimmt. Der schwere Geruch nach Fisch verschlägt mir den Atem. Während ich durch die Reihen schlendere lasse ich meine Finger über einige glatte, glänzende Schuppen streichen. Es ist als würde ich dieses Land zum ersten mal fühlen. Durch meine Fingerspitzen bis in mein Herz hinein. Die letzten Wochen hetzten wir beinah durch Indonesien. Rasten mit dem Zug über Java. Stoppten für zwei Tage zwangshalber auf Bali. Verbrachten eine kurze Woche auf Lombok zwischen dem Vulkan und unseren Hängematten am Strand. Nahmen dann wieder Bus und Fähre über Sumbawa. Und kamen jetzt endlich auf Flores an - unserem Ziel von Beginn auf. Am ersten Abend hier zu stehen und das reflektierende Licht auf den Rücken der Fische zu sehen, breitet Ruhe in mir aus. Jetzt beginnt die Zeit, Indonesien langsam kennenzulernen. Und bis in meine Fingerspitzen zu fühlen. -s

12 May 2018

b l a u e r p l a n e t Auf diese Weise haben wir noch nie Zeit miteinander verbracht. Umgeben von einer umhüllenden dunkelblauen Stille und goldene Lichtfäden, die auf Friedis Rücken wild auf und ab flattern treiben wir durch die Tiefen des Pazifischen Ozeans. Hier unten lassen sich gemeinsam Wunder entdecken. Weit die Augen aufreißend starren wir in einer Sekunde eine Muräne unter einem Felsen an. Ihr Kiefer öffnet und schließt sich bedrohlich. Gebannt und gleichzeitig zu Tode verängstigt trennen uns nur fünf Meter. Wenige Atemzüge später finden wir Schildkröten. Sie lassen uns neben sich her tauchen, ein paar Meter durchs Meer. So finde ich mich wieder neben einem Panzer größer als mein Oberkörper und gespickt durch zwei dunkle Putzfische. Es ist ein kleiner magischer Moment mitten am Tag. Mit der nächsten Welle werden wir an den Strand getrieben bis nur noch die Brandung unsere Körper umspült. Dort liegen Friedili und ich für wenige Minuten mit einem Stück Ozean im Herzen. -s

5 May 2018

m o s k i t o n e t z e Goldenes Licht ist, was diese Erinnerung für mich ausmacht. Goldene Schatten auf ihren Gesichtern. Goldene Abendsonne erleuchtet die Blätterliane, an der das Moskitonetz hängt. Goldenes Glitzern auf wogenden Wellen unter einem violetten Himmel. An irgendeinem Tag fuhren wir einfach irgendwo hin. Parkten die Mopeds versteckt unter Palmen. Liefen barfuß am Strand entlang. Fanden drei tiefe Bäume und spannten Hängematten. Dann kurz vor Sonnenuntergang kam das goldene Licht. Es war überall und in mir. Das macht diese Erinnerung für mich aus. -s

29 April 2018

Ü b e r k l e i n e V u l k a n e Auf dem Moped sitzend ließen sie sich von der Strömung des Stadtverkehrs hinaus tragen. Hinaus in ländliche Regionen, bis sie die Straße fast für sich allein hatten. Der Wind zerzauste ihr Haar, während sie durch Sonnenflecken fuhren und die Schönheit der Landschaft in sich aufsogen. Kurve rechts. Kurve links. Berg auf. Berg ab. Über kleine Vulkane, die unter einer grünen Decke schlummerten. Plötzlich verwandelte sich das leuchten ihrer Augen in ein Strahlen. Sie konnten es riechen. Das Meer. Und wenig später standen sie davor. Zwischen blauen Fischerbooten und Einheimischen. Sich mit Händen und Füßen verständigend bestellten sie sich den frischesten Fisch, tranken eine Kokosnuss und hielten den Moment mit Pastellkreiden in ihren Skizzenbüchern fest. Im goldenen Licht fuhren sie über die kleinen Vulkane wieder zurück. Man gebe Ihnen ein Motorrad und lasse sie ans Meer fahren. Mehr braucht es nicht, um zwei kleine Seelen glücklich zu machen. -f

21 April 2018

m i l c h t e e Es ist mir immer noch nicht ganz klar, wie wir diesen Platz fanden. Ein kleiner Schuppen mit einem Wellblechdach, durch das weich die warme Morgensonne schien. Eigentlich traten wir nur ein, um ein Versteck zum Frühstücken in einer viel zu staubigen Stadt zu haben. Bis jemand über die Schulter sah. Hinter uns breitete der vermeintliche Teekoch einen riesigen Teigklumpen auf einer Holzplatte aus, bestaubte ihn mit Mehl und begann Ringe auszustechen. Neben uns entflammte man grade die Fritöse. Und vor uns saßen plötzlich drei Nepalesen mit ihren Einkaufsbeuteln. Der Koch begann die Ringe in die Fritöse zu werfen und mit einem Mal war er kein Teekoch mehr. Mit einem Mal war er ein Bäcker, der Schuppen eine kleine Donutfabrik und wir saßen mitten in einer Köstlichkeit. Langsam dippten wir die warmen, fettigen Kringel in den süßen Milchtee und schlürften sie aus. Zufälle wie solche machen Tage besonders, lässt man sich ihre Süße bewusst auf der Zunge zergehen. -s

19 April 2018

c h i t w a n {Tiger} tief in die Augen schauen und langsam rückwärts laufend Abstand nehmen {Rhinozeros} rennen und den nächsten Baum erklimmen {Lippenbär} in der Gruppe sammeln und Lärm machen {Elefant} klettern: er wird den Baum entwurzeln; rennen: er wird dich einholen; sobald wir welche erspähen, ändern wir die Richtung ... am besten bergauf. Mit dieser Einführung setzten wir Fuß in die Tiefen des Chitwan Nationalparks und begaben uns als kleine Entdecker mit unserem indischen Freund auf eine Safari Tour. Die Sonne brannte. Geschmückt mit Schweißperlen liefen wir durch mannshohes Gras & Dschungel. schnupperten an aromatisch riechenden Pflanzen. standen Aug in Aug mit einem Rhinozeros. erspähten Rehe im Unterholz. rochen die Anwesenheit des Tigers & lasen seine hinterlassenen Spuren im Sand. Ein kleines Holzboot endete unsere Entdeckungsreise und brachte uns über den Krokodilfluss zurück in die Zivilisation. -f

9 April 2018

p o s t k a r t e n s a m m l u n g jinuh danda - g e t r e i d e f e l d Eine Pause dieses Tages liegt mitten in einem Feld, auf dem der Wind mir erfrischend um die Nase weht und sich das Getreide golden im aufkommenden Gewitter wiegt. Feldarbeiter blicken auf und grüßen uns während wir die kleine Steintreppe bergab springen. So erhaben wie hier stand mir noch keine Bergkette gegenüber. So tief wie hier lag noch keine Schlucht vor mir. Ich habe das Gefühl, ich könne jede Sekunde fallen. Und gleichzeitig fliegen. -s

8 April 2018

p o s t k a r t e n s a m m l u n g tadapani - d i e w o l k e n Thirza stapft mit ihren Stöcken vorne weg. Ein halb-lautes Klack Klack auf dem Stein. Wir quälen uns hinter der Gruppe her, die riesigen Stufen hinauf. Der Wald wird immer nebliger. Die gesamte Vegetation verschwindet und nur noch leere Äste recken sich wie nackte Finger in die Höhe. Schwach leuchten vereinzelt Rhododendrenblumen durch. Ich beobachte die Blätter um mich herum. Sie sind dicker, fast wie mit einem Pelz überzogen und allesamt nach unten gedreht. Hier entlangzulaufen fühle ich mich, als wäre ich ein kleiner Humboldt. Entdeckte das Gesamtbild der Flora und Fauna beim Leben. Und plötzlich lichtet sich der Wald vollkommen und wir stehen auf dem Kamm. In den Wolken. Tatsächlich am Achten April Zweitausendundachtzehn laufe ich durch Wolken. -s

7 April 2018

p o s t k a r t e n s a m m l u n g poon hill - d e r h ü g e l Ein Hügel auf 3000 Meter Höhe und die weichsten Wolken, die ich je gefühlt habe. Sie tragen die Berge in sich, wie Wellen riesige Frachter. Staunend stehen wir auf einem weißen, rostigen Turm mittig des Berges. Versuchen all die Farben dieses majestätischen Berges in uns aufzunehmen. Im Sonnenuntergang legen sich die Wogen und nur noch der goldene Ton wird von den kantigen Seiten reflektiert. Es scheint als hätte ich noch nie so ein schönes Schauspiel der Natur gesehen. -s

6 April 2018

p o s t k a r t e n s a m m l u n g ghorepani - d a s m ä r c h e n Der Dunst zieht über die Blätterspitzen in den Weg hinein und lässt alles magisch erscheinen. Mit einem Mal verstummen Vögel. Ich höre nur noch die Schritte meiner Wanderschuhe. Nebelschwaden ringen sich um die krummen Bäume vor mir. Fast bedächtig von der Ruhe, die die Natur in dieser Stunde ausstrahlt laufen wir weiter bis in einen Ort, in dem alle Häuser blau sind, die Scheiben so beschlagen, dass man den Nieselregen draußen nicht mehr erkennen kann und mir ein heißer Milchtee die Kehle hinunter rinnt. Mit dem runden Ofen in der Mitte des Raumes, an den sich alle Hände recken, scheint der magische Moment nicht aufzuhören. -s
p o s t k a r t e n s a m m l u n g ullerie - d e r w a l d Mit einem Mal steht sie vor mir und blickt mich schräg an. Durch den Sucher meines Objektivs leuchten ihre dunklen Augen neugierig. Ich setzte die Kamera ab und halte ihr eine Hand hin. Sie blickt zu mir auf durch ihre Augen des Waldes. Der Rucksack rutscht von meiner Schulter auf den nassen Boden. Wir müssen ohnehin warten. Rico fotografiert noch eine Quelle. Wenige Minuten später renne ich mit dem kleinen Mädchen den Weg entlang, die Treppen hinunter, die Brücke, hinterm Stein, wieder hoch. Ich höre ihr Lachen und sehe den weißen Pullover hinter einem moosbewachsenem Stein verschwinden. Mein Herz schlägt schnell in der Brust. Tief atme ich den modrigen Geruch des Waldes ein und renne wieder hoch zu meinem Rucksack. Dicht gefolgt von ihr. -s

4 April 2018

p o s t k a r t e n s a m m l u n g naja pul - d i e k e k s e „Vorsicht Speed Bumper“ Wir prusten los. Flo, Friedi und ich nachts mitten auf der Straße auf Keks-Einkaufstour. Nach unserer fachkundlichen Keksverkostung haben wir uns dazu entschieden weitere 6 Packungen von der einen Sorte zu kaufen...für die anstehende Wanderung. Heute Nachmittag kamen wir in diesem kleinen Ort an. Regen lag auf der Straße und auf dem Weg hinüber zum Wasserfall und der Hängebrücke, die wir noch vor dem Abendbrot entdeckten. Der Abend bettete sich in ein tropisches Nasskalt und unserem Lachen über Regenverkleidung, sommerliche Ketten und eben Kekse. In dem Moment stolpere ich über den nächsten Speed Bumper und höre Flo und Friedi laut rufen hinter mir. „Swantje pass auf, dass du nicht zu schnell läufst!“ -s

3 April 2018

i m r e g e n Über unseren Köpfen grollt der Donner und Friedi und ich beschleunigen unsere Schritte. In Sommerlatschen eilen wir durch eine immer dunkler werdende Straße zur Genehmigungsstelle Pokharas. Unsere Schuhe schlittern fast über den glatten Mamorfußboden als wir die Halle betreten. Rico und Flo füllen schon große, weiße Bögen aus. Sie werfen einen Blick über die Schulter „Die Trekking-gebühr kostet 2000 Rupien pro Person“. Wir knien uns neben sie und notieren unsere Namen auf den Blättern.Hiermit unterschreiben wir eine Woche wandern gehen im Himalaya, mit vier leichten Rucksäcken und ihnen. Grinsend setzte ich mein Kürzel. Was könnte besseres passieren als mit seinem Freund und zwei Personen, die uns näherstehen als unser Herz, jeden Tag wie eine leere Seite zu entdecken. Als wir aus dem Gebäude heraustreten beginnt es zu regnen. Vier Paar Latschen platschen in warme Pfützen. Morgen stecken diese Füße in Wanderschuhen und betreten das größte Gebirge der Welt. Gemeinsam. -s

30 March 2018

w a n d e r u n g [T a g 3] Bereits am frühen Morgen starteten wir die letzte Etappe. 18km. Auf schmalen Pfaden nahe des Abgrundes, beobachten wir die stille Schönheit der mit Reisterrassen gespickten Berge und Täler. Vorbei an Affenbäumen, Wasserfällen und durch nepalesische Dörfer. Die letzten Kilometer zogen sich in die Länge wie Kaugummi... doch als wir am Abend schließlich mit Wunden Hüftknochen, zittrigen Beinen und schmerzenden Schultern ankamen, fielen wir erschöpft, aber stolz in unsere Bettchen. -f

29 March 2018

w a n d e r u n g [T a g 2] Der Ausblick am nächsten morgen ließ uns all die Qualen vergessen. Die Nacht legte uns die wunderschöne Sicht auf die in der Ferne gelegenen, schneebedeckten Berggipfel frei. Hochmotiviert und im Bewusstsein, dass die heutige Etappe nur 3km umfasst, stiefelten wir los. Dass wir an diesem Abend in einem Loch neben Ziegen, einzig getrennt durch einen Vorhang, schlafen werden, hätten wir zu diesem Zeitpunkt wohl nicht erahnt. -f

28 March 2018

w a n d e r u n g [T a g 1] Wir sagten den Mönchen adé und begaben uns auf eine vierstündige Wanderung in die Tiefen des Shivapuri Nagarjun Nationalparks. Vier Stunden sollten uns bevorstehen. Nach 7 Stunden, einer konstanten Steigung von 30%, 58392 in höhe&form variierenden Stufen & einigen Pausen kamen wir erschöpft und mit einer leichten salzkruste im Gesicht an unserem Tagesziel ‚Chisapani‘ an. Ein Ort, der vom Erdbeben zerstört wurde und dessen einziges Lebzeichen drei Hostels sind. -f

27 March 2018

b e r g a u f An irgendeinem Punkt denkt man es geht nicht mehr höher. Der Wald lichtet sich und nur noch Berge scheinen einen zu umgeben. Gewaltige Gestalten bedeckt mit Feldern und verschlungenen Straßen zwischen Bäumen. Diese ewige Steintreppe vor einem. An irgendeinem Punkt denkt man auch, die Beine trügen einen nicht weiter. Vor allem an den Hüftknochen und den Schlüsselbeinen beginnen die schwarzen Gurte zu scheuern. Aber dann setzt man sich. Mitten auf die Steintreppe und lauscht. Dem Wind, der Stille, den Bergketten, auch ein wenig Donnerrollen, von woher wir kommen und man holt tief Luft, steht auf und tut das, von dem man nie gedacht hätte in der Lage zu sein. Man geht weiter bergauf. -s

22 March 2018

l e u c h t e n d e s g r ü n Ich schätze das ist, wovon ich geträumt habe. Pflanzen streifen meine Knöchel, eine riesige rote Blume steckt in meinem Rucksackgurt und Rufe dringen durch den Wald. Nepalesische. Ein Singsang aus tiefen vollen Tönen. Die Kinder rennen voraus. Gestern sind Friedi und ich in der Klosterschule angekommen. Gelegen direkt am Rande eines Nationalparks. Wie angeklebt an den Berg. Wir essen mit den Mönchskindern Reis zum Frühstück, Mittag und Abendbrot, lauschen ihren Gebeten im Rauch und erzählen von den Weltkriegen in Europa und manchmal auch nur Märchen. Heute morgen fiel ihr Zeichenunterricht -Mandalas- aus und sie rannten mit uns zum Wasserfall. Durch den Jungle. Die Berge hinauf. Friedi, fünf Mönche, eine handvoll roter Blumen und ich. In einem leuchtenden Grün. Regenwälder entdeckt man mit Kindern. -s

20 March 2018

D i e M ö n c h e 6uhr: aufstehen 6.30uhr: beten 8uhr: frühstücken 9uhr: zeichnen 12uhr: mittagessen 13uhr: unterricht 16uhr: hausaufgaben/freizeit 18.30uhr: beten 19.30uhr: abendessen Für eine Woche durften wir in einer Mönchsschule Einblicke in das Leben von 30 charmanten und wohl erzogenen Mönchen sammeln. Wir haben unterrichtet, sind in spielen aus unserer Kindheit aufgegangen, haben uns kulinarisch&sprachlich weitergebildet, den Bach zur Dusche gemacht, Kleidung wie vor 100 Jahren gewaschen, ein Gemälde an die Wand gezaubert, hatten einen Zusammenstoß mit der Army, starteten den Tag mit scharfer Nudelsuppe, wurden auf Entdeckungstouren durch den Nationalpark und zu versteckten Wasserfällen mitgenommen und haben mit all unserem Schauspiel- und Erzähltalent die Märchen der Gebrüder Grimm verkörpert. -f

19 March 2018

l e b e n Wir betraten den Busparkplatz und ein Gefühl von Abenteuer durchströmte meine Adern. Dutzende von Bussen und die wenigsten der Fahrer sprachen auch nur ansatzweise Englisch. -Sundarijal Sundarijal- mit großen fragenden Augen warfen wir ihnen diesen Ort im Vorbeigehen zu. Finger zeigten entlang der Kette von Bussen -weiter, immer weiter- Tatsächlich fanden wir den Bus. Glaubten einfach dem Fahrer. Mit zwischen den Sitzen geklemmten Rucksack und offener Tür tuckelte er durch die Schlaglöcher los. Durchs Chaos von Kathmandu. Ich habe mich noch nie so sprachlos gefühlt. Konnte nicht aufhören zu lachen in diesem vollen Gefühl von Leben. Ein Mann mit dunklerer Haut als Kaffee und einem weißen Gewandt, ein Schulmädchen, auf Friedis Schoß saß mit einem Mal ein kleiner Junge. Immer diese offene Tür und Menschen, die während der Fahrt zustiegen. Leben und Lachen und Staub. -s

18 March 2018

e i n d a c h Ich blicke zu Friedi und muss schmunzeln. Es sieht aus als würde sie darüber nachdenken, wann man frühstmöglich ein Flugzeug zurück bekommen könnte. Um unser Taxi herum tobt das pure Chaos. Es hupt und bellt. Staub wirbelt auf von der Straße. Schulbusse mit aus den Fenstern hängenden Kindern überholen Motorräder mit Glasscheiben. Chaos hinter den Autoscheiben. Wir steigen schließlich doch aus. Irren mit riesigen Rucksäcken durch überfüllte Straßen. Und atmen durch. Hinter einem kleinen, rostigen Tor liegt unser Hostel. Ein hohes, gelbes Haus. Treppenstufen durch einen dunklen Flur. Und wir kommen an. Auf dem Dach. Sind umgeben von majestätischen Bergen, dem Lachen eines nepalesischen Mädchens und goldenem Abendlicht. Und schließlich. Von oben scheint Kathmandu gar nicht mehr so angsteinflößend. -s
D i e e r s t e B e g e g n u n g Jaja, ich weiß. Es wird anders. Verrückt. Tja ... trotz mentaler Vorbereitung, auf das was mich erwarten wird, habe ich erfahren dürfen, was ein Kulturschock ist. Ein einziges Chaos auf den Straßen. Die Hupe als Allzweckmittel. Dreck. Müll. Armut. Menschenmengen. Unerwartetes angesprochen-werden. Verhandlungen um Preise. Stromkabelkabelsalat. Im Hauseingang geschlachtete Ziegen. Doch wenn man sich darauf einlässt, findet man hinter jeder Ecke Schönheit. Kunterbunte Wochenmärkte. Flatternde Gebetsflaggen. Goldene Tempel. Liebevolle Opfergaben. Räucherstäbchengeruch. Menschen mit Geschichten im Gesicht. Freundliche Namastes. Sonnenuntergänge in den Bergen. -f